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19.01.2017 - 10:19
Foto: Sony Music

Fleur East: "Ich hatte nichts mehr zu verlieren"

16.03.2016, 17:00

Mit ihrer Single "Sax" verzaubert die britische Funk- Pop- Sängerin Fleur East gerade die heimischen Charts und sorgt für Bewegung auf den Tanzflächen - nun erscheint das dazugehörige Album "Love, Sax & Flashbacks", das mit Sicherheit zu den Mainstream- Highlights dieses Jahres zählt. Die bisherige Karriere der 28- Jährigen verlief aber alles andere als geradlinig. Darüber und über vieles mehr haben wir uns mit ausführlich mit Fleur unterhalten.

"Krone": Fleur, mit "Love, Sax & Flashbacks" erscheint nun dein Debütalbum hier in Österreich, in deiner Heimat England bist du schon damit durchgestartet. Was sagt der Albumtitel aus, welche Botschaft willst du damit vermitteln?
Fleur East: Das Wort "Love" existiert, weil viele Songs auf dem Album mit Liebe, Beziehungen und gebrochenen Herzen zu tun haben. "Sax" hängt direkt mit der gleichnamigen Single zusammen, mit der ich mich bei den Leuten da draußen vorstelle und "Flashbacks" spielt auf meine Musik an. Ich bin klanglich mit sehr vielen Einflüssen aus der Vergangenheit ausgestattet. Viel Funk, 80er- Sound, Hip Hop und Soul.

"Krone": "Sax" ist ein sehr flotter, fröhlicher Song, der in England bis auf Platz drei der Single- Charts kam und nur von den beiden Riesen Coldplay und Adele überboten wurde. Ist die Nummer dazu prädestiniert, hier zu einem großen Frühlingshit zu werden?
East: Ich denke schon. Die Reaktionen auf die Nummer waren bislang großartig, der Song ist sehr positiv und flott. Ich wollte einfach eine Nummer schreiben, die die Leute zum Tanzen bringt und ihnen Spaß und Freude macht. Es ist die perfekte Nummer, um bei strahlendem Sonnenschein in eine gute Stimmung zu kommen.

"Krone": Der Song erinnert mich vor allem an Prince und Michael Jackson, speziell an seinen Hit "Wanna Be Startin' Something". Sind das auch deine größten musikalischen Idole?
East: Absolut, Michael Jackson ist meine absolute Nummer eins. Ich bin mit seiner Musik und seinen Videos aufgewachsen und seine Inspiration hat mich dazu gebracht, selbst eine Entertainerin werden zu wollen. Wenn du Michael Jackson hörst, dann hast du auch eine gewisse Performance vor deinem geistigen Auge.

"Krone": Du hast auf dem Album auch viele R'n'B- und Hip- Hop- Parts verinnerlicht - hörst du selbst so viele verschiedene Arten von Musik?
East: Natürlich. In meinen Teenagerjahren habe ich viel Destiny's Child, Monica und Usher gehört - eben sehr viel R'n'B- Zeug. Du kannst definitiv alle meine Einflüsse auf dem Album hören und deshalb bin ich auch so aufgeregt, es zu präsentieren. Einfach, weil es so extrem vielseitig ist. Bei manchen Songs sticht die Musik hervor, bei anderen vielleicht auch mal die Vocals. Für mich ist Musik so etwas wie Flucht, gerade deshalb klingt das Album auch so positiv und gut gelaunt.

