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05.12.2016 - 00:47

DMB: "Big Whiskey And The GrooGrux King"

03.06.2009, 00:13
Es mag für viele geradezu ein Affront sein, jemand anderen als U2, Beatles, Rolling Stones oder die Ärzte als "beste Band der Welt" betitelt zu sehen. Im Fall der Dave Matthews Band ist dies vom musikalischen Standpunkt aus aber eine gar nicht einmal so gewagte Aussage. Auch 31 Millionen verkaufte Alben sprechen für die in Europa eher wenig bekannte US-Formation. Vier Jahre nach dem letzten Longplayer und knapp ein Jahr nach dem plötzlichen Tod von Saxofonist Leroi Moore, dem im Schock eine Beinahe-Trennung folgte, rockt sich das Musikerkollektiv mit seinem siebenten Studioalbum "Big Whiskey And The GrooGrux King" wieder zurück ins Leben.

Dave Matthews (voc, git), Carter Beauford (dr), Stefan Lessard (b), Boyd Tinsley (viol) und der am 19. August 2008 nach einem Unfall mit einem All Terrain Vehicle verstorbene Leroi Moore (sax) bilden seit Anfang der Neunziger eine der vielseitigsten Formationen der Gegenwart, vom Rolling Stone als "America's biggest band" gepriesen. Musikalisch agieren sie handwerklich weit über dem Horizont der meisten in den Billboard- Charts vertretenen Bestseller- Interpreten. Jazz, Funk, Reggae, Rock, Klassik, Soul und Folk aus aller Herren Länder verschmelzen in DMB- Songs zu einem einzigartigen Soundgefüge, getragen von Dave Matthews perkussivem Gitarrespiel und aufgebauscht von seinen virtuosen Mitstreitern. Komplizierte, verschachtelte Rhythmen, undurchsichtige Texte und nicht unbedingt die klassischen Mitsing- Refrains zeichnen die Songs auf den sieben Alben aus, von denen trotzdem fünf auf Platz eins der US- Charts landeten, die ersten beiden in den Billboard Top Ten.

Das Prädikat "beste Band der Welt" verdiente sich DMB aber vor allem mit seinen Konzert- Tourneen. Neun bisher erschienene Live- Alben und mehr als ein Dutzend Longplayer aus der vom Fanclub "Warehouse" initiierten Reihe "Live Trax" sowie zahlreiche Gratis- Downloads sind dabei nur der offizielle Teil der im Umlauf befindlichen Aufnahmen. Qualitativ hochwertige Bootlegs gibt es von nahezu jedem Konzert der stets im Sommer tourenden Formation (heuer auch mit Stopps in Europa), deren Fangemeinde es in Sachen Loyalität mit der Heavy- Metal- Szene aufnehmen kann. Das Verlangen nach so vielen Konzertaufnahmen rührt daher, dass die Live- Versionen die Studio- Originale oftmals überbieten, vor allem in der Länge: statt vier Minuten kann ein Song, um eine scheinbar spontane Jam- Session erweitert, dann auch gerne fünfmal so lang dauern. Bereits legendär der Internet- Kommentar eines Fans, der 41 Versionen des DMB- Hits "Two Step" besitzt und stolz verkündete, dass die soeben erworbene 42. "the best one so far" ist.

Doch wie jede andere Band hatte auch DMB mit dem steigenden Erfolg zu kämpfen. Bereits beim vierten Album "Everyday" im Jahre 2001 musste man sich nach einem nervenaufreibenden Krieg mit der damaligen Plattenfirma BMG auch noch von den Fans anhören, man werde zu "pop- ish". Beim Nachfolger "Busted Stuff" (2002) gab man dem Druck der Fangemeinde nach und lieferte wieder ein stark akustisches Album. Nach einer Pause für Soloalben - "Some Devil" brachte dem gebürtigen Südafrikaner Matthews einen Grammy ein - stieß man die eingefleischten Fans im Jahre 2005 mit dem Richtung RnB und "fette Beats" schielenden "Stand Up" erneut vor den Kopf, wenngleich eine erfolgreiche Tournee die Kritik am etwas zu modernem Album milderte.

