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05.12.2016 - 21:27
Foto: Andreas Graf

Das war das Forestglade 2010 in Wiesen

18.07.2010, 10:19
Auch am zweiten Tag des Forestglade-Festivals in Wiesen hat zuerst einmal unglaubliche Hitze die Besucher begrüßt. Ansonsten bot der Samstag musikalische Highlights am Fließband und furchtbare Wettervorhersagen über Gewitterstürme inklusive Hagel, die sich aber Gott sei Dank nicht erfüllten.

Aufgrund der hohen Temperaturen konnten die ersten Bands Superbutt, Turbostaat und Zeronic noch kaum Publikum vor die Bühe locken. Und auch bei den Lokalmatadoren Garish zeigte sich der Besucherandrang noch verhalten. Verträumt und mit Ziehharmonika und Trompete ausgestattet brachten sie trotzdem eine nette Abwechslung zu den vorangegangenen Rockbands, obwohl die fünf Burgenländer leider mit Soundproblemen zu kämpfen hatten. Zudem muss gesagt werden, dass diese schwelgerische Musik eigentlich nicht in die brütende Nachmittagshitze gehört.

Spritzpistolen gegen "Jump Around"

Gekonnt wie eh und je setzte sich Everlast in Szene – chillige Sounds irgendwo zwischen Blues- Rock und Ska brachten gute Laune in die doch schon etwas erlahmte Stimmung am Festivalgelände. Der Gig des ehemaligen House- of- Pain- Frontmans lockte auch erstmals etwas mehr Leute vor der Bühne.

Mit sonorer, tiefer Stimme führte Herr Everlast durch das Konzert, das ihm auch ein Spritzpistolen- Zwischenfall (jemand aus dem Publikum fand es lustig, ihn ständig anzuspritzen) nicht vermiesen konnte. Ein kurzer Appell an die Vernunft – "Ich bin überall von Elektronik umgeben, das ist kein Spaß" – und schon ging das Konzert weiter. Am Ende dann noch "Jump Around" von der Band, mit der Everlast groß wurde – cool! Trotz einiger Längen im Programm ein tolles Konzert für einen schwülen Nachmittag.

Härte statt Melodie

Therapy? ist wohl die metal- affinste Punkband der Welt. Das bewies ihr Auftritt in Wiesen wieder einmal eindeutig. Und obwohl die Band um Andy Cairns mit Klassikern wie "James Joyce is Fucking My Sister" in das Set startete, regierte schon bald der harte, unzugängliche Sound der letzten Jahre. Dem Publikum gefiel es trotzdem zu einem guten Teil – vielleicht auch deshalb, weil Cairns einfach ein besserer Entertainer ist als Everlast.

Ständiges Animieren der Festival- Besucher durch die Wiesen- Dauergäste war angesagt, und sogar eine Botschaft in Richtung BP war mit Unterstützung der Besucher drinnen: Dem Ölkonzern richteten die Nordiren mit der Nummer "Die Like a Motherfucker" eine recht eindeutige Message aus. Zum Glück besann sich die Band gegen Ende des Gigs ihrer melodiösen Qualitäten und brachte sowohl das Cover von "Diane" (diesmal in der originalen Punk- Version ohne Chello) als auch "Die Laughing". Das sollte auch die versöhnt haben, die zuvor noch über all die neuen, unbekannten Songs von Therapy? gejammert haben.

Gewaltig in Umfang und Stimme

Gossip- Sängerin Beth Ditto ist auf jeden Fall eine gewaltige Erscheinung im wahrsten Sinne des Wortes. Gewaltige Stimme, gewaltige Körperfülle, gewaltiges Auftreten. Wo Beth hinkommt, da wächst kein Gras mehr. Und dementsprechend ließen Gossip auch in Wiesen nichts anbrennen: Mit bestem Sound ausgestattet, spielte sich die Band durch ein feines Konzert, das die Kritiker Dittos verstummen lassen wird. Trotz Stimmproblemen legte sie einen perfekten Gig hin, bei dem sie auch das Tanzbein schwang, wie man es ihr gar nicht zugetraut hätte.

