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10.12.2016 - 21:13
Foto: Joe Leonard

Lagwagon: "Wir alle verlieren unsere Empathie"

01.08.2016, 17:00

Auch Punks haben Probleme. Ist es wirklich wert, das Aufwachsen seiner eigenen Tochter zu verpassen, weil man mit knapp 50 lieber in siffigen Kellern für Moshpits sorgt? Hat man sein jahrelang propagiertes Ziel als politisches Sprachrohr verfehlt, wenn Donald Trump trotzdem US- Präsident werden sollte? Ist man noch Punk, wenn man beim abendlichen Freunde- Dinner das Gesprächsthema Nummer eins ist? Wir haben bei Lagwagon- Frontmann Joey Cape (49) nachgefragt und wieder einmal festgestellt - Punk- Rock- Musiker sind reflektiert und meinungsstark.

"Krone": Joey, Lagwagon sind im Punk- Rock- Segment seit vielen Jahren eine relevante Größe. Seit mittlerweile 26 Jahren seid ihr bereits als Band unterwegs…
Joey Cape: Zu Touren begannen wir 1992. Wir hatten zuvor oft live gespielt, aber fast nur in Kalifornien.

"Krone": Obwohl euer Genre zwischendurch überhaupt nicht populär war und kein Hahn danach krähte, habt ihr niemals aufgehört, eure Shows bis heute immer durchgezogen.
Cape: Ich hoffe, wir haben das gut überlebt. (lacht) Die Reise muss immer weitergehen und hey, wir sind hier und touren mit Bad Religion, was will man mehr?

"Krone": Bist du ein Nostalgiker? Gerade Punk Rock ist ein ewig junges Genre und natürlich werdet ihr selbst nicht mehr jünger…
Cape: Der bin ich wohl schon, ja. Es kommt darauf an, worum es geht. Bei manchen Geschichten, die positiv sind, bin ich sehr nostalgisch, bei anderen weniger. Ich bin nostalgisch, aber nicht so sehr, dass ich jetzt bereits an Memoiren zu schreiben beginne. (lacht) Ich wünschte ja, dass ich das könnte, aber mein Gehirn kann nicht so viel speichern. Ich kann mich an viele Sachen nicht erinnern. Filmproduzent Robert Evans hat dazu das beste Zitat: "Es gibt deine Seite, meine Seite und die Wahrheit" - so würde wohl mein Buch aussehen. Manchmal denke ich an Dinge, die ich willkürlich vermische. Sie sind wohl so passiert, aber wahrscheinlich nicht im selben Zusammenhang.

"Krone": Hast du früher so exzentrisch gelebt, dass dir so viele Erinnerungen verloren gegangen sind?
Cape: Nicht exzentrisch genug. Wenn ich die Dinge wiederholen könnte, würde ich noch viel mehr probieren und mehr Spaß haben, als es im realen Leben war. Ich glaube das Leben an sich ist exzentrisch genug. Wenn ich mit zehn Leuten aus verschiedenen Freundeskreisen zu einer Dinner- Party gehe, bin ich in neun von zehn Fällen das Gesprächsthema Nummer eins, weil ich reise und viele Menschen treffe und vor vielen Menschen auftrete. Die meisten Menschen stecken in einem Würfel des Alltags und erleben meist nicht viel. Ich war nie jemand, der nach einer bestimmten Wildheit gesucht hat, aber ich mag natürlich etwas Chaos. Ich würde wohl den Verstand verlieren, wäre ich in einem Alltagsrad gefangen.

"Krone": Reisen ist aber nicht gleich Reisen. Als Musiker lebst du auch in einem Kubik, den du nicht verlassen kannst, wenn du auf Tour bist.
Cape: Reisen tust du in einem Van, nicht in einem großen Tourbus. Es ist viel romantischer, weil du aus dem Fenster siehst, irgendwo halten musst, um Benzin zu tanken und einfach auf engem Raum beisammen bist. Ich bin früher unheimlich viel selbst gefahren. Der Bus ist mehr ein mobiles Haus, und ich kann hier betrunken reinfallen und jemand anderes fährt - das sind die Vorteile daran.

