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23.05.2017 - 16:02
Foto: Warner Music

Linkin Park: "Wollten nicht noch poppiger werden"

31.05.2014, 17:00
Linkin-Park-Fans der ersten Stunde mussten in den letzten Jahren ziemlich viel erdulden - schließlich zeigte sich ihre Lieblingsband stets sehr experimentierfreudig und nur selten so, wie es "Hybrid Theory"-Fans gerne gehabt hätten. Mit "The Hunting Party" stoßen die Kalifornier nun aber wieder in härtere Gefilde vor. Der eloquente Sänger Chester Bunnington und der zurückhaltende Drummer Rob Bourdon empfingen die "Krone" im sonnigen Los Angeles, um über die musikalische Trendwende, offenherzige Selbstkritik und eventuelle Gigs auf dem Mond zu reden.

"Krone": Jungs, euer neues Album "The Hunting Party" ist überraschend hart ausgefallen und erinnert mich an euren erfolgreichen Erstschlag "Hybrid Theory". War das so geplant?
Chester Bennington: Ich finde eigentlich, dass unser neues Album noch viel härter als das Debüt ist. "Rebellion" ist noch der gemütlichste Song, von da an wird es eigentlich immer härter. "Hybrid Theory" hatte viele harte Momente, aber genauso viele Popsongs und leichtere Rock- oder Hip- Hop- Songs mit elektronischen Einflüssen. "The Hunting Party" ist außerhalb der Hip- Hop- Einflüsse ein absolutes Rockalbum. Egal ob Hard- oder Punk- Rock (lacht). "Hybrid Theory" war aber der Gradmesser für unser neues Album, weil es für viele unserer Fans das bislang härteste Album unserer Karriere war.

"Krone": Ihr seid bekannt dafür, euch von Album zu Album zu verändern, aber warum ist "The Hunting Party" im Vergleich zu den letzten zwei oder drei Alben so viel härter geworden?
Rob Bourdon: Wir haben diese harten Elemente als Hörer und Musikmacher gleichermaßen vermisst. Diese Elemente sind ein Part unserer DNA. Viele der Songs, die wir mit elektronischen Einflüssen gemacht haben, zünden live halt auch nicht so stark wie geradlinige Rock- Songs. Wir haben uns dadurch beim Aufnahmeprozess auch viel mehr als Band gefühlt, als große Einheit. Als Mike Shinoda unsere Songs schrieb, waren sie anfangs noch nicht so hart, gingen dann aber in eine härtere Richtung, weil einfach das Gefühl dafür da war. Für uns war es ein Abenteuer, die Richtung quasi wieder zurückzustellen und eine neue alte Spur einzuschlagen. Wir haben einfach etwas gut gemacht, was wir lange nicht mehr ausprobierten, und haben alles noch mit neuen Ideen und Einflüssen aufgepeppt.

"Krone": Mir fiel als Erstes der Refrain von "Rebellion" und das punkige Schlagzeug von "Keys To The Kingdom" auf. Eine interessante Mischung aus kompromisslos- roh und eingängig- episch.
Bennington: Das liegt am Mix von Andy Wallace – niemand kann Hard- Rock- Alben besser mischen als er. Er musste nicht so viel ausbalancieren wie früher, sondern konnte das Material quasi prompt ohne arbeitstechnischen Schnickschnack umsetzen. Wir wollten dieses Mal auch keine Stimmen verdoppeln oder künstlich aufpeppen. Im Studio hatte ich eine richtig gebrochene Stimme, weil ich nicht ganz gesund war, aber wir haben sie so roh gelassen – einfach weil es cool klang (lacht). So klingt es ja auch live – das ist doch harte Arbeit. Im Studio haben wir dieses Mal einfach mehr aus uns herausgeholt als je zuvor. Das hatte fast schon ein Live- Feeling.

"Krone": Nachdem bei den letzten drei Alben Großmeister Rick Rubin an den Produzenten- Reglern saß, habt ihr "The Hunting Party" dieses Mal ganz alleine produziert. Warum dieser Schritt?
Bennington: Es lag jedenfalls nicht an Rick, dass wir das selber machten, sondern einfach daran, einmal etwas Neues auszuprobieren. Wir hatten aber schon gewaltig viel Glück, dass bislang so viele große Produzenten überhaupt mit uns gesprochen haben. Als Ko- Produzenten konnten wir dieses Mal Rob Cavallo für den Song "Wastelands Of Today" gewinnen und wir waren völlig überrascht, als er uns hörte und keine großen Ratschläge gab, sondern einfach meinte, wir sollen unser Ding so durchziehen. Das war schon angenehm. Wir haben einfach gedacht, wenn wir für diesen oder jenen Song einen Produzenten wollen, dann holen wir ihn uns – nicht zwingend für jeden Song. Wir haben uns auch Gastmusiker wie etwa Page Hamilton oder Daron Malakian, mit dem wir den Song "Rebellion" schrieben, ins Boot geholt. Wir haben auch mit Tom Morello gejammt. Als wir ursprünglich die ersten Demos brachten und Mike für den Hauptteil des Songwritings zuständig war, waren die Songs tatsächlich mehr dem elektronischen Dance- Bereich zuzurechnen und sehr poppig. Wir haben uns das noch einmal überlegt und gesagt, dass wir keinesfalls noch poppiger werden wollen, damit wir unsere Fans nicht noch mehr anpissen (lacht). Also gehen wir einen Schritt zurück, packen wieder die Gitarren aus, hauen auf das Schlagzeug und rocken einfach los. Dann kam die Idee mit den Zusammenarbeiten und jeder Moment mit anderen Musikern fühlte sich perfekt an.

