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21.07.2017 - 15:45

Nova Rock: Ein Limbo Dance mit dem Knight Rider

15.06.2014, 03:49
Trash-Fest am Nova Rock – zu angestammten Metal- und Rockgrößen wie Iron Maiden, Anthrax oder Mando Diao gesellten sich am zweiten Tag auch Disco-Altstar Haddaway und 90er-Trash-Ikone David Hasselhoff. Ob das nun die endgültige Eventifizierung des größten Festivals Österreichs war, kann noch länger diskutiert werden – Spaß und gute Stimmung war jedenfalls im Übermaß vorhanden.

Jubel schon kurz nach dem Einlass aufs Festivalgelände – auf dem Weg zur Blue Stage konnten sich die Nova- Rock- Besucher mit dem legendären K.I.T.T., der schwarze Pontiac aus der Erfolgsserie "Knight Rider", ablichten lassen. Ein erster Vorbote zum für viele größten Highlight der zehnten Jubiläumsausgabe des Nova Rock – dem Auftritt von TV- Legende David Hasselhoff. Dabei gelingt es den Veranstaltern an diesem Samstag sogar, eine "Trash- Klammer" über die Hauptbühne zu ziehen, denn als erster Act lädt 90er- Jahre Disco- Legende Haddaway zum spätmorgendlichen Beineausschütteln.

Disco trifft Metal

Dieser allerdings nur als Special Guest der deutschen Metal- Riege Emergency Gate, die bereits mittags mächtig Feuer am wolkenverhangenen Gelände entfachen. Besonders die optische Komponente sorgt für Aufmerksamkeit – Sänger Matthias Kupka zeigt sich ganz in Weiß, während seine restlichen Mitstreiter im Genre- typischen Schwarz agieren. Songs wie "Moshpit" zeigen auch die veränderte Ausrichtung des Sextetts – statt Power Metal gibt es melodischen Death Metal mit Metalcore- Ansätzen. Haddaway kommt dann mit AC/DC- Shirt auf die Bühne, covert den All- Time- Klassiker "T.N.T." und seinen Disco- Schmeißer "What Is Love" im Stromgitarren- Gewand. Das sorgt zu Recht für Jubel.

Im Gegensatz zum Eröffnungstag zeigt sich das Wetter gnädig. Meist bewölkt mit viel Wind und kurzen Regenschauern gibt es eine willkommene Abkühlung für die anwesende Fan- Riege – beim opernhaften Gesang von Epica öffnet der Himmel kurzzeitig seine Schleusen. Diese schließen sich aber rechtzeitig zum okkulten Auftritt der schwedischen Satans- Rocker von Ghost. Die fünf völlig vermummten, namenlosen Ghouls und der mit diabolischer Papst- Fratze ausgestattete Papa Eremitus zählen schon länger zu den absoluten Geheimtipps im Rock- /Heavy- Metal- Sektor. Da verwundert es auch nicht, dass sich so manch selbst gebastelte "Papa- Maske" im Publikum tummelt.

Hohepriester des Teufels

Die beschwörenden Botschaften, das klerikale Bühnengehabe und die großteils auf Latein vorgetragenen Songs vermögen sogar in der aufkommenden Nachmittagssonne für eine mystische Atmosphäre zu sorgen. Dazu servieren die morbiden Skandinavier Classic- Rock- Riffs und pulsierende Drum- Gewitter. Ghost sind und bleiben die populärsten Hohepriester teuflischer Botschaften. Das in den Bann gezogene Publikum goutiert das mit tosendem Applaus.

Während sich auf den beiden Bühnen Künstler wie Trivium, Samy Deluxe oder Awolnation um die Gunst der Anwesenden bemühen, erfreuen sich die neuesten Gimmicks des Nova Rocks hoher Beliebtheit. Vor allem die neu gegründete Genussarena sorgt für regen Zulauf. Krautfleckerl oder Spanferkel- Semmel als regionale Alternative zu den fettigen Einheitsspeisen wurden schon lange gefordert. Stets vor Ort ist Puls- 4-Koch Oliver Hoffinger – selbst großer Rock- Fan. Etwas stiefmütterlich wird die Freiluftdusche "Ottabrause" behandelt, was angesichts von Temperaturen um rund 20 Grad auch nicht weiter verwundert.

Optische Zusatzausschmückung

Für so manches Staunen sorgt dafür der neu installierte "Highway To Hell", der zwischen den beiden Bühnen installiert wurde. Rauch- , Feuer- und Lichteffekte fördern das "Rockstar- Erlebnis" der Besucher. Das größte Problem des Nova Rock, die lange Gehzeit zwischen der Blue und Red Stage, wird dadurch aber auch nicht verkürzt. Eine nette optische Zusatzausschmückung neben all den Ess- , Merchandise- und Jahrmarktständen ist die höllische Route dennoch.

Frisch gestärkt geht es in der mittlerweile hoch stehenden Sonne zurück zur Hauptbühne, wo die US- amerikanischen Thrash- Metal- Veteranen Anthrax eine explosive Vorstellung zum Besten geben. "Caught In A Mosh" und "Madhouse" zum Einstieg sorgen bereits für die ersten Moshpits, zudem ist der Umkreis vor der Bühne fast gleich gut gefüllt wie am Vortag beim Headliner The Prodigy. Bei Anthrax blieb in den letzten Jahren wieder kein Stein auf dem anderen, doch der langmähninge Sänger Joey Belladonna, Bassist Frank Bello und Ur- Mitglied Scott Ian wirbeln wie Derwische über die opulente Bühne und animieren auch das Publikum zu besonders euphorischer Stimmung.

