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26.07.2017 - 07:09
Foto: Hannes Ehn, Sepp Pail

EAV versus Gabalier: Der Lederhosen- Streit

24.01.2015, 17:00
Es kracht ganz ordentlich an der Lederhosen-Front. Dabei geht es auf der neuen EAV-CD um wichtigere Themen, wie Klaus Eberhartinger (64) im Interview erzählt. Die österreichischen Pop-Legenden sorgen sich auf "Werwolf-Attacke! - Monsterball ist überall" nämlich um weit globalere Probleme.

In den vergangenen Wochen sorgte ein kurioser Eklat für Aufsehen. Die EAV singt auf ihrer neuen CD "Werwolf- Attacke! – Monsterball ist überall" von "Trachtenhosen- Zombies" – und so mancher Gabalier- Fan fühlte sich auf den karierten Schlips getreten. Auch Gabalier selbst meldete sich zu Wort (siehe ganz unten). Klaus Eberhartinger sieht die Sache im "Krone"- Interview nicht ganz so wild:

"Krone": Was sagst du zu dem Eklat rund um euren "Lederhosen- Zombies"- Song?
Klaus Eberhartinger: Da hat eine Tageszeitung etwas skandalisiert, was gar nicht passiert ist. Ich lasse mich nicht in einen Krieg hetzen, den ich gar nicht erklärt habe.

"Krone": Im Lied selbst gibt es eigentlich nur eine kleine Anspielung auf Gabalier...
Eberhartinger: ..."Hat irgendwer a Liad für mi". Weil das halt ein bissl für die Szene steht, die das abfeiert. Die Aufregung um die Lederhosen- Zombies ist ja wirklich lächerlich. Auch ich trage Tracht. Ein Männerhintern in einer Lederhosn schaut nie besser aus, und ein Frauen- Dekoletté im Dirndl ist ein Traum. Auch gute österreichische Volksmusik ist großartig. Aber was sich bei den Oktoberfesten abspielt, und mittlerweile hat ja jedes Dorf schon eins, ist nicht leiwand. Das wird unter dem Deckmantel Tracht verkauft, dabei geht es da nur um Kohle. Wovon wir singen ist, dass Tracht zur Ballermann- Uniform im Alpenraum geworden ist. Und darin saufen sich dann alle ins Koma.

"Krone": Wie erging es euch mit den heftigen Reaktionen auf diesen Streit?
Eberhartinger: Da gibt es einige Gabalier- Fundamentalisten, die uns den Tod, die Krätze und alles Mögliche wünschen, die schreiben: "Ihr gehörts vergast, hingerichtet", und meinen, dass sie ihre EAV- CDs verbrennen und keine Konzerttickets mehr kaufen. Jo, dann net. Deppen brauchen wir eh keine. Das kommt aus einem rechten Eck – bissl haben wir recherchiert –, wo ich mir denke, Kinder, da würde ich mir als Gabalier Sorgen machen, wenn der Applaus aus dieser Ecke kommt. Genau da waren wir schon einmal, dass Heimat, die Tracht und die Blasmusik instrumentalisiert wurden für ein politisches Wertesystem, das abzulehnen ist. Aus, Schluss, da gibt es keine Toleranz. Für Intolerante gibt es keine Toleranz.

"Krone": Organhandel, Rechtsruck in Europa, Finanzkrise – auf eurer neuen CD seid ihr böser denn je, oder?
Eberhartinger: Die neue Platte ist böser und bissiger, weil sie sich mit einer böseren und bissigeren Zeit auseinandersetzt. Unser Werwolf auf dem Cover rennt vor unserer Welt davon.

"Krone": Ihr nehmt auch den Islam aufs Korn – macht ihr euch nach den Anschlägen in Paris keine Sorgen?
Eberhartinger: Wir haben einen Block auf der CD, der mir viel eher Angst macht als das Trachtenzeug. Da geht es um die Scharia. Ich will ja kein Öl ins Feuer gießen, aber das sind so böse Menschen. Das sind Leute, die mit Gewalt Rechte wie Meinungsfreiheit niederbomben wollen. Etwas lächerlich zu machen, tut diesen Leuten wirklich weh. Die ärgern sich so über diese Karikaturen in "Charlie Hebdo", dass es deswegen wichtig ist, dass die ganze Welt sagt: "Je suis Charlie".  Man darf nicht vor ihnen auf die Knie gehen.

"Krone": Wie weit darf Satire gehen? Gibt es Grenzen?
Eberhartinger: Natürlich, man darf sich zum Beispiel über HIV nicht lustig machen, das geht nicht. Da gibt es Grenzen. Wenn man Gefühle von anderen unberechtigt verletzt, das ist lächerlich. Aber Provozieren tu i' gern.

"Krone": Im Gegensatz zum Gabalier geht ihr H. C. Strache direkt an – in einem Lied heißt es: "Wer spricht da aus dem Unterholz? / Werwolfi- Strache im Wählerstolz/ Auch Madame Le Pen ist der Sieg gewiss/solang's im Volkskopf finster ist."
Eberhartinger: Das ist eine klare Meldung, zu der wir auch stehen – das ist der Rechtsruck in Europa.

