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27.07.2017 - 07:20

Jennifer Rostock lieferten die pure Lebensfreude

30.01.2014, 11:00
Nach dem gefeierten Tour-Auftakt im Grazer Orpheum machten die Deutschrocker Jennifer Rostock Mittwochabend auch in der ausverkauften Wiener Arena Station. Mit im Gepäck hatten Jennifer Weist und Co. wie immer starke Songs, gute Laune und eine kräftige Portion Holzhammerhumor.

Es ist kein Geheimnis, dass die Deutschrock- Formation Jennifer Rostock eine absolute Live- Band ist, mittlerweile ist sie aber auch bei den Album- Verkaufszahlen in der ersten Liga angekommen. Das brandneue Album "Schlaflos" landete auf dem sensationellen zweiten Platz in den deutschen Albumcharts – geschlagen nur von Peter Maffay, dem Grandseigneur des deutschen Rocks. Dementsprechend erfolgreich ist auch der Tour- Auftakt in Österreich – das Grazer Orpheum am Vortag fast ausverkauft, die Wiener Arena rappelvoll bis auf den letzten Platz.

Das Alien auf dem Strich

Alle kommen Jenny schauen. Neben den langjährigen "Die Hard"- Fans und Liebhabern der starken neuen Platte auch diejenigen, die noch immer nicht wissen, dass die Jennifer- Rostock- Sängerin nicht Jennifer Rostock, sondern Jennifer Weist heißt. Die 27- Jährige hat die Anfangsnervosität einer neuen Tour schon in Graz abgelegt und zeigt von der ersten Minute an ihre hervorragenden Rampensau- Qualitäten. "Die Leute sagen, ich sehe aus wie ein Alien auf dem Strich. Aber ein geiler, oder?" - sprach's und rückte das Glitzer- Dekolleté zurecht. Bassist Christoph fällt sofort ein eher reserviert beobachtender Heavy- Metal- Fan in den ersten Reihen auf. Jennifer kommentiert das mit: "Da musst du jetzt durch – schließlich willst du deine Freundin heute noch bumsen."

Die Mischung aus schlüpfrigen Ansagen, einer über alle Zweifel erhabenen Bühnenpräsenz und dem breitflächigen Songmaterial sind der Grund, warum Jennifer Rostock gerade auch in Österreich eine jahrelange Erfolgsgeschichte schreiben konnten. Zudem geizen sie nicht mit optischen Reizen – schon nach dem Opener "Phantombild" regnet es glitzernde Konfetti vom Deckenhimmel herab, und die Band genehmigt sich den ersten "Mexikaner"- Shot – es sollte nicht der letzte an diesem Abend bleiben. Die begeisterten Fans sehen eine Show, die an Vielseitigkeit zugenommen hat und trotzdem nicht nach Ausverkauf riecht. Waren Jennifer Rostock einst eine reine Deutschrock- Band, hat sich das Quintett über die Jahre auch an popkulturellen Trends angelehnt, ohne dabei die eigene Identität abzustreifen.

Gesunde Portion Pathos

Programmatisch dafür ist etwa die neue Single "Ein Schmerz und eine Kehle", in der sich Weist rappend zeigt, epische Elektronik- Chöre aus dem Hintergrund offeriert werden und die dabei ein bisschen an eine weibliche Form aktueller Casper- Hits erinnert. Weist nutzt den Stimmbänder- strapazierenden Rap/Schrei- Teil dann auch als Ansporn für Stagediving und das Schwenken einer Regenbogenflagge. Dass sich die Norddeutschen seit jeher im politisch linken Spektrum verorten, schließt eine gewisse Form von Pathos und Theatralik auf der Bühne nicht aus. Und das ist auch gut so, denn ein derart fantastischer Ruf muss erst einmal aufgebaut werden.

Die ständige Nähe zum Publikum manifestiert sich in unzähligen gemeinschaftlichen Aktionen. Egal, ob zwei Mädels bei "Feuer" mit Weist um einen Merchandise- Gutschein singen, bei "Du willst mir an die Wäsche" ein BH fällt oder beim beeindruckenden Rausschmeißer "Schlaflos" noch einmal ein paar Leute auf die Bühne gebeten werden – fast zwei Stunden powern sich die fünf gut gelaunten Musiker auf den Arena- Brettern aus und haben mittlerweile das große Ganze im Visier.

Buntes Klang- Potpourri

Hier trifft erdiger Rock auf Punk- Attitüde, modernes Electro- Einsprengsel auf trendigen Rap und bekömmlicher Chart- Pop auf den bislang noch mäßig erfolgreichen Versuch, mit dem Dargebotenen auch eine ältere Publikumsschicht anzusprechen. Doch eines ist gewiss – wo Jennifer Rostock auftreten, dort steppt der Bär und schwitzt die Halle. Oder um die Stimmung mit den direkten Abschlussworten von Weist wiederzugeben: "Nazis raus, Schwanz rein".

30.01.2014, 11:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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