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06.12.2016 - 21:47
Foto: APA/ EPA/JOERG CARSTENSEN, Klemens Groh

Conchita Wurst: "Das alles habe ich geschafft!"

17.05.2015, 12:00
Im Proben- und Terminstress kurz vor dem Eurovision-Start fand unsere amtierende Siegerin Conchita Wurst Zeit, mit der "Krone" entspannt über den Song Contest und das Leben danach, Akzeptanz und Ignoranz, Andreas Gabalier und ihr erstes Album "Conchita" zu sprechen.

"Krone": Sie haben im Rahmen des Life Ball wieder Modeschöpfer Jean Paul Gaultier getroffen. Er meinte unlängst, er würde sie gerne heiraten. Haben Sie den Antrag angenommen?
Conchita Wurst: (lacht) Das würde ich sofort tun. Aber ich fürchte, da hätte wohl Konstantinos (Gaultiers Lebensgefährte; Anm.) etwas dagegen.

"Krone": Was verbindet Sie und Gaultier so sehr?
Wurst: Jean Paul Gaultier war schon immer einer, der darauf gepfiffen hat, was andere denken und was man über ihn denkt. Und er hat immer versucht, seine Visionen bestmöglich umzusetzen. Er hat schon sehr früh in mir wohl etwas gesehen, das ihm gefallen hat. Wirklich schön ist, dass sich in unsere anfänglich sehr professionellen Gespräche schnell immer mehr private, manchmal fast belanglose Themen eingeschlichen haben, wir haben Spaß und unterhalten uns wie wirklich gute Bekannte.

"Krone": Er bleibt ja auch zum Song Contest, oder?
Wurst: Natürlich, was wäre er denn sonst für ein Fan?

"Krone": Sie sind jetzt schon die ganze letzte Woche im Probenstress – wie geht es Ihnen wieder inmitten des Song- Contest- Trubels?
Wurst: Es fühlt sich ein bisschen an wie nach den Sommerferien. Man kennt schon alles, aber trotzdem ist alles neu und aufregend. Und es macht wahnsinnig viel Spaß. Es ist auch schön, so viele bekannte Gesichter unter den Bühnentechnikern, den Kameraleuten und in der ESC- Organisation wieder zu sehen.

"Krone": Und wahrscheinlich ist es viel entspannter als vergangenes Jahr?
Wurst: Allerdings. (lacht) Wobei ich ja im Green Room zum ersten Mal moderiere. Da bin ich schon sehr aufgeregt, das ist nicht meine Komfortzone. Singen, da kenne ich mich aus, aber das ist neu für mich.

"Krone": Kommt in der vertrauten Umgebung manchmal der große Song- Contest- Moment in Ihnen wieder hoch?
Wurst: Ja, jetzt denke ich doch oft daran zurück. Unsere Gesellschaft ist so schnell, es ist ständig so viel zu tun, dass ich manchmal wirklich innehalten muss, um diesen Gedanken zu genießen: Das haben mein Team und ich vollbracht, alle diese Menschen sind nur hier, weil wir es geschafft haben. Das atme ich dann ganz tief ein und fühle mich sehr privilegiert.

"Krone": Der Song Contest steht unter dem Motto "Building Bridges" – dabei geht es nicht nur darum, Brücken zu anderen Nationen zu bauen, sondern auch um Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Haben Sie das Gefühl, dass Sie in Österreich diesbezüglich etwas bewegen konnten?
Wurst: Ich bin davon überzeugt, dass man Akzeptanz und Ignoranz nicht an Ländergrenzen festmachen kann. Auch im an sich liberalen Stockholm gibt es sicher Ecken, an denen man mich nicht sehen will. Österreich ist für mich ein wunderschönes Land, um hier aufzuwachsen und zu leben. Und bis auf meine Teenager- Zeit – aber in der haben wir alle das gleiche Lied zu singen, nur mit verschiedenen Titeln – war es für mich nie ein Problem, das zu sein, was ich sein möchte. Aber an sich habe ich auf den diversen Social- Media- Plattformen schon eine positive Änderung der Meinungen über mich bemerkt.

"Krone": Wie ging es Ihnen, als Andreas Gabalier bei den Amadeus Awards, bei denen Sie die
große Abräumerin waren, erklärte: "Man hat es heute nicht leicht auf dieser Welt, wenn man als Manderl noch auf Weiberl steht." Ist das nicht ein Rückschritt für all Ihre Bemühungen?
Wurst: Ich sehe das eigentlich recht nüchtern. Ich bin überzeugt davon, dass er sich keine Gedanken darüber gemacht hat, was diese Aussage bewirkt. Er ist ja ein sehr intelligenter junger Mann – und wenn man ihm dann einmal sagt, dass er nicht von jahrzehntelangen Verfolgungen und Ausgrenzungen sprechen kann, dann sieht er das sicher auch ein. So gesehen hätte er davor vielleicht ein bisschen nachdenken sollen, wie er sein Anliegen rüberbringt. Ich mag den Andreas sehr gerne, aber genauso wenig wie ich nicht die Macht habe, eine ganze Gesellschaft zu verändern, hat er diese Macht auch nicht.

