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10.12.2016 - 09:53
Foto: Warner Music

Moby: "Habe mein Gehirn heute lieber als mit 25"

05.10.2013, 17:00
Soundtüftler und Glatzkopf Moby hat noch lange nicht genug und kehrt mit seinem neuen Studioalbum "Innocents" ins Rampenlicht zurück. Der 47-jährige gereifte Amerikaner zählt zu den klügsten und interessiertesten Köpfen im gesamten Musikbusiness. So ist auch das "Krone"-Interview mit ihm keine leere Phrasendrescherei und reicht von Daseinsfragen im Universum über seine nicht enden wollende Liebe zum Punk bis hin zu Politikern, die mit kindlichem Getue globale Gefahren auslösen.

"Krone": "Innocents" ist bereits das elfte Studioalbum in deiner langen Karriere. Woher beziehst du die Kraft und Kreativität, immer noch frische und innovative Musik zu gestalten?
Moby: Das ist eine wirklich gute Frage und ich wünschte, ich hätte eine esoterische Antwort darauf, aber das Einzige, das ich dir darauf sagen kann, ist leider sehr simpel. Ich mache Musik, weil ich Musikmachen über alles liebe. Den Großteil der Inspiration erhalte ich durch die Art und Weise, wie mich die Musik emotional berührt, und von meinem eigenen Studio, wenn ich dort an neuen Songs bastle. Selbst wenn sich niemand mehr für mich interessieren würde, sich niemand mehr irgendwas von mir anhören würde, würde ich in meinem Studio an Musik basteln.

"Krone": Stimmt eigentlich das Gerücht, dass du vor einer Albumproduktion immer an die 300 Songs einspielst?
Moby: Ja. Das liegt wohl daran, dass ich sonst nicht so wirklich weiß, was ich tun soll, weil ich nichts so richtig kann (lacht). Manchmal lese ich Interviews mit Musikern, die großspurig breittreten, dass sie zwei Songs im Jahr schreiben. Ich frage mich dann, was die denn mit ihrer ganzen Zeit machen? Die müssen so viele interessante Sachen zu tun haben. Ich interessiere mich auch für vieles andere, aber nichts übertrifft das Gefühl, in meinem Studio an Musik zu arbeiten.

"Krone": Vielleicht leben sie einfach das typische Rockstar- Leben und machen die ganze Zeit Party.
Moby: Oder sie spielen Golf und verbringen ihre Freizeit auf Facebook (lacht).

"Krone": Was machst du mit all den Songs, die du nicht veröffentlichst?
Moby: Einige von ihnen landen auf meiner Website www.mobygratis.com . Dort können sich Filmstudenten und Auszubildende gratis Musik für ihre Projekte holen. Die meisten davon habe ich einfach gelagert und sie werden nicht veröffentlicht. An manchen Songs arbeite ich anfangs, vergesse sie dann wieder und arbeite Jahre später daran weiter. Nimm doch meinen Song "Why Does My Heart Feel So Bad?". Die originale Version habe ich bereits 1992 als Techno- Song verfasst. Mir hat der Song nicht gefallen, so verschwand er in den Schubladen. Jahre später habe ich ihn mir wieder angehört und eine eher ruhigere Ballade daraus gemacht.

"Krone": Dein neues Album "Innocents" hat Mark "Spike" Stent produziert. Das war das erste Mal, dass du ein Album von dir nicht selbst produziert hast.
Moby: Der Hauptgrund war, dass ich einmal sehen wollte, wie andere Leute mit meiner Musik umgehen. Also habe ich neben Spike auch einige Gastmusiker eingeladen, um mir auch Ideen von anderen anzuhören, auf die ich nicht kommen würde. So sehr ich das alleine Arbeiten in meinem Studio auch mag, so wichtig ist es, mich von den Ideen anderer inspirieren zu lassen, um meine Musik zu erweitern.

"Krone": Wer sind die Unschuldigen ("Innocents")?
Moby: Die Erde ist von mittlerweile gut sieben Milliarden Menschen bevölkert. Hoffentlich werden viele davon an die 100 Jahre alt. Im Vergleich zu den 15 Milliarden Jahren, die unser Universum alt ist, ist das natürlich nichts. Ich habe also angefangen, die Menschen zu beobachten, und je älter wir werden, umso ängstlicher und verwirrter werden wir. Möglicherweise klingt das jetzt etwas zu breit angelegt, aber für mich ist das eine Art von Unschuld. Wir versuchen alle, unserem Leben einen möglichst guten Sinn zu geben, und auch das ist für mich in gewisser Weise unschuldig.

