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11.12.2016 - 14:22
Foto: Warner Music

Loreen über den Song Contest, Politik und Herbst

18.05.2013, 09:00
Sie hat den Song Contest 2012 souverän für sich entschieden und mit der Mischung aus ihrem Dance-Pop-Song "Euphoria" und dem eigenwilligen Ausdruckstanz für Aufsehen gesorgt. Die "Krone" sprach mit der schwedischen Pop-Sängerin Loreen über ihr Album "Heal", ihre ausdrucksstarke Stimme und ihr politisches Engagement.

"Krone": Loreen, du hast dein Debütalbum "Heal" getauft. Was willst du denn heilen oder wovon möchtest du geheilt werden?
Loreen: Dass ich das Album "Heal" genannt habe, ist eigentlich widersprüchlich. In so gut wie allen Songs geht es um Beziehungen, völlig egal welcher sexuellen Orientierung. Der letzte Song heißt "Heal", weil er den passenden Abschluss zu den anderen Songs bietet. Es geht um Untreue, um Trennungen und deren Hintergründe und um Intimität in einem seriösen Rahmen. Der einzige Weg, um zur eigenen Balance und zur eigenen Ruhe zu kommen, ist sich einzugestehen, welche Emotionen einen lenken. Man sollte nicht gleich zu Therapeuten rennen, um die Probleme offen zu legen, sondern viel mehr erkennen, was eigentlich die Probleme sind. Damit kann man selbst schon den Heilungsprozess einleiten.

"Krone": Viele Kritiken sprechen von einem Dance- Pop- Album, das perfekt zu trüben Herbsttagen passt. Siehst du das auch so?
Loreen: Das finde ich gut, denn der Herbst ist meine Lieblingsjahreszeit. Ich bin auch im Oktober geboren. Ich würde mein Album als Dark- Pop oder Alternative- Pop bezeichnen. Ich finde diese Bezeichnung gut, die Menschen können sich in das Album hineinversetzen, haben ja auch ihre eigene Meinung. Ich würde "Heal" durchaus als Herbst- Album bezeichnen.

"Krone": Brauchst du einen bestimmten Platz oder eine bestimmte Stimmung, um Songs zu verfassen?
Loreen: Ich brauche bestimmte Klänge und Instrumente im Studio, um die richtige Stimmung zu bekommen. Perfekt für mich ist ein Piano. In dem Moment, wo ich vor einem Piano sitze und zu spielen beginne, sprudeln die Ideen nur so aus mir raus. Auch Streichorchester und Schlagzeuge inspirieren mich sehr. Wenn ich dann endlich mal im Studio bin, schreibe und produziere ich eigentlich sehr gerne (lacht).

"Krone": Herausragend auf dem Album ist deine Stimme. Hattest du jemals Stimmtraining und was machst du, um deine Stimme zu schützen?
Loreen: Ich hatte aus einem bestimmten Grund nie einen Vocal- Coach. Sie haben gewisse Regeln und Grundsätze und das verändert deine eigene Stimme zu stark. Ich finde aber, es gibt keine Regeln oder Grundsätze in der Musik und der Kunst und deshalb habe ich auch nie auf eine Ausbildung zurückgegriffen. Ich möchte meine Stimme so einzigartig wie möglich lassen. Ich singe oft mit einer Opernstimme, das würde mir jetzt als einzige Technik dazu einfallen. Ich habe keine Angst davor, so etwas auszuprobieren. Viele Opernsängerinnen brauchen nicht einmal ein Mikrofon, weil ihre Stimme so mächtig ist (lacht). Mein Ratschlag an Leute, die gerne singen möchten ist: Hört euch viel Musik an und achtet auf eure eigene Stimme. Versucht nicht, wie jemand anderes zu klingen. Und vertraut keinem Vocal- Coach zu sehr (lacht).

"Krone": Dein Triumph beim Song Contest 2012 war herausragend – wie siehst du diesen Erfolg jetzt mit etwas Distanz?
Loreen: Was mir noch immer durch den Kopf geht ist, wie wichtig dieser Erfolg für mich und die Menschen in meinem Umkreis war. Meine Karriere hatte schon eine gewisse Routine und die wurde mit diesem Erfolg einfach durchbrochen. Der Erfolg bewegt mich noch immer sehr, weil viele Leute sehr positiv darauf reagiert haben. Ich habe gemerkt, welch positive Auswirkungen der Sieg auch auf andere Menschen hatte.

"Krone": Vor diesem großen Erfolg warst du auch Teilnehmerin der schwedischen Castingshow "Idol 8", bist aber sehr schnell ausgeschieden. Hast du in solchen Zeiten überlegt, die Musikkarriere auf's Eis zu legen?
Loreen: Nein, ich habe mich auch nie um Erfolg gekümmert. Mir ging es immer darum, ehrlich zu mir selbst zu sein. Ich war früher auch sehr grün hinter den Ohren, hatte kaum eine Ahnung vom Geschäft und glaubte schnell mal, was mir erzählt wurde. Der Erfolg setzt meistens dann ein, wenn du deine Dinge selbst auf die Reihe kriegst und damit umgehen kannst. Dazu war ich damals noch nicht bereit. Hätte ich schon früher so viel Erfolg gehabt, hätte ich mich verloren gefühlt.

"Krone": Du bist ein sehr politischer Mensch, hast beim Song Contest auf die Menschenrechte in Aserbaidschan aufmerksam gemacht und dich auf deinem Facebook- Account über die Wiederwahl von Barack Obama als US- Präsident gefreut. Wie weit kannst du als Künstlerin Einfluss auf Politik nehmen?
Loreen: Ich denke, dass nicht nur Künstler, sondern alle Menschen Politik beeinflussen können. Das Gute daran ein Künstler oder Musiker zu sein ist, dass du viele Leute hast, die genau hören was du sagst oder zu sagen hast, die dir eine Chance geben. Ich kümmere mich sehr stark um politische Dinge. Barack Obama war für mich auch eine unterbewusste Entscheidung, denn er ist schwarz. Er hat afrikanische Vorfahren und wenn man sich die USA ansieht, war diese Wahl sensationell. Das ist auch immens wichtig für die schwarze Bevölkerung in den USA. Es geht nicht nur um seine Arbeit im Wirtschafts- oder Sozialbereich, sondern auch darum, dass er mit seiner Hautfarbe ein Zeichen setzt. Es ist wichtig, dass sich die Kulturen auch in Zukunft immer stärker vermischen.

"Krone": Du hast selbst marokkanische Vorfahren und stammst von den Berbern ab. Schweden ist aber ein guter Staat für Immigranten.
Loreen: Es ist in der Tat ein guter Platz zu Leben, auch für Migranten. Aber wir haben hier genauso Probleme wie überall anders. Hätte ich einen Wunsch frei, dann sollten die ganzen Länder in Skandinavien mehr Flüchtlinge aufnehmen. Schweden kümmert sich immer um Flüchtlinge - die Finnen etwa nicht unbedingt. Ich würde mir einfach wünschen, dass Staaten, die die finanziellen und ökonomischen Möglichkeiten haben, mehr Flüchtlinge aufnehmen.

18.05.2013, 09:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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