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27.07.2017 - 09:12
Foto: Warner Music / Video: Warner Music

Dream Theater: "Ein Album wie eine Liveshow"

23.09.2013, 12:08
Dream Theater sind seit Jahren das Aushängeschild des progressiven Metal. Mit ihrem opulenten Song "On The Back Of Angels" schafften es die Amerikaner sogar zu einer Grammy-Nominierung und damit einhergehend zu Mainstream-Ehren. Mit ihrem neuen Album "Dream Theater" will das Quintett nun die nächste Karrierestufe erklimmen. Im "Krone"-Interview sprach Super-Gitarrist John Petrucci über den viel diskutierten Drummer-Wechsel, die Notwendigkeit eines "Band-Captains" und wie viele Jahre ein Anfänger braucht, um seine Fähigkeiten an der Gitarre zu erlernen.

"Krone": John, wenn eine Band ein selbstbetiteltes Album veröffentlicht, liegt das meist an einem von zwei Gründen. Entweder habt ihr das größte Selbstvertrauen eurer Karriere oder ihr wart einfach zu faul, um einen neuen Titel zu suchen.
John Petrucci: (lacht) Es gibt ja sogar noch eine dritte Variante – wenn es das Debütalbum einer Band ist. Wir sind aber definitiv nicht faul, sondern eine hart arbeitende Band. Wir haben bereits elf Alben veröffentlicht und dieses Mal geht die Botschaft des Titels wirklich mit unserem Selbstvertrauen einher. Der Titel soll auch suggerieren, dass die Leute über dieses Album reden werden, dass man genau weiß, wer wir sind, wenn man sich dieses Album anhört. Für uns ist das Album ein wichtiger Moment in der Bandgeschichte. Er basiert auf allem, was wir von Anfang an bis jetzt getan haben und auch auf den vielen Veränderungen, die wir durchlaufen haben. Das Album ist uns so wichtig und ans Herz gewachsen, dass es den Bandnamen im Titel verdient hat. Wir wollten auch ein episches Statement setzen.

"Krone": "Dream Theater" ist auch das erste Album, bei dem euer Drummer Mike Mangini vollständig ins Songwriting integriert wurde. Wie wichtig ist er als Baustein für die Band?
Petrucci: Verdammt wichtig. Er arbeitet im Studio wirklich unglaublich. Er kommt in den Raum, ist immer perfekt vorbereitet und kann sofort loslegen. Beim Songschreiben weiß er zudem genau, welches Prinzip hinter Dream Theater steckt, wo unsere Wurzeln liegen und worauf wir genau achten. Er zeigt auch die Bereitschaft dazu, mit uns als Band die richtigen Wege zu beschreiten. Wir haben im Studio immer eine eigene Stimmung, wollen, das alles aufregend bleibt. All das funktioniert mit ihm perfekt. Er ist wahnsinnig kreativ.

"Krone": Ich hatte bereits vor zwei Jahren das Vergnügen, mit Mike zu plaudern, und dort erzählte er mir, er sei schon immer der größte Dream- Theater- Fan gewesen, bevor er in die Band kam. Das ist doch irgendwie surreal.
Petrucci: Das hat auch viel damit zu tun, warum er genau weiß, wie wir ticken und wo wir herkommen. Wir spielen jetzt mehr als 25 Jahre zusammen und wenn sich dann ein neues Mitglied so gut einfügt und früh für Impulse sorgt, dann kannst du dich glücklich schätzen. Es hängt auch sehr viel Verantwortung an seiner Position, die er aber mit Freude angenommen hat. Wir könnten nicht glücklicher sein.

"Krone": Wo liegen die größten Unterschiede zwischen Mike Mangini und eurem alten Drummer Mike Portnoy?
Petrucci: Prinzipiell haben sie den selben Hintergrund. Sie stehen auf dieselben Bands und die gleichen Drummer, wie etwa Neil Peart von Rush. Spielerisch gibt es natürlich schon Unterschiede, auch vom Stil her. Es gib nun einmal keine zwei gleichen Menschen. Mike Mangini übt auch wie ein Irrer, er kann am Schlagzeug Sachen, die kein anderer auf die Reihe bringt. Er bringt unseren Sound auf ein neues Level. Mangini ist eher der respektvollere, ruhigere Typ. Mike Portnoy hat bei uns begonnen und auch mehr gesungen, mehr organisiert und die Band immer gepusht. Sie sind zwei verschiedene Persönlichkeiten, aber beide großartige Drummer.