"Krone": Kann das Touren und Reisen nach 25 Jahren auf der Bühne überhaupt noch romantisch sein?
Cape: Früher bin ich nicht so früh aufgestanden, um durch die Stadt zu spazieren. Das mache ich heute schon und ich brauche auch mehr als einen Aufenthalt, um eine Stadt zu verstehen. Heute laufe ich gerne durch die Gegend, steige in Öffis und lasse mich treiben. Die Wahrheit ist aber: Wenn du ankommst hast du einen Soundcheck, dann vielleicht ein paar Interviews und was essen willst du auch. Du hast so viele kleine Verpflichtungen im Alltag, dass eine Romantik auf Tour oft gar nicht möglich ist. Anfangs hat mich das sehr frustriert, aber man gewöhnt sich daran - immerhin ist das mein Job. Irgendwann bin ich draufgekommen, dass ich auch darauf scheißen kann und manchmal einfach weggehe. (lacht) Für mich erfahre ich die Kultur einer Stadt aber ohnehin durch Gespräche mit den Einheimischen. Ich kann Menschen und ihre Probleme in unterschiedlichen Orten ziemlich gut verstehen. Das kannst du alles mit einem Bier erledigen und es macht Spaß. Du lernst Kulturen zu begreifen und bereicherst dich selbst.

"Krone": Ist dieses Nomadenleben heute noch immer so lustig mit dem Wissen, dass deine Familie samt Tochter in Kalifornien auf dich wartet - viele Male in einem Jahr?
Cape: Es ist erstaunlich, wie man sich an solche Sachen gewöhnt. Ich habe eine hervorragende Beziehung zu meiner Familie, es gab da nie böses Blut. Ich habe es oft bereut, dass ich in Jahren, wo wir bis zu 280 Konzerte gespielt haben, ein ganzes Jahr des Lebens meiner Tochter verpasst habe. Das war nicht gut, ich habe auch ein Herz. Aber meine Tochter und ich kennen uns eigentlich von Anfang an aus dieser Situation. In gewisser Weise haben wir dadurch vielleicht sogar eine stärkere Beziehung als andere, weil unsere gemeinsame Zeit dafür noch wertvoller ist. Ich arbeite viel zu Hause, es ist immer ein Auf und Ab. Vor kurzer Zeit hat meine Tochter meiner Frau gesagt, dass ich sie nicht kennen würde. Meine Frau hat es mir gesteckt und das hat mich fast vernichtet. Aber gut, das ist ein neues Projekt, das ich in Angriff nehmen muss. Ich werde nicht offen auf diese Aussage von ihr eingehen, mich aber viel stärker mit ihr befassen. Es ist immer ein schmaler Grat, aber auch ein Teil meines Lebens.

"Krone": Andererseits hast du wenn du mal Zuhause bist, umso mehr Zeit für sie. Bist zumindest nicht durch einen normalen Tagesjob abgelenkt.
Cape: Naja, es gibt Zwölf- Stunden- Arbeitstage und auch welche, wo ich nichts mache. Ich bin auch ein bisschen ein Getriebener und kann nicht wirklich anders. Ich habe mir schon oft überlegt, wie lange ich so arbeiten kann wie jetzt, aber eigentlich liegt das nicht an mir. Wer weiß denn schon, wie lange die Leute zu meinen Konzerten auftauchen? Bislang ging es gut, aber man weiß es nie. Ich denke immer daran, wie ich ein besserer Familienmensch sein kann. Also produziere ich zuhause, nur kauft niemand mehr Alben, also ist dieser Weg auch nicht der beste. Ich kann aber nichts anderes, mir bleibt nur die Musik. Ich denke oft darüber nach, aber ich verdiene genug. Wir leben sehr basisch, haben keinen Luxus und keinen Reichtum. Ich bin sehr glücklich und deshalb ist alles okay.