"Krone": Warum glaubst du, haben rechte Parteien zurzeit so eine Hochphase? Woher kommt dieser Wunsch der "heilen heimatlichen Welt", mit der diese Parteien ja werben?
Eberhartinger: Durch die Krise ist es wirtschaftlich enger geworden, die Leute haben wieder weniger Geld in der Taschen. Nachdem ich viel in Afrika bin, weiß ich, dass es uns objektiv eigentlich hervorragend geht, subjektiv aber net ganz so. Die Leut' müssen echt krochn und auch noch Steuern zahlen – und denken sich, für was denn, was finanziere ich denn damit. Wenn man damit Banken retten muss, versteh ich schon, dass einen das aufregt – und dass das von Parteien aufgegriffen wird. Auch die Ausländerfeindlichkeit – die hat man immer wieder instrumentalisiert. In Afrika sind das die alten Stammeskriege, die wieder entfacht werden. Da geht es um ein Hinzeigen auf einen Sündenbock. Im Dritten Reich waren das die Juden. Jetzt sind es eben die Ausländer, die unser Sozialsystem missbrauchen. Die nackten Zahlen sprechen eine andere Sprache – es sind eher die Inländer, die das missbrauchen. Außerdem heißt es, Ausländer nehmen uns die Jobs weg – das Thema ist ein anderes: Qualifizierte Ausländer kann man immer brauchen. Und Asylanten, die bei uns reinkommen, dürfen ja gar nicht arbeiten, das ist ja ein Problem der Integrationspolitik. Mag schon sein, dass es Asylwerber gibt, die unser System ausnutzen, aber durch die Bank ist es nicht so.

"Krone": Der Strache greift genau diese Themen natürlich sehr plakativ auf. Ihr habt aber auch noch niemanden so direkt angegriffen oder?
Eberhartinger: Doch, den Haider haben wir auch direkt angegriffen, da mussten wir dann sogar vor Gericht. Was Populismus angeht, da war der Haider besser, er war geschickter, dem Strache spielt die Zeit in die Hände und zum Teil auch die Schwäche der anderen Parteien, die ihm diese Themen überlassen. Das heißt jetzt nicht, dass die anderen einen Rechtsruck machen sollen, aber sie müssen etwas aufgreifen, was problematisch auf dem Tisch liegt.

"Krone": Das Lied "Pfeif drauf" ist ein witziger Ohrwurm, zielt aber eigentlich auf die Oberflächlichkeit der Gesellschaft ab. Wen meint ihr da genau?
Eberhartinger: "Pfeif drauf" – lustiger Song, gegen Oberflächlichkeit der Gesellschaft? Der Song deckt viele Facetten ab. Unter anderem eine Lieblingsgeschichte, für die ich den Thomas Spitzer abbusseln könnte. Böser wie in diesem Lied kann man die sogenannten It- Girls nicht karikieren. Sie setzen eine ganz falsche Vorbildwirkung für die Gesellschaft. Sie müssen nichts können, nichts tun – und sind berühmt dafür, dass sie shoppen gehen. So wie die Kardashians zum Beispiel. Das sind ganz eigenartige Phänomene. Begonnnen hat das mit den "Big Brother"- Sendungen.

"Krone": Würdest du ins Dschungelcamp gehen?
Eberhartinger: Ich wurde schon eingeladen, auch mit einer wirklich guten Gage. Aber das geht einfach net. Da bin ich noch nicht abgehalftert genug. Davor brauche ich noch zwei, drei ganz grausame Skandale. Oder man kommt von der Schiene der Larissa, die ein ziemlich unbeschriebenes Blatt war – aber dort mit Facetten aufgeblitzt ist, bei denen man nicht gewusst hat, ist die nur lästig und deppat oder spielt die eine großartige Rolle. Offensichtlich eher Letzteres. Aber solche Formate sind schon Zeichen der Zeit – dass sie solche Vorbilder hervorbringen.

"Krone": Ihr habt immer schon alle Gesellschaftsschichten kritisiert – von oben bis ganz unten. Und trotzdem habt ihr so eine breite Massenwirkung. Wie kommt es, dass das funktioniert?
Eberhartinger: Ich weiß es eigentlich nicht. Aber auf die Charts haben wir fast nie geschielt. Erfolgreich san mir worden, weil wir das nie gemacht haben. Wir haben immer geschaut: Was interessiert uns, was bewegt uns – wie können wir es mit unseren beschränkten Mitteln ausdrücken? Ich bin kein großartiger Sänger, das kann man überall nachhören, aber ich kann ganz gut unterhalten. Ich sehe meine Kraft in einer gewissen Bosheit, das hat den Thomas Spitzer und mich ja auch immer verbunden. Er ist ein großartiger Allround- Künstler. Warum sich das ausgeht, weiß ich nicht. Anscheinend sprechen wir genug Leute an, die das begreifen.