"Krone": Liegt dem neuen Album ein bestimmtes Konzept zugrunde? Mir ist aufgefallen, dass der erste und der letzte Song auf "Dream Theater" in Unterkapitel aufgeteilt sind.
Petrucci: Ein Journalist sagte mir, das neue Album klinge so, als ob man sich eine Dream- Theater- Show ansehen würde. Ich finde diese Perspektive großartig, denn die Intention des ersten Songs ist es wirklich, eine Art Live- Feeling unserer Band hervorzurufen. Du hast ein paar Minuten lang diesen filmisch- epischen Beginn und dann tritt der Song "The Enemy Inside" plötzlich ins Gas. Das Album hat keine konzeptionelle Ausrichtung, aber eine zusammenhängende Kurve, die sich dann zum Höhepunkt am Ende, "Illumination Theory", steigert. Das Album sollte das Gefühl eines Livekonzerts wiedergeben.

"Krone": Wollt ihr das Album dann auch in einem Stück auf die Bühne bringen?
Petrucci: Wir werden auf unserer kommenden Tour sicher viele Songs daraus spielen, aber das Album komplett zu präsentieren ist derzeit noch kein Thema. Aber wer weiß - vielleicht machen wir das ja später einmal. Die nächste Tour ist ganz auf uns zugeschnitten. Wir haben keine Vorgruppen und spielen zwei Sets, die durch ein Intermission- Solo durchbrochen werden. Wir nehmen uns viel Zeit, um unsere Musik zu präsentieren.

"Krone": Du hast das Album ein weiteres Mal selbst produziert. Würde es nicht einmal frischen Wind bringen, wenn du jemanden von außerhalb hinzuziehen würdest?
Petrucci: Ich bin sogar ziemlich sicher, dass das für Frische sorgen würde. Aber das Produzieren ist eine Tätigkeit, die ich sehr liebe, und ich finde es großartig, dass ich von meinen Bandkollegen das Vertrauen bekomme, diese Verantwortung übernehmen zu können. Dass wir bisher immer das Richtige gemacht und Erfolg gehabt haben, spricht natürlich dafür (lacht). Ein weiterer Vorteil ist, dass ich die Jungs alle sehr gut kenne und weiß, wie ich das Beste aus ihnen herausholen kann. Es ist auch schön, wenn wir alle den Weg eines Albums von Anfang bis zum Ende gemeinsam gehen können. Mit einem außenstehenden Produzenten käme aber sicher frischer Wind in die Sache. Es kommt aber auch auf die Person an. Manchmal funktioniert es, manchmal halt auch nicht.

"Krone": Ihr alle seid bei Dream Theater bekanntermaßen instrumentale Perfektionisten. Fällt es euch nicht trotzdem schwer, nach so vielen Jahren neue Ideen und kreative Einfälle zu haben?
Petrucci: Schwer ist der falsche Ausdruck. Wir lieben es, Musik zu machen, und speziell dann, wenn wir zusammen sind und einer vom anderen inspiriert ist, sprudeln die Ideen nur so aus uns raus. Wir haben auch viel Spaß dabei. Wenn unser Keyboarder Jordan Rudess etwa mit einer Idee kommt und uns die gefällt, sagt er gleich, er hat noch Millionen andere (lacht).

"Krone": Doch gerade bei so vielen Ausnahmemusikern muss es hart sein, auf einen Nenner zu kommen.
Petrucci: Oh ja, es gibt unzählige Diskussionen (lacht). In einer Band ist es wichtig, dass jeder seine kreative Stimme erheben kann, aber andererseits kann einfach nicht jeder der Captain sein. So würde das nicht funktionieren. Wir müssen schon sehr diplomatisch vorgehen und am Ende des Tages geht es nur darum, dass wir die bestmöglichen Entscheidungen für die Band getroffen haben. Wir versuchen, unsere Egos im Proberaum zurückzustellen, und das läuft bislang eigentlich ganz gut.

"Krone": Der Captain bist am Ende du.
Petrucci: Na ja, ich bin der Produzent. Ich habe meine Meinungen, Visionen und Eindrücke, aber im Endeffekt sind wir eine Band und die Stärke einer Band ist der Beitrag aller Mitglieder. Das macht uns auch so speziell und einzigartig.

"Krone": Als Mike Portnoy die Band vor ein paar Jahren verließ, propagierten viele Menschen das Ende von Dream Theater. Wie viel Druck lastete damals auf euch?
Petrucci: Ich kann noch heute verstehen, dass einige Menschen ihre Zweifel an unserem Fortbestand hatten, aber die Stärke von Dream Theater war immer das Kollektiv, die faire Art der Zusammenarbeit. Aber klar – anfangs standen wir gewaltig unter Druck.

"Krone": Nach den ersten Liveshows hat sich das Blatt gewendet und das Feedback auf eure neue Besetzung war grandios.
Petrucci: Es war unglaublich. Ich kann mich noch genau an die allererste Show in Rom erinnern. Nach sechs oder sieben Songs hat Mike Mangini ein Drumsolo gespielt und wir haben ihn dann vorgestellt. Das Publikum war völlig begeistert, wie weggeblasen. Sie haben ihn von Anfang unterstützt und an ihn geglaubt.

