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04.12.2016 - 19:49
Foto: Universal Music

Nazar: "Mauern hochziehen ist keine Lösung"

21.05.2016, 17:00

Der österreichische Rapper Nazar hat sich noch nie ein Blatt vor den Mund genommen und artikuliert sich als einer der wenigen heimischen Musiker offen und klar zu pikanten Themenbereichen in der Politik. So drehte sich auch das Gespräch mit der "Krone" mehr um Gegenwart und Zukunft des Landes, den Bundespräsidentschaftswahlkampf und die Veränderungen in der Gesellschaft, als um sein neues Album "Irreversibel", mit dem er die Charts in Angriff nimmt.

"Krone": Nazar, bei unserem letzten Gespräch hast du gesagt, du würdest dich nach einem Haus in Baden umsehen. Hat das geklappt und wenn ja, bist du jetzt froh darüber angesichts der letzten Wahlstatistik in deinem Heimatbezirk Favoriten?
Nazar: (lacht) Ich bin jetzt eher auf Wohnungssuche. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum ich aus dem Zehnten raus will. Das liegt nicht nur am Wahlergebnis, sondern auch an der Stimmung, die dort herrscht. Die Politik ändert sich nicht, die Menschen ändern sich nicht und daher wird sich auch bei der Stimmung wenig tun.

"Krone": Was ist deine Erklärung für den hohen Stimmenzuwachs, den die FPÖ seit Jahren hat?
Nazar: Bei all den Dingen, die derzeit in Österreich passieren, fällt es ihnen nicht schwer, Stimmen zu lukrieren. Sie brauchen nicht viel Geld für Werbung ausgeben - das machen leider viele andere für sie und sie haben auch viele Medien, die auf Leser und Klicks angewiesen sind und damit Profit schlagen. Ich kenne das aus der Hip- Hop- Welt - dort geht es nicht um Flüchtlinge, Asylanten und Vergewaltigungen, sondern um Rapper, die sich gegenseitig beleidigen. Auch dort sind das die meistgeklickten und meistgelesenen Beiträge. Für mich als Musiker, der in der Öffentlichkeit steht ist das natürlich verständlich, es schmälert aber nicht die Tatsache, dass ich ein absoluter Gegner davon bin, weil ich mir mehr Gedanken mache. Es geht nicht immer nur um Auflagen und Zahlen, denn es hat alles Auswirkungen. Das sieht kein Redakteur im Büro und kein Politiker in seiner bewachten Wohnung - das sieht das Volk, der Mensch da draußen und der wird sich selbst überlassen. Ironischerweise wissen wir alle was passiert, wenn man zu viel Hetze betreibt, aber ändern tut sich trotzdem nichts.

"Krone": Wien oder Graz waren Städte, wo gesamt gesehen die Grünen gewannen, sonst fast überall die FPÖ, die Regierungsparteien so gut wie nirgends. Ist das Ergebnis in den Städten ein Beweis dafür, dass das Miteinander funktioniert, wenn verschiedene Kulturen einfach zusammenleben?
Nazar: Das ist von Bezirk zu Bezirk verschieden. Deshalb verbringe ich die meiste Zeit im 6. oder 7. Bezirk, weil die Stimmung dort ganz anders ist. Alles ist bunt gemischt, es gibt kaum Vorurteile und Privatsachen wie Religion werden nicht immer angesprochen. Man muss aber auch verstehen, dass in Arbeiterbezirken wie Favoriten oder Simmering die Menschen sich lange selbst überlassen wurden mit ihren Ängsten. Die Österreicher als auch die Ausländer und dann bekommen alle Hass, Angst und Panik und die Zeitungen bestärken das. Ich sehe Wien deshalb nicht als grüne Stadt. An der Statistik der Wähler erkennt man auch, dass in gewissen Bezirken mehr Leute eine höhere Schulbildung genossen haben. Es gibt das Sprichwort "was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht". Wenn jemand vielleicht Österreich oder noch nicht einmal Wien jemals verlassen hat, das für den Mittelpunkt der Welt hält und auch noch diversen Plattformen folgt, dann ist es klar, dass eine Voreingenommenheit herrscht. Weltoffenere Leute, die viel herumkommen und mehr als zwei Facebook- Seiten lesen, die sind auch offenere Geister. Man müsste einfach viel mehr Geld in die Bildung stecken, um den Menschen Angst zu nehmen. Sich zuhause einzusperren und die Mauern hochzuziehen kann keine Lösung sein.

