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06.12.2016 - 05:56
Foto: Sony Music, Christoph Schaller

Kytes: "Wir haben den Zeitgeist getroffen"

07.10.2016, 17:00

Mit ihrem Debütalbum "Heads And Tales" haben die Kytes nicht nur flotten Indie Rock mit elektronischen Versatzstücken vermischt, sondern auch ihre Heimatstadt München wieder auf die internationale Pop- Landkarte zurückgebracht. Sänger Michael Spieler hat bei uns durchgeklingelt, um über die anstehenden Konzerte in Österreich, den großen Wunsch, nur ja nicht zu Deutsch zu klingen und die Suche nach dem musikalischen Zeitgeist zu sprechen.

"Krone": Michael, nach längerer Wartezeit steht euer Debütalbum "Heads And Tales" nun in den Geschäften. Wie groß sind Erleichterung und Aufregung von eurer Seite jetzt?
Michael Spieler: Wir sind brutal aufgeregt. Es ist einfach toll, wenn man das Baby in der Hand halten kann. Es fühlt sich ein bisschen so ein, wie wenn man Vater wird. (lacht)

"Krone": Ihr habt als Kytes schon unheimlich viele Livekonzerte gespielt, auch international. Nun kommt ihr für drei Shows nach Graz, Innsbruck und Wien. Hat sich dadurch schon viel Routine bei euch eingeschlichen?
Spieler: Auf jeden Fall. Wir haben mehr Platz und Zeit für die Show, denn über die Musik müssen wir nicht mehr so viel nachdenken, die fließt schon. Es ist toll, wenn man sich dadurch viel besser und aktiver mit dem Publikum auseinandersetzen kann. Diese Routine ist also gerade live unheimlich angenehm.

"Krone": Der Name Kytes entstand ganz profan dadurch, dass er laut euch selbst "auf der Bühne geil ausschaut". Steckt da sonst wirklich gar nichts dahinter?
Spieler: So ungefähr, ja. (lacht) Uns war das bei der Namensfindung schon wichtig. Es sollte kurz und knackig sein und auf der Bühne geschrieben gut aussehen. Wir wollten eben ein Wort, das einfach cool klingt. Und man kann damit so Sachen wie Kitesurfen verbinden oder die Freiheit. Wir praktizieren das zwar nicht, aber man kann das gerne als Parallele sehen, wenn man möchte.

"Krone": Man darf euch auf jeden Fall dazu gratulieren, dass ihr nicht nach einer deutschen Band klingt, was euch auch sehr wichtig war. Aber: Wie klingt denn eine typische deutsche Band?
Spieler: Danke erst einmal für das Kompliment, so etwas hören wir natürlich besonders gerne. Eine typisch deutsche Band singt auf Deutsch oder du hörst den deutschen Einschlag beim Englisch der meisten Bands. Wir haben das ganz gut hingekriegt, dass man den Deutschen in unserem Englisch nicht so extrem raushört, was für das internationale Fortkommen natürlich fördernd ist.

"Krone": Die oberste Maxime war also, nicht wie die Sportfreunde Stiller zu klingen?
Spieler: Ja genau. (lacht) Obwohl ich die Jungs wirklich gerne mag.

"Krone": Wie würdest du jemanden euren Sound beschreiben, der noch nie etwas von euch gehört hat?
Spieler: Ich würde sagen, dass es der Indie Rock von heute ist. Wir haben elektronische Einflüsse mit dabei, aber dennoch auch die klassische Indie- Rock- Besetzung in Form von zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug.

"Krone": Laut.de hat euch als "fancy, hip, tanzbar und definitiv radiotauglich" beschrieben. Ich würde das als ideale Analyse durchgehen lassen - beschreibt das Sein und Wesen von Kytes gut?
Spieler: Das ist eine durchaus treffende Beschreibung. Wir klingen sicher sehr leichtfüßig, sehen das aber als Kompliment. Es gibt doch nichts Schöneres, als wenn du zu einem Konzert gehst, eine geile Zeit hast und aus deinem Alltag ausbrechen kannst. Wenn wir dafür der perfekte Soundtrack sind, dann freut mich das ungemein.

