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06.12.2016 - 21:10
Foto: Warner Music

Kwabs: "Der Mensch an sich ist ein Oxymoron"

09.09.2015, 17:00
Mit dem einfühlsamen Song "Walk" hat die Soul-Engelsstimme Kwabs bereits vor einem knappen Jahr die Massen begeistert. Nun war es seinem Perfektionismus geschuldet, dass die Veröffentlichung seines Debütalbums "Love + War" so lange hinausgezögert wurde. Die samtweichen Kompostionen passen aber ohnehin besser in den atmosphärischen Herbst als in einen Partysommer. Wir haben uns mit dem reflekierten Künstler getroffen, um mit ihm über das neue Album, seine Verbindungen zu Österreich und seine schwierige Kindheit zu sprechen.

"Krone": Kwabs, deine Single "Walk" hat mittlerweile an die 80 Millionen Klicks auf YouTube und landete in unseren Single- Charts auf Platz drei. Hat dich die Intensität dieses Erfolges noch vor deinem Debütalbum überrascht?
Kwabs: Ich wusste schon, dass der Song gut ist, weil ich lange daran gefeilt habe, aber dass die Leute ihn so gut aufnehmen, war natürlich nicht zu erwarten. Da fühlt man sich wirklich, als ob man am Gipfel der Welt stehen würde. Der Erfolg hat mich auf jeden Fall dazu ermutigt, den Weg weiter zu gehen. Dass der Song auch außerhalb Englands so einschlagen würde, war natürlich nie zu erwarten. Aber die Leute haben ihn offensichtlich verstanden und das ist das Wichtigste überhaupt. Es ist ein tolles Gefühl zu merken, dass die Menschen deine Botschaft verstehen.

"Krone": Der Song dreht sich darum, ehrlich zu sich selbst zu sein, den Fokus auf die wichtigen Dinge des Lebens zu legen. Wie viel Autobiografisches steckt darin?
Kwabs: Da ist alles autobiografisch. Das Ziel meines Lebens ist es, glücklich zu sein und mich nicht mit Stress und Problemen zu belasten. Manche Leute sagen: "Sorge dich nicht um den Kummer". Ich denke, das ist ein guter Gedankengang, auf dem man viel aufbauen kann. Es ist wichtig, sich die schönen Dinge des Lebens vor Augen zu führen, an das Positive zu glauben und mit einer optimistischen Einstellung durchs Leben zu gehen.

"Krone": Dein Debütalbum "Love + War" erscheint nun am 11. September, wurde aber mehrere Mal verschoben. Woran lag das?
Kwabs: Die Leute haben das Album letztes Jahr erwartet – da ging es mir selbst nicht anders. Dann haben es die Leute für Mai erwartet, genauso wie ich. (lacht) Es ist für mich aber die eine Sache, einen Song zu machen und damit glücklich zu sein, aber um das Bild zu komplettieren, müssen alle Komponenten passen. Ich habe noch länger daran herumgeschraubt und auch meinem Label vertraut, dass sie das Album zur richtigen Zeit in den Regalen platzieren würden. Es fühlt sich auch für mich gut an, dass das Album schlussendlich ohne Eile erscheinen wird.

"Krone": Das Album gehört zweifellos zu den Highlights dieses Jahres. Sehr soulig, warmherzig und mit einer besonderen Atmosphäre durchzogen. In welcher Stimmung musst du dich befinden, um deine Songs zu schreiben?
Kwabs: Auch wenn man es manchen Songs nicht anhören mag, ich bin wirklich sehr selten in einer traurigen Stimmung. Man benötigt einfach einen gewissen emotionalen Raum, um die Songs so zu übersetzen, dass sie andere Leute auch verstehen und nachvollziehen können. Meine Songs sind immer persönlich, aber ich schreibe die Songs nach meiner jeweiligen Gefühlslage. Ich kann mich gut in gewisse Situationen zurückversetzen und diese Gefühlslage reproduzieren. Das wird dann vermischt mit meiner aktuellen Situation und wie ich die Sache dann sehe. Wenn ich zufrieden und in der richtigen Balance bin, dann tendiere ich dazu, Songs zu schreiben. Wenn alles seinen geregelten Lauf nimmt und passt, schreibe ich am besten.