"Krone": Vor einigen Tagen trat Werner Faymann zurück und die Regierungsparteien wursteln offensichtlich seit Jahren dahin. Ist speziell die SPÖ deiner Meinung nach noch zu retten?
Nazar: Die ist schon länger nicht mehr zu retten, weil da so einiges schiefläuft. Ihr Kardinalsfehler war, dass sie viel zu lange alteingesessene Beamte um sich scharte, die realitätsfern waren. Das ist wie in der Musikbranche mit Majorlabel, die lange auf einem hohen Ross saßen, bis sich Künstler im Internet selbst vermarkten konnten. Sie brauchten Jahre um zu realisieren, dass sie sich ändern müssen und ähnlich ist es mit der SPÖ. Ich bin und war kein Freund vom Faymann und bin froh, dass er den Entschluss traf. Einfach deshalb, damit man den anderen Parteien den Wind aus den Segeln nehmen kann. Wir sollten weniger auf einzelne Politiker hinhacken, sondern mehr darauf schauen, dass wir in Österreich Probleme zu bewältigen haben, die zu solchen Wahlergebnissen, Kündigungen und Rücktritten führen. Ich packe die ganzen Politexperten auch nicht, die nach den TV- Konfrontationen analysieren. Sie erklären dem Zuseher sogar noch, dass sowieso alles inszeniert ist. Was soll das? Das sind alles keine Lösungen für uns. Einem Ur- Favoritner, der seit drei Generationen in dem Bezirk lebt, nimmst du nicht die Angst, wenn du im Fernsehen mit Anzug vom Mauernhochziehen redest. Das löst keine Probleme und keiner macht sich Gedanken, warum kein Politiker aktiv wird und wirklich was tut. Es sind von der FPÖ schon einige in der Politik, die was machen könnten, tun aber auch nichts. Ich glaube sowieso, dass Strache der nächste Kanzler wird und ich bin gespannt, was dann passiert. Gebt ihm die Möglichkeit, er soll es machen.

"Krone": Er musste auch nicht viel für seine derzeitige Popularität tun, da die Regierungsparteien sich ja selbst k.o. boxten.
Nazar: Unter anderem auch, das ist genau der Punkt. Die Nicht- Strache- Sympathisanten zeigen auch immer nur mit dem Finger auf ihn und schreien "Nazi". Aber keiner sagt, dass auch der Rest fast nur Mist gebaut hat und dass das dazu geführt hat, dass dieser Unmut dadurch gekommen ist. Ich verstehe nicht, dass es bei uns aber so dargestellt wird, als ob das Land in den Abgrund driftet. Wo leben diese Menschen? Wie kommt man auf so etwas? Man kann immer Dinge verbessern und wenn jemand Angst hat, dass etwas schlechter wird, kann ich das verstehen. Aber ist es wirklich die Lösung zu sagen: Wände hoch, Waffen raus, mehr Militär, mehr Polizei? Das ist schon sehr leichtgläubig und nicht gut.

"Krone": Promis wie der Rapper Chakuza oder Schauspieler Elyas M'Barek haben nach dem ersten Bundespräsidentschaftswahldurchgang ihren Unmut dahingehend geäußert, dass sie ihre Staatsbürgerschaft zurücklegen wollen. Sollte man das Ergebnis in einer Demokratie nicht aushalten und zur Kenntnis nehmen?
Nazar: Sie haben sicher aus der Emotion heraus gepostet, aber ich bin auch kein Freund von solchen Aussagen. Wie könnte ich auch dazu stehen? Ich bin ein Österreicher mit Migrationshintergrund und wurde immer dafür angefeindet, dass ich Österreich als meine Heimat sehe. Die meisten verstehen nicht, dass es mir nicht um eine Partei oder einzelne Personen geht, sondern darum, dass alles, was in unserem Land schon brodelt, nicht explodiert. Wir müssen miteinander reden und Lösungen finden - alles andere macht alles noch schlimmer. Am Ende heißt es dann wieder: "Ich habe damit aber nichts zu tun gehabt". Dann ist es aber meist zu spät.

"Krone": Durch die sozialen Medien scheint es ohnehin nur mehr extreme Positionen zu geben - rechts wie links. Nimmt das bei uns so stark Überhand, dass die politische Mitte, die man für Argumentationskultur braucht, verschwindet?
Nazar: Jemand der aussieht wie ich, wird auf der Straße oft mit Feindlichkeit konfrontiert. Das Internet an sich ist ein Spiegelbild der Gesellschaft und das Beste, was uns passieren konnte, weil es unmittelbar zeigt, wie Menschen gerade denken. Früher war es anonymer, heute schreiben schon alle mit ihren echten Profilen. Die brutale Stimmung wurde dann auf Wahlplakaten und Coverstorys von Tageszeitungen und Magazinen verstärkt. Man denkt oft, man müsse in Österreich mit einer Bazooka auf die Straße gehen und jede Frau bräuchte 13 Maschinengewehre, damit sie nicht mehr angegriffen wird. Das fließt dann leider in das alltägliche Leben ein, weil man immer damit konfrontiert ist. Gewalt kann nie die Lösung sein, man kann sie mit nichts rechtfertigen. Natürlich auch nicht den Geisteskranken, der am Brunnenmarkt diese arme Frau getötet hat. Ich weiß nicht, wohin das alles führt, das ist ja das Schlimme.

