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25.05.2017 - 10:20
Foto: Lukas Gansterer

HVOB gehen auf neuem Album einen "Trialog" ein

04.05.2015, 17:00
Sie zählen zu den gefragtesten Acts der heimischen Elektronikszene - obwohl sie dieser streng genommen gar nicht zugerechnet werden können. Denn wenn HVOB (Her Voice Over Boys) zwischen Kapstadt, Beirut, Neu Dehli und Wien von den Fans bejubelt werden, dann vor allem aufgrund eines genreübergreifenden Ansatzes. Den verfolgen Anna Müller und Paul Wallner auch mit ihrer zweiten Platte "Trialog".

Die zehn darauf versammelten Tracks sind genau das, was der Titel verrät: Ein gemeinsames Vorhaben mit dem bildenden Künstler Clemens Wolf und den Visual Artists von lichterloh. "Es ging darum, Kunst und Musik noch enger miteinander zu verbinden, als das schon davor in der sehr engen Zusammenarbeit mit lichterloh war", verrät Müller. "Noch gesamthafter an etwas herangehen, das hat uns gereizt." Letztlich sei daraus die Idee zum Trialog entstanden, "mit den zehn verschiedenen Prozessen und zehn entsprechenden Umsetzungen, tatsächlich Trialoge zwischen den Disziplinen". Also Musik, Installation und Video.

Gleichberechtigt im Trialog

"Trialog ist ja eine Kommunikationsform von drei Partnern. Und es war im gesamten Prozess wirklich so, wie es bei einem Trialog sein soll: gleichberechtigt, jeder hat sich ins Gemeinsame eingebracht, jeder hat Inspiration gegeben und bekommen, jeder hatte Freiraum für eigene Ideen und Umsetzungen", beschreibt Müller den Prozess. "Die Arbeit von Clemens ist ein eigenständiges Kunstwerk, die von lichterloh, unsere Musik. Jeder der drei Teile könnte theoretisch auch für sich allein stehen. Aber die drei Werke addiert sind eben mehr als eine Addition, mehr als die Summe der einzelnen Teile, wenn man's mit Kante sagen will", bezieht sich die Sängerin auf einen Song der deutschen Indie- Band.

Musikalisch setzt "Trialog" jedenfalls dort an, wo vor zwei Jahren das selbst betitelte Debüt von HVOB aufgehört hat: zunächst einfach scheinende Elektronik- Tracks, die durch detailverliebte Arrangements und komplexe Konstruktionen gehörige Sogwirkung erzeugen. Stücke wie der Opener "Azrael" oder das eingängige "Ghost" können beides: sowohl den Dancefloor bedienen als auch zum Zurücklehnen und Genießen einladen. Wobei die Musik in erster Linie Gefühlssache sei, wie Müller erläutert. "Eigentlich kommt alles aus dem Bauch. Und das ist uns auch wichtig, dass das so bleibt. Den Kopf einzuschalten wäre bei Musik keine gute Idee." Für diesen blieben ohnehin noch Dinge wie "Finanzen, Organisation, Pressearbeit, diese Sachen".

Gemeinsame Plattform

Angst, dass die Songs bei der konzeptuellen Herangehensweise an das Album in den Hintergrund rücken, habe das Duo jedenfalls nie gehabt. "Erstens, weil die Partner immer Inspirationen waren, alles auf Augenhöhe, extrem vertrauensvoll und angenehm. Und zweitens, weil das Konzept nicht wie ein Korsett war oder eine Vorgabe, sondern eher der Treffpunkt für uns drei Partner, die gemeinsame Plattform." Zwar sei es die erste Kollaboration in dieser Form gewesen. Aber: "Wenn man's gut macht, muss in einer Zusammenarbeit niemand leiden." Dementsprechend sei "Trialog" auch ein "sehr schöner" Teil ihres Weges.

Dieser hat HVOB eigentlich von Anfang an rund um den Erdball geführt: Die 2012 gegründete Formation landete dank erster Tracks bald einen Vertrag beim Berliner Label Stil vor Talent, es folgten weitere EPs und die erste Platte. "Die Zeit ist extrem schnell vergangenen", lässt Müller das bisher Erreichte Revue passieren. "Dauernd neue Ideen, neue Projekte, neue Erfahrungen, Begegnungen, Eindrücke, ständig unterwegs. Wenn man da wahrnehmen möchte, was eigentlich alles passiert ist und passiert, muss man manchmal wirklich bewusst innehalten." Insbesondere die Konzertreisen sehe man als "extreme Anerkennung und Belohnung für unsere Arbeit".

Komplette Verantwortung

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor liegt wohl in der Eigenbestimmtheit der Gruppe begründet. "Unabhängigkeit ist das Allerwichtigste", unterstreicht Müller. "Die würden wir für nichts auf der Welt aufgeben. Das bedeutet zwar mehr Arbeit, aber dass wir wissen, HVOB ist unser Projekt, da sind wir verantwortlich für alles, wenn was klappt genauso wie wenn was schiefgeht, das ist ein Privileg und eine große Freiheit." Trotz Tourstress und der Verantwortung merke man spätestens auf der Bühne, dass sich "alles auch ausgezahlt" habe.

04.05.2015, 17:00
AG/frö
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