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10.12.2016 - 21:56
Foto: Sony Music

Marla Blumenblatt: "Erotik muss nicht vulgär sein"

04.11.2013, 06:00
Die Wahl-Berlinerin Marla Blumenblatt ist mit ihrer Retro-Chic-Mischung aus Rock-'n'-Roll, Vintage-Pop, Surfrock und Schlager auf dem Vormarsch und hat unlängst ihr Album "Immer die Boys" veröffentlicht. Trotz ihrer erst 28 Jahre hat die gebürtige Wienerin bereits in mehreren Städten gelebt und sich über die Jahre die Liebe zum österreichischen Heimatidyll angeeignet. Im "Krone"-Interview spricht sie unter anderem über die Schwierigkeit, den richtigen Mann zu finden, warum sie Musikern wieder Jobs zurückgibt und weshalb sie subtile Erotik der vulgären vorzieht.

"Krone": Marla, du bist in Wien geboren und aufgewachsen. Wann bist du weggegangen?
Marla Blumenblatt: Ich rede dabei immer vom zweiten Mal weggehen, und das war 2010. Davor war ich ja schon in Paris und in New York, wo ich richtig ernsthaft singen wollte. Danach bin ich recht schnell nach Wien zurückgegangen. Ich habe dann in der Roten Bar meine ersten Auftritte gespielt und gesehen, dass das durchaus gut funktioniert, mir dazu aber die richtigen Leute fehlen, die auch mit meinem Stil umgehen konnten. Ich bin da eher spontan im Sinne von "Schau ma mal" nach Berlin gegangen, aber es war dann schnell so, dass sich alles perfekt für mich gefügt hat. Die Leute sind dort auf mich zugekommen und haben mir eine Zusammenarbeit angeboten – damit hatte ich nie gerechnet. Das Album "Immer die Boys" hat dann etwa ein Jahr gedauert, weil wir auch alles mit Band aufgenommen haben. Ich habe zehn Streicher oder 15 Bläser reinsetzen lassen, weil ich mir immer dachte, wenn ich das jetzt mache, dann richtig. Bei mir gibt es Energie, echte Menschen und Musiker. Damit gebe ich den Leuten auch einen Beruf wieder, den mittlerweile werden alle schon durch die Elektronik ersetzt. Dann hatte ich einen Song wie "Kapitän", bei dem das Publikum voll abgeht, und ich dachte mir dann, das ist jetzt alles so groß wie James Bond (lacht). Bei "Gangsterbraut" zwischen all den Bläsern denkst du dir, du befindest sich zwischen Heimatfilm und den 60er- Jahren – aber genau das mache ich. Man merkt in meiner Musik auch, dass mich Österreich sehr stark beeinflusst hat. Etwa Filme wie "Das weiße Rössl" – das zieht sich durch mein ganzes Album.

"Krone": Das ist sehr interessant, denn andere 28- Jährige finden Heimat oder solche Traditionen wie eben Heimatfilme nicht gerade cool. Wie hat sich das bei dir so ergeben?
Blumenblatt: Für mich war das schon immer positiv. Wenn ich die Filme als kleines Kind geschaut habe, hatte ich immer Riesenspaß. In diesen Filmen waren die Mädchen schön, die Familien sind immer aufgeregt wo hingefahren, und plötzlich kamen Musiker mit Trompeten und sorgten für Stimmung. Das ist so ein lebendiges Gefühl. Viele sagen, dass das so eine verstaubte Zeit war, aber das sehe ich total anders. Diese Filme zeigen uns auch die positiven Dinge des Lebens. Nach vielen schlimmen Ereignissen kommt immer wieder eine schöne Zeit. Wenn wir uns jeden Tag mit Negativem füttern, werden wir doch selbst alle negativ. Meine Musik zeigt der Negativität aber den Mittelfinger und sagt "Fickt euch, ich nehme das nicht an". Ich mache immer etwas Positives aus allem, das ist meine innere Einstellung.

