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09.12.2016 - 04:52
Foto: Warner Music

Kovacs: "Ich kämpfe für Qualität gegen Quantität"

05.05.2015, 17:00
Mit ihrer tiefen, ausdrucksstarken Stimme und der paralysierenden Single "My Love" hat die holländische Sängerin Kovacs zuletzt auch in Wien beim New Sound Festival überzeugt - jetzt legt sie mit dem Debüt "Shades Of Black" eines der stärksten Soul-Alben der Gegenwart vor. Doch wer genau ist die schüchterne und kahl rasierte 24-Jährige mit der Präsenz und dem Charisma einer ganz Großen? Wir haben bei ihr nachgefragt und sind in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Sängerin eingetaucht.

"Krone": Sharon, mit deiner souligen Single "My Love" hast du in deiner Heimat Holland und in Griechenland bereits den Durchbruch geschafft und dich bei uns bereits bekannt gemacht. Was macht diesen Song so besonders?
Sharon Kovacs: Ich habe überhaupt keine Idee. (lacht) Ich habe einfach gemacht, worauf ich Lust hatte, und der Song klingt anders als andere. Vielleicht ist das das Geheimnis.

"Krone": Welche Botschaft transportiert "My Love"?
Kovacs: Im Leben verändert sich doch oftmals vieles und ich kenne ganz viele Leute, die sich immer nur in denselben Zirkeln bewegen und keine Veränderungen zulassen. Ich habe diesen Sicherheitszirkel für meine Musik verlassen und darum dreht sich der auch der Song.

"Krone": Würdest du dich als rebellischen Geist bezeichnen?
Kovacs: Ich denke schon. Bevor ich mit der Musik durchgestartet bin, hatte ich auch eine klischeehafte Auffassung von Rock 'n' Roll. Ich dachte, es gäbe die ganze Zeit nur Partys und ich kann einfach tun, was ich will. Wenn du aber etwas erreichen willst, dann musst du wirklich fokussiert sein. Rock 'n' Roll, Saufgelage und Partys stehen da wirklich weit hintenan. (lacht) Ich glaube aber auch, dass es so gut und richtig für mich ist. Jedenfalls ist auch die unglamourösere Realität im Musikgeschäft besser, als wenn ich mich noch immer im ewiggleichen Zirkel bewegen würde.

"Krone": Wann hast du deine Liebe zur Musik entdeckt und beschlossen, alles auf eine Karte zu setzen?
Kovacs: Das begann schon, als ich die Sprache erlernte. Musik war für mich schon seit jeher etwas Persönlicheres. Etwas, das ganz und gar mich widerspiegeln sollte. Ich wollte die Musik eigentlich nie mit anderen teilen, weil ich Angst hatte, durch negatives Feedback verletzt zu werden. Als ich 19 war und in einer Bar jobbte, habe ich nachzudenken begonnen und wollte aus meinem langweiligen Leben ausbrechen. Ich habe dann meinen Produzenten Oscar Holleman getroffen und so kam der Stein ins Rollen.

"Krone": Das ist eine ziemlich lustige Geschichte, denn Holleman hast du auf Facebook angeschrieben. Eine ziemlich unübliche Art und Weise, zu einer Geschäftsbeziehung zu kommen. Außerdem ist er eher als Heavy- Metal- Produzent für Bands wie Within Temptation oder Gorefest bekannt.
Kovacs: Er ist sehr vielseitig unterwegs, aber das liegt auch daran, dass er sich niemals dem Mainstream verschrieben hat. Ich glaube, deshalb funktioniert auch unsere Arbeitsbeziehung so gut. Er war einfach offen für Dinge, die andere nicht machen oder gar nicht bedenken. Er hat einen eigenständigen Stil und das gefällt mir. Ich habe auf meine Facebook- Anfrage gar nicht viel erwartet. Ich hatte irgendeinen Post von ihm geliked, darauf hat er mich geaddet, weil er das cool fand. (lacht) Ich hab ihm dann einen Link mit meiner Musik geschickt und nur wenige Minuten später lief alles rund.

