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28.06.2017 - 06:18
Foto: Richard Chappell

David Rhodes: "Mir fehlt das Geschirrabwaschen"

01.10.2014, 17:00
Man kennt ihn vornehmlich als Top-Gitarrst von Peter Gabriel, der auch schon mit Paul McCartney, Talk Talk und aktuell Kate Bush musizierte. Doch David Rhodes ist auch ein hervorragender Solokünstler, der für vier ausgewählte Konzert samt Band nach Österreich kommt. Wir haben mit dem sympathischen Briten über Krankheiten auf Tour, Kühe mit Elefantenrüssel und den Status als ewigen Zweite-Reihe-Musiker gesprochen.

"Krone": David, du hast unlängst dein zweites Soloalbum "Rhodes" veröffentlicht. Eine, wie ich meine, gute Mischung aus Power- Rock- Songs und melancholischen Momenten. Was ist dir bei Songschreiben am Wichtigsten?
David Rhodes: In erster Linie, einen wirklich guten Groove und dann die richtige Balance aus Melodien und Riffs zu finden. Ich mag es, Musik mit Eiern zu machen, aber natürlich braucht man auch ruhigere Momente. Die Mischung muss stimmen.

"Krone": Du hast die Produktionskosten über die Crowdfunding- Plattform "Pledgemusic" eingespielt. War das die einzige Option, genügend Geld für das Album zu haben?
Rhodes: Eigentlich schon, ja. Es ist heute nicht unbedingt einfach, Leute dazu zu bringen, dass sie in solche Projekte investieren. Die Firmen wollen das Ergebnis haben, bevor sie einen Cent lockermachen. Viele Musiker haben gecheckt, dass Crowdfunding ein gutes Mittel ist, um Geld zu lukrieren, auch wenn es wirklich nicht einfach ist. (lacht)

"Krone": Gab es Zeiten, wo du ernsthaft Sorgen hattest, das Ziel und die nötige Summe nicht zu erreichen?
Rhodes: Ja. (lacht) Die Leute sind aber wirklich nett und unterstützend und du bietest ihnen ja auch etwas Wertvolles im Gegenzug an. Es ist ja nur ein Deal zwischen dir und den Investoren. Wenn du so einen Prozess in Gang setzt, realisierst du aber anfangs nicht, wie viel Arbeit da dahintersteckt.

"Krone": Was bei "Rhodes" als Allererstes ins Auge sticht, ist das mysteriöse Cover- Artwork. Eine Kuh mit einem aufgeschnallten Elefantenrüssel. Was soll uns das sagen?
Rhodes: (lacht) Eigentlich habe ich damit angefangen, viele kleine Zeichnungen für das Cover zu fertigen, aber ich bin damit im thematischen Niemandsland gestrandet. Also habe ich mir ein paar Fotos von einem Freund namens David Stewart angesehen, der sehr viel für Werbung macht und auch schon Musikvideos gedreht hat. Auf seiner Website habe ich dieses Bild gesehen und ich habe mich fast totgelacht. Ich habe ihn gefragt, ob ich es verwenden kann, und es war kein Problem für ihn. Ich habe die Idee einfach sehr lieb gefunden, dass eine Kuh ihre Identität ändern würde und gerne ein wildes Tier in den Savannen sein möchte. Ist es möglich, dass du deine Natur veränderst? Eigentlich ja nicht. Es soll gleichsam witzig sein, aber auch zum Nachdenken anregen. Ich finde aber die Symbolkraft des Bildes stark. Unser Produzent Chris Hughes war gleich begeistert, und wenn du im Laden dieses Poster oder CD- Cover siehst, fragst du dich unweigerlich, was zur Hölle hier los ist. (lacht)

"Krone": Bist du ein Mensch, der seine Identität gerne einmal verändern möchte?
Rhodes: Die Realität ist nun einmal, dass das sowieso nicht funktionieren würde. Natürlich könnte man sich nach außen hin verstellen, aber du kannst den Kern eines Menschen niemals verändern.

"Krone": Wer würdest du denn gerne sein?
Rhodes: (lacht) Ich muss doch schon so oft mit mir selbst ringen, ich glaube nicht, dass da noch Zeit für eine zweite Identität wäre.

"Krone": Der letzte Song "Be Mine" ist im Vergleich zum Rest des Materials fast schon eine liebliche Ballade. Ist da eine kräftige Dosis Romantik in dir?
Rhodes: Eine wirklich große Dosis, ja. Natürlich möchte auch ich möglichst wundervoll und romantisch sein, aber traurigerweise gelingt mir das nicht immer.