"Krone": Auf deinem neuen Album "Irreversibel" hast du - wie im Rap- Genre üblich - natürlich eine sehr deftige Sprache. Förderst du damit einen Teil der Aggression?
Nazar: So etwas zu behaupten ist immer sehr einfach. Da müsste man auch jeden Kriegs- oder Rambo- Film in Frage stellen. Eine Kunst kann man sich am Ende immer so drehen, wie man es möchte.

"Krone": Muss Kunst immer so aggressiv sein?
Nazar: Muss sie auf keinen Fall. Ich war aber sehr wütend, als ich das Album schrieb und viele Menschen haben mich in diese Richtung gedreht.

"Krone": Im Vergleich zu deinem Vorgänger "Camouflage" ist "Irreversibel" tatsächlich wesentlich aggressiver und angriffiger. Heuer wirst du 32 - mit dem Alter wird man also nicht immer ruhiger?
Nazar: (lacht) Ich kann nur Musik mit einer Emotion schreiben, die ich gerade fühle. Ich muss mich mit den Themen identifizieren können. Das kommt meist aus dem Alltag und meiner Lebenssituation.

"Krone": Der Titel "Irreversibel" hat keinen großen Hintergrund, das hast du selbst schon gesagt. Aber gab es wirklich keine Intention, wohin das Alben gehen könnte?
Nazar: Gar nicht. Ich bin sehr katastrophal was kreative Titel betrifft und wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, hätte ich meine Alben einfach nummeriert. Ein Albumtitel soll etwas mysteriöser machen und wir haben uns einen Titel überlegt, der mich etwas intelligenter darstellen lassen soll, was nicht wirklich funktioniert hat. (lacht)

"Krone": Im Song "ZSMD" gibt es die Zeile "Rapper sind nur hart in der Studiozeit" - ist das bei dir auch so?
Nazar: Natürlich. Wenn du wüsstest, wie ich zuhause bei Mama bin. Ich bin ein zahmes Kätzchen, vor mir braucht sich keiner fürchten. In der Hip- Hop- Welt gibt es so viele Rapper, die harte Ansagen machen, Drohungen aussprechen und Hausbesuche ankündigen. Ich bin auch schon zehn Jahre in dieser Welt und war nie ein Freund dieser Drohungen, habe auch selbst nie anderen Rappern gedroht. Es ist einfach so lächerlich, weil bereits zigtausende Drohungen ausgesprochen wurden, aber noch nie was passiert ist. Genau so kam die Zeile zustande. Alles was politisiert und bedrohend ist, findet die größte Aufmerksamkeit. Da sind sich Politik und der Hip Hop sehr ähnlich.

"Krone": Du hast vorher gesagt, dass die Menschen nicht so viel auf Parteien und einzelne Politiker schauen sollen, allerdings hast du mit HC Strache seit Jahre eine besondere Fehde. Wie passt das zusammen?
Nazar: Die FPÖ hat mich in ihren Aussendungen immer so instrumentalisiert, als wäre ich der Hofnarr der SPÖ. Der Satz kommt von dort. Ich habe mit der SPÖ genauso wenig zu tun wie mit den anderen Parteien. Ich werde als österreichischer Staatsbürger wohl das Recht haben, mich für einen Politiker einzusetzen und das auch öffentlich zu machen. Jedes Mal, wenn ich das mache, werde ich sofort angefeindet und es werden sofort Photoshop- Bilder kreiert, die auf Straches Facebook- Seite landen, um mich schlecht zu machen. Was ist das Problem? Ich bin nicht nur Musiker, sondern auch Österreicher, Bürger und Wähler. Darf ich keine Meinung haben? Ich habe gesagt, ich werde Van der Bellen unterstützen weil das der Kandidat ist, den ich mir als Präsident für unser Land wünsche und ich werde sofort dafür angefeindet. Das funktioniert bei mir aber nicht, sorry.