"Krone": Kann man die Menschen aber als unschuldig bezeichnen, wenn wir etwa an Themen wie den Klimawandel oder die Weltwirtschaftskrise denken?
Moby: Natürlich machen wir auch furchtbare Dinge. Wir starten Kriege und missbrauchen unsere Umwelt, aber die meisten Menschen wissen nicht, was sie tun. Wir haben mittlerweile so viel phänomenale Technologie, aber wenn es um die emotionale Seite geht, sind wir immer noch verängstige Affen, die durch die Savanne der Serengeti laufen. Wir reagieren auf die Welt manchmal so wie vor 200.000 Jahren, und das führt uns zu vielen falschen Entscheidungen.

"Krone": Im Video zu deiner Single "A Case For Shame" sieht man lauter Gestalten in Masken, die du als Unschuldige bezeichnest. Welche Botschaft steckt dahinter?
Moby: Am Beginn des Videos ertrinke ich. Ich werde dann wiedergeboren in diesem nächsten Leben, das von Leuten bevölkert ist, die sich schämen, weshalb sie sich mit Mänteln und Masken verkleiden. Wir alle wollen jünger, stärker, klüger oder cooler sein, als wir sind. Für mich gehört das zu den traurigsten Dingen der Menschheit. Wir verwenden so viel Zeit und Energie darauf, uns in irgendeiner Form zu verkleiden, weil wir nicht wir selbst sein möchten. Ganz tief in uns drinnen, unter all diesen Verkleidungen, sind wir eine ziemlich nette Spezies. Ganz lustige, interessante und auch höfliche Wesen. Oftmals ist aber der interessanteste Zugang für Menschen, wie sich jemand inszeniert und verkleidet.

"Krone": Menschen werden mit dem Alter auch immer zynischer. Woran liegt das?
Moby: Da kann ich jetzt nur von mir selbst sprechen. Unter all meinen Eigenschaften wie Zynismus oder Bitterkeit steckt einfach nur Angst. Die Angst, die signifikanten Punkte meines Lebens nicht zu verstehen. Angst, älter zu werden oder falsche Entscheidungen zu treffen. Zynismus ist nichts anderes als der Versuch, die gesamte Umwelt zu kontrollieren, wenn man selbst außer Kontrolle ist.

"Krone": Lebst du auf persönlichem oder künstlerischem Weg in Angst?
Moby: Ich denke etwas von beidem, so geht es den meisten Menschen. Ich versuche aber, das so gut wie möglich von mir abzustoßen. Angst macht nichts besser. Meist ist es total blödsinnig, dass ich mich vor gewissen Sachen ängstige, weil ich ohnehin nichts dagegen machen kann. Es gibt also keinen Grund, in diese Richtung Zeit zu verschwenden.

"Krone": Ich habe es ziemlich sonderbar gefunden, dass du gesagt hast, Seltsamkeit und Unvollkommenheit sind die Stützpfeiler deines Albums.
Moby: Ich denke, dass ich selbst seltsam und unvollkommen bin (lacht). Es wäre irgendwie vermessen zu sagen, dass ein seltsamer und unvollkommener 47- Jähriger versucht, technisch perfekte Musik zu machen. Meine Musik soll emotional gut sein und mich gut reflektieren. Würde ich versuchen, glatte, ziemlich perfekt produzierte Pop- Musik zu machen, wäre das ziemlich unehrlich, weil das nicht ich bin.

"Krone": Du hast dir unzählige Gastsänger auf das Album geholt und mit einigen ziemlich überrascht. Etwa The- Flaming- Lips- Sänger Wayne Coyne auf "The Perfect Life" oder Mark Lanegan auf "The Lonely Night". Warum so viele Gäste und wieso hat das Album so viele Rock- Vibes?
Moby: Ich bin ja selbst in Punk- Rock- Bands aufgewachsen und habe Mark Lanegan schon damals bei den Screaming Trees gekannt. Ich habe seine Stimme immer geliebt und vor etwa einem Jahr habe ich meinen ganzen Mut zusammengenommen und ihn auf einer Party gefragt, ob er auf meinem Album singen möchte. Ich dachte wirklich, es kommt ein klares Nein, aber er sagte Ja und war sehr glücklich, an dem Projekt beteiligt zu sein. Wayne Coyne kenne ich seit 1995, denn damals haben die Flaming Lips und ich für die Red Hot Chili Peppers eröffnet. Wir sind schon seit damals gute Freunde.