"Krone": Ist das wirklich deine innere Einstellung oder eine Art Flucht in eine heile Welt?
Blumenblatt: Das ist tatsächlich so, ich bin eine absolute Optimistin. Ich hatte wirklich einen harten Werdegang. Alle glauben immer, ein bisschen Las Vegas und ein bisschen Paris wären so toll, aber es war verdammt schwierig, dort hinzukommen und sich durchzubeißen, sich zu finanzieren durch die Kunst. Jeder einzelne Künstler weiß, wie schwer das ist. Vor allem keinen normalen Job anzunehmen, sondern die ganze Energie in die Kunst zu stecken – da hast du dann überhaupt keinen Luxus. Aber ich habe immer so weitergemacht, weil ich daran geglaubt habe.

"Krone": Du bist niemals abgewichen, um zur Sicherheit mal einen normalen Job anzunehmen?
Blumenblatt: Nie. Ich habe immer nur in der Kunst gearbeitet. Ich bin davon nie weggegangen. Das war eben schwer, aber dadurch bin ich auch eine Optimistin, und das hört man in der Musik. Die Botschaft ist: "Ja, es ist schwer, aber es wird schon." Das gilt ja auch für die Liebe – dieser Spruch lässt sich fast auf alle Lebensbereiche umlegen.

"Krone": Beziehungsprobleme ziehen sich wie ein roter Faden durch dein Album.
Blumenblatt: Viele glauben vielleicht, die Männer würden mir alle zu Füßen liegen. Der eine oder andere vielleicht, aber natürlich gibt es auch die, die mit mir nichts anfangen können. Das muss ja auch nicht jeder, sonst wäre es langweilig. Es gibt in der Realität die Mäuschen und die wilderen Hunde, und da muss dann jeder Topf seinen Deckel erst finden (lacht).

"Krone": Du würdest dich also auch selbst als etwas schwierigere Person bezeichnen?
Blumenblatt: Natürlich, das gehört ja dazu. Einerseits stelle ich wirklich überhaupt keine Ansprüche, aber auf der anderen Seite kommt dann wieder die Wienerin bei mir durch. Ich achte sehr stark auf Manieren, ob mir die Tür aufgehalten wird, ich zum Kaffee eingeladen werden und solche Dinge. Bei solchen kleinen Gesten merkst du die ersten Charakterzüge einer Person. Oft merkst du auch im Gespräch, dass dein Gegenüber ganz unbewusst ausfallend wird, womit die vielleicht nicht gerechnet hast – da kommen dann die Fluchtgedanken in mir hoch (lacht).

"Krone": Das gehört ja auch ein bisschen zum Wiener- Gen.
Blumenblatt: Das finde ich grundsätzlich auch gut. Auch, dass ich selbst gewisse Wiener Charaktereigenschaften mitgenommen habe. Wiener sind für mich durch und durch dekadent. Wir haben eben unsere Kultur, die ich sehr schön finde und die ich auch den Deutschen zu vermitteln versuche.

"Krone": Du fühlst dich mittlerweile aber in Berlin zuhause?
Blumenblatt: Ich habe schon ein gutes Jahr gebraucht, bis ich angekommen bin. Ich hatte anfangs eine fürchterliche Trennung hinter mir, und in einer neuen Stadt bist du ganz alleine. Da muss man schon durchbeißen, bis es auch gesellschaftlich gut funktioniert. Ich bin anfangs sehr oft nach Wien geflogen, um meine Familie zu besuchen, aber man lernt nach und nach Leute kennen und ist auch mit der Arbeit sehr gut abgelenkt.

"Krone": Spürst du die großen Unterschiede zwischen den beiden Städten?
Blumenblatt: Auf jeden Fall. Wien hat einfach wunderschöne Bauten, und die Architektur wurde damals vom Krieg nicht so beschädigt. Wien ist das kulturelle Gut geblieben, und Prunksäle oder auch so etwas wie das Café Westend hier wirst du in Berlin nie finden, einfach weil es zerbombt wurde. Berlin ist einfach trashiger, und wenn man damit leben kann und es schön findet, dann passt das auch wunderbar. Ich mag beide Seiten. Wenn ich schöne Architektur sehen will, fahre ich nach Wien oder Paris. Wenn ich aber all die Verrückten sehen möchte und diese Offenheit der Menschen spüren will, dann gehe ich nach Berlin. Das Schöne an Berlin ist, dass die Leute dort hungrig nach neuen Sachen sind.