"Krone": Als Mensch, der die ganze Welt bereist - gibt es Orte, wo du dich neben deinem echten Zuhause auch heimisch fühlst?
Cape: Absolut, die gibt es. Berlin zum Beispiel, dort habe ich schon unendlich viel Zeit verbracht. Es gibt noch viele andere Städte, die ich dazu zählen würde. Ich bin nicht so ignorant zu glauben, dass ich das so erleben kann wie Leute, die dort wirklich geboren und aufgewachsen sind, aber ich habe in vielen Städten so viel Zeit verbracht, dass ich mich einfach wohlfühle. Ich weiß in bestimmten Städten, was ich sagen soll und was nicht, wo ich gehen soll und wo lieber nicht. Gerade in Deutschland und auch in Italien fühle ich mich gut. Auch in Japan, obwohl dort alles anders ist. Melbourne in Australien auch, allein schon weil sie meine Sprache sprechen. Australien ist wie die USA vor zehn Jahren - auch politisch. (lacht) Es gibt jedenfalls viele Parallelen und der Schlüssel um sich wohl zu fühlen, sind gute Freunde.

"Krone": Politisch gesehen würdest du dir wahrscheinlich die USA zehn Jahre zurückgedreht wünschen…
Cape: Oh mein Gott, wir beschreiten gerade eine sehr dunkle Zeit. Die ganze Welt scheint gerade auseinanderzubrechen, es liegt ja nicht nur in den USA vieles im Argen. Sieh dir nur den Brexit an. Der beste Beweis, dass sogar eine gut funktionierende, zivilisierte Gesellschaft keine Lust auf eine internationale Gemeinschaft hat. In dieser modernen Welt gibt es immer weniger den Willen, Informationen zu lukrieren und Geschichte zu lernen. Die Leute wollen immer alles und das sofort und möglichst gratis. Die ganze Welt liegt in Trümmern. Donald Trump ist ein gutes Beispiel für die schlimmste Form von Rücksichtslosigkeit - aber er ist nicht der einzige. Vielleicht der berühmteste. Traurig, aber wahr.

"Krone": Es wirkt mitunter so, als ob viele Menschen gerne mit Anlauf und voller Freude in eine dunkle Ära springen möchten.
Cape: Jeder polarisiert nur mehr. Ich finde, dass es im Sport reichen würde, aber heute ist überall der gleiche Wettkampfgedanke. Es gibt immer weniger den Willen, eine empathische Zivilisation aufrechtzuerhalten. In erster Linie sind wir füreinander verantwortlich und sollen hilfsbereit sein. Das klingt idealistisch, aber es heißt nicht, dass es deshalb falsch ist. Heute wird in der Gesellschaft so viel verkompliziert und totgeredet, dass der durchschnittliche Bürger dem Ganzen nicht mehr folgen kann.

"Krone": Idealismus und Empathie waren auch im Punk Rock ein wiederkehrendes Merkmal in punkto Texte, Einstellung und Haltung. Siehst du das immer noch gegeben in der heutigen Punk- Rock- Welt?
Cape: Wenn ich an Punk Rock denke, sollte es immer um Anti- Establishment gehen. Wir kämpfen gegen eine abseitige und reaktionäre Politik und das ist mehr eine Philosophie, als nur Musik. Jeder kann sich so fühlen, du musst kein Punk dafür sein. Es gab aber auch Pop- Punk- Bands, die über Mädchen schrieben. Das ist auch okay, aber eben nicht meine Einstellung dazu. Bad Religion sind das perfekte Beispiel dafür, wie man seit Ewigkeiten und möglichst perfekt gegen das Establishment ankämpft. Es ist schwer, diese Jungs zu toppen. Für mich sind sie die Blaupause für alles in diesem Bereich.

