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06.12.2016 - 10:59
Foto: EPA/Peter Klaunzer

Corey Taylor: "Trumps Charme ist gefährlich!"

08.11.2016, 07:00

Heute Nacht wird die wohl wichtigste weltpolitische Entscheidung des Jahres getroffen - zwischen Hillary Clinton und Donald Trump entscheidet sich endgültig, wer für die nächsten vier Jahre Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird. Der Wahlkampf spaltete nicht nur das Land, sondern die ganze Welt. Slipknot- Frontmann Corey Taylor ist eines der aktivsten Sprachrohre der Musikerszene in den USA und machte sich im Gespräch mit der "Krone" seine Gedanken über den Wahlkampf, Umgangsformen und die Zukunft der USA.

Ausnahmezustand, die ganze Welt hält den Atem an. Der schmutzigste Wahlkampf der Geschichte biegt - man möchte gerne sagen "endlich" - in seine Zielgerade ein und in Kürze werden wir wissen, wer nun wirklich die Befugnis bekommt, seinen Finger über den so oft zitierten Nuklearwaffenkopf kreisen zu lassen. Der polternde Republikaner Donald Trump, oder aber die aus gutem Hause stammende, oft aber zu künstlich aufgesetzt wirkende Demokratin Hillary Clinton. Was die beiden so verschiedenen Pole eint, ist einerseits die Tatsache, dass beide Kandidaten der jeweils älteste US- Präsident der Geschichte werden und dass der Rest der Welt bei beiden ein mulmiges Gefühl verspürt.

Not oder Elend

Beim kindlich agierenden, stets nach dem nächstbesten Kalauer und Lacher suchenden Trump muss man sich tatsächlich gewahr sein, dass er das Gleichgewicht des Planeten aus den Angeln reißen könnte, die studierte Clinton hingegen wird von einem Großteil der US- Bürger nicht aus Überzeugung, sondern aus der puren Not gewählt. Das geringere Übel sozusagen - ein Fakt, der in knapp einem Monat auch vielen bei der dritten Stichwahl zum österreichischen Bundespräsidenten gewahr wird.

Die Wahl zum nächsten US- Präsidenten ist nicht nur eine, die sich aus Ideologie und Geografie zusammensetzt, sondern auch Prominenz aus Kunst und Sport betrifft. Da kommt es schon mal vor, dass Schauspieler- Legende Robert De Niro eine regelrechte Hasstirade auf Trump loslässt, oder der ehemals schillernd- bunte Basketballer Dennis Rodman den US- Untergang durch Clinton preist. Künstler und Musiker sind zu einem großen Teil im demokratischen Lager angesiedelt, so wie auch Corey Taylor, Frontmann der weltweit erfolgreiche Metalband Slipknot, der sich noch nie ein Blatt vor dem Mund nahm und mit der "Krone" über die anstehende Wahl sprach.

Medien, Ruhm und Macht

"Donald Trump ist kein verdammter Politiker, sondern ein Geschäftsmann, der - wie oft? - zwei- oder dreimal bankrottging. Am besten wäre gewesen, man hätte ihn unter Anklage gelassen, damit er Amerika nicht ruinieren kann." Trump selbst punktete im Wahlkampf vorwiegend mit polternder Polemik und persönlichen Angriffen unter die Gürtellinie. Lösungsansätze für anstehende Probleme waren Mangelware, sexistische Aussagen schockierten ein ganzes Land. Doch wie kann jemand dennoch so erfolgreich am politischen Parkett agieren? "In den USA sind wir, viel mehr als in allen anderen Ländern der Welt, besessen von Medien, Ruhm und Macht. Die Menschen hinterfragen viel zu wenig und Trump hat einen gewissen Charme, der ziemlich gefährlich ist."

Taylor sieht sogar Parallelen zwischen Slipknot und der Politik: "Ihr glaubt, dass wir Masken tragen? Wir verstecken wenigstens nichts, die Politiker schon. Politiker sind für mich nach außen hin wie Filmtrailer: Sie zeigen dir ihre besten Seiten, verbergen aber den Rest. Ihr Gesicht in der Öffentlichkeit ist nur Werbung, die nichts mit ihrer wahren Identität zu tun hat." Dass sich die US- Bevölkerung bei diesem Wahlkampf so stark in zwei verschiedene Lager gespalten hat wie nie zuvor, schreibt der 42- Jährige mitunter den sozialen Medien zu. "Jeder fühlt sich heute von allem angegriffen. Egal, ob es um das Casting für den neuen ,Star Wars'- Film geht oder um Gräueltaten gegenüber Tieren. Alles wird zur Selbstverständlichkeit und die meisten verlernen zusehends, die Wichtigkeit von Themen richtig zu werten."

Buch für Amerika

Dass Taylor selbst gerne als polternder Provokateur angesehen wird und im Internet nur allzu gerne seinen Senf abgibt, stört ihn selbst weniger. "Ich habe eine ziemlich gute Allgemeinbildung und interessiere mich für vieles. Aber ja, ich komme manchmal wie ein Arsch rüber, der nicht weiß, wann genug ist. Aber ich habe nun einmal meine Meinung und teile die gerne. Zu einem Problem wird so etwas nur, wenn es aus dem Kontext gerät." Auch wenn er selbst nicht in die Politik will, ein politischer Geist treibt Taylor seit jeher an. Seine Gedanken und Erfahrungen hat er nun in seinem neuen Buch "America 51" eingetragen, das voraussichtlich im Sommer 2017 erscheinen wird.

"Dieses Wahlkampfjahr hat viele Dinge an die Oberfläche geschwemmt, die bislang verschwiegen wurden. Das hat meinen Blick auf mein Heimatland verschärft. Ich würde Amerika Außenstehenden folgendermaßen beschreiben: Jeder Teil dieses Landes könnte ein verrücktes Mitglied deiner Familie repräsentieren. Du freust dich darauf, sie ein paar Mal im Jahr zu sehen, weißt aber nicht, wie lange du es aushältst. Wir machen hier viele Fehler, aber auch viel richtig. Am Ende des Tages definiert einen echten Amerikaner der Versuch, etwas zum Besseren verändern zu wollen." Und schafft nun das Rennen um die Präsidentschaft? "Nein. Aber er dass er bis zum Ende so knapp dran ist, sollte die Menschen zum Nachdenken bringen."

08.11.2016, 07:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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