"Krone": Das ist eine Anziehung der Gegensätze. Du machst den eher klassischen Sound in einer sehr hippen Stadt.
Blumenblatt: Total – aber für die Berliner ist mein Sound auch wieder trashig. Live ist meine Show auch ein bisschen mehr Rock- 'n'- Roll und Punk- Rock, als sich die meisten denken. Vor dem Auftritt sind wir immer lieb und brav, aber danach sind wir komplett nass, durchgerockt, und meine Haare stehen in alle Richtungen (lacht). Bei uns auf der Bühne geht es schon richtig ab. Ich will den Leuten auch das Individualistentum näher bringen. Ich sage immer wieder: "Leute, macht euer Ding. Ihr werdet damit ankommen und glücklich sein." Man darf auch keine Angst haben, denn wenn es authentisch ist, spüren es die Menschen, und es wird klappen.

"Krone": Authentizität ist ein gutes Stichwort. Dein Sound ist nicht unbedingt breitenwirksam, und du könntest mit Rihanna- Musik sicher mehr Leute begeistern. War das nie eine Überlegung für dich?
Blumenblatt: Da sehe ich mich einfach nicht. Das ist Pop, den es schon gibt, und niemand braucht eine zweite Rihanna oder eine zweite Lady Gaga. Die Leute wollen etwas Neues, was sie noch nicht gehört haben und was aus einem komplett anderen Eck kommt. Die zigtausendste Rockband, die klingt wie irgendwer anderes bringt niemanden etwas. Es ist natürlich schwierig, denn du kannst täglich aus Tausenden von Künstlern wählen und ein neuer Hit ist am nächsten Tag schon wieder uninteressant. Künstler werden heute ausgetauscht wie Unterwäsche (lacht). Da muss man ein Zeichen setzen und sein eigenes Ding durchziehen. Das ist halt schwer, denn sobald man etwas wagt, könnte es auch danebengehen. Die große Kunst ist es, individuell zu sein und diesen Individualismus dann an die Leute zu bringen. Wenn du in die Pop- Geschichte zurückblickst, wirst du unzählige Kurzzeit- Stars entdecken, die sofort wieder von der Bildfläche verschwunden sind. Das liegt an dem erfassten Hype, der dann aber so groß ist, dass er nicht gehalten werden kann. Die langfristigen, beständigen Karrieren haben nicht von Null auf Hundert durchgestartet, sondern sich langsam aufgebaut. Die Treue der Fans ist dabei ein wichtiger Punkt. Irgendwann wird dein Album Gold gehen, weil die Fans dir im Normalfall treu bleiben und mit dir als Künstler mitwachsen. Nimm doch nur die Schlagersänger her – die sind alle voll da. Sie funktionieren alle. Es ist wie bei den Hip- Hoppern – wenn sie ihren Fans sagen, sie sollen das Album in der ersten Woche kaufen, klappt das auch.

"Krone": Dort kann man ja auch noch mit physischen Tonträgern Geld machen.
Blumenblatt: Genau, aber beim Pop eben nicht mehr. Hier wird schon viel mehr gestreamt und gedownloaded. Aber Künstler freuen sich natürlich mehr über verkaufte Tonträger.

"Krone": Du bist auch eine absolute Grammophon- Liebhaberin und Schellack- Sammlerin. Das ist für dein Geschlecht, aber auch für deine Altersklasse eher unüblich. Wie hat sich das entwickelt?
Blumenblatt: Das hat erst in Paris begonnen, weil ich mich dort komplett neu gefunden habe. In dieser Stadt kann man sich auch absolut anlehnen, und dort habe ich angefangen, Schellacks zu sammeln. Egal bei welchem Antiquitätenladen, Trödel- oder Flohmarkt – ich war überall zu finden. Samstags in der Früh habe ich bei Flohmärkten am Boden gestöbert, um Schellacks zu finden, die ich noch nicht hatte. Natürlich sind die teuer, aber ich finde sie einfach geil. Das ist bewusstes Musikhören. Das kann ich auch nur jedem Jugendlichen empfehlen – hört wieder bewusst Musik. Wenn ihr euch schon durch eure Playlists durchdrückt, hört euch ein Lied doch bis zum Ende an.