"Krone": Hast du eigentlich einen roten Faden, der sich durch die einzelnen Songs zieht? Worüber singst du in Nummern wie "Gold Watch" oder "Kitchen"?
East: Hauptsächlich singe ich über die wichtigen Aspekte des Lebens aus einem positiven Blickwinkel. Selbst in den Nummern, wo es um gebrochene Herzen oder gescheiterte Beziehungen geht, versuche ich immer einen positiven Ausblick hintanzustellen. Ich feiere auch einfach die Old- School- Musik ab, die heute leider nicht mehr oft zu hören ist. "Gold Watch" handelt darüber, dass vermeintlich coole Männer Frauen gerne als eine Art Trophäe präsentieren. Ich sehe das aber aus der weiblichen Perspektive. So als ob du deinen Partner stolz wie eine goldene Uhr trägst. "Kitchen" ist einer reiner Fun- Song. Wenn du zu schwach für eine Feier bist und die Hitze einer Party nicht erträgst, dann sieh zu, dass du Land gewinnst und verlass die Party. (lacht)

"Krone": Du hast auch Alicia Keys Hit "Girl On Fire" gecovert - war das nicht ein fast unmögliches Unterfangen, diese im Original so starke Nummer übertreffen zu wollen?
East: Natürlich. (lacht) Ich liebe Alicia Keys, sie verfolgt mich auch schon seit den Teenagerjahren. Der Song ist verdammt schwierig zu singen, aber ich wollte ihn unbedingt so adaptieren, dass er auch nach mir klingt und nicht bloß ein schnöder Abklatsch ist. Ich bin sehr froh darüber, denn meine Songs gehen normalerweise meist recht flott voran und "Girl On Fire" ist am Ende des Albums ein schöner Mid- Tempo- Absacker.

"Krone": Du hast auf dem Album mit verschiedenen Komponisten und Songwritern wie Wayne Hector oder The Invisible Man gearbeitet - wie bist du zu all den Leuten gekommen?
East: Ich bin so glücklich darüber, dass mein Label Syco so viele Kontakte hat. Glücklicherweise wollten dann auch diese Größen mit mir arbeiten. (lacht) Ich fühle mich so privilegiert und nach all den Jahren mit all den Problemen ein Album mit solchen Leuten herauszubringen, macht mich sprachlos.

"Krone": Du liebst es zu singen, zu entertainen, zu schreiben und eigentlich auch die Medien, denn du hast einen Studienabschluss in Journalismus. Wie siehst du das Geschäft nun von der anderen Seite? Dort, wo du eben gefragt und auch kritisiert wirst.
East: Das ist verdammt interessant, vor allem weil ich jetzt eben beide Seiten der Münze kenne. Ich weiß auch, dass ich gewisse Sachen nicht zu eng sehen darf, weil jeder von uns nur seinen Job macht. So wie ich gute Songs brauche, braucht mein Gegenüber eine gute Geschichte, das ist eben Teil des Jobs.

"Krone": Ist es wirklich leichter für dich, durch deine Vorerfahrungen mit den Medien umzugehen? Gerade die englische Yellow Press kann sehr heftig sein.
East: Natürlich gibt es manchmal auch kontroverse Themenkomplexe, über die ich vielleicht nicht gerne reden würde, aber als Person in der Öffentlichkeit musst du damit auch klarkommen. Ich glaube, durch meine Erfahrungen auf beiden Seiten kann ich nur Vorteile aus der Situation ziehen.

"Krone": Dein Leben war bislang schon ziemlich aufregend. Begonnen hat alles 2005 bei der Casting- Show "The X- Factor", wo du mit der Band Addictiv Ladies am Start warst, ihr aber bereits nach einer Woche eliminiert wurdet. Was hast du aus dieser doch brutalen, frühen Erfahrung gelernt?
East: Die wichtigste Lektion für mich war zu begreifen, dass ich einfach noch nicht bereit für diese Karriere war. Ich habe einen guten Einblick auf das Rundherum bekommen. Ich hatte schon immer eine Passion für Musik, das ganze Drumherum aber ausgeklammert. Plötzlich musste ich Interviews geben, mit dem TV arbeiten und derartige Dinge managen. Um ehrlich zu sein hat mich das Ganze aber nur noch tiefer in den Sog der Musik gezogen und nach der ersten "X- Factor"- Erfahrung habe ich Blut geleckt.