"Krone": Du hast auch einige sehr verletzlich klingende Songs auf dem Album. Fällt es dir manchmal schwer, dich dem Publikum so persönlich zu öffnen?
Kwabs: Absolut nicht. Es gibt Songs und Inhalte, die ich wirklich für mich behalten möchte, die erblicken dann aber auch nicht das öffentliche Tageslicht. Ich habe aber auch die Absicht, dass ich meine Texte mit Tausenden von Menschen teile, um auch ihnen etwas davon mitzugeben, ihnen eine eigene Interpretation zu ermöglichen. Das treibt mich dann an, sie auf der Bühne zu singen.

"Krone": Wo ist denn die Verbindung zwischen den beiden Wörtern "Love + War"? Das ist doch eigentlich ein Oxymoron.
Kwabs: Das stimmt schon so. Ich finde aber, dass wir auch als Menschen eine Art von Oxymoron sind. Wir bestehen aus verschiedenen Teilen, die manchmal sehr gegensätzlich sein können. Manche Teile sind eben Liebe, Licht und Freude, andere wiederum können Krieg, Konflikt und Schmerz sein. All diese Teile braucht man aber nicht nur, um menschlich zu sein, sondern auch um unterschiedliche Perspektiven zu verstehen. Erst wenn wir schmerzhafte Erfahrungen machen verstehen wir, wie schön das Gefühl der Freude ist.

"Krone": Die Liebe führt oft zum Schmerz.
Kwabs: Auf dem Papier sind wir alle anders, aber im echten Leben können wir uns verbinden, zusammenfinden. Was mich dazu animiert Songs zu schreiben ist, dass ich lerne, meine eigene breite Palette der Emotionen kennenzulernen und zu verstehen. Nur wenn du dich selbst kennst und schätzt, kannst du glücklich sein.

"Krone": Es gibt auch eine österreichische Verbindung auf dem Album, weil du mit dem heimischen Elektronikkünstler Sohn den Song "Look Over Your Shoulder" aufgenommen hast. Wie seid ihr zusammengekommen?
Kwabs: Mein Manager hat den Kontakt hergestellt und ich habe ihn davor gar nie getroffen. Ich kannte seinen Song "The Wheel", ansonsten aber nicht allzu viel von seiner Musik. Ich dachte mir auch, dass eine Kooperation interessant sein könnte und er war glücklicherweise derselben Meinung. Ohne uns eben je zuvor getroffen zu haben, gingen wir direkt ins Studio und haben einen Song gemacht und das hat perfekt funktioniert. Der Song ist mittlerweile aber etwa zwei Jahre alt und inzwischen kennen wir uns auch.

"Krone": Wäre es nicht interessant, künftig mit ihm auch auf Live- Basis zusammenzuarbeiten?
Kwabs: Haben wir auch schon, vor etwa einem Jahr in Shepherd's Bush in London. Das hat wirklich Spaß gemacht und wir sollten das dringend wiederholen. Unsere Zeitpläne erlauben nur leider nicht so viel, das ist das Hauptproblem.

"Krone": Erhältst du spezielle Inspirationen daraus, dass du deine Songs in einem musikalischen Epizentrum wie London schreibst?
Kwabs: Ich sehe es eher als selbstverständlich an, was vielleicht auch falsch sein könnte. Ich lebe schon mein ganzes Leben in London und für mich ist das einfach normal, dass dort so viel Kreativität herrscht, sich viele Kulturen vermischen und daraus immer viel entsteht. Es wäre deshalb für mich vielleicht ratsam, einmal eine Zeit lang woanders hinzugehen, um die Inspiration, die mir London gibt, auch wirklich wahrnehmen zu können. Vielleicht starte ich schon nach dieser Tour mit den Arbeiten für das zweite Album. Ich muss aufpassen, nichts zu überstürzen.

