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06.12.2016 - 20:30

Left Boy: Aufwendiges Pop- Spektakel für die Jugend

01.04.2014, 11:55
Weite T-Shirts, eng sitzende Hosen und hoch auf dem Kopf thronende Baseballcaps: Das Publikum im Wiener Gasometer hatte sich am Montagabend passend in Schale geworfen, um Left Boy die Ehre zu erweisen. Mit seinem Alter Ego trifft Ferdinand Sarnitz derzeit den popmusikalischen, aber allem voran jugendlichen Zeitgeist. Entsprechend frenetisch bejubelt wurde der gebürtige Wiener bei seinem Auftritt.

Dieser fand im Rahmen seiner aktuellen "Permanent Party"- Tour statt, wobei man unumwunden zugeben musste: Dieser Titel passt. Kurz nach 21 Uhr betrat der 25- jährige Sohn von André Heller unter lautem Gekreische die Bühne, ließ sich sogar zu einer kurzen Ansage auf Deutsch hinreißen, bevor eine knapp eineinhalb Stunden dauernde Reise durch die jüngere wie ältere Popgeschichte folgte. "Vienna, you're beautiful", entfuhr es ihm mehrfach an diesem Abend, der zum Erfolg mit Ansage wurde.

Interaktivität als Stilmittel

Immerhin hatte Left Boy anlässlich des Erscheinens seines Debütalbums "Permanent Midnight" Mitte Februar angekündigt, sich etwas Besonderes für seine Live- Shows einfallen zu lassen. "Mein Hauptthema für diese Tour war Interaktivität", erklärte er damals in einem Interview. Umgesetzt wurde dies dann sowohl digital wie analog. Denn einerseits durfte die versammelte Fanschar ob ihrer Lautstärke mittels "Applaus- o-meter" prominente Köpfe wie Justin Bieber auf einer Leinwand zum Zerplatzen bringen, andererseits wurde auch klassisch auf eine Toilettenpapierschlacht zwischen Backgroundtänzern und Publikum gesetzt.

Davor, dazwischen und danach regierten allerdings harte Beats, altbekannte Samples wie "Sweet Dreams" oder "Jump Around" und natürlich Songs des neuen Albums. Umrahmt von einer aufwendigen Lichtshow und pointiert auf die Stücke abgestimmten Visuals gab Sarnitz seine Entertainerqualitäten zum Besten, versuchte sich als Tanzlehrer und hielt immer wieder mal inne, um seinen Blick durch das ausverkaufte Auditorium schweifen zu lassen.

Fehlende Aufmerksamkeitsspanne

Es ist ja keine Selbstverständlichkeit, wenn man als Musiker seine Karriere im Ausland - in diesem Fall New York - aufbaut, und dann als gefeierter Star in die alte Heimat zurückkehrt. Pumpende Dancefloorkracher wie "Security Check" oder "Get It Right", das gar zweimal die Meute zum Ausflippen brachte, taten ihr Übriges, um viele zufriedene Gesichter nach sich zu ziehen. Dass die Stücke dabei oft wie Skizzen anmuteten, zig Ausfahrten nehmen wollten und meist nach weniger als drei Minuten schon wieder im allgemeinen Applaus untergingen, wirkte dabei eher wie eine Randnotiz. Die Aufmerksamkeitsspanne ist im Smartphone- Zeitalter wohl nicht höher anzusiedeln.

Und auch die Lust zur großen Geste und einer aufwendig inszenierten Show, die Sarnitz nicht zuletzt von seinem Vater geerbt haben dürfte, machte recht deutlich, dass das Spektakel im Vordergrund stand. Sicher, ansprechende Eigenkompositionen wie den Titelsong des Albums oder "Marie" hatte Left Boy ebenfalls im Köcher, aber seine jugendliche Anhängerschaft brauchte meist nicht viel mehr als die Idee einer bekannten Melodie, um in der folgenden Beatsalve zu selbstvergessenen Tänzern zu mutieren. Berührungsängste dürften Left Boy so oder so fremd sein, greift er in den Kommerztopf doch genauso wie zu kruderen Samples.

Genre- Einordnung unnötig

So blieb es auch nebensächlich, ob man diesen Triumphzug unter Hip- Hop- Show, Popkonzert oder doch technoider Dancefloor- Party einordnete. Optisch wie soundtechnisch ließ Sarnitz keinen Zweifel daran, dass hier nichts dem Zufall überlassen wurde. Das Publikum dankte es ihm mit lautstarken Chören und genügend Motivation für Mitmachabschnitte. Außerdem kann man dem jungen Rapper einen Hang zu ironischen Anspielungen nicht abstreiten. Und wer einen Mitmusiker mit überdimensionaler Discokugel als lebendigen Lichtarbeiter auf die Bühne schickt, hat schon einiges richtig gemacht.

01.04.2014, 11:55
AG/frö
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