"Krone": Wenn man gewisse Interviews liest, scheint Portnoy seinen Abgang bereut zu haben. Oftmals bettelt er richtiggehend um ein Comeback. Wie stehst du dazu? Sind die Türen auf ewig verschlossen?
Petrucci: Mike Portnoy scheint sehr glücklich mit seinen anderen Projekten zu sein. Auf der anderen Seite haben wir mit "A Dramatic Turn Of Events" ein erfolgreiches Album mit Mike Mangini veröffentlicht, hatten eine großartige Tour und sind jetzt wieder zurück. Wir befinden uns alle in ausgezeichneten Positionen und für mich ist die derzeitige Lage eine Win- Win- Situation. Ich bin froh darüber, dass er Erfolg hat und natürlich auch, dass es bei uns gut läuft.

"Krone": Die Single "On The Back Of Angels" von eurem Vorgängerwerk "A Dramatic Turn Of Events" wurde für einen Grammy nominiert. War das für euch als Metalband so etwas wie ein Ritterschlag?
Petrucci: Absolut, das war ein großer Moment für uns. Du musst ja bedenken, dass wir damit die Aufmerksamkeit der Jury auf uns gezogen haben. Wir spielen schon so viele Jahre im Grunde denselben Musikstil und der ist nie wirklich massenkompatibel oder kommerziell ausgerichtet gewesen. Plötzlich hast du einen acht Minuten langen Song, der von "außerhalb" bemerkt wird. Das war ein unbeschreiblich schöner Moment für die Band. Das zeigt aber auch, dass Prog- Musik in der Welt einen durchaus respektablen Stand hat.

"Krone": Dream Theater waren aber schon immer außerhalb des Metal- Genres beliebt. Wie kam es dazu?
Petrucci: Das ist eigentlich ganz lustig, denn ursprünglich war das immer unser Ziel. Wir waren Teenager als wir begannen, unsere eigene Musik aus den Einflüssen alter Bands zu kreieren. Als wir jung waren, wurden wir sehr oft kritisiert. Die Songs wären zu lang, wir seien zu oft live zu sehen, die Drumspuren zu kompliziert (lacht). Wir haben einfach unseren Weg beibehalten und alle Dinge, für die wir kritisiert wurden, wurden uns später als unsere großen Stärken ausgelegt. Wir sind sehr stolz darauf und unser neues Album "Dream Theater" zu nennen ging genau in diese Richtung. Bis zu diesem Moment haben wir viel Hingabe und Passion aufgewendet, und das wollen wir auf all unsere Hörer übertragen.

"Krone": Gibt es denn noch Ziele, die ihr erreichen wollt oder könnt?
Petrucci: Wir haben immer Ziele. Aktuell ist es natürlich, das Album so gut wie möglich zu promoten und die Leute auf den Geschmack zu bringen. Wir wollen Musik erschaffen, die speziell ist und den Menschen etwas bedeutet. Das Wichtigste für mich ist, wenn jemand unsere Musik als Teil seines Lebens sieht, wenn wir mit dieser Person etwas teilen können. Wir wollen auch unsere Liveshows immer größer und besser gestalten, noch mehr Länder besuchen und einfach weitere Meilensteine setzen. Wir möchten die Seele progressiver Musik über die Welt verstreuen.

"Krone": Hörer oder Fans sind ein gutes Stichwort, denn ihr seid bekannt dafür, eure Fans immer gut zu behandeln und in regem Kontakt mit ihnen zu stehen. Gehört das zum Geheimnis eures Erfolgs?
Petrucci: Als wir selbst noch jung waren, haben wir bei Bands wie Iron Maiden oder Metallica gesehen, wie sie mit ihren Fans umgehen und wie wichtig das für sie selbst war. Es geht nur um eine Sache: Wenn du ein Musiker bist und machen kannst, was du willst, was du liebst, dann liegt es ausschließlich daran, dass es da draußen Menschen gibt, die diese Musik hören wollen und die dich unterstützen. Wenn du darauf vergisst, dann bist du bald mal am Ende.

"Krone": John, wie viel Zeit müsste ich mit Gitarrespielen verbringen, damit ich ähnlich gut werde, wie du?
Petrucci: (lacht) Sechs Stunden am Tag müssten es schon sein.

"Krone": Wow, und das an die 30 Jahre lang?
Petrucci: Ich glaube zehn Jahre sollten auch reichen, dann bist du vielleicht schon nah dran (lacht).

Dream Theater werden am 25. Jänner das Wiener Gasometer beehren, um ihr neues Album auch live zu präsentieren. Karten für das Ereignis erhalten Sie unter 01/960 96 999 oder im "Krone"- Ticketshop .

23.09.2013, 12:08
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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