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Foto: Paul Brown

Mötley Crüe: Der Abgesang einer Rock- Legende

23.06.2015, 18:15
Exzesse, Skandale, Erfolge, Legende - die Geschichte der US-Glam-Metaller Mötley Crüe lässt sich nur in Buchform abhandeln, zu ereignisreich mutet die Vergangenheit der vielleicht hedonistischsten Band der Musikgeschichte an. Am 31. Dezember 2015 schließen Vince Neil, Nikki Sixx, Mick Mars und Tommy Lee nicht nur ihre Band, sondern beenden damit auch eine wichtige Epoche der Musikgeschichte. Eine kurze Rückschau auf 35 Jahre Dekadenz im Rock'n'Roll.

Für viele war es ein trauriger Moment als ihre Heroen Mötley Crüe vorschnell von der Bühne traten. 35 lange Jahre haben zehntausende Fans darauf gewartet, dass ihre Helden endlich live in der österreichischen Heimat zu sehen sind und dann war nach etwas mehr als 90 Minuten beim Nova Rock schon wieder Schluss. "Kickstart My Heart" mit der explosiven Pyro- Show am Ende wäre an und für sich ein wertiger Abschluss für das ansonsten leider durchschnittliche Konzert gewesen – dass man nach (viel zu langer) Pause noch die Ballade "Home Sweet Home" nachschob, ist bezeichnend für das Ende der vielleicht größten Glam- Metal- Band des Planeten. Mittlerweile läuft nämlich alles gemächlicher ab.

Ausschweifende Dekadenz

Einst als hedonistischste Band des Erdenrund gefeiert, bekam die prunkvolle Karriere der Kalifornier Anfang der 90er- Jahre Kratzer, die nie mehr ganz verheilten. Wie so viele andere Bands traf auch Mötley Crüe einerseits der globale Siegeszug des schmuddeligen Grunge, andererseits die mangelnde Kreativität, die sich wohl direkt mit dem ausschweifenden Lebensstil im ersten Band- Karrierejahrzehnt gleichsetzen lässt. Ihre Autobiografie "The Dirt" erzählte davon ausführlich und erschütterte die Rockwelt in ihren Grundfesten. Nie zuvor wurde die Dekadenz der 80er- Jahre so opulent beschrieben, wie von den Crüe- Mitgliedern Nikki Sixx, Tommy Lee, Mick Mars und Vince Neil.

Ozzy Osbourne oder einzelne Mitglieder von Guns N' Roses, selbst alles andere als Kinder von Traurigkeit, wirken im Direktvergleich wie Chorknaben. Was von den vielen Skandalgeschichten wirklich stimmt und wo extra dick aufgetragen wurde, das werden auf ewig hinaus nur die Originalmitglieder wissen. Natürlich bleibt ungelöst, wie detailliert Bassist Nikki Sixx sein Leben nachzeichnen konnte, obwohl er beinahe zweimal an einer Überdosis gestorben wäre. Doch Übertreibung ist seit jeher ein Stilmittel, das Mythos und Kult des Rock'n'Roll über die Jahrzehnte erst so richtig formte.

Zeitgeistiges Proletariat

"Bei Backstage- Unterhaltungen, bei Meet & Greet oder bei ganz normalen Gesprächen – es wurde die ganze Zeit nur gesoffen", erinnert sich Gitarrist Mick Mars im "Krone"- Interview vor der Nova- Rock- Show zurück, "davon wurde ich in den 80er- Jahren abhängig. Dieser gesellschaftliche Zwang hat uns wirklich vor Probleme gestellt." Für Mötley Crüe war in der Hochzeit ihrer Karriere nicht einmal der Himmel eine Grenze. Die ersten fünf Alben sind allesamt Klassiker, mit Songs wie "Too Fast For Love", "Girls, Girls, Girls" oder "Wild Side" trafen sie nicht nur den damaligen Zeitgeist, sondern vertonten schon früh ihre eigenen Erfahrungen, die mit Erlebnissen eines Durchschnittsbürgers wenig gemein hatten. Braun gebrannt, langhaarig und in enge Hosen gesteckt zu sein, war in den 80ern zwar salonfähig, keine Band außer Mötley Crüe schaffte es aber, biederes Proletariat und ungebremste Hemmungslosigkeit so kompakt zu einer Sogwirkung für die Arbeiterklasse zu verbinden.

Dazu kam die explosive Mischung aus den unterschiedlichen Charakteren. Zeit ihres Lebens waren Mötley Crüe mehr eine Firma, denn eine Gruppe von Freunden, zu unterschiedlich waren die Egos der verschiedenen Mitglieder ausgeprägt. Hier der stets sympathische, aber tollpatschige Drummer Tommy Lee, dort Bandchef und Drogenwrack Nikki Sixx. Hier der exzentrische Frontmann Vince Neil, dort der stille Arbeiter Mick Mars. Gefängnisaufenthalte, Sextapes, Entziehungskuren, tödliche Unfälle, unzählige Eskapaden mit dem anderen Geschlecht, Sauforgien, Geld, Ruhm und Reichtum – im Crüe- Kosmos wurde nichts vom A&O des Rockklischeezirkus ausgelassen.