"Krone": Es ist sehr unüblich, dass ihr so viele Gäste auf einem Album vereint.
Bourdon: Wir hatten niemals Gäste, aber "The Hunting Party" ist unser sechstes Album und wir wussten, dass die Zeit da ist, einfach mal in allen Bereichen etwas anderes zu probieren.

"Krone": Tom Morello – die Rage- Against- The- Machine- Legende – wird sich also auch auf dem Album tummeln?
Bennington: Das kann ich jetzt schwer beantworten. Es gibt noch Zeug, dass wir mit Tom Morello gezockt haben, aber auf den zehn Songs, die sich auf "The Hunting Party" befinden werden, wird Tom nirgends zu hören sein. Möglicherweise verwenden wir diese Songs in der Zukunft oder arbeiten noch einmal zusammen. Die Arbeit mit ihm war ein Riesenspaß. Er kam herein und wir haben uns 15 Minuten zusammengesetzt, um zu jammen. Das Material ist so gut, dass man aus diesen 15 Minuten viele Teile für neue Songs verwenden kann. Das ist wirklich verrückt, weil wir niemals so arbeiten (lacht). Wir haben hier wirklich viel gelernt – zum Beispiel, wie man spontan etwas entstehen lässt.

"Krone": Gibt es eigentlich Querverbindungen von eurem Albumtitel zum Film mit Richard Gere aus dem Jahr 2007?
Bennington: (lacht) Wir haben von diesem Film erst unlängst gehört.
Bourdon: Das ist wirklich witzig – wir hatten ja keinen blassen Dunst.
Bennington: Ursprünglich wollten wir das Album "Carnivores" nennen. Der Titel hat uns fast alle begeistert, weil er sehr instinktiv, animalisch, aggressiv und roh ist – in etwa so wie das Material, das wir nun veröffentlichen. Er hätte aber schlussendlich nicht ganz zur Intention, zur Komplexität und der technischen Verarbeitung des Albums gepasst. Es klingt zwar cool, aber in gewisser Weise hätte der Titel eine falsche Ausrichtung vorgegeben. Zudem war er zu simpel. "The Hunting Party" hat immer noch dieses Fleischfresser- Feeling, bezieht aber auch das menschliche Element unserer Musik ein. Es geht um eine Gruppe, die zusammenarbeitet, rausgeht und etwas tötet. Das ist schon ein großer Unterschied zu einem Tier, das einfach ein anderes Tier niederringt, weil es hungrig ist. Im Zusammenspiel mit dem Cover und der Musik machte "The Hunting Party" einfach Sinn. Wir waren am Schluss alle glücklich damit.

"Krone": Viele Menschen und Fans von euch schrieben im Internet in den letzten Wochen und Monaten von eurem Comeback – dabei wart ihr ja nie wirklich weg. Was denkt ihr davon?
Bourdon: Ich glaube, dass das hauptsächlich Fans sind, die unsere ersten Alben mochten, aber den Weg mit uns nicht bis heute mitgegangen sind. Es geht ihnen wohl darum, dass wir wieder zu der Musik zurückgekehrt sind, die sie mit Linkin Park verbinden. Die wahren Linkin- Park- Fans wissen aber, dass wir immer wieder nach einer neuen Ausrichtung suchten und uns niemals wiederholen möchten. Wir haben uns in der Vergangenheit auch immer wieder selbst überrascht – es gab Alben, da hatten wir keinen Plan, wie wir anfangen und aufhören sollten. Wir haben uns einfach vorgehangelt und die besten Songs aus dem Aufnahmeprozess genommen. "The Hunting Party" ist tatsächlich eine Art Rückschritt. Rückschritt von den experimentellen Phasen und dem Wunsch, alles neu anzugehen, hin zu einem schlüssigen Rock- Album, dass die Essenz der Band widerspiegelt. Wir wollten uns einfach nie wiederholen, weil uns das nicht inspiriert. Und wenn wir schon nicht inspiriert sind, wie soll dann der Hörer einen Mehrwert oder Nutzen daraus ziehen? Die letzte Zeit war wirklich wichtig für uns, weil wir einiges geändert haben und sich das richtig gut anfühlt.