"Krone": Bad Religion tragen diese Haltung immer noch stolz vor sich her, The Offspring zum Beispiel wirken live übersättigt und lustlos.
Cape: Das ist aber auch eine Pop- Band für mich, das ist ein Unterschied. Rage Against The Machine ist die perfekte Mischung aus Rohheit und Popularität und bei ihnen funktionierte es großartig. Ich bin aber kein Gegner von Pop- Bands. Zu meinen All- Time- Lieblingssongs zählen viele Nummern von bekannten Pop- Bands. Ich beurteile Musik nicht nach Genres, aber sobald du Punk machst, musst du zumindest gegen das Establishment sein. Anders kannst du den Geist dieser Musik nicht schultern. Klar gibt es Meinungs- und Kunstfreiheit, aber ich glaube nicht ganz daran. Im Punk musst du eine Aussage haben. Es ist okay, dass wir alle verschiedene Meinungen haben, aber im Punk, unter den Bands, musst du einfach eine gewisse Haltung haben. Das klingt jetzt egogetrieben, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich Recht habe. (lacht) Propaghandi sind auch ein gutes Beispiel für die richtige Haltung.

"Krone": Spürst du diese Haltung heute auch noch bei jungen Bands, die sich für Punk deklarieren?
Cape: Mitunter schon, aber es ist nicht mehr so eindeutig. Es gibt andere Ansichten, Zugänge und Tiefen. Es gibt einerseits die typischen "ich scheiße auf Eltern und Schule"- Haltung und dann gibt es eine größere, politische, die etwa Propaghandi besingen. Pennywise haben "Fuck Authority" - das ist ein bisschen wage gehalten, aber sehr cool. Wenn ich ein Kid bin, kann ich mich genau damit identifizieren, andererseits musst du mit laufendem Alter ein bisschen spezifischer werden. Du musst einfach die richtige Balance finden in deiner Themenauswahl. Mein moralischer Kompass dreht sich meist um Empathie und das Miteinander.

"Krone": Ist es heute noch leicht und vor allem ehrlich Songs zu singen, die du im Alter von 25 geschrieben hast?
Cape: Überhaupt nicht. (lacht) Allein die Grammatik ist nicht mit heute vergleichbar. Aber ehrlich: Natürlich ändern sich deine Ansichten und Zugänge, denn du wächst und reifst ja mit dem Alter. Das ist aber alles Kontext. Auch das Reisen und Altern verändert den Kontext deines Lebens. Aber das meiste, das ich je geschrieben habe, kann ich zumindest in den Kontext meiner Gegenwart setzen. Ich kann die Lieder inbrünstig singen, weil sie immer noch gehaltvoll sind - nur anders gemeint. Den Rest habe ich einfach nicht mehr in der Setlist. Wenn jemand die dummen, lustigen Songs im Set haben will, ist das aber okay, denn die sind einfach nur lustig und brauchen keinen Kontext.

"Krone": Du hast öfters betont, dass die Menschen weder dich, noch deine Texte allzu ernst nehmen sollen. Ist das immer noch der Fall?
Cape: Es wäre wichtig, das exakte Zitat zu sehen, denn ansonsten ist das schwer zu kommentieren, weil es zu Missverständnissen führen kann. Ich glaube nicht, dass sich meine persönliche Wahrheit verändert hat. Wenn ich eine Zusammenfassung machen müsste, dann würde ich sagen, jeder hat eine Stimme und eine Meinung. Du musst dich so gut wie möglich mit dir selbst identifizieren können. Und ja, wir hatten wirklich dumme Songs. Das sind etwa fünf Prozent von allen Songs und die meisten drehten sich um dramatische oder ernste Situationen meines Lebens. Anfangs waren wir eine Partyband, die Spaß hatte und nicht viel nachdachte - das sind wir heute noch immer, aber nur in unserer Privatzeit. Bei Lagwagon werden im Tourbus keine Romane gelesen, sondern wir sitzen zusammen und betrinken uns die meiste Zeit. Wir haben Spaß und machen tiefe Furzwitze. Wir sind immer noch ein Haufen Kinder, aber die Texte reflektieren das nicht, die sind nämlich ernst. Ich habe Texte über einen Freund geschrieben, den ich verlor und ich würde nie sagen, dass man diesen Text nicht ernst nehmen sollte. Wenn sich jemand damit identifizieren kann, ist das großartig. Genau das ist Empathie und die wollen wir.

