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08.12.2016 - 10:28

Muse setzten neue Arenen- Konzert- Maßstäbe

10.05.2016, 09:28

Montagabend verwandelten die britischen Bombast- Rocker Muse die nahezu ausverkaufte Wiener Stadthalle in einen audiovisuellen Tempel der Genüsse. Angetrieben von einer überdimensionalen 360- Grad- Bühne lieferten Matt Bellamy und Co. eine 105- Minuten- Show, die in punkto Opulenz und Großspurigkeit kaum mehr zu übertreffen ist.

Vor fast genau einem Monat passierte es. Als Muse ihr neues Opus Magnum "The Globalist" durch die pompöse Londoner O2- Arena schallen ließen segelte ein Drohnen- Raumschiff durch die Halle, stürzte aber auf halbem Weg ab. Verletzt wurde niemand, doch die fast schon manische Perfektion der Show bekam erstmals leichte Risse. Es ist durchaus paradox, mit welch getriebener Perfektion die britischen Stadionrocker ihre "Drones"- Tour planten. Im Gegensatz zum 2015 erschienenen, gleichnamigen Erfolgsalbum, auf dem Matt Bellamy und Co. wieder bewusst zum Rock zurückkehrten und die ausufernden Electronic- Elemente hintanstellten, könnten die dazugehörigen Shows nicht größer sein.

Megabühne

Fans der Bombast- Rocker bezeichnen das Bühnensetting gerne als aufgepumptes Musiktheater, Interessierte und kritischere Geister verorten eine Mischung aus Musikantenstadl und Song- Contest- Finale und fürwahr - der Opulenz sind keine Grenzen geboten. Eine mitten in der Halle stehende, sich stets im gemächlichen Tempo drehende Bühne trägt die vier Musiker (live wie immer mit Keyboarder Morgan Nicholls), zwei Stege greifen krakenarmig an die Hallenenden und dienen Frontmann Bellamy und den mit leuchtendem Bass ausgerüsteten Christopher Wolstenholme als zusätzliche Bewegungsflächen und Plattform für das Piano.

Dazu lassen die Briten immer wieder elf in wuchtige Plastikkugeln integrierte Drohnen durch die Halle schweben, projizieren sich selbst und gesellschaftskritische Botschaften über die zahlreichen Videomonitore, inszenieren sich als Hologramme und setzen in punkto Lichtshow ein in dieser Form noch nie dagewesenes Spektakel, das den durchaus ernsten thematischen Hintergrund der Show zur audiovisuellen Kariesgefahr gedeihen lässt, so bunt blinkt, flackert und glänzt es durch die nahezu ausverkaufte Location.

Mangelhaftes Zusammenspiel

Die Musik und die konzeptionelle Herangehensweise geraten deshalb naturgemäß in den Hintergrund und entfachen inmitten all der optischen Gimmicks auch nicht mehr ganz die Magie und Intensität, die Muse früher fernab des visualisierten Zirkus ausgezeichnet hat. So ist vor allem das Zusammenspiel untereinander kaum spürbar, wirkt der Auftritt trotz hervorragenden Sounds und ausgeklügelt arrangierter Setlist zuweilen mechanisch und distanziert. Effekte und Videoprojektionen täuschen allzu oft darüber hinweg, dass der klassische Jam- Charakter mit wenigen Ausnahmen in den Hintergrund gerät.

Songs wie das kultige "Plug In Baby", "Time Is Running Out", "Map Of The Problematique" und der Electronic- Stampfer "Madness" fügen sich mühelos in die sperriger, aber dafür wieder basischer wirkenden Neukompositionen "The Handler", "Reapers" oder "Dead Inside" ein, vom kommerziell erfolgreichsten Überalbum "The Resistance" bleibt nur mehr die Single- Auskoppelung "Uprising" übrig, zu wenig passt der stark an Queen angelehnte Sound in die dystopische Klanglandschaft, mit der Muse den optisch zelebrierten Zuckerguss umwickeln.

Brilliante Stimme

Am besten klingen Muse immer noch dann, wenn Bellamy seine Falsett- Stimme in himmlische Sphären zaubert (wie bei der famosen Erfolgssingle "Mercy") oder sich die Band doch zu einem der seltenen gemeinsamen Instrumental- Jams zusammenfindet und all die Perfektion ihrer Umgebung in die zweite Reihe stellt ("The Globalist", "Supermassive Black Hole").

Dazwischen ist genug Platz für Sakrales (Intro und Outro von "Drones"), politisch motivierte Botschaften ("JFK") und viel Kitsch (herumfliegende Ballons während der Jolly- Farbpaletten- Lichtshow zu "Starlight"). Das von Ennio Morricones Westernklängen eingeleitetes "Knights Of Cydonia" bildet den theatralischen Abschluss einer 105- Minuten- Show, die mit großer Gewissheit neue Maßstäbe im weltweiten Arena- Konzertbereich gesetzt hat. Es ist der pompösen Hitdichte der Band zu verdanken, dass die musikalische Darbietung nicht vollständig vom visuellen Lavastrom verschlungen wurde. Abschließend bleibt die Frage: Quo vadis Muse? Der Show- Plafond scheint nun endgültig erreicht.

10.05.2016, 09:28
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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