"Krone": Ganze Alben sind schon nicht mehr so zeitgemäß. Deiner Theorie nach fehlt uns auch die Aufmerksamkeitsspanne für einen einzelnen Song.
Blumenblatt: Die Leute skippen nach 30 Sekunden weiter, weil es ihnen zu langweilig wird. Das hat aber mit dem Zeitgeist zu tun. Es geht alles so schnell, dass auch alles sehr schnell langweilig für uns ist. Wir müssen uns Zeit nehmen für uns selbst. Ich nehme mir die Zeit einfach. Ich lege eine Platte auf, trinke ein schönes Glas Wein, esse ein gutes Stück Käse und genieße die Musik. Es ist so ein schönes Gefühl, in dem Moment bewusst sein. Die Musiker haben sich im Studio ja auch den Arsch aufgerissen, aber das wissen die Menschen oft nicht. Es wird ihnen auch nicht gesagt, wie viel Geld ein Song kostet. Man muss auch zulassen können, dass ein Lied ein Gefühl in einem auslöst. Wenn wir wieder zu diesem Punkt hinkommen, sind wir in jeder Hinsicht gewachsen.

"Krone": Kannst du in deinem Berufsleben und bei deinem Stress wirklich die Zeit herausnehmen, diesem gesellschaftlichen Druck standzuhalten?
Blumenblatt: Ich nehme mir dir Zeit einfach. Natürlich habe ich auch ein iPhone und einen iPod, aber wenn ich von einer Tour nach Hause komme, setze ich mich erst einmal hin, stelle das Grammophon ein und entspanne bewusst bei Musik. Meine Freundin und ich stehen oft in der Wohnung, hören uns Musik an und beginnen plötzlich zu tanzen. Das liegt daran, dass uns die Musik bewegt. Das sind meist so alte Jazz- Schinken aus den 30er- Jahren. Am liebsten nähe ich dabei.

"Krone": Wenn du selbst so fleißig nähst, wird dich – anders als bisher – die österreichische Designerin Lena Hoschek bald nicht mehr einkleiden.
Blumenblatt: (lacht) Nein, das mache ich nur für mich selbst. Diese Frau ist so geil, ich habe so großen Respekt, was sie sich mit harter Arbeit aufgebaut hat. Ihre Sachen sind in dem Bereich auch nach wie vor unübertreffbar. Du siehst in ihrer Detailverliebtheit, wie viel Herzblut sie in ihre Arbeit steckt. Ich bin ihr größter Fan (lacht). Für mich ist es nur ein Hobby, das ich für mich selbst mache. Im Gegensatz zur Musik sehe ich die Resultate beim Nähen sofort. Hier habe ich am Abend im Blickfeld, was ich geschaffen habe. Bei der Kunst brauchst du oft fünf Jahre, bis du ein Resultat hast.

"Krone": Du hast alle Texte auf "Immer die Boys" selbst verfasst. Ziehst du dort auch Grenzen, wenn es zu privat wird?
Blumenblatt: Es gibt ein Lied, das es nicht auf die Platte geschafft hat. Es heißt "Mini- Weenie" (lacht). Ich erzähle die Geschichten so, wie sie mir passieren, und es ist alles autobiografisch. Ich erfinde nichts, sondern habe überall einen realen Bezug. So wie ich mich in diversen Lebenslagen gefühlt habe, klingen dann auch die Lieder. Natürlich ist das auch ein Seelenstrip.

"Krone": Schreibst du bessere Lieder, wenn du Herzschmerz verspürst?
Blumenblatt: Immer. Ich muss entweder in extrem tiefer Trauer oder extrem verliebt sein. Ich war letztes Jahr oft verliebt, was man an den fröhlichen Songs erkennt (lacht). Ich bin auch ein Mensch der Extreme, der mal total happy und dann wieder total depressiv ist. Künstlern fällt es immer schwer, den Mittelweg zu finden.