Man selbst muss immer eine gewisse Bescheidenheit und Lockerheit an den Tag legen. Ich bin einfach ein Typ, der über sich schreibt und erwarte mir nichts davon. Es gibt so viele Wege alles zu stark zu analysieren und das will ich verhindern. Ich bereue eine Sache: Wir hatten immer sehr zynische Albumcover, uns aber nie Gedanken über einen ordentlichen Albumtitel gemacht. Wir hatten nur dumme Witze gemacht und das dann als Titel genommen und es in ein Cover verwandelt, nur Insider- Witze nach außen getragen. Wir waren großteils ernsthaft, aber niemand hat uns das geglaubt, weil wir uns niemals stark genug auf die Albencover konzentriert haben. Das ärgert mich im Nachhinein. Deshalb haben wir auch den Ruf weg, dass wir eine dümmliche Fun- Punk- Band sind. Aber das repräsentiert uns nicht, wir arbeiten hart und wollten diesen Ruf nie haben.

"Krone": Du wirst noch in diesem Jahr 50. Ist das eine Zahl, die dich in irgendeiner Weise verängstigt?
Cape: Nein, ich habe eigentlich gar nie daran gedacht. Ein guter Freund und meine Frau haben aber ein Geheimnis verraten, dass sie eine Riesenparty planen und dafür sogar Leute zu uns einfliegen wollen. Ich sagte nur nein. Ich mag das nicht, ich mag es ja schon nicht einmal gerne auf der Bühne zu stehen. Ich mag Musik, aber das Performen ist nicht der Lieblingsteil meines Jobs. Ohne diesen Trubel würde ich mir überhaupt keine Gedanken darüber machen. Es ist nur ein weiteres Jahr und ich fühle mich nicht älter als 30. Ich glaube, ich habe dort aufgehört zu altern - leider nicht physisch. (lacht) Natürlich muss auch ich mich gesünder ernähren als früher.

Ich mag es aber, älter und weiser zu werden. Ich kann mich gut mit älteren Menschen identifizieren. Ich durfte schon mit vielen Älteren tolle Konversationen führen und das ist für mich ein absoluter Zeitgewinn. Die Weisheit dieser Menschen ist unbezahlbar und viel wertvoller als die Möchtegern- Intellektuellen bei den Jüngeren. Ich habe früher einige Jahre in Altersheimen gearbeitet, das war ein toller Job. Ich würde das irgendwann wirklich gerne wieder machen, bin dann aber wohl selber alt. (lacht) Ich liebe den Film "Harold & Maude", wo sich dieser junge Typ in eine 80- Jährige verliebt, die aber selbst junggeblieben ist. Sie stiehlt gerne Autos und will einfach Scheiße bauen, weil es ihr Spaß macht. Das machen viele Menschen und es ist nicht immer egoistisch, sie wollen einfach eine gute Zeit haben. Ich selbst bin nicht ganz so, aber ich umgebe mich gerne mit solchen Menschen. Ich mag diese positive Energie. Ich liebe es mich mit Leuten zu umgeben, die eine tolle Zeit haben - gerade weil es mir so leicht fällt, selbstkritisch und negativ zu werden.

"Krone": Mit welchem Film würdest du dein Leben beschreiben?
Cape: Schwere Frage. Ich wünschte, ich wäre Jack Nicholson als R.P. McMurphy von "Einer flog übers Kuckucksnest". Ich fühle mich auch etwas wahnsinnig und hatte immer schon etwas Verrücktheit in mir, warum auch immer. Ich würde nur gerne so sein wie er, sich keine Sorgen machen und einfach tun, was ich gerade tun will. In echt bin ich jemand, der sich extrem sorgt und aufpasst. Ich bin älter, ruhiger und gut angepasst, ein Gentleman. Irgendwie möchte jeder einmal wie sein Großvater sein - nur ohne den Rassismus und der Bigotterie. (lacht)

"Krone": Ein bisschen wie Clint Eastwood in "Gran Torino"?
Cape: Oh Mann, ich liebe diesen Charakter. Er ist so furchtbar, aber du musst ihn lieben. Ich habe diesen Film so oft gesehen. Wir hatten ihn bei der letzten Tour im Bus und da ich oft an Schlaflosigkeit leide, habe ich ihn vier- oder fünfmal gesehen. Es gibt bei uns auch nicht viel Auswahl. Ich weiß nicht, wer dafür zuständig ist, aber wir haben nur Mistfilme im Bus. Entweder Brachialhumor oder das dritte Sequel zum Sequel eines Remakes. (lacht) Es gibt Millionen guter Filme und irgendwie haben wir immer den größten Dreck an Bord. Aber wenigstens gab es "Gran Torino".