"Krone": Ich persönlich höre bei euch mehr Roosevelt als die Strokes heraus. Habt ihr, um den Zeitgeist zu treffen, die Rockeinflüsse zugunsten der Dance- Parts zurückgeschraubt?
Spieler: Das ist ein wirklich guter Vergleich. Auf der Platte hast du auf jeden Fall recht, dort klingen wir auf jeden Fall braver. Die Rohaufnahmen waren schon rotziger und frecher, so agieren wir auch live. Wir haben es im Studio einfach laufen lassen und haben den Flow gar nicht erst versucht zu stören. Unser Produzent hat sich auch gut vorstellen können, wo der Sound hingeht. Vielleicht werden wir irgendwann aber auch versuchen, den Rotz, den wir auf der Bühne liefern, mit auf die Platte zu nehmen.

"Krone": Die elektronischen Einflüsse sind aus eurem Soundpaket jedenfalls nicht wegzudenken. Habt ihr da besonders intensive Inspirationsquellen dafür?
Spieler: Früher hatten wir das nicht verwendet, aber unter dem Namen Kytes haben wir stärker auf Elektronik gesetzt. Vor allem unser Drummer und der Gitarrist haben sehr viel Caribou gehört, auch Jamie XX war ein ganz wichtiger Einfluss für "Heads And Tales". Ich war immer mehr der Gitarren- Indie- Typ, aber die anderen Jungs sind verstärkt in das Elektronische gekippt. Zusammengemischt ergibt das eben den Sound der Kytes.

"Krone": Euer Indie- Pop ist sehr nett und kokettiert stark mit dem Mainstream. Breitenwirksamkeit ist also erwünscht und erhofft?
Spieler: Absolut. Wenn man mit seiner Musik etwas erreichen will, dann gehören die Formatradios dazu. Damit haben wir kein Problem.

"Krone": Ihr seid nicht nur von der Musik, sondern auch persönlich von euren Wurzeln und der Herkunft aus gesehen ziemliche Weltbürger...
Spieler: Das stimmt. Unser Drummer ist halber Australier, unser Gitarrist zu einem Viertel Türke und Viertel Grieche und der Bassist halber Tscheche. Und ich bin der halbe Österreicher. Mein Vater ist Steirer, kommt aus Deutschlandsberg, wohnt aber schon ewig in München.

"Krone": Begonnen habt ihr bereits in euren Schulzeiten als Blind Freddy und seid dann 2013 zu den Kytes geworden. Warum dann eigentlich diese Veränderung?
Spieler: Wir sind einfach erwachsener und reifer geworden, haben uns musikalisch wie menschlich verändert. Wir wollten nicht mehr die kleine Schülerband sein, die auf jedem Sommerfest für einen Apfel und ein Ei spielt. Wir wollten, dass man uns ernster nimmt und haben einfach mehr Herzblut in die Songs gesteckt. Wir kamen in ein Alter, wo jeder entweder woanders hin geht, studiert oder eine Ausbildung macht. Wir haben überlegt, ob wir das wirklich ernsthaft angehen wollen, waren uns schnell einig und haben dann alles professionalisiert. Wir haben uns von der Organisation besser aufgestellt, ein Konzept im Indie- Kontext gestartet und ein Management engagiert. Heute sind wir schon sehr stolz auf das bisher Erreichte.

"Krone": Kannst du dir vorstellen, dass ihr in der Zukunft noch einmal so einen Wandel haben werdet, wie zwischen Blind Freddy und Kytes?
Spieler: In näherer Zukunft eher weniger. Wir haben uns mittlerweile so stark in dieses Projekt gefunden, dass es da keinen Grund für eine weitere Veränderung gibt.

"Krone": Keine Gedanken, an ein Album der Marke Andreas Gabalier meets Scorpions?
Spieler: (lacht) Das dauert sicher noch. Hoffentlich sind wir da überhaupt als Band noch zusammen.