Langweiliges Cover

Zudem knallt der Sound bei Songs wie "Got The Time", "Fight 'Em 'Til You Can't" und "Antisocial" glasklar aus den Boxen. Nur das langweilige Cover zu AC/DCs "T.N.T." (schon die zweite Version an diesem Tag) wäre verzichtbar gewesen – auch wenn Ian zum x- ten Male bekräftigte, dass die Australier seine ewige Lieblingsband seien.

Ganz andere Saiten ziehen die Schweden Amon Amarth auf. Obwohl Johan Hegg, Olavi Mikkonen und Co. mittlerweile schon fast an jeder österreichischen Wirtshaustür gespielt haben, scheint noch immer eine große Nachfrage nach dem skandinavischen Melodic Death Metal zu herrschen. Das große Drachenschiff hat das Quintett dieses Mal zu Hause gelassen, doch Runensteine und heroische Wikinger- Banner und –Plakate unterstützen die heidnischen Botschaften, die der bärtige Sänger Hegg in "Deceiver Of The Gods", "Death In Fire" und "Guardians Of Asgaard" über das Gelände brüllt.

Auf die alten und schnelleren Klassiker wird mit Ausnahme von "Victorious March" verzichtet, doch das Zielpublikum ist ohnehin erst in den letzten Jahren mit der Band mitgewachsen. Und solange der Jubel noch so tosend wie hier aufbrandet, kann man den Wikingern die inflationären Besuche in Österreich nicht übel nehmen.

Wahre Metal- Legenden

Ob jetzt die britischen Heavy- Metal- Legenden Iron Maiden, oder doch "The Hoff" das Highlight des zweiten Nova- Rock- Tages darstellen würden, darüber wurde – mit viel Augenzwinkern – gerne diskutiert. Maiden jedenfalls fahren mit ihrer "England 2014"- Tour letztmals durch die Lande und spielen auch seltenere Songs wie "Revelations" oder "The Prisoner". In der knapp zweistündigen Show präsentieren Bruce Dickinson und Co. nicht nur Kondition und Spielfreude, sondern auch eine knallbunte Melange aus legendären Hits der 80er- Jahre.

"Moonchild", "Wasted Years", "The Trooper" oder "Run To The Hills" schlängeln sich unvergleichlich eingängig durch die Gehörgänge und werden aus Tausenden begeisterten Kehlen mitgegrölt. Die Live- Atmosphäre der eisernen Jungfrauen aus England sucht auch nach mehr als drei Karrieredekaden ihresgleichen, auch wenn der Beginn an diesem Abend etwas behäbig war und Dickinsons Stimme erst mit der Zeit zur vollen Qualität reifte.

Gänsehautfördernde Twin- Gitarren- Duelle, Feuerfontänen, Funkensprühregen und übergroße Figuren des Bandmaskottchens Eddie peppen die Veranstaltung auf mehreren Ebenen auf. "Aces High" und "Sanctuary" besingt Dickinson zum Abschluss im weißen Anzug, auch wenn er schon während des Konzertes klarmachte, dass er es eilig hat. "Ihr könnt dann alle in eure Zelte gehen und zusehen, wie England Italien besiegt." König Fußball regiert halt auch im Heavy Metal, seine Grenzen werden ihm aber von "The Hoff" aufgezeigt.

Österreich- Phänomen Hasselhoff

In keinem Land der Welt hat die Knight- Rider- und Baywatch- TV- Legende David Hasselhoff eine derart große Fanbase wie in Österreich. Nachdem sich schon vor Langem eine Facebook- Gruppe gründete, die den Hoff am Nova Rock forderte, erfüllten die Veranstalter zum zehnjährigen Festival- Geburtstag alle Wünsche. Mit halbstündiger Verspätung betritt er Punkt Mitternacht die Bühne, lässt seinen gut einstündigen Auftritt von vier Damen in Engels- oder Badekostümen veredeln und bringt von der Bühne genau diese kräftige Dosis Selbstironie rüber, für die ihn seine zahlreichen Fans so lieben.

Seine anfängliche Angst vor einem Fiasko ist unbegründet, die gute Stimmung nach dem Iron- Maiden- Gig saugt die Kultfigur auf wie ein Schwamm, auch wenn in zehn Jahren Nova Rock wahrscheinlich niemand jemals so schief sang, wie Hasselhoff, nachdem er die Bühne betritt. Als die Nervosität gebannt ist, steigt das Selbstvertrauen. Ersten Bühnengeschossen aus dem Publikum kontert er lässig mit "Don't hassle the Hoff", ehe er seine Entstehungsgeschichte mit platten Witzen füllt.

Dabei bleibt genug Zeit für Erinnerungen ("Mein erstes Konzert spielte ich in Wiener Neustadt"), stolze Momente ("Das ist mein zweitgrößtes Konzert überhaupt") und kleinere Peinlichkeiten, als er es sich etwa nicht nehmen lässt, seine Tochter Taylor auf die Bühne zu bitten. Mit "Hooked On A Feeling", "Is Everybody Happy?" und den Top- Klassikern "Looking For Freedom" und "Crazy For You" zieht er zudem seine größten Hits aus dem Köcher. Dazwischen wagt er sich an den "Limbo Dance" und scherzt, dass man – im Falle von "Everybody Sunshine" – schon mal einen Text vergessen kann, wenn man das Lied zehn Jahre nicht gesungen hat. Macht aber nix, denn Hasselhoff brachte Schwung und Originalität in das eher mäßig besuchte Festival. Der nächste Schritt der Eventifizierung des Rockfestivals ist geschafft.

15.06.2014, 03:49
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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