"Krone": Du bist mit einer sehr intensiven, souligen Stimme gesegnet. Wurde diese Stimme bereits in der Schulzeit entdeckt?
Kovacs: Nein, die wollten mich eher von der Schule werfen. Ich war ein sehr verängstigtes junges Kind und auch sehr rebellisch. Ich habe mich einfach nie an die Regeln der Gesellschaft gehalten und so mancher Lehrer hat sich vor dem Einsatz meiner Stimme richtiggehend gefürchtet. Ich habe sie niemals technisch korrekt benutzt, wollte das aber auch nicht ändern. Das bin einfach ich und das macht mich einzigartig. Da wurden schon Kämpfe ausgetragen. Sie wollten mich immer in eine Mainstream- Richtung schieben, aber damit war ich nie einverstanden. Ich musste damals viele Cover singen und dann auch noch so, wie sie sich im Original anhören. Das ist doch total dämlich, denn wie soll daraus jemals etwas Eigenständiges entstehen?

"Krone": Da du dich als schwieriges Kind bezeichnest, was ging damals so ab?
Kovacs: Ich war eigentlich eher die Gemobbte. Ich habe mit der Zeit gelernt, mich zu wehren, aber ich war niemals eine gemeine, rücksichtslose Person. Ich habe einfach die Menschen verteidigt, die auch gemobbt wurden. Ich war eher streng mit mir selbst und meinen Eltern und weniger mit Mitschülern. Ich bin sehr oft von zu Hause ausgebüxt und wurde dann auch von meinen Eltern rausgeworfen. Von meinem elften bis zum 19. Lebensjahr habe ich bei Pflegeeltern gewohnt.

"Krone": Waren deine Eltern später damit einverstanden, dass du eine professionelle Musikern wurdest?
Kovacs: Anfangs fanden sie die Idee noch nett, aber als es ernster wurde, haben sie mir schon geraten, etwas Sichereres einzuschlagen. Ich habe aber überhaupt keinen musikalischen Background. In meiner Familie machte niemand Musik oder war künstlerisch tätig. Sie haben mich einfach nicht verstanden, aber jetzt sind sie natürlich sehr stolz auf mich.

"Krone": Dein Debütalbum nennt sich "Shades Of Black". Zu Zeiten des Filmerfolgs von "50 Shades Of Grey" klingt das ja nach marketingtechnisch klugem Kalkül.
Kovacs: Nein, das hat damit nichts zu tun. Im Musikunterricht in der Schule haben wir immer gewisse Perioden der Musikgeschichte durchgemacht, und als wir beim Blues waren, kam mir dieser Titel erstmals in den Weg. Ich hatte auch viele alte Blues- Bücher und der Titel "50 Shades Of Grey" war da öfter vorhanden. "Shades Of Black" fanden wir cool, weil es einfach unmöglich ist. Wenn du dich in einer dunklen Situation befindest, dann gibt es schon verschiedene Schwarz- Abstufungen. Es passt auch gut zum Album, weil ich eben zwölf dunkle Songs habe. Das hat aber nichts mit dem Film zu tun. (lacht) Der Film ist doch ziemlich romantisch, mein Album eher weniger.

"Krone": Warum hat das Album einen so negativen Zugang?
Kovacs: Das liegt daran, dass ich viel Negatives zu verarbeiten hatte. Ich bin manchmal auch recht negativ und jetzt habe ich einen Weg gefunden, diese Gefühle in meiner Musik ausdrücken zu können. Ich habe viele Seiten an mir und ich habe gelernt, dass ich nicht immer gegen alle rebellieren und wütend sein kann. Ich kanalisiere das lieber in meinen Songs.

"Krone": Ist es für dich schwierig, positive Songs zu schreiben?
Kovacs. Ich könnte es wohl, aber ich präferiere einfach die dunkleren Songs. Stell dir nur mal vor, du hast einen schlechten Tag und musst auf der Bühne einen positiven Song performen. Das muss die Hölle sein. Einen eher negativ ausgerichteten Song kann ich vielseitiger präsentieren und dafür muss ich mich nicht verstellen. Es gibt einfach viele verschiedene Emotionen darin.