"Krone": Hast du dich und deine Kunst früher in Österreich missverstanden gefühlt?
Blumenblatt: Ja und nein. In der Electro- Swing- Szene habe ich schon sehr früh Anklang gefunden. Die Doppeldeutigkeit hat ihnen gefallen, aber der große Rest hat mich nicht verstanden. Das war auch ein Grund, weshalb ich gehen musste. Ich akzeptierte das einfach nicht, das liegt nicht in der Natur eines Optimisten. "Das geht nicht" gibt's nicht in meinem Vokabular. Johnny Cash hat ja nichts anderes gemacht als Stile vermischt. Wäre er ein Pessimist gewesen, hätte er schon sehr früh aufgegeben. Hätten damals alle Leute negativ auf seine Musik reagiert, würde uns heute ein riesiges musikalisches Kulturgut fehlen. Volksmusik, Surf und Rock- 'n'- Roll passen doch auch wahnsinnig gut zusammen.

"Krone": Würdest du nicht gerne was mit Andreas Gabalier machen?
Blumenblatt: Ich würde es nicht ausschließen. Ich kenne seine Werke nicht wirklich, aber ich finde es bewundernswert, wie er sein Ding durchzieht. Ich bin ein richtiger Fan von solchen Leuten. Die Menschen kommen deswegen auch zu seinen Shows und sehen sich das auch an. Er ist authentisch und steht dazu.

"Krone": Wie viele Künstlerinnen spielst du natürlich auch mit Erotik. Im Gegensatz zu einer Miley Cyrus ist deine Erotik aber sehr subtil. Würdest du das – um des Erfolgs Willen - auch frontaler machen?
Blumenblatt: Es ist ein schmaler Grat. Es gibt aber viele Ebenen, sexy zu sein. Bei Miley Cyrus bin ich mir ziemlich sicher, dass ihr das von der Plattenfirma aufgedrückt worden ist und sie nur das macht, was ihr gesagt wird. Sie denken, mit dem Imagewechsel erreichen sie den Erfolg schneller. Ich bin auch eine sehr erotische Person und mache auch kein Geheimnis daraus, dass ich in Paris im "Crazy Horse" getanzt habe. Ich finde es zum Beispiel viel erotischer, wenn eine Frau einen Rock an hat, bei dem du das Knie siehst, als einen Minirock, der ihr bis unter die Arschfalte geht. Das sollte man der Jugend auch erklären und zeigen, dass es viele Arten gibt, sexy zu sein. Es muss nicht immer vulgär sein.

"Krone": Aber man wird doch erschlagen von diesen Frontalbeispielen der Erotik.
Blumenblatt: Es geht immer darum, wie man für den schnellen, kurzen Moment für Aufregung sorgt. Die Menschen sehen das aber schon jeden Tag, und deshalb hat das auch keine Nachhaltigkeit. Der Sinn der Sache ist es nicht, dass ein Hilfeschrei nach außen geht: "Bitte schaut mich an."

"Krone": Würde es bei dir Grenzfälle bei der erotischen Darstellung geben, die du etwa deinen Eltern gegenüber nicht verantworten könntest?
Blumenblatt: Auf jeden Fall. Es gibt auch in meiner Liveshow einen Teil, wo die Jungs hinter mir abrocken und über mich Wasser geschüttet wird. Als letztens mein Vater da war, habe ich mir kurz überlegt, ob ich das nicht auslassen sollte (lacht). Da kommt dann wieder die biedere Marla aus mir raus. Es ist wichtig, dass alles in einem Rahmen bleibt. Bei der Familie denkt man natürlich anders als bei Publikum oder Freunden. Man sollte seine Grenzen kennen und darf sich nicht zu jedem Preis verkaufen. Als Künstler sollte man auch wissen, dass die Kunst stark genug ist und man nicht alles tun muss. In meinem Video zu "Gartenpavillon" haben wir ein Mädchen, das sich auszieht, und sie hatte total schöne Brüste. Sie ist aber ein Mädchen von nebenan und keine aufdringliche Person – somit kommt das auch im Video schon wieder ganz anders rüber. Die Leute sollen sich mit mir identifizieren können – ich bin eine Person zum Angreifen. Ich möchte keine Barrikaden haben, sondern auf einer Ebene agieren. Ich gehe bei Konzerten auch runter von der Bühne und tanze mit ihnen.

