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09.12.2016 - 06:36

Lenny Kravitz: Sexy- Rock mit Längen

18.12.2014, 00:59
Nach seiner krankheitsbedingten Absage im November hat Lenny Kravitz sein Stadthallen-Konzert Mittwochabend in Wien nachgeholt. Gut 6.000 Fans ließen sich die Instrumental-Show nicht entgehen und wohnten somit dem letzten großen Highlight eines grandiosen Konzertjahres bei - auch wenn nicht alles außer Kritik stand.

Wer ein echter Rockstar ist, der lässt sich auch nichts vorschreiben. Lenny Kravitz , mittlerweile stolze 50 Jahre alt, optisch aber mindestens zwei Dekaden jünger, ist zweifellos eine dieser schillernden und vom Aussterben betroffenen Figuren. 40 Minuten länger auf den "sexy Rocker" warten? Kein Problem, schließlich ist er nach seiner Grippe eigentlich mehr als einen Monat zu spät in Wien, da kommt es auf die paar Minuten auch nicht mehr an. Als der Wahl- Pariser mit dem brandneuen Song "Dirty White Boots" das Set eröffnet, bricht das Publikum ohnehin in ohrenbetäubenden Jubel aus.

Dirigent mit Stromgitarre

Dabei ist der Opener nicht unbedingt das beste Beispiel für die gutklassige Beschaffenheit seines neuen Albums "Strut". Da das unsterbliche The- Guess- Who- Cover "American Woman" und das mit einer kräftigen Dosis Soul durchzogene "It Ain't Over 'Til It's Over" nahtlos daran anschließen, ist der Qualitätsunterschied unverkennbar. Kravitz, gewohnt leger mit schwarzem Sakko, Nasenring und Pilotensonnenbrille, gibt den Dirigent mit der Stromgitarre und attackiert die gut 6.000 Fans mit sanften Liebesbotschaften.

Die Zwischenansagen sind inhaltlich meist so leer wie seine Interviews, aber der juvenile New Yorker hat seine Stärken eindeutig im musikalischen Entertainment. Hervorragend auch seine Backing- Band samt grandioser Schlagzeugerin, Leadgitarrist und Brian- May- Look- A-Like Craig Ross und den drei Background- Tänzerinnen, die den ohnehin hohen Groovefaktor noch um ein Vielfaches verstärken. Nach den letzten Akkorden des neuen Songs "Strut" verwandelt sich die Kravitz- Show dafür zum instrumentalen Ego- Trip seiner Mitstreiter.

Ausladende Soli

Was bereits beim flotten und mit sexy Kravitz- Hüftschwüngen begleiteten "Dancin' 'Til Dawn" beginnt, setzt sich spätestens bei der eindringlichen, von einer Akustikgitarre getragenen Ballade "Sister" fort – den Rock filtrieren Lenny und Co. nicht mehr durch knackige Riff- Kanonaden, sondern mittels ausladender E- Gitarren- Soli und Bläser- Einsätze. Was bei "New York City" oder dem ersten großen Karriere- Hit "Let Love Rule" noch relativ gut funktioniert, sorgt spätestens bei "Always On The Run" für erstes Kopfschütteln in den vorderen Reihen. Statt den flotten Funk- Song mit Verve durch die Halle zu brettern, verliert sich die Band in elendslangen Instrumental- Stakkatos.

Über jeden Zweifel erhaben und so kraftvoll wie schon vor 20 Jahren ist dafür das Organ des Frontmannes. Kravitz' Rockröhre tönt immer noch mit beneidenswerter Präzision und Durchschlagskraft und rettet über die Tatsache hinweg, dass etwas weniger Ego- Geklimper mehr Platz für weitere Hits gebracht hätte. 13 Songs auf knapp zwei Stunden aufzublähen ist dann doch etwas dünn, auch wenn Kravitz vor allem mit "I Belong To You" und dem Formatradio- Klassiker "Fly Away" noch einmal alle Trümpfe seines generationenumfassenden Rocks ausspielt.

Versöhnlicher Abschluss

Kräftig sind auch die Lichteffekte aus einer überdimensionalen, mechanischen Disco- Kugel, die sich während der Show wie eine Knospe öffnet und wieder schließt. Die ovale Videowall im Hintergrund unterstützt die musikalische Darbietung ohne zu nerven und spätestens beim abschließenden Klassiker "Are You Gonna Go My Way" sind auch jene versöhnt, die statt den jazzigen Saxofon- Spielereien lieber "I'll Be Waiting" oder "Again" gehört hätten.

Während sich seine Band vor grellem Licht einmal mehr in einen Rausch spielt, schreibt der muskelbepackte Top- Star bereitwillig Autogramme im Bühnengraben und verabschiedet sich mit Verbeugungen, Winken und netten Worten. Ein Rockstar lässt sich eben nichts vorschreiben – und das ist am Ende ganz gut so.

18.12.2014, 00:59
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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