"Krone": Nadeschda Tolokonnikowa, Mitglied der russischen Aktivisten- Gruppe Pussy Riot, hat vor Kurzem in einem Interview gemeint: Conchita Wurst ist mehr Punk als alle anderen auf der Welt.
Wurst: (lacht laut) Das habe ich noch gar nicht gehört.

"Krone": Sie bezog es darauf, dass Punk dafür steht, alle Stereotypen zu zerschlagen. Trifft das auf Sie zu?
Wurst: Ich würde es vielleicht nicht Punk nennen, sondern kompromisslos. Meine Eltern haben mich dazu erzogen, simple Regeln zu befolgen. Tue niemandem weh und sei respektvoll. Aber der Rest gehört eigentlich ganz dir. Deswegen mache ich es kompromisslos und wage es, hin und wieder Entscheidungen zu treffen, mit denen nicht alle konform gehen.

"Krone": Unlängst ist endlich Ihr erstes Album "Conchita" erschienen.
Wurst: Ja, endlich, hat ja auch lange genug gedauert. Ich bin wirklich sehr stolz darauf und weiß, dass ich jede Kritik aushalten kann, weil es mir persönlich so wahnsinnig gut gefällt.

"Krone": In den Liedern geht es viel um Stärke, Liebe, Vielfalt, aber auch um Verletzlichkeit – warum ist Ihnen die so wichtig?
Wurst: Das betrifft uns doch alle. Aber ich muss zugeben, ich habe das Album aus sehr egozentrischen Gründen gemacht – ich wollte vor allem mich unterhalten. (lacht) Aber natürlich kenne ich diese Momente, in denen man sich motivieren, wieder aufbauen muss.

"Krone": Sie haben nicht nur zahlreiche Fans, sondern werden teils auch mit sehr bösartiger Kritik konfrontiert – sind das dann Momente, in denen Sie sich aufbauen müssen?
Wurst: Wenn es um solche Kritik geht, dann habe ich da einen nicht besonders höflichen Zugang: Sie interessiert mich einfach nicht. Ich muss mich motivieren, weil ich selbst mein größter Kritiker bin, ich lasse kein gutes Haar an mir.

"Krone": Ist Ihr Selbstbewusstsein im vergangenen Jahr nicht gewachsen?
Wurst: Doch, da hat sich sehr viel geändert, vor allem als Künstlerin. Früher, wenn ich Ideen und Visionen hatte, dann blieben sie genau das – Ideen und Visionen. Heute wache ich nach einem Traum auf und erzähle ihn meinem Team – und plötzlich kann der Traum Wirklichkeit werden.

"Krone": Wie sehr hat sich Tom Neuwirth in diesem aufregenden Jahr verändert?
Wurst: Ich werde oft gefragt, ob es in meinem Leben zu viel von entweder Tom oder Conchita gibt. Aber ich führe ein sehr balanciertes Leben, viele Termine mache ich ja auch ohne Maske. Wenn ich Tom bin, dann ist es aber meistens ganz mein Privatleben, das ist entspannter und reduzierter, daran hat sich nichts geändert. Davon habe ich momentan vielleicht nicht so viel, aber dafür umso intensiver. Ich brauche manchmal einen Abend oder Tag ganz für mich alleine, aber ansonsten treffe ich mich mit meinen alten Freunden und verbringe Quality- Time.

"Krone": Ist es manchmal nicht anstrengend, Conchita Wurst zu sein? Alleine wenn ich mir diese Stöckelschuhe ansehe.
Wurst: Ich genieße all das so sehr. Aber natürlich wäre es gelogen, wenn ich nicht auch diese Morgen hätte, an denen ich lieber länger schlafen würde. Aber sobald ich die Perücke aufhabe und die Maske fertig ist – und bei dieser Menge an Make- up muss einfach ein gutes Resultat dabei herausschauen, egal, wie müde ich bin – dann kippt ein Schalter um und ich bin voll da.

"Krone": Es gibt ja auch ein Leben nach dem Song Contest: Was haben Sie dann vor?
Wurst: Zuerst mache ich ein wenig Urlaub mit Freunden in der Sonne. Aber dann geht es gleich ratzfatz weiter – mein Buch "Ich. Conchita" erscheint in sechs Sprachen, darauf bin ich sehr stolz. Und dann werde ich natürlich mein Album in anderen Ländern promoten.

"Krone": Die ersten Schritte für eine Weltkarriere sind getan.
Wurst: Weltkarriere habe ich erst, wenn ich einen Grammy gewonnen habe. Bis dahin setze ich meinen ganzen Ehrgeiz und meine Motivation daran, alles perfekt zu machen.

17.05.2015, 12:00
Franziska Trost, Kronen Zeitung/frö
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