"Krone": Ein weiterer interessanter Gegensatz bei dir ist die Tatsache, dass du dich selbst als Powerfrau bezeichnest, aber deine Musik und dein Image aus einer Zeit kommt, die mit Powerfrauen nicht viel zu tun hatte.
Blumenblatt: Das liegt auch ein bisschen daran, dass ich es eben nie leicht hatte und mir immer alles sehr mühsam selbst finanzieren und ermöglichen musste. Aber es geht auch im Alltag nicht immer als Powerfrau. Wenn du in eine neue Wohnung ziehst – wie willst du als Frau alleine Kühlschrank und Waschmaschine tragen? Oder du fährst zu Ikea, kaufst einen Schrank und musst den alleine zusammenbauen. Natürlich machen viele Mädchen alles selbst, aber es gibt dann auch Grenzen. Man kann nicht immer alles selber machen und soll das auch nicht müssen. Da wünsche auch ich mir einen starken Mann, der mir unter die Arme greift. Wenn man so wie ich eine Person ist, die an Türen klopft und immer arbeitet, wünscht man sich im privaten Leben auch Momente, in denen man sich fallen lassen kann. Ich möchte auch den nicht- dominanten Part übernehmen. Das eine schließt das andere überhaupt nicht aus. Vor allem in Berlin sehe ich, dass sich die ganz jungen Mädchen vermehrt danach sehnen. Sie stellen sich in die Küche und backen für sich selbst. Sie wollen einfach ein geborgenes Gefühl haben und vom Alltag runterkommen. Ich sehe darin nichts Schlimmes. Ich bin gerne total stark, habe aber kein Problem, auch mal den passiven Teil zu übernehmen. Wenn ich für einen Mann koche, finde ich das schön, außerdem tue ich mir mit dem Essen ja auch selbst was Gutes. Selbst ist die Frau (lacht).

"Krone": Du bist also auch ein total häuslicher Mensch. Würdest du für den richtigen Mann auch das Karrierepensum runterschrauben?
Blumenblatt: Ich glaube, der richtige Mann würde in Kauf nehmen, was ich mache, und mich nie runterschrauben wollen. Sollte ich einmal Kinder haben, müsste er auf sie aufpassen, während ich auf Tour bin. Der richtige Mann müsste schon verstehen, was ich mache, und mich dabei unterstützen. Ich wäre ja nicht ich, wenn ich nicht tun würde, was ich tue. Umgekehrt gilt dasselbe. Zuhause bin ich ja extrem zahm und ruhig, und die Musik ist mein Ventil, bei dem ich aus mir rauskomme.

"Krone": Hattest du eigentlich schon immer deine "Rampensau- Qualitäten"?
Blumenblatt: Die sind mit der Zeit gekommen. Ich bin auf der Bühne, seit ich zwölf Jahre alt bin, damals eben noch Ballett. 2007 im "Crazy Horse" bin ich richtig zur Rampensau geworden, und da haben sie quasi die "Drecksau" aus mir herausgeholt (lacht). Ich war dann selbst ganz verwundert, dass ich dieses Talent in mir hatte. Das geht vielen Menschen so, dass sie ihre Qualitäten nicht kennen. Es ist wirklich wichtig, dass sie sich die Zeit nehmen, um das rauszufinden.

"Krone": Welche Ziele hast du dir jetzt mittelfristig gesteckt?
Blumenblatt: Möglichst oft live auf der Bühne zu stehen. Ich gehe ein wie eine Blume, wenn ich nicht live spielen kann. Ich will, dass mein Publikum Spaß hat und auch ich selbst. Musik ist ja einfach was Verbindendes, da können Großväter mit Enkel und Töchtern kommen, und alle werden es feiern. Die Alten erinnern sich vielleicht bei meiner Musik an ihre Jugendzeit zurück, und die Jungen finden es vielleicht total trashig (lacht).

04.11.2013, 06:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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