"Krone": Hast du nicht Sorge mit den Trachten- Zombies & Co., dass du damit deine Position beim ORF als allseits beliebter "Dancing Stars"- Moderator gefährdest?
Eberhartinger: Nach dem Gabalier- Zwischenfall wurde ich sofort von der "Dancing Stars"- Redaktion angerufen, die meinte: "Natürlich bist du dabei." Ich glaube nicht, dass der ORF nur glatte Moderatoren braucht. Ein ORF, der es sich traut, die Conchita Wurst zum Song Contest zu schicken, der hat schon ein Rückgrat. Es geht zwar schon um die Quote, aber nicht nur. Es ist ja auch nicht die breite Masse, die uns dann ablehnt. Wir haben schon genug Grips in der Nation.

"Krone": Wie setzt ihr den Monsterball optisch auf der Bühne um?
Eberhartinger: Natürlich wird unser Werwolfi, der vor der Welt davonläuft, auf der Bühne präsent sein. Die Karikaturen von Thomas, und darauf freue ich mich sehr, werden projiziert. Vielleicht zeichnet er sogar live und es wird direkt auf Screens übertragen. Es darf keine unnötige Kostümschlacht werden, damit es nicht in den Klamauk abdriftet – ich brauche keine Monster auf der Bühne. Die kommen eh in den Texten vor: Der ISIS- Hulk, Fürst Vladimir aus dem Ural, der Spezialist für Innereien, der Organverpflanzer Frankenstein... Organhandel ist ja auch eine ganz böse Geschichte, über die keiner spricht. Aber das sind Sachen, die reichen, wenn man sie sagt, die muss man nicht zeigen. Da oder dort wird's schon passieren, damit die Leut was zum Schauen haben.

"Krone": Du verbringst sehr viel Zeit in Kenia  – hat das deinen Blick  auf Österreich verändert?
Eberhartinger: Die Zeit in Afrika macht bescheidener. Man bekommt dort die tägliche Lektion, dass man auch unter unglaublich schwierigen existentiellen Umständen seinen Lebenswillen nicht verliert. Aber ich liebe Österreich, sogar noch mehr, seitdem ich in Afrika bin. Uns geht es wirklich gut, es ist ein leiwandes Land. Ich mag uns mit unserer Nörglerei, unserer Kleinkariertheit –  so sehr ich das auch angreife, aber es hat schon was.

"Krone": Also kann man auf Österreich stolz sein?
Eberhartinger: Auf Österreich kann man ruhig stolz sein. Dass wir uns zu wenig trauen, ja mei... Ich glaube, wir könnten besser sein. Wir bräuchten uns von der Schweiz nichts vormachen lassen, auch im Fußball nicht.

Und so reagierte Andreas Gabalier auf Facebook zum "Trachtenzombie"- Thema:

Bei allem Respekt vor meiner absolut österreichischen Lieblingsband EAV, und ich habe heute noch meine damals erste gekaufte Vinyl- Schallplatte von euch zu Hause!!! Ich lasse es ganz bestimmt nicht zu, dass man mehr als eine halbe Million begeisterte Fans alleine auf FB als "Unkultur" in den Nachrichten darstellt, die sich sowieso nur ins Dirndl und in die Lederhose stecken, um sich bei den Konzerten ins "Koma zu saufen"! Und schon gar nicht als "bedenkliche Entwicklung" mit "Applaus aus der falschen Ecke", die es in Österreich schon einmal gegeben hat! DAS lässt sich keiner gefallen!!! Und in Sachen "Bundeshymne"... Gott sei Dank hat Österreich noch eine eigene Meinung und tut sie auch kund zu so manchem Schwachsinn, der uns da vorgegaukelt wird!!!
Das Lied, lieber Klaus, auf deiner neuen CD ist Satire und schwer okay für mich, aber die Art und Weise, Werbung dafür zu machen, könnte man überdenken, bevor man sich über ausfällige "anonyme" Postings im Internet wundert!
Grüße aus deiner Heimat und alles Gute für die neue CD!
Dein Kollege und Fan Andreas Gabalier

Abseits des heimischen Pop- Geplänkels begibt sich die EAV mit ihrem neuen Album auch auf ausgiebige Österreich- Tour. Eberhartinger und Co. spielen am 14. März in der Grazer Stadthalle, am 15. März in der Linzerarena, am 16. März in der Salzburgarena, am 17. März im Congress- Saal Innsbruck, am 18. März im Montforthaus Feldkirch, am 20. März in der Eishalle Amstetten, am 21. März in der Sporthalle Gmunden, am 22. März in der Wiener Stadthalle, am 23. März in der Wiener Neustädter Arena Nova und am 24. März im St. Pöltner VAZ. Karten erhalten Sie unter 01/960 96 999 oder im "Krone"- Ticketshop .

24.01.2015, 17:00
Franziska Trost, Kronen Zeitung/frö
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