"Krone": Viele Künstler deklarieren sich für Van der Bellen, aber du wirst offensichtlich ärger angefeindet als beispielsweise ein Hubert von Goisern.
Nazar: Ganz klar, denn wie willst du ihn angreifen? Du kannst von Goisern nicht sagen, dass er sich als ISIS- Dreckskind in sein Land zurückschleichen soll, wie es mir schon so gesagt wurde. Was willst du ihm sagen? Hubert, bitte leg die Ziehharmonika auf die Seite? (lacht) Ich bin diese Welt mittlerweile schon länger gewohnt und nicht der geisteskranke Typ, der Strache zum Feind auserkoren hat. Ich wurde damals gerne als Terror- und Islamisten- Rapper dargestellt, der Wind wehte von woanders. Ich bin Rapper. Ich kann mich mit meinem Mund zur Wehr setzen und das tue ich auch gerne.

"Krone": Du ziehst diese Causa aber schon auch gerne nach. Im Song "C'est La Vie" gibt es die Zeile: "In meiner Welt werde ich von Kritikern gejagt, von einem Nuttenkindpolitiker verklagt". Man kann annehmen, wen du da meinst.
Nazar: Kann man annehmen, ja. Ich bin ja öfter mal angeklagt worden, wer weiß also schon, um wen es da genau geht?

"Krone": Auf "Teheran" besingst du im Prinzip deine zweite Heimat. Inwieweit ist Patriotismus gut. Wo beginnt er bei dir und wo endet er?
Nazar: Österreich ist meine Heimat, nicht Teheran. Ich bin seit 25 Jahren hier und war letztmals vor elf Jahren in Teheran. Im Song geht es darum, dass ich mir Gedanken mache was eigentlich passiert wäre, wären wir damals dort geblieben, wäre es nicht zum Krieg gekommen, wäre mein Vater nicht gestorben und meine Mutter geblieben. Ich wäre dort aus gesundheitlichen Gründen einfach gestorben. Eigentlich wollten wir weitergehen nach Amerika, aber einer der Hauptgründe für den Verbleib in Österreich war auch das hervorragende medizinische System hier. Die politischen Umstände im Iran machen es mir nicht möglich, einfach einmal im Jahr hinzufliegen und meine Verwandten zu besuchen. Der Song dreht sich darum, dass ich meine Familie in dieser Stadt vermisse. Patriotismus ist natürlich eine gefährliche Sache. Mein Freundeskreis ist wirklich sehr gemischt und bei mir gibt es keinen einzigen Bosnier, Türken, Serben, Albaner oder Österreicher, der nur mit Leuten seines eigenen Volkes abhängen will. Da läuft auch keiner den ganzen Tag mit dem Türkei- Trikot herum. Ich fange auch nichts mit Iranern an, die den ganzen Tag nur persisch sprechen. Für mich als Sportfan reicht es auch, das Trikot anzuziehen, nach Paris zu fliegen und mir Österreich gegen Portugal anzuschauen. Im Sport patriotisch zu sein, ist eine coole Sache - hier geht es um einen sportlichen Wettbewerb. Aber sobald es um "mein Volk", "wir" und "ihr" geht, wird es einfach gefährlich.

"Krone": Das ÖFB- Nationalteam ist seit Jahren ein Positivbeispiel für Integration, Miteinander und Zusammenhalt. Hier spielt Alaba neben Almer, Baumgartlinger neben Junuzovic. Ist diese Sympathie gefährdet, wenn das Land zunehmend nach rechts rückt?
Nazar: Das glaube ich nicht. Du hörst vor dem Stadion noch oft "scheiß Neger" und "scheiß Tschusch", aber der David und der Zlatko sind dann doch coole Burschen. Ich verstehe diese Scheinheiligkeit nicht, das ist brutal. Mein Bruder, ein Bekannter von ihm und ich waren gemeinsam beim Freundschaftsspiel Österreich gegen Türkei. Wir waren im familienneutralen Sektor, natürlich komplett in Österreich- Montur. Da sind Leute gekommen, die haben gesagt, wir scheiß Tschuschen sollen das Trikot ausziehen. Wie kann man erwarten, dass die Stimmung besser wird? Dass das Miteinander voranschreitet? Für mich war es leicht, ich hatte einen österreichischen Stiefvater und dadurch immer die Lebensweise dieses Landes mitgekriegt, aber wie kann man von jungen Leuten, denen eh schon so vor den Kopf gestoßen wird, erwarten, dass sie mal stolz behaupten, Österreicher zu sein. Warum sprechen viele Türken so ein gebrochenes, schlechtes Deutsch? Auch weil die Österreicher so mit ihnen geredet haben - wie mit Babys. Keiner hat sich die Mühe gemacht, mit ihnen ein normales und grammatikalisch richtiges Deutsch zu sprechen. Keinen interessiert das, weil es einfach leichter ist, mit dem Finger zu zeigen und "scheiß Ausländer" zu rufen. Ich bin mit Leib und Seele Österreicher und all den Generationen vor mir dankbar, was sie für dieses Land gemacht haben. Unvorstellbar für mich ist aber nur, dass es hier Schulpflicht gibt, aber dennoch derart viele ungebildete Menschen in diesem Land leben. Hass und Vorurteile kommen von Menschen, die nicht über den Tellerrand blicken und nichts besser wissen. Wie kann das in Österreich möglich sein?