"Krone": Wie hast du entschieden, welche Stimme zu welchem Song passen würde?
Moby: Rein zufällig (lacht). Ich hatte viele instrumentale Parts und habe einfach überlegt, welche Stimme am besten zu welchem Teil passen würde. Mark Lanegan habe ich zum Beispiel fünf Instrumentals geschickt und er hat sich seinen Favoriten ausgesucht und den Text dazu geschrieben. Ich habe auch nicht viel darüber nachgedacht, denn ich mag Musik, wenn sie emotional ist. Fange ich aber an, zu viel darüber nachzudenken, wie ich was machen möchte, beginne ich, Fehler zu machen.

"Krone": Würdest du sagen, dass du auf "Innocents" ein bisschen zurück in deine eigene Vergangenheit gehst? Vor allem soundtechnisch.
Moby: Ja, möglicherweise schon. Das meiste der neuen Pop- oder Dance- Musik ist zwar hervorragend produziert, klingt aber einfach zu bombastisch. Ich mag die Musik, die eher eine Art gebrochene, verletzliche Qualität hat. Ich habe mir erst unlängst Neil Youngs "Greatest Hits" angehört und seine Stimme hat eben genau diese Qualität. Auch die Art der Produktion ist sehr sanft. Denk nur an seine Songs "Helpless" oder "The Needle And The Damage Done". Wenn du diese Songs in so eine riesige Rock- Produktion stecken würdest, würden sie furchtbar klingen. Ich denke bei meine Songs also nicht an die Produktion, sondern an die Gefühle, die dahinterstecken. Diese kann ich mit alten, analogen Aufnahmegeräten oft besser verwirklichen als mit supermodischen neuen.

"Krone": Du hast den von dir gesungenen Song "The Dogs" auf dem Album ganz nach hinten verschoben, weil du der Ansicht bist, dass sich Leute heute kein ganzes Album mehr anhören. Ist es wirklich schon so weit gekommen?
Moby: Wenn ich ein Album herausbringe, erwarte ich mir sowieso nicht, dass es sich allzu viele Leute anhören. Es gibt so viele Alben, es gibt Spotify und YouTube und noch viele andere Möglichkeiten, Musik zu hören. Also bin ich von vornherein schon immer begeistert, wenn jemand mein ganzes Album hört und damit zufrieden ist. Ich bin tatsächlich der Meinung, dass es auf diesem Planeten nicht allzu viele Menschen gibt, die sich mein ganzes Album anhören. Es macht mich aber glücklich, wenn sich jemand auch nur einen Song von mir anhört und ihm der gefällt.

"Krone": Du hast kein Problem damit, dass Leute eventuell nur deine Singles hören?
Moby: Ich bin in erster Linie glücklich, dass sie überhaupt meine Musik hören (lacht). Denk doch nur mal nach, wie viele Milliarden Songs es auf diesem Planeten gibt. Ich habe also nicht das Recht mich zu beschweren, wenn sich jemand die Zeit nimmt, auch nur 30 Sekunden eines Songs von mir zu hören.

"Krone": Du hast auch wortwörtlich gesagt, dass das "Musikbusiness auseinanderbricht". Ist die Lage so schlimm?
Moby: Na ja, ich würde das Geschäft nicht als schlecht bezeichnen, es ist einfach anders geworden. In vielen Bereichen ist es sogar besser geworden als früher. Zum Beispiel aus dem Grund, dass immer mehr Leute die Möglichkeit haben, interessante Alben aufzunehmen. Hätten wir diese Unterhaltung in den späten 90er- Jahren geführt, würde das gesamte Geschäft von ein paar großen Labels kontrolliert werden und du hättest kaum Zugang zu Musik, die nicht irgendwie im Radio laufen würde. Jetzt hast du als Künstler so viele Möglichkeiten, dass deine Musik gehört wird, und das macht die Leute auch kreativer. Nimm doch nur mal Arcade Fire her. Die sind sehr interessant und haben auch großen Erfolg mit ihrer Schiene. In den 90er- Jahren hätten sie nicht einmal einen Plattenvertrag bekommen.

"Krone": Du hast auch mal betont, dass es dir nicht so wichtig wäre, ob deine Songs im Radio gespielt werden oder nicht.
Moby: Wenn jemand meine Songs spielen will, wäre ich natürlich glücklich darüber (lacht). Aber ich will deswegen nicht anfangen, ein Duett mit Katy Perry zu singen. Da zieh ich lieber mein Ding durch.

