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09.12.2016 - 10:57
Foto: Gerald von Foris

LaBrassBanda im Talk über ihren rasanten Aufstieg

26.07.2013, 09:00
LaBrassBanda kommen vom deutschen Chiemsee und kennen keine Stilgrenzen. Mit ihrer Mischung aus erdiger Blasmusik, trendigem Dancepop, geruhsamem Reggae und internationalen Balkan-Elementen hätten sie es fast bis zum diesjährigen Song Contest geschafft. Sänger Stefan Dettl und Schlagzeuger Manu da Coll verrieten im "Krone"-Interview, warum bayrische Texte in Japan funktionieren und was der Musikantenstadl mit dem größten Heavy-Metal-Fest Wacken gemeinsam hat.

"Krone": Stefan, auch euch hat unlängst das Hochwasser erwischt - du wirkst erstaunlich gefasst.
Stefan Dettl: Da muss man ja lachen, sonst hält man das eh nicht durch. Gegenüber meines Hauses ist ein Gasthaus. Die Feuerwehrleute haben sich dort dauernd besoffen. Es kam einmal die Meldung, dass der Pegel um weitere 20 Zentimeter steigen wird und dann haben sie sich wohl gedacht: "Scheiß drauf, machen wir ein Weißbier auf." Die Leute haben dort vier Tage lang durchgearbeitet, unterbrochen durch maximal drei Stunden Schlaf. Da ist es schon wichtig, dass man auch das Lustige aus der Sache herauskehrt, sonst geht man ja daran zugrunde.

"Krone": Ihr habt mit "Europa" ein neues Album veröffentlicht, an dem ihr sehr lange geschraubt habt. So lange, dass die Plattenfirma schon nervös wurde. Warum dieser Perfektionismus?
Dettl: Eigentlich ist man schon viel früher fertig, als man glaubt. Es gibt ja viele Versionen während des Produktionsprozesses und jedes Mal denkt man sich, dass es schon so passt, findet aber doch wieder was zu ändern.
Manu da Coll: Lustig ist ja, dass das Album für uns anfangs zu perfekt klang und wir das wieder zurückbauen mussten. Wir steuerten gegen das zu sauber Produzierte an. Manchmal klang alles einfach schon zu poppig und so haben wir ein bereits erreichtes Level wieder abgebaut.

"Krone": Wie nervös wird die Plattenfirma bei so einem Vorgang?
da Coll: Wir hatten quasi einen 3er- BMW und montierten Holzräder dran (beide lachen). Die Single "Nackert" ist das beste Beispiel. Wenn das ganze Album so stark produziert wäre wie diese Single, würde uns das Album nicht entsprechen.

"Krone": Auf "Europa" habt ihr viele Songtitel mit Ländernamen bedacht, die Inhalte haben aber nicht direkt mit diesen Ländern zu tun. Wie kann man das verstehen?
Dettl: Genau so. Für uns sind die Gefühle, die man mit der Musik verbindet, interessanter als der Text. Wenn wir etwa im Ausland auf Bayrisch singen, sage ich dazwischen immer was auf Englisch. Da müssen uns die Leute dann zuhören. Dadurch kriegen sie viel mehr vom Konzert mit und das ist uns das Allerwichtigste. Wenn jemand etwa mit dem Song "Sarajevo" diese Stadt verbindet – oder von mir aus auch mit einem fiktiven Song namens "Neubaugürtel" diesen Teil von Wien – dann passt das.

"Krone": Aber aus welchem Grund habt ihr spezifische Städte- oder Ländernamen gewählt?
Dettl: Weil man einen Titel braucht. (lacht)

"Krone": So simpel?
Dettl: Ohne großen Hintergrund. Beim Song "Schweden" etwa denke ich, dass die Leute dort mit Musik sehr experimentell umgehen. Musik soll Spaß machen und man muss sich jetzt nicht unbedingt auf Titel aufhängen.

"Krone": Das Album ist ja auch so weitläufig wie seine Titel. Es gibt Dancepop- , Blasmusik- , Reggae- und Balkan- Elemente. Gibt es noch Genres, wo ihr nicht mehr drübergehen würdet?
Dettl: Hast du leicht noch eine Idee? (lacht)
da Coll: Beim Song "Nackert" haben wir sogar ein Schlagerelement drinnen. Wir denken aber nicht in solchen Schubladen, ich glaube, das macht kein Musiker. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand sagt, er brauche jetzt ein paar Dubstep- Elemente, um zeitgemäß zu bleiben. Der Stefan etwa spielt die Trompete sehr rhythmisch und wenn du da was Balkanartiges oder Karibisches drauflegst, dann ist das okay so, aber nie bewusst gemacht.