"Krone": Das Album ist sehr persönlich geraten – hast du in allen Songs auf persönliche Erlebnisse zurückgegriffen?
Kovacs: Auf jeden Fall, anders könnte ich das gar nicht mehr. Ich kann über nichts singen, über das ich nicht Bescheid was oder das ich nicht erlebt habe. Das wäre ein Ding der Unmöglichkeit.

"Krone": Wer ist etwa der "Wolf In Cheap Clothes", den du besingst?
Kovacs: Eine Menge Leute. (lacht) Das geht einfach an all die falschen Menschen. Freunde, die dich nur wegen bestimmter Dinge mögen, oder Typen, die mit dir spielen und etwas zu sein vorgeben, was sie gar nicht sind.

"Krone": Ein Song auf dem Album heißt "Whisky And Fun" – ist das die positive Seite von Sharon Kovacs?
Kovacs: Nicht direkt. In diesem Song geht es um eine Beziehung, die ich hatte und in der ich schon so weit war, dass ich von einem Haus, Kindern und einem Garten geträumt habe. Teile davon hatte ich damals sogar schon, aber ich habe mich plötzlich gefangen gefühlt und wusste, ich brauche jetzt "Whisky And Fun". (lacht) Das ist aber immer so bei mir. Ich bin sehr wankelmütig. Manchmal habe ich so eine Spießereinstellung, ein anderes Mal will ich wieder nur feiern. Genau darum geht's im Endeffekt in diesem Song.

"Krone": Es fällt dir schwer, Momente einfangen und genießen zu können?
Kovacs: Mitunter schon, deswegen musste ich auch darüber schreiben. Ich bin relativ gut darin, Dinge zu reflektieren, abzuhaken und weiterzugehen. Ob das immer so gut ist, das weiß ich selber nicht.

"Krone": Ist es nicht schwierig, dich mit all diesen Erlebnissen vor deinem Publikum zu öffnen?
Kovacs: Ich brauche das. Wenn ich oberflächlich agieren würde, wäre ich nicht ehrlich und könnte nicht auftreten. Es ist einfach wichtig, dass ich echt bin und die Leute mich auf der Bühne kennenlernen können. Es gibt derzeit so unendlich viel oberflächliche und scheinbar fröhliche Musik, mit der ich einfach nichts anfangen kann. In meinem Leben bin ich auch nicht dauernd glücklich – warum soll ich das dann vorspielen? Das wäre gelogen. Ich öffne mich lieber.

"Krone": Wer ist der Idiot im Song "Fool Like You"?
Kovacs: Es geht um meinen biologischen Vater. Die Geschichte ist sehr speziell. Als ich diesen Song schrieb, kannte ich ihn noch gar nicht persönlich. Ich habe den Song in London geschrieben und als ich nach Holland zurückkam, bekam ich eine Nachricht auf Facebook. Jetzt geht's schon wieder um Facebook. (lacht)

"Krone": Die moderne und allgegenwärtige Kommunikationsplattform.
Kovacs: Ja. (lacht) Jedenfalls war die Nachricht von meinem Vater und das fand ich sehr seltsam. Als ich den Song dann für das Album aufnahm, war die Situation sehr sonderbar, weil ich ihn ja jetzt kannte.

"Krone": Als du jünger warst, hast du auch an diversen Talentshows teilgenommen. Diese werden ja oftmals von allen möglichen Musikern kritisiert. Stimmst du ihnen zu oder war das doch sinnvoll für dich?
Kovacs: Dem stimme ich total zu. Ich war damals 15 oder so und war bei den "Idols" dabei. Ich flog schon in der ersten Runde raus und bin jetzt wahnsinnig froh darüber, denn das hätte meine Karriere wohl ordentlich ruiniert. (lacht) Ich habe damals auch beschlossen, mir das nicht mal mehr im Fernsehen anzusehen. Diese Shows sind total dämlich – Musik ist doch kein Wettbewerb. Da geht es um Emotionen und Melodien, aber wie willst du etwas werten? Warum ist eine Emotion besser als die andere? Das ist dumm. Als Musiker bist du Künstler. Warum sollst du dich Auditions stellen und warum sollen Image und Äußeres plötzlich wichtiger sein als der Song? Wenn du da keine gesunde Grundlage an normalen Menschen um dich herum hast, wirst du wahnsinnig. Bei Erfolg heben sich dich kurzfristig in den Himmel und irgendwann lassen sie dich fallen wie eine heiße Kartoffel.