Der Disco- Rock, oder wie immer man den Sound von Gossip nennen will, sorgte jedenfalls für Stimmung, auch wenn ihre "Dankeschön"- Ansagen in der Melodie von Lady Gagas "Bad Romance" auf die Dauer etwas nervten. Der Auftritt ihrer Schwester, mit der sie gemeinsam eine Nummer singen wollte, wirkte wegen technischer Probleme zudem eher seltsam. Richtig Partystimmung wollte schlussendlich nur bei der Tina- Turner- Covernummer "What's Love Got To Do With It" und der abschließenden Single "Heavy Cross" aufkommen.

Genie und Wahnsinn

Genie und Wahnsinn liegen laut einem alten Sprichwort nah beisammen. Dass Mike Patton, seines Zeichens Sänger von Faith No More, wirklich mehr dem Wahnsinn zugetan ist, zeigte er an diesem Abend ständig. Sei es, dass er beim zweiten Lied einfach mal von der Bühne springt und sich vom Publikum tragen lässt, sei es die fast andauernde Publikumsbeschimpfung oder das K.- o.- Schlagen des Drummers durch einen Sprung ins Schlagzeug vor der ersten Zugabe. Was diese Band aufführte, war fast schon surreal. Doch so sehr Faith No More als Band brillierte, so sehr verblassten die grandiosen Musiker neben dem einmaligen Mike Patton. Wenn man ehrlich ist: Das war eine One- Man- Show.

Patton bewies dabei, dass er im einen Moment zart wie ein Lamm, dann wieder wild wie ein blutrünstiger Löwe sein kann. Das schlug sich auch in der Setlist nieder, die sowohl Kracher wie "The Gentle Art of Making Enemies" und "Midlife Crisis" als auch das Commodores- Cover "Easy" umfasste. Hit folgte auf Hit, und auch das Publikum war kaum noch zu halten.

Ein wirklich würdiger Abschluss für dieses Festival, bei dem sogar der Wettergott ein Einsehen hatte und den Anwesenden statt Hagel und Sturm nur ein bisschen Regen schickte.

Das war der Freitag am Forestglade

Irre Hitze, irre gute Stimmung: So startete eine Schar von etwas über 6.000 Musikbegeisterten am Freitag in das 15. Jubiläum des Forestglade- Festivals in Wiesen gestartet. Neben guter Laune trotz - oder vielleicht gerade wegen - des Höchstsommerwetters bot Tag eins der Kultveranstaltung im Burgenland viel gute Musik.

Wobei die meisten Besucher den Nachmittag hitzebedingt eher gemütlich angehen ließen. Jesus Christ Smokes Holy Gasoline, Disco Ensemble, The Dawn eröffneten den Reigen, aber erst bei K’s Choice wurde der Platz vor der Bühne recht voll und die Stimmung ausgelassen. Ach, seliger 1990er- Jahre- Rock lässt grüßen.

Pfeifkonzert zum Abgang

Zur Abenddämmerung war dann der nächste Klassiker angesagt – und zwar punkig wie folkig. "Today is a Good Day" gab bei New Model Army die Richtung vor. Direkt vor der Bühne feierte das Partyvolk die Show der heuer seit 30 Jahren bestehenden Band ab. Gänzlich überspringen wollte der Funke aber noch nicht – viele machten es sich noch am Hang gemütlich oder schauten sich die Show vor der Bühne recht unbewegt an.

Frontman Justin Sullivan war das aber egal – schließlich feierte er seinen gefühlten "435. Wiesen- Gig", wie er selbst meinte. Altes Eisen sieht jedenfalls anders aus und spätestens zu "51st State" ging auch das Publikum richtig mit. Natürlich spielte die Army auch noch den Hit, den zwar jeder kennt, von dem aber trotzdem kaum einer weiß, wie er heißt: "Vagabond" machte sowohl Band als auch Publikum noch einmal richtig Spaß. Ein Pfeifkonzert gab es trotzdem – aber nur, weil die Band keine Zugabe mehr spielen wollte.