"Krone": Ihr habt auch im Ausland schon viele Erfolge feiern können. Wie funktioniert das mit bayrischen Texten?
Dettl: Interessanterweise sind etwa die Lederhosen im bayrischen Text nur in Bayern und Deutschland allgemein ein Thema – außerhalb ist das nicht so dramatisch. Als wir für die BBC ein Livekonzert spielten, hat uns kein Mensch gefragt, warum wir Lederhosen anhaben. Das Gleiche gilt für Dänemark und jede andere Art von Festival. Ich kann auch nur Bayrisch singen, denn da bin ich nicht nervös und kann alles so sagen, wie ich es will. Hochdeutsch würde für mich nicht funktionieren und Englisch gleich gar nicht. Die Leute merken dann auch, dass wir das ernst nehmen, es zu uns dazugehört und wir sie nicht verarschen. Dann stellt sich die Frage nach dem Warum gar nicht mehr.

"Krone": Ist es so, dass man euch in Bayern vielleicht als eine lustige Bierzelttruppe sieht und ihr in anderen Ländern anders wahrgenommen werdet?
Dettl: Kann sein.... Das ist lustig. Du bist der Erste, der das aufgeschlüsselt hat.

"Krone": Hat das Singen auf Bayrisch vielleicht auch den Hintergrund, dass ihr damit regional und verwurzelt bleibt?
da Coll: Das hat eher mit dem Musikalischen zu tun. Bayrisch eignet sich perfekt zum Singen, es hat offene Vokale und ist nicht so abgehackt wie das Hochdeutsche. Das Hochdeutsche erkennst du weltweit an der Intonation und Bayrisch ist für die Leute wohl eher so etwas wie eine Ureinwohnersprache. (lacht) Sie ist viel runder, melodischer, abgeschliffener.

"Krone": Versuchen die Leute im Ausland auch, bei euch mitzusingen?
Dettl: Immer, wir brauchen das auch. Wir haben ein Lied namens "Bauer Bauer" und da singen dann alle "Power Power" mit. (lacht)

"Krone": Beim Song- Contest- Vorentscheid seid ihr in Deutschland Zweite geworden, musstet euch nur Cascada geschlagen geben. Wie passt so eine Kommerzmaschinerie zu euch?
Dettl: Uns hat Thomas Schreiber, Unterhaltungschef der ARD, angerufen und gefragt, ob wir mitmachen würden. Sie hätten gerne neben all den Sternchen und Playback- Künstlern eine echte Band, die spielt und auf Tour ist. Wir konnten uns das gar nicht vorstellen, denn in den Statuten steht, dass alles Halb- Playback ist, und das kommt für uns nicht in Frage. Wir haben dann abgesagt und zwei Wochen später hat uns Schreiber noch mal angerufen und gesagt, er hätte durchgerungen, dass wir die erste Band sein würden, die in 15 Jahren bei dem Vorentscheid live spielen dürfte. Wir hatten dann keine Ausrede mehr und haben das durchgezogen, waren aber gleich positiv überrascht. Wir haben dann die Scheu vor den Kameras verloren und wollten so gefilmt werden, wie wir sind. Auch mit meiner Wampe. Wir mussten uns dafür nicht verbiegen und hatten immensen Spaß dabei.

"Krone": Beim Finale in Malmö hättet ihr euch aber spätestens verbiegen müssen.
Dettl: Wir hätten es nicht gemacht – das war immer klar. Wir hätten uns das auch nicht leisten können. Wir haben mehr als 500 Konzerte gegeben und eine große Fanbase aufgebaut – das ist uns so viel mehr wert als jeder andere Scheiß. Diese Fans würden nie wollen, dass wir uns wo hinstellen und den Hampelmann abziehen.

"Krone": Habt ihr abseits dieser Livesituation diskutiert, ob der Song Contest überhaupt die richtige Plattform für LaBrassBanda ist?
da Coll: Logisch, das wurde nicht so einfach durchgewunken, denn man denkt dabei automatisch an die Fans. Die Reaktion ist aber gar nicht so negativ ausgefallen, wie man vielleicht gedacht hätte. Man muss das streng Dogmatische einfach überwinden und Sachen ausprobieren. Die Chance hast du ja nicht zweimal. Wir haben auch von anderen Bands wahnsinnig viel gelernt. Für uns war das auch ein bisschen der Einstieg in die Radio- und TV- Welt.

"Krone": Man hört ja sehr oft, man solle nicht Musik studieren – ihr seid das perfekte Gegenbeispiel.
Dettl: Wir haben sogar in Österreich studiert. (lacht)
da Coll: (lacht) Wir haben nach dem Abschluss sofort probiert, das Akademische wieder rauszukriegen. Ich spiele jetzt wieder auf einem Level Schlagzeug wie vor 20 Jahren, lange vor dem Studium.

