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04.12.2016 - 00:16
Foto: Universal Music

James Morrison über Musik, Mädels und Madonna

30.09.2009, 12:05
Er wird meistens in einem Zug mit James Blunt und Robbie Williams genannt: James Morrion. Zwischen dem großen Schmusebarden und dem "Natural Born Entertainer" ist der 26-jährige Brite dabei meist der Vollblutmusiker-Typ, der ohne Allüren und großes Stargehabe auskommt. Am 21. Oktober kommt James Morrison nach Wien, krone.at traf den Songwriter zum Gespräch über Musik, Mädels und seine einschneidende Begegnung mit Popqueen Madonna.

In James Morrisons Garderobe ist es kalt, eiskalt. Die Heizung streikt, das macht den einladenden Lederfauteil zum Kältegefängnis. Morrison hat leider (noch) keinen Butler, der ihm das kühle Gestühl warmsitzen hätte können, während er die letzten 20 Minuten TV- Interviews im Freien gab. Obwohl, bei seinem Erfolg - als Schmusebarde in den Charts, als Wirbelwind auf der Live- Bühne - könnte sich das schon fast ausgehen. Der 26- Jährige nimmt's gelassen. "That's rock'n'roll. Ich liebe es, auf Tour zu sein", meint Morrison, "es schafft dich zwar, aber es ist das beste Leben. Es ist besser als jeder Fernsehauftritt, denn hier geht es mal wirklich nur um die Musik!"

Am 21. Oktober geht es auch in den Wiener Gasometern nur um die Musik. Nach seinem Österreich- Debüt beim Nuke- Festival im Juli kommt der Brite für ein ausgewachsenes Konzert in die Alpenrepublik, um Hits wie "You Give Me Something", "Broken Strings" oder "Please Don't Stop The Rain" zu singen, die ihm eine erste Reihe voll herausgeputzter schulpflichtiger Mädchen bescheren werden. Wie Morrison in Wiesen eindrucksvoll vorzeigte, ist der (größere) Rest der Show aber eine kraftvolle Soul- , Blues- und Folkrock- Darbietung, die auch erwachsene Ansprüche zufriedenstellend bedienen kann.

krone.at: Du hast auf deiner heurigen Tour Shows vor 10.000 Fans und mehr gespielt, viel größer als bei deinem Österreich- Debüt. Macht es noch Spaß, vor einem Publikum zu spielen, das man erst von sich überzeugen muss?
James Morrison: Klar! Ich habe mit Auftritten in halbleeren Pubs begonnen. Und glaube mir, ich weiß, wie es ist, vor einem Publikum zu spielen, das nicht automatisch jeden deiner Schritte mitgeht. Aber ich kann nicht klagen, es ist bisher ziemlich gut gelaufen. Sogar auf den Festivals, wo das Publikum manchmal nicht unbedingt gerade auf mich gewartet hat - am Ende gehörten sie alle mir! (lacht)

krone.at: Deine Karriere geht seit vier Jahren steil bergauf. Nicht zuletzt durch prestigeträchtige Kollaboration, etwa mit Nelly Furtado oder als Tour- Support von Take That. War das Teil eines "business plans"?
James Morrison: Na ja, es kam nicht gleich am Anfang so. Natürlich war ich mir bewusst, dass es nicht gerade schaden würde, Nelly Furtado bei einem Song dabeizuhaben. (grinst) Aber so komisch es jetzt klingen mag, für mich stand auch dabei die Musik im Vordergrund. Außerdem war ich verdammt froh, mit jemandem arbeiten zu können, der so große Erfahrung aufbieten kann.

krone.at: Du hattest vor kurzem eine kuriose Begegnung mit Madonna, die weltweit in den Zeitungen abgefeiert wurde. (Morrison, damals Nummer 1 der britischen Albumcharts, traf die Popqueen in einem Studio. Sie fragte nach seinem Beruf und strafte die Wahrheit mit ungläubigen Blicken, Anm.) Ein Lehrstück in Sachen wie Erfolg den Charakter verändern kann?
James Morrison: Meine Eltern haben mir weit mehr beigebracht, als eine Glitzer- Welt je könnte. Mein Standpunkt: Ich mache Musik und verdiene damit meinen Lebensunterhalt. Ich versuche dabei ehrlich zu sein. Ich glaube und hoffe, nie arrogant zu werden. Ich hasse Menschen, die so sind. Was kann deine Musik schon bewirken, wenn du ein Arschloch bist? Da hör ich mir vorher lieber beschissene Songs an, von jemandem, der menschlich okay ist... Nein, das ist Blödsinn. Gute Musik funktioniert auch dann, wenn der Musiker ein Arsch ist. (lacht) Einigen wir uns darauf: Es ist nicht gerade hilfreich!

krone.at: Das heißt, tolle Persönlichkeiten schreiben bessere Songs?
James Morrison: Auf meine Lieblingsmusiker trifft das zumindest zu, etwa auf Stevie Wonder. Du kannst es natürlich auch schaffen, in dem du auf jeder Party mit viertklassigen Promis die Sau raus lässt. Berühmt wird man damit ganz sicher. Madonna ist auch so ein Beispiel, sie hat ihre Karriere gezielt mithilfe der Medien aufgebaut. Ich kann das nicht, zumindest nicht aktiv.