"Krone": Das nächste Album darauf könnte aber sicher wieder komplett anders klingen?
Bennington: Total anders. Jedes Mal, wenn wir das Studio aufsuchen, ist es so, als ob wir eine neue Band wären. Ich weiß genau, dass wir einer großen Schar an Linkin- Park- Fans lange Zeit nicht gut genug gedient haben. Ich habe es immer gesehen bei unseren letzten Alben, dass viele Leute sehr gut mit unserem stetigen Veränderungsprozess klarkommen, aber andere einfach nicht hineingefunden haben. Sie wollten ja, aber das eine Album von uns hat denjenigen vielleicht nicht so angesprochen wie ein anderes. Ich schätze besonders unsere Fans, die vielleicht einen Teil von uns wirklich geliebt haben, aber trotzdem auch die anderen Wege mitgegangen sind. Sie respektieren uns einfach. Sie finden einfach auf jedem Album einen Moment, der ihnen richtig gefällt, und jetzt liefern wir endlich wieder ein komplettes Album voller solcher Momente. Es ist somit für mich nicht überraschend, wenn uns die Leute als Comeback bezeichnen. Schließlich hatten wir beim Prozess dieses Mal die gleiche Energie und das gleiche Glücksgefühl wie die Fans, als sie "Hybrid Theory" zum ersten Mal gehört haben. Das ist cool und ich bin auch richtig froh, dass wir als Band dieses Mal das gleiche Ziel hatten. Das vereinfacht alles. Wir haben so hart an den Songs gearbeitet, dass die Leute eine Minute brauchen sollen, um einmal ordentlich durchzuatmen. Als wir das Album erstmals am Stück hörten, war ich nach dem fünften oder sechsten Track völlig aus dem Häuschen, weil wir so etwas einfach nie zuvor gemacht haben. Ich hatte gerade mal die Hälfte gehört und musste einfach durchatmen – es war also gut, dass wir bei dieser Listening- Session einen Computercrash hatten (lacht). Wir geben den Leuten einfach Zeit, um durchzuatmen, nur um ihnen gleich darauf quasi die nächste reinzuhauen (lacht).

"Krone": Bereut ihr möglicherweise etwas aus den Tagen eurer experimentelleren Phase?
Bennington: Absolut nicht. Jedes Album, das wir herausbringen, ist für mich zu der Zeit das beste, das möglich war. "A Thousand Suns" etwa ist ein verdammtes Meisterwerk für mich – wir haben damals absolut alles aus uns herausgeholt, waren aber von der Zeit her einfach nicht bereit, ein Album im Stile von "The Hunting Party" zu schreiben. Wir sind jetzt so linear wie nie zuvor – damals wollten wir alles andere als linear vorgehen. Wir wollten durch das verdammte Universum fliegen, und das war das Ergebnis. Wir wollten keine Regeln – zumindest das ist uns geblieben, nur das wir unsere Ausrichtung vereinfacht haben. Okay, auf dem Album "Meteora" gibt es vielleicht drei oder vier Songs, die ich nicht unbedingt gut finde – aber als Ganzes finde ich auch dieses Album mehr als okay. Ich bin schon stolz auf alles, was wir gemacht haben.

"Krone": In Nordamerika seid ihr in Kürze mit 30 Seconds To Mars auf der "Carnivores"- Tour unterwegs. Wann seid ihr wieder in Europa?
Bennington: Im Juni sind wir für einige Festival- und Headliner- Shows sogar in Europa, bevor es in Nordamerika weitergeht. Jared Leto hat schon recht, wenn er sagt, dass die Fans in Nordamerika auf dieses Package besonders heiß sind. Wir sind beides Bands, die viel Kontakt mit den Fans haben, sie fragen, was sie gerne sehen und hören möchten, und dadurch ein möglichst gut auf das Publikum zugeschnittenes Angebot präsentieren können. Wir haben unsere Fans auch gefragt, mit welcher Band wir touren sollen, und 30 Seconds To Mars sind immer an der Spitze oder auf Platz zwei in dieser Liste gelegen. Wir haben viele gemeinsame Fans, obwohl die Bands sehr unterschiedlich sind. Wir haben im Vorfeld noch gescherzt, dass wir diese Riesentour über den ganzen Globus schleppen sollten, aber 30 Seconds To Mars sind ja schon wieder seit zwei Jahren durchgehend unterwegs, insofern wird es wohl terminlich schwierig. Die Jungs sind sowieso ein Phänomen – durch welche Scheiße sie schon gehen mussten und die Tatsache, dass Jared wie ein Irrer an seiner Band bastelt und noch dazu ein großartiger Schauspieler ist, ist einfach irre. Das registrieren aber auch die Fans – die Band hat eine Passion zur Musik und all dem Drumherum. Davor kann ich nur meinen Hut ziehen. Wenn die Jungs also trotz des großen Stresses physisch in der Lage dazu wären, weiterzutouren, würden wir gerne die Welt bereisen (lacht). Wir wollen in Nordamerika spielen, dann in Europa und Asien – dann noch eine Runde in dieser Konstellation und dann wieder ein neues Album schreiben.

"Krone": Also die Welt gleich zweimal erobern. Wie wäre es noch mit dem Mond?
Bennington: Das wäre cool. Dort ist es aber uns gegenüber ziemlich feindlich, weil es keinen Klang gibt (lacht). Es ist auch verdammt kalt, kostenintensiv und niemand würde uns dort wohl bejubeln. Nichtsdestotrotz wäre das natürlich eine absolut geile Aktion (lacht).

31.05.2014, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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