"Krone": Du spielst doch sehr stark auf eigene Erfahrungen an.
Rhodes: Ich denke schon. (lacht) Das Album hat kein Konzept oder so etwas, das will ich schon klarstellen. Aber sehr viele Dinge kommen aus eigenen Erfahrungen.

"Krone": Im Vergleich zu deinem Debüt "Bittersweet" hast du auf Keyboards und Streicher verzichtet. Warum das?
Rhodes: Mein Gedanke war, dass es besser wäre, wenn wir ein geradlinigeres Band- Album machen würden. Einfach traditioneller, das typische Drei- Mann- Projekt. Wir wollten möglichst simpel vorgehen und schauen, wie weit wir als Dreigespann kommen. "Bittersweet" hatte so viele sich überschneidende Spuren, das wollten wir in diesem Fall vermeiden. Einfach wieder zurück zum Ursprung.

"Krone": Mit Charlie Jones von Goldfrapp und Ged Lynch von The Charltans hast du auch ein konstantes Bandgefüge.
Rhodes: Unglücklicherweise kann Ged aber nicht bei den Österreich- Konzerten dabei sein und wird durch einen Kerl namens Rob Brian ersetzt. Da gab es leider Terminüberschneidungen mit einer seiner anderen Bands und das ließ sich nicht mehr gerade biegen, was ich sehr schade finde. Wir alle haben so viele Projekte und das Schwierigste ist eigentlich immer, alles auf einen Nenner zu bringen. Aber diese Herausforderung mögen wir gerne.

"Krone": Man kennt dich in erster Linie als Gitarrist von Peter Gabriel, mit dem du schon fast 35 Jahre lang die Bühne teilst und im November auch in Graz und Salzburg auftrittst. Habt ihr beide so eine besondere Chemie?
Rhodes: Das hat sich einfach so eingependelt. Mit Charlie und Ged zu spielen macht mir ja nicht weniger Spaß. Ich bin mit Peter schon ewig befreundet und das macht den ganzen Prozess sehr lustig und einfach. Wir kommen einfach sehr gut miteinander aus.

"Krone": Du hast auch schon mit Paul McCartney, Talk Talk oder Roy Orbison gearbeitet.
Rhodes: Exakt, und derzeit stehe ich fast allabendlich in London mit Kate Bush auf der Bühne. Das ist wirklich extrem aufregend. Insgesamt sind es 22 Shows und das Programm ist jetzt bald beendet. Das Publikum ist einfach fantastisch, das ist der Wahnsinn.

"Krone": Es sind die ersten Kate- Bush- Liveshows seit 35 Jahren. Das ist nicht nur für ihre Fans, sondern für das gesamte Musik- Business ein historisches Ereignis.
Rhodes: Das stimmt wohl, es sind auch wirklich alle rundum aus dem Häuschen. Ich finde das genauso hervorragend. Bei den ersten Shows war ich schon etwas nervös, weil wir einfach nicht wussten, wie das Publikum darauf reagieren würde. Das Ergebnis war besser, als wir es uns jemals erträumt hätten. Die Show ist wirklich etwas seltsam, Kate Bush eben. Aber das ganze Publikum hat sich davon mitreißen lassen, versuchte sie zu verstehen und war mit Herz und Seele dabei. Das haben wir in der Intensität nicht erwartet und ich denke, so eine Art von Show hat es auch noch nie zuvor gegeben. Sie ist nicht nur eine außergewöhnliche, sondern auch liebenswerte und verdammt lustige Persönlichkeit.

"Krone": Abends spielst du Shows mit Kate Bush und tagsüber musst du für deine kommenden Solokonzerte proben. Ich kann mir vorstellen, dass es bei dir schon gemütlichere Tage gab.
Rhodes: Die ganze Sache ist nicht unbedingt entspannend. (lacht) Aber worüber sollte ich mich aufregen? Ich habe das Glück, mit ein paar der besten Musiker und Künstler der Welt zu arbeiten. Es ist einfach ein großes Vergnügen.

"Krone": Du warst bei den Bush- Shows aber nicht immer fit.
Rhodes: Oh mein Gott, ich hatte bestialischen Durchfall. (lacht) Während der Show an einem Samstag konnte ich kaum mehr auf der Bühne stehen. Es gibt während der Show einen Moment, wo ich von der Bühne darf. Ich habe die Füße in die Hände genommen, bin ins Badezimmer gestürmt und musste danach auf der Bühne sogar sitzen, weil ich so geschwächt war. Mittlerweile passt es aber wieder und wenn ich bei euch bin, werde ich fit sein.