"Krone": Mit dem neuen Album seid ihr in Deutschland auf Platz drei und in Österreich auf Platz zehn eingestiegen. Was bedeutet euch dieser Vorstoß in den Mainstream- Charts?
Dettl: Das ist ganz nett, aber hat mit dem Beruf des Musikers, den wir ausüben, nicht viel zu tun. CD- Verkäufe sind nicht so ausschlaggebend. Früher hast du mit einem Top- 10- Album ein Jahr Pause einlegen können, heute kannst du damit vielleicht drei Wochen Urlaub machen. (lacht) Konzerte sind uns viel wichtiger und auch ertragreicher.

"Krone": Ihr seid eine deklarierte Liveband. Was fühlt ihr auf der Bühne, wenn Jahr für Jahr immer mehr Leute zu euren Konzerten pilgern?
Dettl: Ich würde mal sagen, viel größer als jetzt sollte es gar nicht mehr werden. Wir haben Konzerte mit 3.000 bis 5.000 Besuchern und das ist für uns schon die Spitze. Das hat auch instrumentale Gründe. Mit den Gitarren geht das leichter, die sind verstärkt. Aber bei den Bläsern stoßt man damit auf seine Grenzen. Wir hoffen schon, dass wir das noch lange machen können. Aber wir haben nicht die Ambition, in ein Stadion zu kommen. (lacht)

"Krone": Eure Konzerte mit den Ärzten im Juni waren aber schon stadionähnlich. So mancher meinte ja, ihr hättet sie an die Wand gespielt.
Dettl: Nein, nein. (lacht) Bei den Ärzten ist das ja geil, weil die so viele Lieder haben. Selbst als Nicht- Fan kennst du sicher fünf bis zehn Nummern. Das ist für ein Stadion natürlich super. Da geht es weniger um die Performance, sondern darum, dass sie ein Lied spielen und alle mitsingen. Und das auch noch jeden Abend anders – nie gleich. Das wird bei uns nie der Fall sein. Es ist so gut wie unmöglich, dass bei uns ein Stadion unsere Lieder mitsingt. Wir genießen es, wenn ein Raum eine Clubgröße hat – so wie in Wien zum Beispiel das WUK. Das ist ein kleiner Club und den kannst du einfach komplett zerlegen. (lacht) Du kannst da schnelle mit ruhigen Nummern vermischen und alle zum Schwitzen bringen. Dort fühlen wir uns am wohlsten.

"Krone": Besteht nicht die Angst, dass so ein Unterfangen misslingt? Dass das Ärzte- Publikum mit euch zum Beispiel gar nichts anfangen kann?
Dettl: Eigentlich nicht. Es kommt darauf an, wie du auf die Leute zugehst. Wenn wir uns aufführen, als wären wir die Geilsten der Welt, dann wird es schwierig. (lacht) Aber wenn du dankbar bist und Spaß auf der Bühne hast, dann wirst du auch Respekt ernten. Als Vorband kannst du von Haus aus nur verlieren. Aber wenn du ein aufgeschlossenes Publikum hast, dich bemühst und mit nichts rechnest, dann kannst du nur gewinnen.

"Krone": Ihr würdet ja auch super auf Rockfestivals passen. Habt ihr schon Erfahrungen damit?
da Coll: Wacken wäre lustig, so ein reines Metal- Festival. Wir haben aber schon auf Festivals gespielt, wo hauptsächlich Rockbands da waren.

"Krone": Drehen wir den Spieß um – würdet ihr auch beim Musikantenstadl auftreten?
da Coll: Wenn wir live spielen und den Laden zerlegen dürften, warum nicht? Vielleicht wollen die auch einmal eine Band, die live spielt und Quatsch macht. Etwa, wenn die Publikumszahlen in den Keller rutschen. Aber erst mal ist das kein Thema. Es ist auch nicht so ungefährlich, wenn man das Klischee mit Volksmusik noch stärker bedient. Wir würden uns die Sendung selbst auch nicht anschauen – das ist auch immer ein Mitgrund, ob man was macht oder eben nicht. (lacht)
Dettl: Wenn der Musikantenstadl vielleicht nach Wacken übertragen werden würde, dann könnte man ja vielleicht was machen. (lacht)

"Krone": Wie schwierig ist die Zusammenarbeit bei so vielen studierten Musikern und Individualisten in der Band? Gibt es da einen Band- Diktator?
da Coll: Ja, der Stefan. (lacht)
Dettl: Das gehört einfach dazu, dass sich alle einbringen. Wenn jemand den Takt vorgibt und keiner was dagegen hat, ist das meist ein Zeichen von Beliebigkeit. Am schönsten ist es, wenn Sachen gemeinsam entstehen.

26.07.2013, 09:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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