"Krone": Mit deinem Bekanntheitsgrad ist es aber auch leichter, diese Meinung zu vertreten.
Moby: (lacht) Na klar, das ist natürlich die Sichtweise eines 47- jährigen Typen, dessen Alben schon etwas Geld abgeworfen haben. Wäre ich 22 Jahre alt und am Beginn meiner Karriere, würde ich Katy Perry wohl um ein Duett anbetteln (lacht).

"Krone": Wie würdest du mit dem Musikgeschäft umgehen, wärst du jetzt 20 Jahre alt und ganz am Anfang?
Moby: Gute Frage. Ich denke, heute ist es wichtig, dass du einfach alle Seiten des Geschäfts beherrschst. Du solltest Songs schreiben, Instrumente spielen und auflegen können. Man sollte auch etwas remixen können, bestenfalls ein Gespür für Filmmusik haben und sich auch mit der Produktion auseinandersetzen. Ich fürchte, dass die Zeiten, wo du einfach ein guter Gitarrist sein musstest, vorbei sind. Heute musst du dich überall auskennen.

"Krone": Weil du vorher von deinen Anfängen gesprochen hast – hättest du nicht Lust, noch einmal richtig kompromisslosen Punk Rock zu machen?
Moby: Du wirst lachen, aber ich und meine alte Highschool- Punk- Rock- Band Vatican Commandos haben vor etwa einem Jahr ein Konzert gespielt. Das war echt interessant, denn das letzte Mal davor haben wir 1983 zusammengespielt. Mittlerweile sind alle in einem gesetzten Alter und haben Kinder. Unseren Sänger habe ich das letzte Mal Mitte der 80er- Jahre gesehen. Er hatte einen riesengroßen blauen Irokesenschnitt und hat sich Unmengen von Acid reingezogen. Mittlerweile ist er Hirnchirurg. Wir haben dann viel von unserem Material gespielt und auch Ikonen wie die Sex Pistols, The Damned oder Black Flag gecovert. Ich liebe einfach verschiedenste Arten von Musik. Das ist auch ein Mitgrund, warum ich nicht so oft toure. Ich sitze lieber zu Hause und arbeite an verschiedensten Musikstilen und verrückten Projekten.

"Krone": Siehst du deine Jugendtage durch eine emotionale Brille?
Moby: Manchmal. Wie bei fast jedem gibt es natürlich auch bei mir einen Teil, der gerne für immer 25 Jahre alt wäre, aber ich mag es auch, älter zu werden. Neue Perspektiven kennenzulernen und hoffentlich auch weiser zu werden. Ich mag mein Gehirn heute lieber als mit 25. Auch wenn es vielleicht kleiner geworden ist (lacht).

"Krone": Für "Innocents" gibst du nicht mehr als drei Shows in deiner Heimat Los Angeles. Glaubst du nicht, dass deine Fans rund um den Globus dich auch live sehen möchten?
Moby: Ja, da hast du schon recht. Der Hauptgrund, warum ich nur drei Shows spiele, ist eben, dass ich mehr Zeit habe, um zu Hause an Musik zu arbeiten. Wenn ich auf Tour bin, verschwende ich so viel Zeit beim Herumsitzen, die fehlt mir dann im Kreativitätsprozess. Das Leben ist kurz und ich verbringe es lieber in meinem Studio als auf Tour. Das macht meinen Manager natürlich ziemlich unglücklich, denn die einzige Möglichkeit, 2013 noch Geld zu machen, ist auf Tour zu gehen.

"Krone": Viele Künstler sind aber auch während des Tourens kreativ und arbeiten an ihren Ideen.
Moby: Es ist aber viel einfacher für mich, zu Hause zu arbeiten. Das liegt auch an meinem alten Equipment, mit dem ich so gerne arbeite. Ich kann natürlich auch auf meinem Laptop Musik machen, aber die klingt dann auch nach Laptop. Zu Hause kann ich mit Gitarren, Piano, Schlagzeug und völlig verrücktem alten Zeug arbeiten. Das ist auf Tour unmöglich.