"Krone": Ihr werdet im Internet der "Sound Of Munich"- Szene zugeordnet. Wie würdest du die erklären und welchen Part nehmt ihr darin ein?
Spieler: Es ist eine Veranstaltungsreihe, die von der "Süddeutschen" gesponsert wird. Sie wollten einfach ein Festival mit den coolsten Bands Münchens machen und die Stadt wird ja im Vergleich zu den Szenen in Berlin oder Hamburg allzu oft gerne belächelt. Die Szene hier hat sich in den letzten fünf Jahren aber super entwickelt. Es geht nicht mehr nur um Sparten wie Indie oder Hip- Hop, sondern querbeet durch von Blues Rock über Electro- Pop bis hin zu Funk. Es gibt extrem viele gute Künstler, die innovativ und gut unterwegs sind. Früher gab es viel mehr Konkurrenzdenken und heute unterstützt man sich gegenseitig. Man produziert gemeinsam im Studio oder geht einfach mal einen Saufen. Eine sehr gute Entwicklung.

"Krone": Die erste Nummer von euch, die für Aufregung sorgte, war "Inner Cinema". War das der Moment wo ihr wusstet, ihr seid jetzt im internationalen Geschäft angekommen?
Spieler: Wir dachten schon, dass die Nummer gut in die Zeit passt und wir sind als Band einfach extrem energiereich und ziehen an einem Strang. Wir haben den viel zitierten Zeitgeist sicher getroffen und das freut uns natürlich.

"Krone": Mittlerweile seid ihr auch international weit gekommen. Begonnen hat das mit dem Videodreh zum Song "On The Run" im englischen Brighton und dann wart ihr beim "South By Southwest"- Festival im texanischen Austin, wo ihr sogar das US- Publikum von euch überzeugen konntet. Waren das die ersten großen Schritte zur erhofften internationalen Karriere?
Spieler: Das mit dem Festival war echt krass. Allein schon, dass wir dort eingeladen wurden, war eine absolute Riesenerfahrung. Aber genau das ist der richtige Weg, um aus dem deutschsprachigen Raum rauszukommen und wir wollen auf jeden Fall international mitspielen. Es soll ruhig mal wieder eine deutsche Band groß international mitspielen können und nicht für seine Herkunft belächelt werden. Wenn man an die Kytes denkt wäre es am besten, man hat überhaupt keine Nation vor Augen, sondern sieht uns als internationale Band.

"Krone": Wenn es die Österreicher mit Wanda, Bilderbuch und Co. nach Deutschland schaffen, dann wollen die Deutschen natürlich die nächste Schippe drauflegen.
Spieler: (lacht) Natürlich. Aber Bilderbuch werden es noch weiter schaffen, davon bin ich überzeugt.

"Krone": Welche Geschichten erzählt ihr auf "Heads And Tales"? Sind das lose Kapitel oder gibt es eine stringente Handlung?
Spieler: Es gibt jetzt kein durchgehendes Konzept, wo ein Song in den nächsten übergeht. Die 13 Songs sind eigenständig und es sind hauptsächlich Geschichten aus unserem Leben, Träume, die wir erfüllen möchten oder teilweise auch Erfundenes. Wir haben quasi alles rausgelassen, was in unseren Köpfen so herumschwirrt.

"Krone": Ihr habt bewusst auf das vielbesungene Thema Liebe verzichtet.
Spieler: Es gibt ein paar Tabuwörter, wenn wir Texte schreiben. (lacht) Liebe ist zum Beispiel zu kitschig und ausgelutscht. Wir wollen nicht auf denselben Wörtern herumreiten wie alle anderen.

"Krone": Könnt ihr mittlerweile von der Band leben oder braucht ihr all eure Ersparnisse, Urlaubstage und Ferien dafür auf?
Spieler: Derzeit ist es noch sehr schwer, aber langsam kommt schon auch was rein. Die Mietpreise in München sind wirklich extrem teuer und alles was bei uns rein kommt, wird sofort wieder in die Band investiert, damit die ganze Sache weiter wachsen kann.

Die Kytes sind mit ihrem neuen Material auch dreimal live in Österreich zu sehen. Heute, 7. Oktober, im Grazer ppc, am 8. Oktober im Innsbrucker Weekender und am 9. Oktober im Wiener Flex. Alle Infos und Karten erhalten Sie unter www.kytesmusic.com .

07.10.2016, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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