"Zoooommbie, Zoooooombie!"

Nach dem überraschend erfrischenden Auftritt der New Model Army  folgten die Cranberries. Zuerst natürlich die Frage: Was will man von einer Band erwarten, die seit acht Jahren kein Album – und Best- ofs zählen wirklich nicht als solche – mehr herausgebracht hat? Offensichtlich besitzen die Nordiren eine unerwartet große Fanschar, die sich an diesem Abend ziemlich viel erwartete. Und enttäuscht wurde diese auch nicht, denn die Cranberries spielten sich gekonnt durch ein gemütliches Pop- Rock- Set.

Und gekonnt heißt in diesem Fall: perfekte Band und auch Dolores O’Riordan hat offensichtlich in den vergangenen Jahren nichts an Stimme eingebüßt. In Designer- Converse und engem roten Kleid dirigierte sie die Menge, als ob sie keine jahrelange Pause eingelegt, sondern erst gestern von der Bühne gestiegen wäre. Die Band rockte sich durch alle Hits, die vom begeisterten Publikum mitgesungen wurden und legten generell einen großartigen Auftritt hin. Spätestens bei "Zombie" war dann Gänsehaut angesagt.

Trotzdem bleibt die Frage: Hat ein reiner Nostalgie- Auftritt um diese Uhrzeit wirklich etwas verloren? Die Fans der Band werden jetzt Ja sagen – für den Rest bleibt ein guter, aber leicht deplatziert wirkender Auftritt, der keinen störte. Sei’s drum…

Für dich immer noch …

Und dann kamen die Fantastischen Vier. Die Mehrheit nennt sie Hip- Hop, manche nennen sie Pop. Eines ist jedoch sicher: Sie gehören zu den besten Entertainern im deutschsprachigen Raum. Das ist bestimmt auch der Grund, warum das textlich nicht gerade sichere Wiesener Publikum einfach mitgehen konnte. Wobei die aktuelle Single "Gebt uns ruhig die Schuld", bereits als zweite Nummer gebracht, circa 99 Prozent der Anwesenden mitgrölten. Das Glück an den Fantas ist aber, dass sie sich im Unterschied zu den Cranberries nicht mit dem einen Überhit begnügen müssen – da gibt es "Der Picknicker", "MFG", "Populär" oder auch das fast schon mystische "Der Krieger", das Thomas D. wie immer Solo zum Besten gab.

… der fantastische Headliner des Abends

Egal ob "Es könnte alles so einfach sein" oder auch "Ernten was wir säen", das zur Zugabe bis in die letzten Reihen mitgeklatscht, mitgetanzt und mitgesungen wurde – das war ganz großes Kino! Dazu eine wirklich tight spielende Band mit Drummer, Percussionist, Gitarre, Bass und in der Mitte natürlich die drei MCs Michi Beck, Thomas D. und Smudo, während im Hintergrund DJ And Ypsilon dem ganzen Form gab. Viel besser kann es für einen Act dieser Größenordnung jedenfalls nicht laufen: Da wurde getanzt, gesungen und gehüpft, als sei es schon das letzte Konzert des Forestglades.

Die Fantastischen Vier waren ein würdiger Headliner, natürlich mit dem nötigen Wumms im Sound und einer aufwendigeren Bühnenshow als der Rest des Tagesprogramms. Die Band dankte dem Publikum jedenfalls die euphorische Feierlaune und meinte noch: "Wir haben schon viele Festivals gespielt, aber Wiesen ist unser Nummer- eins- Festival- Gig bisher!" Ein toller Abschluss für Tag eins am Forestglade.

von Stefan Taferner
Fotos: Andreas Graf

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