Erst jetzt wird nach und nach bekannt, was die Formation um den charismatischen Querkopf Matthews nach "Stand Up" durchmachte. Von einer Beinahe- Trennung berichten die Bandmitglieder in den Interviews zum neuen Album "Big Whiskey And The GrooGrux King", Matthews hätte schon Briefe vorbereitet gehabt, in denen er das Ende forderte. Der plötzliche Tod von Leroi Moore, der nicht nur Saxofon spielte sondern als Arrangeur eine wichtige Rolle beim Entstehen von Songs hatte, beendete den Trennungsprozess jäh. Mitten in den Sessions zum neuen Album musste sich die Band auf einmal mit einem Schicksalsschlag auseinandersetzen. Statt für ein Ende entschied man sich zum Neuanfang und begann damit, Leroi Moore, dem "GrooGrux King", ein musikalisches Denkmal zu setzen.

Die Richtung für den Sound des neuen Albums hatten davor bereits die Änderungen in der Live- Besetzung vorgegeben. Keyboarder Butch Taylor verließ wenige Wochen vor dem Tod Moores die Live- Band, für ihn stieß Matthews' Busenfreund Tim Reynolds dazu, der eine ständige E- Gitarre mit ins Line- Up brachte. Die Parts von Leroi Moore übernahm während der Sommertour 2008 Bela- Fleck- Saxofonist John Coffin, live an der Trompete steht bereits Rashawn Ross seit einigen Jahren mit DMB auf der Bühne. Genau in dieser Besetzung ging's dann auch ins Studio unter der Leitung des durch zahlreiche härtere Produktionen vorbelasteten Produzenten Rob Cavallo. Das Ergebnis ist das bisher rockigste DMB- Album, das trotzdem nicht auf die "alten Zeiten" vergisst.

Eröffnung und Outro der Platte übernimmt posthum der "GrooGrux King" Leroi Moore mit zwei kurzen Saxofonsoli. Auch sonst ist der Geist des einstigen Bühnen- Ruhepols der Band allgegenwärtig. Egal ob Dave Matthews auf "Why I Am" augenzwinkernd "Still dancing with the GrooGrux King" singt, mit der auffälligen Bridge der Single "Funny The Way It Is" dem entschwundenen Arrangeur Tribut zollt oder am Ende von "Time Bomb" einen geräumigen, schnellen Teil einbaut, in den sich der Zuhörer ein Soli von Leroi Moore hineindenken kann.

Mit Tim Reynolds erhält die Band wieder ein klangliches Spannungsfeld. Wie schon beim dritten Album "Before These Crowded Streets", als der geniale Duett- Partner Matthews' neben Alanis Morissette erstmals als Gaststar auf einem DMB- Album auftrat. Slide- Gitarre auf "Lying In The Hands Of God", kraftvolle Powerchords bei den Breitwand- Epen "Why I Am" und "Squirm", das live dem beliebten Opener "Don't Drink The Water" den Rang ablaufen könnte. Oder satter Southern Sound beim Groove- Kunststück "Alligator Pie", das zusammen mit dem Banjo bei "Spaceman" den Entstehungsort New Orleans klanglich abbildet. Die Texte, die Dave Matthews für dieses Album schrieb, sind dabei thematisch so vielfältig, wie das Cover, das er selbst gezeichnet hat - das Bild ebenso wie die Worte offenbaren ihre Bedeutung erst bei intensivem Studium.

Für den Fan klingt das alles sehr vertraut? Er darf sich bei "Big Whiskey And The GrooGrux King" über eines der besten DMB- Studioalben bisher freuen ... und wie das dann erst auf dem nächsten Live- Album klingen wird!

10 von 10 GrooGrux- Königen

von Christoph Andert

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