"Krone": Geht es auch in der "Generation Darth Vader" darum?
Nazar: Natürlich auch. Auf "Irreversibel" geht es sehr stark um die Perspektive dieser Generation, die gerade hier bei uns entsteht und bei der man vorsichtig sein sollte. Man muss einfach was machen, bevor alles noch schlimmer wird.

"Krone": Du hast einmal gesagt, dass du privat relativ wenig Rap und Hip Hop hörst - wie kann man dann trotzdem mit derart viel Leidenschaft der Musik folgen?
Nazar: Irgendwann hat man seinen eigenen Faden, der sich durch alle Alben zieht. Es ist nur ein Vorteil für jeden Musiker, verschiedene Dinge zu hören, weltoffen zu sein und sich von verschiedenen Dingen inspirieren zu lassen, weil es sonst eintönig wird. Für das Album habe ich etwa ein Jahr gebraucht. Auf der Premium- Version sind 18 Songs zu hören, ich habe aber mehr als 50 geschrieben und so ca. 800 verschiedene Beats gehört. Irgendwann kannst du dann einfach nicht mehr. (lacht) Du bist froh, dass du mal Jazz hörst und dein Gehirn dadurch entlastet wird.

"Krone": Würde es dich reizen, selbst einmal ganz andere Musik zu machen?
Nazar: Würde ich gerne, aber meine Gesangsbegabung ist nicht unbedingt die beste. Ich werde sicher kein Rainhard Fendrich mehr. (lacht) Ich schreibe sehr viele Texte für andere Leute, wo einige einen Herzinfarkt bekommen würden, wenn die wüssten, für wen und welches Genre ich da schreibe. Da ist vieles dabei, das man in Deutschland und Österreich gut kennt. Dafür bezahlt zu werden, dass man Ghostwriter ist, ist für mich total okay. Das sind Songs, die ich für mich selbst niemals schreiben würde.

"Krone": Als Nazar bist du natürlich eine Marke, die man kennt, wie sie ist. Macht es das für dich schwieriger, dass du selbst vielleicht einmal ausbrichst, um etwas ganz anderes zu machen?
Nazar: Das ist wohl für jeden Musiker schwer, nicht unbedingt nur für mich. Wenn Helene Fischer morgen mit einem Rap- Song um die Ecke kommt, würde man sich wahrscheinlich auch auf den Kopf greifen. (lacht)

"Krone": Die Features mit Sido, Kurdo und Co. auf deinem neuen Album sind ja eher Genre- bezogen. Würdest du auch mit Musikern aus anderen Bereichen zusammenarbeiten?
Nazar: Auf dem letzten Album hatte ich zum Beispiel Mark Forster drauf. Ich liebe Musik über alles und höre mir alles an, bin da überhaupt nicht verschlossen. Wenn sich etwas ergibt, liebend gerne - da gibt es keine Grenzen.

"Krone": Wie siehst du den derzeitigen Boom, den die österreichische Musikszene ins Ausland ausstrahlt?
Nazar: Gottseidank, das ist viel zu lange fällig. Natürlich gab es die Zeit mit der EAV, Ambros, Fendrich und Co., aber dann war wirklich lange nichts. Es brach alles komplett ab. Ich bin sehr froh, dass ich auch ein Teil der neuen österreichischen Musikkultur sein darf. Es ist toll, dass Bands wie Wanda und Bilderbuch Erfolg haben.

"Krone": Wie viel von dir als Privatperson steckt in deiner Bühnenpersönlichkeit und in dem Mann, der als Nazar im Studio an Songs arbeitet? Nachdem du meinst, zuhause wärst du das Kätzchen und im Studio der Tough Guy…
Nazar: (lacht) Das ist ganz unterschiedlich. Ich bin natürlich ein Musiker, der sehr viel über Privates spricht und ich erzähle auch keine fiktiven Geschichten. Das vermischt sich also schon sehr stark - es heißt ja nicht, dass ein Kätzchen nicht seine Krallen ausfahren kann…

21.05.2016, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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