"Krone": Wie ging es dann weiter? Hast du in anderen Bands gespielt oder es gleich solo versucht?
East: Ich war kurzzeitig in verschiedenen Girlgroups, habe mich dann aber schnell auf mich selbst konzentriert. Ich habe viel getanzt, war auch in einigen Shows gebucht und bin in verschiedenen Tätigkeiten durch ganz England gefahren, um Erfahrungen zu sammeln. Ich hatte viele interessante Erlebnisse, den Durchbruch aber nicht geschafft. Als es 2014 nochmal die Chance für "X- Factor" gab, hat auch meine Familie gesagt, ich solle diese Chance am Schopf packen und es noch einmal versuchen. Ich war anfangs unsicher, habe das Risiko aber dann doch auf mich genommen.

"Krone": Zwischenzeitlich hattest du als Kellnerin und Fitness- Model gearbeitet, kaum Geld verdient und bist eine depressive Spirale gefallen. Wie konntest du dich aus diesem Sumpf schlussendlich wieder rausziehen?
East: Das war verdammt frustrierend. Du spürst und weißt, dass du für etwas eine ungeheure Passion entwickelt hast, aber bemerkst ebenso, dass es einfach nicht klappen will. Die Türen blieben immer geschlossen und das hat mich ziemlich fertig gemacht. Ich habe aber nie die Hoffnung verloren, habe zumindest meine Tür dorthin nie geschlossen und ich denke das ist auch der Grund, warum ich noch immer da bin.

"Krone": Gab es eine spezielle Situation oder einen speziellen Moment, der dir die Augen geöffnet hat?
East: Es gab ähnliche Geschichten von Sängerinnen wie Emeli Sandé oder Jessie J, die es dann mit Beharrlichkeit geschafft haben. Sie haben auch nie aufgegeben und irgendwann ist ihr Konzept aufgegangen. Das hat mich immer stark ermutigt und mir gezeigt, dass ich einfach nur hart weiterarbeiten muss.

"Krone": Kurz darauf hast du dich ein zweites Mal für "The X- Factor" beworben, dieses Mal alleine und hattest auch Erfolg. Viele würden wohl davon abraten, so etwas ein zweites Mal zu versuchen - du hast genau das Gegenteil gemacht. Warum eigentlich?
East: Es blieb mir nichts anderes übrig. Wie gesagt hat es außerhalb des Casting- Rampenlichts für mich trotz mehrerer Versuche nicht geklappt. Ich hatte aber Glauben und Vertrauen daran und Glück, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Platz war. Ich hatte nichts mehr zu verlieren, konnte also wirklich alles riskieren und hatte auch die richtigen Leute vor mir. Ich habe über die Jahre auch viel an Erfahrung dazugewonnen und war wesentlich besser vorbereitet.

"Krone": Du bist dann zwar nur Zweite geworden, hast aber seither eine explosive Karriere hingelegt. Würdest du deine Zeit in dieser Casting- Show also als eine gute resümieren?
East: Ich denke schon. Wenn du dich vorher darüber informierst, worauf du dich dabei einlässt und in der Sendung einfach du selbst bist, dann spricht nichts dagegen. Für mich war es jedenfalls eine grandiose Erfahrung.

"Krone": Dabei wird immer wieder vor Knebelverträgen verwarnt, die Künstler von Casting- Shows auf unnatürliche Weise an Plattenfirmen und Managements binden.
East: Es stimmt schon, viele Leute befinden sich in solchen Situationen. Oft schon, bevor so eine Show überhaupt auf Sendung geht. Du musst einfach vorsichtig und auch klug sein - man muss sich vorbereiten und informieren, aber das gilt für alle Bereiche des Lebens. Ich bin sehr glücklich über die Erfahrung, denn dadurch wurde meine Stimme endlich gehört.