krone.at: Kannst du dich noch an die erste Gossip- Story über dich erinnern?
James Morrison: Es waren zu viele! Am Anfang war es total schrecklich. Ich merkte, dass du keine Kontrolle darüber hast, was über dich geschrieben wird. Nach einiger Zeit wurde mir das egal. Warum sollte ich mir darüber den Kopf zerbrechen? Es amüsiert mich ja beinahe, wenn mich wieder einmal jemand mit etwas zitiert, das ich nie gesagt habe. Das erkennt man doch schon beim zweiten Wort, dass das nicht von mir kommen kann!

krone.at: Ganz anderes Thema: In deiner Heimat England scheint die Zeit der Männer mit Akustikgitarren gerade zu Ende zu gehen. Heuer wurden fast nur Mädels als Neuentdeckungen in den Pop- Himmel gehoben.
James Morrison: Ja, Mann! Es ist verrückt! Sie sprießen wie Pilze aus dem Boden. Florence and the Machine, Little Boots, La Roux, Pixie Lott, Lilly Allen, das ist echt irre. Aber so funktioniert das. Jedesmal, wenn eine Marke Erfolg hat, bringt jede Plattenfirma eine Antwort darauf, und noch eine, und noch eine. Ich war ja irgendwie auch Teil dieser Masche. James Blunt, Paolo Nutini - James Morrison. Am Ende entscheidet aber trotzdem das Publikum, wer bleiben darf. Ich sage: Je mehr Künstler, je lieber. Was nicht passt, erledigt sich ohnehin von selbst. Die Leute lassen sich heute auch nicht mehr jeden Mist reinschieben wie in den Neunzigern. Die Zeiten, in denen sich CD- Käufer mit zwei guten Singles auf einem Album zufrieden gaben, sind wieder vorbei.

krone.at: Das klingt, als würde es dir besonders Freude bereiten?
James Morrison: Tut es auch! Ich hab es nicht gerade auf dem Silbertablett serviert bekommen. Ich hab meinen ersten Gig nicht als Künstler unter Vertrag gespielt. Ich würde heute auch ohne Plattenvertrag Musik machen, weil es das einzige ist, das ich kann. Ich konnte auch davon leben, bevor ich meinen Vertrag unterschrieb. Nicht ganz so gut, aber doch. (lacht)

krone.at: Und du würdest nicht nur dich über die Runden bringen müssen, sondern auch deine Familie. Du bist total Rockstar- unüblich mit 25 Vater geworden - und das ganz absichtlich. Wie läuft das neben der Karriere?
James Morrison: Ganz einfach, ich trenne Arbeit und Familie. Wenn ich zuhause bin, mache ich alles außer Musik. Ich spiele zwar hin und wieder Gitarre und lege eine Platte auf. Aber es ruft mich ganz sicher niemand für ein Interview an, während ich Zeit mit meiner Family verbringe. Es wäre aber idiotisch, zu sagen, ich gehe wegen meiner Tochter nicht auf Tour. Gerade jetzt, wo sie noch so klein ist, kann ich mich noch voll in die Arbeit stürzen. Ich weiß, dass es ihr zuhause gut geht. Es ist mir lieber, ich versäume jetzt etwas, als später damit leben zu müssen, nicht für ihre Zukunft gesorgt zu haben, als ich die Gelegenheiten hatte. Wenn ich einen 9- to- 5-Job hätte, würde ich sie auch nicht viel öfter sehen.

krone.at: In deinem Beruf gibt es aber gewisse Versuchungen, die bei einem 9- to- 5-Job nicht in der ersten Reihe stehen...
James Morrison: Ganz einfach: Gar nicht erst in Versuchung geraten! Das klappt allerdings nicht immer. Du unterhältst dich mit jemandem nach einem Konzert und plötzlich fragt sie: "Nimmst du mich jetzt mit auf dein Zimmer?" Nein, sicher nicht! In Wahrheit muss ich der totale Langweiler sein. Keine Partys, keine Bars. Das tut übrigens auch meiner Stimme gut. (lacht) Aber ja, es ist verdammt hart. All diese Mädchen, die hübschesten, die man sich vorstellen kann. Ich weiß aber: Was ich zuhause habe, ist viel wichtiger als eine schnelle Nummer.

krone.at: Dein letztes Studioalbum ist jetzt wieder ein Weilchen her. Kannst du schon von einem neuen Projekt berichten?
James Morrison: Ich kann dir sagen, dass ich täglich darüber nachdenke. Was ich ganz sicher weiß: Die nächste Platte muss ein Killer- Album werden. Nicht dass mir das zweite Album nicht gefallen hätte. Bei Nummer drei hast du aber schon wesentlich mehr musikalische Freiheiten, ohne zu sprunghaft zu wirken. Die Leute wissen jetzt, wer ich bin, darauf kann ich aufbauen und ein paar Schritte weitergehen. Ich hab viele Songs geschrieben, aber es ist noch nichts spruchreif.

krone.at: Und in Sachen Kollaborationen?
James Morrison: Hey, du willst mich hier festnageln! (lacht) Es könnte aber tatsächlich etwas in der Art geben. Ich habe vor ein paar Monaten einen jungen Musiker aus Brighton kennengelernt, daraus könnte sich etwas entwickeln. Soetwas wie beim zweiten Album ist aber nicht geplant. Ich brauchte das, um meinen musikalischen Horizont zu erweitern. Aber ich will nicht, dass am Ende jemand glaubt, ich wäre darauf versessen, immer mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten. Ich habe lieber selber gute Ideen, wenn's geht!

Interview: Christoph Andert

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