"Krone": Irgendwie bist du auf einer Bühne sozusagen in der ersten Reihe der zweiten Reihe. Eben mit den größten Stars zusammen, aber niemals im großen Rampenlicht.
Rhodes: Mit meiner Band ist das ja anders. (lacht) Möglicherweise ändert sich das ja spät, aber doch. Aber wenn ich für andere Künstler spiele, dann unterstütze ich sie und ihre Songs, das ist einfach mein Job. Es geht darum, das Beste zu geben, um auch die Hauptkünstler besser zu machen. Dafür brauchst du natürlich Disziplin, das ist klar. Du versuchst einfach immer, die Songs so gut wie nur möglich klingen zu lassen.

"Krone": Bei einer derart langen und aufregenden Karriere wie deiner hast du sicher die eine oder andere tolle Geschichte auf Lager?
Rhodes: (lacht) Na ja, da gibt es so einiges, stimmt schon. Das kommt so spontan, ich fühle mich gerade überfordert. Vor vielen Jahren habe ich mit Peter Gabriel ein lustiges Erlebnis in Frankreich gehabt. Wir waren dort irgendwo in einer Sporthalle. Ich habe damals mitten auf der Bühne meinen Verstärker abgeschossen, weil ich mich irgendwo verdreht habe. Das war wirklich ein ziemlich peinlicher Moment. Es hat lange gedauert, bis die Techniker das wieder hingekriegt haben. Das war zu dem Zeitpunkt, wo wir trommelnd auf die Bühne gegangen sind. Also die Techniker haben an dem Verstärker gebastelt und Peter hat uns alle an den Bühnenrand nach vor geholt. Wir mussten als Überbrückung wieder trommeln und dazu tanzen. Du kannst dir vorstellen, welches Tanztalent wir alle hatten. (lacht) Larry Fast spielte damals Keyboard und hatte Moonboots an. Er dachte, er bleibe ja ohnehin immer im Hintergrund. Tja, falsch gedacht. Über die Jahre passieren natürlich viele alberne Sachen.

"Krone": Bevor du im Oktober für vier Soloshows wieder nach Österreich kommst – woran erinnerst du dich noch? Mit Peter Gabriel warst du vor nicht allzu langer Zeit letztmals in Wien.
Rhodes: Ich liebe dieses Land, ihr habt eine Landschaft, die ist unvergleichlich. Wir haben bei euch auch immer mit sehr netten und großartigen Menschen zusammengearbeitet. Es gab überhaupt nie irgendwelche Probleme.

"Krone": So viel Touren und Reisen ist doch extrem anstrengend und du bist nicht mehr der Allerjüngste. Wird das zunehmend schwerer für dich?
Rhodes: Man wird schon etwas schneller müde, aber ich liebe meine Arbeit. Sie ist aufregend und inspirierend und das pusht mich jedes Mal.

"Krone": Vermisst du auf Tour etwas besonders?
Rhodes: Das Verrückte daran ist, dass du ganze simple Dinge vermisst. Wenn du lange weg warst, dann fehlt dir tatsächlich das ganze normale Geschirrabwaschen. (lacht) Auf Tour zu sein, ist aber schon sehr fein. Es ist Teil unseres Jobs, und selbst wenn du es nicht so gern hast, musst du es akzeptieren und richtig wahrnehmen. Ich liebe es, verschiedene Plätze zu besuchen und neue Leute kennenzulernen.

"Krone": Gibt es noch Träume, die du dir erfüllen möchtest?
Rhodes: Ich würde gerne noch mehr Zeit für meine Band haben und hoffe, ich kriege das hin. Träume habe ich in dem Sinn nicht, im Prinzip übe ich meinen Traumjob aus und kann mit Freunden kreativ sein. Gibt es etwas Besseres auf der Welt? Ich kann mich schon sehr glücklich schätzen.

Mit seiner Soloband kommt David Rhodes am 13. Oktober in das Rockhouse Salzburg, am 14. Oktober ins Wiener WUK, am 15. Oktober in die Kulturfabrik Kufstein und am 16. Oktober zum Spielboden Dornbirn. Als Gitarrist von Peter Gabriel ist er mit der Genesis- Legende am 23. November in der Grazer Stadthalle und am 24. November in der Salzburgarena zu sehen. Karten erhalten Sie unter 01/960 96 999 oder im "Krone"- Ticketshop .

01.10.2014, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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