"Krone": Also ist auch der Song Contest nichts für dich?
Kovacs: Nein. Vielleicht sollte ich mir einen Schnauzer wachsen lassen, dann hätte ich wohl auch Erfolgschancen. (lacht)

"Krone": Du hat mir im Vorfeld gesagt, dass du dir in Kürze eine Zweitwohnung in Berlin besorgen wirst. In einem alten Interview hast du noch vehement betont, deine Heimatstadt Eindhoven nicht verlassen zu wollen. Wie passt das zusammen?
Kovacs: Das stimmt, ja. Ich liebe Eindhoven immer noch, aber die Stadt hat sich verändert. Viele Freunde von mir sind weggezogen und ich ziehe ja nicht ganz weg, sondern pendle nur. Eindhoven ist nicht das, was ich anfangs erwartet hatte – die Stadt hat mich ein bisschen enttäuscht und in Berlin sind die kulturellen Möglichkeiten natürlich ganz andere.

"Krone": Wie hat sich dein Leben verändert, seit du mittlerweile rundum recht bekannt geworden bist und deine Karriere steil nach oben geht?
Kovacs: Natürlich hat sich einiges verändert, ich bin viel beschäftigter und reise nur herum, aber genau das wollte ich immer haben. Es tut mir gut, dass hier plötzlich eine so hohe Dynamik herrscht. Ich kenne mich ja – würde ich mich nicht mit dieser Dynamik auseinandersetzen müssen, würde ich wohl wieder Mist bauen und mich in prekäre Situationen manövrieren. (lacht) Die Musik hält mich wohl normal und das passt.

"Krone": Was ist dir am Wichtigsten, wenn du einen Song schreibst?
Kovacs: Es muss einfach die richtige Emotion vorhanden sein und die Musik muss dazu passen. Auch die Texte müssen sich dementsprechend gut präsentieren und nur wenn alle drei Komponenten passen, wird ein Song gut.

"Krone": Wie geht es jetzt bei dir weiter? Welche Pläne und Ziele hast du dir gesteckt?
Kovacs: Wohl am zweiten Album arbeiten. Ich hoffe natürlich auch, dass ich viele Auftrittsmöglichkeiten kriege und von der Welt so viel wie möglich sehen kann. Ich habe aber keine großen Erwartungen, weil ich den Moment genießen möchte. Man wird sehen, was sich so ergibt. Wenn du stark fokussiert bist, dann versteifst du dich und verpasst vielleicht andere interessante Möglichkeiten. Ich will einfach offen durchs Leben gehen und möglichst wenige Enttäuschungen durchmachen müssen. Ich nehme einfach alles, wie es kommt.

"Krone": Fällt es dir manchmal schwer, im glitzernden Musikbusiness du selbst zu bleiben?
Kovacs: Schon auch. Es ist einfach unheimlich wichtig, dass du ein vertrauenswürdiges Team um dich herum hast. Es ist nicht immer leicht und manchmal musst du einfach streiten oder auf den Tisch hauen. Das muss aber sein, denn mir ist es wichtig, so frei wie möglich zu sein, und dafür muss man in diesem Geschäft oft kämpfen. Die Erwartungshaltung ist halt eine andere. Ich will einfach Musik machen, zu der ich stehe und die mir passt, und andere schielen auf die nackten Verkaufszahlen. Daran denke ich aber nicht. Qualität geht über Quantität. Und dafür kämpfe ich auch gerne.

05.05.2015, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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