"Krone": Wann bist du eigentlich von New York nach Los Angeles gezogen?
Moby: Das vor etwa drei Jahren. Ich bin in Harlem geboren und wollte eigentlich immer in New York bleiben, bis aber ein paar Dinge passierten. Ich habe vor etwa fünf Jahren mit dem Trinken aufgehört und ich liebte es, in New York ein Saufbold zu sein. Die Bars haben alle bis 4 Uhr morgens offen und alle anderen saufen auch. Ich bemerkte dann relativ schnell, dass es für einen ehemaligen Trinker in New York nicht so lustig ist. Außerdem wurde die Stadt ziemlich von der Wall Street übernommen. Viele kreative Menschen sind aus der Stadt gezogen – in ganz verschiedene Ecken der Welt. L.A. ist eine große, eigenartige und chaotische Stadt, aber sie hat eine große Kreativkultur. Außerdem ist es großartig, einfach nach draußen zu gehen, um herumzulaufen – an 365 Tagen im Jahr.

"Krone": Inspiriert dich die Stadt somit auch stärker?
Moby: Am meisten inspiriert mich die Fremdartigkeit der Stadt. Hier gibt es eine Wüste, Berge, Strände, Vorstädte, Mexikaner und einen großen Stadtkern. All diese Elemente treffen also in einem Raum zusammen. Am herausforderndsten und gleichzeitig am besten an der Stadt ist, dass hier absolut nichts Sinn ergibt.

"Krone": Wie wichtig ist dir kommerzieller Erfolg im Vergleich zur künstlerischen Entfaltung?
Moby: Der Erfolg beginnt bei mir schon mit dem Erschaffen von Musik, die ich mag. Wenn sie jemand anders auch noch mag, ist das schon hervorragend. Mehr will ich auch gar nicht.

"Krone": Gibt es bei dir eigentlich auch Zeiten und Tage, wo du dich von der Musik entfernst und anderweitig entspannst?
Moby: (überlegt lange) Ich glaube, ich habe mittlerweile endgültig akzeptiert, dass Musik mein großer Lebensinhalt ist. Wenn ich an meine künstlerischen Helden wie Woody Allen oder Flannery O'Connor denke, machen die auch nur eine Sache und die permanent. Woody Allen macht nur Filme, aber das ohne Unterlass.

"Krone": Du bist aber auch ein sehr guter Fotograf. Deinem letzten Album "Destroyed" hast du sogar ein Fotobuch mit Bildern von dir beigelegt. War das nicht auch eine Option für "Innocents"?
Moby: All die Fotos für das Album, die du im Booklet siehst, stammen von mir. Ich habe auch das Video zu "A Case For Shame" abgedreht. Das ist lustig und toll, aber noch lieber lege ich meinen Fokus total auf die Musik.

"Krone": Du bist ein Befürworter und Unterstützer von Bradley Manning und allgemein sehr politisch unterwegs. Wie stehst du zur NSA- Causa rund um Edward Snowdon?
Moby: Es ist wirklich schwierig, eine Meinung zu dieser Causa zu haben, weil sie sich immer noch entwickelt. Bradley Manning ist für mich ein amerikanischer Held. Bei Snowdon habe ich noch keine Meinung, weil ich mich noch tiefer mit der Thematik beschäftigen muss. Was ich wirklich deprimierend finde ist, dass dieser eine Typ die Diplomatie zwischen den USA und Russland zum Entgleisen brachte. Du siehst Obama in St. Petersburg, der dort nicht auf Putin treffen möchte, nur weil es diesen einen nerdigen Typen gibt. Es ist einfach erschreckend, dass zwei Länder mit Tausenden Nuklearsprengköpfen sich nicht an einen Tisch setzen und reden können. Es ist so, als ob Politiker wie siebenjährige Kinder am Spielplatz agieren.

"Krone": Wie sehen deine nächsten Schritte aus? Kann man vielleicht doch mit einer Tour rechnen? Vielleicht in den nächsten ein bis zwei Jahren?
Moby: Vielleicht werde ich wieder touren, und auch wenn die Antwort unbefriedigend ist, ich bin eher darauf aus, meine musikalischen Fähigkeiten auf verschiedenen Instrumenten zu verbessern. Ab einem gewissen Punkt stellt sich auch die Frage, ab wann es für einen älteren Musiker peinlich wird, nach draußen zu gehen und die "Greatest Hits" zu spielen. Ich würde es zumindest peinlich finden, wenn ich mal in meinen 70ern bin und anfange, Rave- Hymnen zu spielen. Vielleicht sollte ich das dann aber doch machen, weil es sicher gut für meine Gesundheit wäre (lacht).

05.10.2013, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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