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04.12.2016 - 11:30
Foto: Klaus Sahm, BMG

Max Giesinger: "Jetzt will ich es wissen!"

10.04.2016, 17:00

Mit seinem neuen Album "Der Junge, der rennt" will sich der ehemalige The- Voice- Teilnehmer Max Giesinger endgültig von seiner Vergangenheit abkapseln und sich als profilierter und gereifter Solokünstler präsentieren. Wir haben uns mit dem 27- Jährigen über das neue Album, seine Erfahrungen mit Christina Stürmer und den bevorstehenden Wien- Auftritt unterhalten.

"Krone": Max, erst einmal muss man dir zur gelungenen PR gratulieren. Im Video deiner Single "80 Millionen" ist Top- Model- Gewinnerin Stefanie Giesinger zu sehen, mit der du ja nicht verwandt, aber gut befreundet bist. Gab ihre Teilnahme der Single einen zusätzlichen Boost?
Max Giesinger: Gerade in der Startphase des Songs war ihre Präsenz im Video ein nicht unwichtiger Faktor. Man konnte stündlich auf YouTube verfolgen, wie das Video in 10.000er- Werten nach oben schoss. Wenn der Song den Leuten, dann aber nicht gefallen hätte, wäre es nach ein paar Tagen auch aus gewesen. Aber die Klicks steigen und steigen und wir sind auf 80 Millionen und es wird immer bekannter, worüber ich mich natürlich tierisch freue.

"Krone": Nachdem du von ihr in diversen Interviews schon enorm geschwärmt hast, brodelt da natürlich auch die Gerüchteküche ob einer etwaigen Beziehung und solcher Dinge. Kommt dir das gelegen, dass sich auch die Society- und Klatschecken der Magazine für dich interessieren?
Giesinger: An sich ist es für Musiker nicht einfach sich in solchen Magazinen zu platzieren, wenn man nicht gerade den größten Skandal am Start hat. Da ist es natürlich schön zu sehen, dass man selbst dort im Fokus ist.

"Krone": "Der Junge, der rennt" ist jetzt dein zweites Album, nachdem dein Debüt "Laufen lernen" vor zwei Jahren nicht ganz so erfolgreich war, wie viele sich das aufgrund deiner "The Voice"- Vergangenheit gedacht hätten. Hast du beim Schreibprozess nun Druck verspürt?
Giesinger: Warum sollte das Album aufgrund meiner "Voice"- Vergangenheit erfolgreich gewesen sein? Am Ende bist du ein Newcomer, der sich seine Fans hart erspielen muss und das kann gut und gerne Jahre dauern. Dazu kommt auch, dass man sich als Künstler ja erstmal finden muss. Mir war wichtig, dass ich mit der ersten Platte einen Grundstein für meine Zukunft als Künstler lege und nicht ob ich damit in den Charts auftauche. Nach dem Release sind schon deutlich mehr Leute zu meinen Livekonzerten gekommen, da war ich schon sehr glücklich darüber. Der Schreibprozess für die zweite Platte ging mir dann relativ einfach von der Hand. Nachdem "Roulette" endstanden ist, wusste ich was ich wollte und wie der Giesinger in Zukunft klingen soll. Ich hab in einem Jahr mehr als 30 Songs geschrieben. Die für mich wichtigsten und persönlichsten Tracks hab ich dann auf die Platte gepackt.

"Krone": Im Großen und Ganzen erzählst du auf dem neuen Album Geschichten von dir und auch deinen Freunden - du hast dich dafür zwei Wochen lang in einer Hütte an der Ostsee eingeschlossen. Brauchst du als Künstler nicht Impressionen und Eindrücke von außen, um inspiriert zu werden?
Giesinger: Als ich in dem Häuschen an der Ostsee gelandet bin, waren die Songs schon fertig geschrieben. Wir haben dort nur in aller Abgeschiedenheit produziert. An Storys mangelt es dir als Musiker nicht. Du erlebst so irre Dinge, dass immer genügend Material da ist, das man in seine Songs packen kann. Gerade das viele Unterwegssein ist ungemein wichtig für mich und inspiriert mich immer wieder. Ich muss immer in Bewegung bleiben und bin gerade in einer Phase, in der ich noch nicht ankommen kann und auch nicht will. Deswegen ist der Albumtitel "Der Junge, der rennt" auch Programm.

"Krone": Wie kommst du eigentlich zu einer Nummer wie "Wenn sie tanzt", wo es um eine alleinerziehende Mutter im Stress geht? Ist das ein direkter Bezug zu deinem Freundeskreis?
Giesinger: Ja. Ich hab da eine gute Bekannte, die sich viel zu früh an den falschen Mann geklammert hat und immer hinterfragt, was wohl gewesen wäre, wenn sie doch nochmal die Welt bereist hätte und die Kids ein paar Jahre später gekommen wären.  Der Alltag hat sie eingeholt und die einzige Zuflucht bietet ihr die Musik, nachdem sie ihre Kiddies zu Bett gebracht hat.