"Krone": Solo warst du im April in der Arena, im Mai mit Me First And The Gimme Gimmes und jetzt, im Juli, mit Lagwagon. Findest du schon blind in alle Bereiche des Areals?
Cape: Hier habe ich immer gespielt. Die Arena hat vier oder fünf Räume, du kannst sogar an der Bar spielen. Wir haben Wien und Österreich durch diese Location kennengelernt, die für mich zu den besten in ganz Europa zählt. Die Jungs hier machen alles richtig und haben eine Routine in ihrem Ablauf, die beneidenswert gut funktioniert. Wir sind immer glücklich, hier zu spielen. Ich sehe hier auch so viele bekannte Gesichter. Robbie arbeitet als Soundmann hier und ihn kenne ich glaube ich seit der allerersten Lagwagon- Show in Wien. Ich kann mich an früher erinnern, als der Gig vorbei war und wir bis 5 Uhr morgens sturzbetrunken an der Bar lehnten und er noch ein Kid war. Jetzt ist er erwachsen und hat Familie. Die Arena war seine Partyzone und er ist immer noch da - das ist so großartig. Er war damals vielleicht 14 oder 15 und mich interessierte einfach der Mensch. Wir haben dann eine Stunde geredet und er hat mir ein Armband gegeben, das ich noch immer habe. Wir sind Freunde geworden und fallen uns noch heute um den Hals. Es ist so, als ob wir zusammen aufgewachsen wären. Jetzt ist er der Master und ich bin der Grashüpfer. (lacht)

"Krone": Wird es eigentlich wieder gesamt neun Jahre bis zum nächsten Lagwagon- Album dauern?
Cape: Das ist wohl unvermeidlich. Worauf ich gleichzeitig stolz und auch ein bisschen beschämt bin ist die Tatsache, dass wir immer nur dann Alben machen, wenn wir die Lust dazu verspüren. Das ist für die meisten in der Band wahrscheinlich schlimm, weil so viel Zeit dabei vergeht, aber ich bin froh, dass wir nie etwas überstürzt haben und uns immer die nötige Zeit ließen, bis wir mit dem Endergebnis zufrieden waren. Ich habe eine Menge Songs geschrieben, aber die meisten davon passten nicht zur Band. Es hat bei uns lange gedauert, aber spätestens bei unserem letzten Studioalbum "Hang" wurden wir zu kollaborativen Songschreibern. Ich glaube, dass es unser bestes Album ist. Natürlich ist das ein Klischeesatz, aber wir sind auf jedem Level besser geworden. Wir spielen besser, die Inhalte sind besser und auch das Zusammenspiel funktioniert perfekt. Ich sehe das wirklich objektiv.

Die große Frage wird sein - wie können die Jungs anfangen Musik zu machen, ohne auf meine Songstrukturen warten zu müssen? Wenn sie auf mich warten, kann das ewig dauern, denn ich nehme Songs dann gerne für andere Projekte. Für mich muss das einfach immer zusammenpassen und das kann dauern. Die anderen müssten mehr in die Vollen gehen, sonst wird das wohl nichts. Es ist nicht so, dass wir nicht darüber reden würden. Direkt nachdem wir "Hang" fertig hatten, haben wir alle darüber gesprochen, diesen Geist mitzunehmen und gleich noch ein Album einzuspielen. Dafür ist es schon wieder zu spät. Wir wollen uns nicht stressen, sondern inspiriert sein. Es geht um nichts, es ist kein Wettrennen. Ihr müsst wohl Geduld haben.

01.08.2016, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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