"Krone": Du würdest Casting- Shows talentierten jungen Sängern also durchaus empfehlen?
East: Das schon, aber ich würde auch die Warnung aussprechen, dass es keinesfalls einfach ist. Ich bin jemand, der schon davor alles versucht hat und alle Ecken des Geschäfts kennt und wenn ihr glaubt, ihr könntet über Nacht zu einem Superstar werden, seid ihr bis auf ein paar Ausnahmen am Holzweg. Wenn du keine Fernsehpräsenz hast, dann interessiert sich niemand für dich und du bist meistens außerhalb jeder Wahrnehmungsgrenze. Bist du in TV- Shows, dann wirst du schnell und streng von Millionen von Menschen bewertet und kritisiert. Es schadet sicher nicht, so gut wie möglich auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, um auch schwächere oder kritische Phasen durchstehen zu können.

"Krone": Simon Cowell, der dir letztes Jahr einen Vertrag bei Syco Music vorlegte und schon länger als dein Mentor fungierte, war eine entscheidende Figur in deinem Karriereplan. Wie wichtig war er wirklich für dich?
East: Extrem wichtig. Simon war das entscheidende Element für meine Karriere, denn er verstand mich schon immer, wie ich als Künstlerin ticke und auf was es mir ankommt. In der Show habe ich dann knallhart das durchgezogen, was mir am Herzen lag und daraufhin haben mich auch die Zuseher verstanden - es war schön, diese Chance bekommen zu haben. Er ließ mich sehr frei und kreativ arbeiten, was natürlich großartig war.

"Krone": Was sind die schwierigsten Dinge in deinem Leben, seit du wirklich bekannt und erfolgreich geworden bist?
East: In der Öffentlichkeit zu stehen und permanent Kritik ausgesetzt zu sein, ist natürlich nicht einfach. Jeder hat eine Meinung zu dir, aber ich bin mittlerweile darauf vorbereitet. Zu den härtesten Sachen gehört auch das Zeitmanagement, weil ich zwischendurch einfach keine Chance habe, meine Familie zu sehen oder das Privatleben zu pflegen. Ich bin mir aber sicher, dass sie das verstehen und mich bestmöglich unterstützen. Das ist großartig.

"Krone": Neben der Musik hast du auch eine Vorliebe für Mode und mit "Lipsy London" auch deine eigene Fashion- Kollektion auf den Markt gebracht. Hat Mode für dich die gleiche Bedeutung wie Musik?
East: Gerade in der heutigen Zeit können Musik und Mode glücklicherweise Hand in Hand entlangschreiten. Die Mode war immer schon ein wichtiger Teil, um mich und meine Persönlichkeit greifbar zu machen und zu präsentieren. Die Musik kommt natürlich an erster Stelle, aber die Mode ist nur knapp dahinter verortet.

"Krone": Hast du modetechnisch schon etwas für die nähere Zukunft geplant? Eine neue Kollektion etwa?
East: Eine neue Kollaboration mit "Lipsy" ist auf dem Weg und ich hoffe natürlich, dass das in der Tonart und dem Tempo so weitergehen kann.

"Krone": Kollaboration ist ein gutes Stichwort - gibt es bestimmte Künstler, mit denen du künftig unbedingt einmal arbeiten möchtest?
East: Natürlich gibt es die. Die Liste ist verdammt lang. (lacht) Mit Emelie Sandé und Ed Sheeran würde ich gerne Songs schreiben und mit Alicia Keys etwas singen. Auch eine Zusammenarbeit mit Pharrell Williams wäre großartig.

"Krone": Wie geht es dieses Jahr musikalisch mit dir weiter? Welche Pläne verfolgst du derzeit?
East: Ich will einfach mehr Singles vom Album herausbringen und mich besser vorstellen, nicht mehr nur mit "Sax" verbunden werden. Und natürlich viel mehr Live- Shows, gerne auch in Österreich. (lacht)

16.03.2016, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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