"Krone": Du bist für die Platte von deiner beschaulichen Heimat Karlsruhe auf die Reeperbahn nach Hamburg gezogen - die Stadt kommt ja auch in Songs wie "Melancholiker" zu Ehren. War der Umzug für dich anfangs ein Kulturschock?
Giesinger: Ja! Ich war anfangs total geflasht von dem ganzen Vibe der Stadt. Auf der Reeperbahn ist immer was los und es ist schon total spannend, wenn man sich dort in ein Café setzt und für ein paar Stunden die Leute beobachtet, die dort so unterwegs sind.

"Krone": Warum bist du nicht gleich in den musikalischen Schmelztiegel Berlin gezogen, wo sich ohnehin ein Gros des Musikgeschäfts tummelt?
Giesinger: Ich wollte einfach mal ein bisschen gegen den Strom schwimmen und wenn du aus einem kleinen Kaff kommst, war Hamburg die perfekte Zwischenlösung. Die wichtigsten Ecken kannst du alle zu Fuß erreichen, sowas ist in Berlin undenkbar. Ich hab ja schon von Pärchen gehört, die in Berlin wohnen und trotzdem eine Art von Fernbeziehung führen.

"Krone": Inhaltlich ziehen sich deine Songs im Prinzip um typische Probleme und Erlebnisse von Mittzwanzigern, die sich natürlich in großen Lebensumbruchsituationen befinden. Ist so eine Platte auch ein Prozess, eigene Fehler, Fehlentscheidungen oder Unsicherheiten zu verarbeiten?
Giesinger: Definitiv. Ich hab mit der Platte so gut bei mir aufgeräumt wie es ging. Ich hab mich dadurch auch ein gutes Stück besser kennengelernt. Mir war es ganz wichtig ehrlich mit mir selbst zu sein in meiner Musik, auch wenn ich damit ziemlich tiefe Einblicke in mein Seelenleben zulasse. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass man nur so Leute wirklich berühren kann. Am Ende meines Selbstfindungsprozesses bin ich aber noch lange nicht, aber da hab ich ja auch noch ein paar Jährchen Zeit, nicht?

"Krone": Gerade in Deutschland gibt es derzeit viele Künstler, die sich textlich auf die gegenwärtige Lebenssituation berufen und dafür vom Feuilleton harsch kritisiert werden. So wie etwa die Durchstarter AnnenMayKantereit von der "Zeit" oder auch die Killerpilze mit ihrem neuen Album "High". Verfolgst du diese Debatte und wie siehst du sie? Bist du auch der Meinung, all die besungenen Probleme wären eigentlich gar keine in Zeiten wie diesen?
Giesinger: Gerade in Zeiten wie diesen höre ich auch gerne mal in eine Platte rein, wo es um die kleinen Dinge im Leben und Selbstfindungsprozesse geht und nicht darum, die Welt zu verändern.

"Krone": Musikalisch hast du etwas stärker auf Synthie- Klänge gesetzt - ist das dem musikalischen Zeitgeist geschuldet?
Giesinger: Nö. Die Synthie- Klänge gehen ja eher in die 80er- Richtung. So wirklich modern bin ich da ja jetzt nicht unterwegs. Ich wollte einen eigenen und trotzdem organischen Sound kreieren und nicht das nächste Deep- House- Album raushauen, das die Welt wohl wirklich nicht mehr braucht.

"Krone": Um zu deinem Albumtitel zu kommen - siehst du dich mit 27 noch immer als Junge und wohin rennst du eigentlich?
Giesinger: Gerade ist es mir einfach wichtig unterwegs zu sein und so viel wie möglich zu erleben. Hier und da renne ich vor wichtigen Entscheidungen weg, manchmal auch vor mir selbst. Lass uns da noch mal in fünf Jahren zu reden, dann weiß ich noch mehr über mich.

"Krone": Du redest sehr gerne von einer gewissen Rastlosigkeit, wenn es um dich geht. Was macht dich denn so rastlos? Läufst du in deinem Leben einfach gerne weiter oder auch vor etwas weg?
Giesinger: Ich kann keine drei Tage in Hamburg entspannen und ausruhen, ich muss immer etwas machen. Ich habe den Zwang was zu erleben. Ich kann einfach nicht stillstehen.

"Krone": Die Single "80 Millionen" geht um das zufällige Finden der großen Liebe, um die echten, weiten Emotionen - basiert der Inhalt auf deinen eigenen Erfahrungen und Erlebnissen?
Giesinger: Ja das tut er. Aber der Song geht auch an die Allgemeinheit raus, denn jeder Mensch sucht nach dem perfekten Partner, dem Seelenverwandten, der irgendwo in dieser riesigen Welt da draußen rumwandelt. Im Song wird der Protagonist von dieser einen Frau am Ende gefunden. Ich glaube, dass diese Suche einfach jeden betrifft.

