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04.12.2016 - 17:49

Coldplay: "Viva la Vida"

24.06.2008, 19:16
Fast genau drei Jahre mussten Fans der britischen Band Coldplay auf ein neues Album warten. Mit "Viva la Vida" haben sich die Herren um Chris Martin zurückgemeldet und bei Kritikern und Fans für Überraschungen gesorgt. Dass sie mit ihrer schwächsten Platte "X&Y" den kommerziell größten Erfolg hatten, führte dazu, dass sich die Band auf "Viva la Vida or Death and All His Friends", wie das Album mit vollem Titel heißt, nun äußerst experimentierfreudig gibt. Den ewigen Vergleichen mit U2 setzten sie eins drauf und verpflichteten deren Langzeit-Produzenten Brian Eno, der seine Handschrift unverkennbar hinterlassen hat.

Toll sollen sie sein, aber nicht so, dass wieder ein Riesenhype um sie entsteht. Ins Ohr sollen sie gehen, aber nicht so, dass sie die Radiosender totspielen. Und dann hätte der innige Coldplay- Fan noch gern, dass die Coolness der Band auf einen selbst abfärbt, doch dazu muss die Musik anspruchsvoll sein, damit alles noch "indie" genug ist. Verdammt kompliziert ist das, aber "Viva la Vida" könnte diese hohen Ansprüche erfüllen.

Die Platte ist nicht von einer immensen Fülle an Hits getragen, wie das etwa beim zweiten Album "A Rush Of Blood To The Head" war, wo beinahe jeder Track eine Single sein konnte. Sie kocht auch keine Erfolgsrezepte der ersten beiden Alben auf, wie das "X&Y" nicht ganz zu Unrecht vorgeworfen wurde. Stattdessen umfließt "Viva la Vida" eine Art Konzept. Immer wieder werden Bilder historischer Schlachten bemüht, "Soldaten- Jargon", Chris Martin singt natürlich über die Liebe, streift dabei aber stets nur die Schattenseiten. Hauptverantwortlich für das Zusammenhängende der Platte ist aber Produzent Brian Eno. Der Komponist, dessen meistgehörtes "Stück" wohl die Startmelodie von Windows 95 ist, und Vater von erfolgreichen U2- Alben wie "Joshua Tree" oder "All That You Can Leave Behind" drückte Chris Martin Synthesizer statt dem alten Piano in die Hand, schickte Gitarrist Johnny Buckland mit einem arabischen Hackbrett üben und streifte der Band einen musikalischen Maßanzug mit Designfinessen über.

Coldplays Britpop- Tendenzen treffen auf Enos Liebe zu einem soliden Soundfundament aus voluminösen Drums und starren Bassfiguren. Der Instrumental- Opener "Life In Technicolor" klingt wie einer von Enos Klingeltönen, die er für die Luxushandyserie eines finnischen Herstellers komponierte. "Cemeteries Of London" erinnert den Österreicher unfreiwillig an Ambros' "Es lebe der Zentralfriedhof", obwohl es der Ankündigung Martins Rechnung trägt, der im Vorfeld der Produktion gesagt hatte, das vierte Album der Band werde aufgrund einer Tour durch Südamerika und frenetisch bejubelten Konzerten in Spanien von diesen Eindrücken leben.

Der einzige Song, der außer der Single "Violet Hill" (das auf Sizilien gedrehte Video zum Song gibt's übrigens oben) noch poptaugliches Chart- und Radiopotenzial hätte, sind der ganz und gar Coldplay- untypische Titeltrack "Viva La Vida" und das beschwingte "Strawberry Swing", das gemeinsam mit dem endlos trägen "Death And All His Friends" das Album beendet. Die größte Ähnlichkeit mit U2 soll übrigens "Lovers in Japan / Reign Of Love" haben, beäugen vor allem britische Kritiker. Dass das Coldplay oder ihre Fans auch nur irgendwie kratzt, bleibt aber zu bezweifeln. Und zu Recht! Es ist ein tolles Album und völlig egal, wer davor auch schon toll war.

9,5 von 10 lebendigen Freunden des Todes

Von Christoph Andert

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