Rasanter Abstieg

Von den musikalischen Erfolgen ganz zu schweigen. Im Zweijahrestakt klopften Mötley Crüe ihre Alben heraus – der Höhepunkt war 1989 mit "Dr. Feelgood" erreicht, dem metallischsten, aggressivsten und auch eindeutig kommerziellsten Werk, mit dem Vince Neil und Co. auf Platz eins der US- Albumcharts vorpreschten und somit den endgültigen Gipfel erreichten. Von da an konnte es nur noch bergab gehen. Dass es schlussendlich so schnell geschah, war anfangs noch nicht abzusehen. Nach internen Streitereien verließ Neil die Band und wurde durch John Corabi ersetzt. Das selbstbetitelte Studioalbum "Mötley Crüe" wurde 1994 zum veritablen Flop, was nicht zuletzt an der veränderten, deutlich raueren musikalischen Ausrichtung lag, mit der die Fans nicht zufrieden waren.

Für "Generation Swine" kehrte Vince Neil 1997 wieder zurück, an alte Glanztage vermochten Crüe aber nicht mehr anknüpfen, zu verfahren und gezwungen modernisiert wirkte der Sound. Die Prunkzeit des 80s- Metal war unwiderruflich vorüber und der Sound von Crüe nicht mehr zeitgemäß. Auch wenn das Comeback- Reunion- Album "Saints Of Los Angeles" vor sieben Jahren noch ein qualitativ passables Aufflackern der alten Tage war, ist hedonistisches Machogehabe heute nur mehr durch Ironie zu argumentieren. So mutete auch der Nova- Rock- Auftritt mit Vince Neils protzigem Kreuz- Suspensorium und Nikki Sixx' phallusartige Flammenwerferkanone wie moralzerstörende Relikte vergangener Tage an.

Könige des Sunset Strip

Das Leben als Könige in der Scheinwelt auf dem sonnendurchfluteten Sunset Strip in L.A. bereut die Band zu keiner Sekunde. "Aber die Kleidung, das Make- Up, das wir damals hatten, das war teilweise unglaublich hässlich", erzählt uns Mars weiter im Interview. "Ich habe keine Ahnung, wie wir damals auf gewisse Sachen gekommen sind, mir ist das heute unverständlich." Es soll auch an Mars und seinem Gesundheitszustand liegen, dass Mötley Crüe per notariell beglaubigtem Vertrag ihr endgültiges Karriereende unterzeichneten. Seit seinem 20. Lebensjahr leidet er an einer seltenen Knochenkrankheit, die seinen Bewegungsradius nachhaltig einschränkt. Mittlerweile kann er oft nicht einmal mehr ohne Hilfe die Bühne betreten.

Aber so wie alle anderen in der Band, wird auch Mick Mars nicht von der Bildfläche verschwinden, sondern seine Karriere als Solokünstler forcieren. "Ich hoffe es funktioniert", zeigt sich der Gitarrist mit eher enden wollendem Optimismus, schmunzelt dann aber, "wenn es nicht klappt, dann werde ich halt Parkplatzeinweiser". Bis dorthin steht aber zumindest noch eine dicke Europa- Tour im Herbst am Plan, die einige Termine in Deutschland und der Schweiz inkludiert. "Im Gegensatz zu den Festival- Shows fahren wir dort das volle Programm auf", verspricht Mars großspurig, "der Rollercoaster von Tommy Lee, viel Feuer und eine ganze Menge verrücktes Zeug. Bei den Festivals können wir ja nur die abgespeckte Version präsentieren."

Der Tod einer Epoche

Dafür wird wohl auch so mancher österreichischer Fan über die Landesgrenzen pilgern, um sich die Legende seiner Lieblingsband noch einmal aufzuwärmen und in Erinnerung zu behalten. "Es ist die allerletzte Möglichkeit, es gibt keine Chance auf eine weitere Reunion", führt Mars weiter aus, "in Zukunft könnt ihr uns nur mehr über eure Albensammlung ins Gedächtnis rufen." Und vielleicht bringen Mötley Crüe etwas von der Explosivität und Qualität der alten Tage bei ihren letzten europäischen Hallenshows zurück. Noch einmal werden sie den Teufel anbeten, noch einmal die Girls besingen, noch einmal mit Bierbauch und Falten im Gesicht die Extravaganz der eigenen Vergangenheit feiern, denn mit ihnen stirbt unwiderruflich auch ein erklecklicher Teil der 80er- Jahre.

Alle Deutschland- Termine und die dazugehörigen Tickets finden Sie HIER .

23.06.2015, 18:15
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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