"Krone": Der entscheidende Song für das neue Album war "Roulette" - du hast gesagt, als du ihn schriebst, hast du alle bis dahin entstandenen Songs sofort verworfen. Warum eigentlich und in welche Richtung gingen die anderen?
Giesinger: Die Tracks, die ich davor geschrieben hatte, waren alle sehr unterschiedlich. Ich wusste einfach noch nicht so recht was ich wollte und habe dann noch weiter gesucht, bis ich den Sound und das, was ich den Leuten von mir erzählen will, gefunden hatte.

"Krone": Dein großer Durchbruch war 2011der Finaleinzug bei "The Voice" - die Sendung hast du schließlich auf dem vierten Platz beendet. Heute distanzierst du dich auch mal gerne von diesem Konzept - hast du ihm aber nicht viel zu verdanken?
Giesinger: Die Show hat mir viel gebracht und ich habe in kürzester Zeit einiges dazu gelernt. Im Nachhinein bin ich froh nicht gewonnen zu haben, da man innerhalb von einem Monat eine Platte rausbringen muss, die in den meisten Fällen rein gar nichts mit einem selbst zu tun hat. So konnte ich mir die Zeit nehmen und für mich herausfinden was gut für mich ist und mich als Künstler finden.

"Krone": Gab es damals Bestrebungen, dich bei einem Majorlabel unter Vertrag zu nehmen und wenn ja, warum hast du abgelehnt und drei Jahre danach via Crowdfunding dein Debütalbum finanziert?
Giesinger: Ja die gab es. Das hatte sich dann auch über ein halbes Jahr gezogen und wurde am Ende nichts. Auch da bin ich am Ende froh drüber, da ich damals musikalisch einfach noch nicht so weit war. Wäre es ein Misserfolg gewesen, wäre ich schnell fallen gelassen worden und das Ding wäre durch gewesen. Ich hab meine erste Platte dann sehr indiemäßig rausgebracht und konnte tun und lassen was ich will. Das war perfekt für mich und meine eigenen Fans hatten mir das ermöglicht.

"Krone": Noch viel früher warst du für etwa ein halbes Jahr in Australien und Neuseeland unterwegs und dort Straßenmusiker. Wie hat sich das ergeben und was hast du aus dieser Zeit mitgenommen? Wie hat diese Phase deines Lebens dich und deine weitere Zukunft geprägt?
Giesinger: Ich hab ganz lange Zeit an der Amüsementmeile in Cairns gespielt. Da sind nachts die betrunkenen Backpacker aus den Clubs gefallen und ich habe sie mit meiner Musik unterhalten und ein paar Dollars dazu verdient. Es war eine unfassbar gute Schule, weil man wirklich nichts als seine Stimme und seine Gitarre in der Hand hat und man die Leute erstmal überzeugen muss stehen zu bleiben.

"Krone": Wäre es für dich vorstellbar, noch einmal so eine Abenteuerreise zu wagen oder bist du mittlerweile gesettelter, standfester geworden?
Giesinger: Nun ja. Ich bin mittlerweile auch sieben Jahre älter geworden und kann mir nicht mehr so recht vorstellen mit acht verschiedenen Leuten im Hostel zu pennen, die zu den unterschiedlichsten Zeiten laut und besoffen ins Bett fallen. Da ist mir eine gesunde Portion Schlaf dann doch zu wichtig geworden.

"Krone": Du hast auch schon Österreich- Erfahrungen gemacht - unlängst bist du im Vorprogramm von Christina Stürmer getourt. Wie war das, was kannst du darüber erzählen?
Giesinger: Die Tour war super! Ich habe mich da jeden Abend alleine mit meiner Gitarre vor 2500 bis 4000 Leuten gestellt und die Reaktion des Publikums war richtig geil. Besonders im Gasometer in Berlin. Christina ist auch eine ganz Liebe und ich freu mich arg für sie, dass bald Nachwuchs kommt.

"Krone": Bevor du zum Singer/Songwriter und Popkünstler wurdest, hast du als Kind in der Band Deadly Punks gespielt. Warst du selbst mal ein Punk? Wie ging deine musikalische Sozialisation vonstatten?
Giesinger: Das war schon ein etwas spezieller Name. Ach du meine Güte. Wir hießen nur so und haben eigentlich nur Popmusik gemacht. Ein Punk war ich also nie, geskatet bin ich aber eine ganze Zeit lang.

"Krone": Und du bist offensichtlich Bud- Spencer- Fan, was dein damaliges Projekt "Bud Spencer Group" offenbart… Dein Lieblingsfilm und warum?
Giesinger: "Vier Fäuste für ein Hallelujah". Ich hab die Filme früher immer zusammen mit meinem Opa geschaut.

"Krone": Am 6. Oktober bist du live im Wiener B72 zu sehen - was können wir uns davon erwarten?
Giesinger: Ihr könnt euch auf eine ziemlich coole Rockshow gefasst machen. Nach vier Jahren auf Tour sind meine Bandjungs und ich super eingespielt und wollen's jetzt so richtig wissen mit dem neuen Material. Also kommt rum!

Wer den aufstrebenden Musiker noch einmal im intimen Rahmen erleben möchte, sollte sich schleunigst Tickets unter www.b72.at  sichern.

10.04.2016, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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