"Krone": Jetzt, wo du viel tourst und andere Städte siehst – wie würdest du London mit dem Rest vergleichen und was macht deine Heimat so besonders für dich?
Kwabs: London ist ein authentischer Schmelztiegel verschiedenster Kulturen, Menschen und Fraktionen. Es gibt so viele verschiedene Arten der Kunst und so viele verschiedene Zugänge, was London wirklich unheimlich spannend macht. Ich bin stolz darauf, es ist einfach der perfekte Platz für das Miteinander verschiedener Kulturen und für gegenseitige Akzeptanz. Das weiß ich zu schätzen.

"Krone": Wenn du dich öffnest, um Songs zu schreiben, was ist für dich das Wichtigste, was am Essenziellsten?
Kwabs: Ich muss mich einfach wohlfühlen und ganz wichtig ist, dass die Texte und die Botschaft richtig sind. Eben so, wie ich es mir vorstelle. Es ist auch wichtig, dass die Songs zu meiner Stimme passen, ansonsten ist das verlorene Liebesmüh.

"Krone": In deinen Liveshows hast du die Möglichkeit, die Fans innerhalb kürzester Zeit zum Weinen als auch zum Tanzen zu bringen. Deine Songs beinhalten unheimlich viele verschiedene Emotionen.
Kwabs: Das stimmt wohl, ja. Es ist auch schwierig, dass ich mich in einer knappen Setlist selbst so schnell verändern kann, also die Stimmung abrupt dem jeweiligen Song anpasse. Es gibt aber auch Abende, wo mir das leicht gelingt, denn die Songs sind von mir, sie sind persönlich und beim Singen dringe ich wieder in die Welt und Zeit vor, von der die Texte eben handeln. Im Prinzip leitet dich der Song – nicht umgekehrt.

"Krone": Berühmte Musikerinnen wie Joss Stone und Emelie Sandé preisen deine Musik schon seit längerer Zeit. Wie fühlt sich das für dich an?
Kwabs: Es ist immer nett, wenn du Komplimente hörst und die Menschen deine Musik respektieren. Ich respektiere sie auch alle und es macht mir unheimliche Freude. Es bestätigt auch, dass ich das Richtige mache und auf dem richtigen Weg bin. Das ist ein schöner Leitfaden für die eigene Karriere.

"Krone": Du wurdest als Kind von Pflegeeltern großgezogen. Ist das auch eine Thematik, die in deinen Songs stattfindet? Die du selbst verarbeitest?
Kwabs: Ich gehe nicht direkt darauf an, aber die Erfahrungen sind Teil meines Lebens, die können somit gar nicht komplett außen vor bleiben. Die Einflüsse kommen also automatisch und die Musik, die ich mache, koaliert ja mit meiner Lebensgeschichte. Ich singe nicht über individuelle Vorkommnisse oder Erfahrungen in diesem Bereich, aber Leute, die sich die Songs anhören, die merken sicher eindeutig, woher die Songs stammen und welche Thematik ihnen zu Grunde liegt. Vielleicht nicht ganz spezifisch, aber mit Sicherheit auf eine gewisse Art und Weise.

"Krone": Sind Religion und Spiritualität wichtige Themenbereiche für dich?
Kwabs: Nicht direkt für mich. Spiritualität ist eine interessante Sache, aber kein Thema, über das ich beim Songwriting nachdenke.

"Krone": Du hast Jazz studiert und auch viele solcher Einflüsse auf "Love + War" verarbeitet. Wäre es nicht interessant, einmal deiner Leidenschaft zu frönen und ein ganzes Jazz- Album zu machen?
Kwabs: Das ist jetzt eine interessante Frage, denn ich habe als Soloprojekt schon damit begonnen, aber es vorerst unterbrochen. Für die Zukunft wäre das natürlich interessant, wenn ich andere Sachen erledigt habe und wieder den richtigen Hunger für dieses Projekt finde. Es muss sich jedenfalls aufregend für mich anfühlen, das ist mir in diesem Fall derzeit etwas verlustig gegangen.

09.09.2015, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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