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03.12.2016 - 06:01
Foto: Chapman Baehler

Brody Dalle: "Musik ist das, was ich bin"

03.10.2014, 17:00
Die gebürtige Australierin Brody Dalle ist keine Unbekannte im Punk-Rock-Sektor. Nach hervorragenden Alben mit den Distillers und Spinerette startete die Ehefrau von Queens-Of-The-Stone-Age-Mastermind Josh Homme heuer mit "Diploid Love" erstmals als Solokünstlerin durch. Wir unterhielten uns mit der 35-Jährigen über furchtbare Schicksalsschläge in ihrer Vergangenheit, wie man als Punk-Rock-Mama lebt und wie sie die wilden Zeiten hinter sich lassen konnte.

"Krone": Brody, mit "Diploid Love" hast du ein wirklich starkes Solodebüt vorgelegt, nachdem du in Punk- Rock- Kreisen unter anderem schon mit den Distillers oder Spinerette für Aufregung gesorgt hast. Wie verlief der Produktionsprozess?
Brody Dalle: Im Gegensatz zu den anderen Bands war ich dieses Mal auch am Produktionsprozess beteiligt. Das hat mir wirklich Spaß gemacht und ist meiner Meinung nach auch unerlässlich, wenn du ein so persönliches Album machst.

"Krone": Was war denn ausschlaggebend dafür, ein Soloalbum zu machen?
Dalle: Ich habe mittlerweile zwei Kinder und ein verdammt enges Zeitfenster, so wollte ich mich nicht darauf festlegen, eine ganze Band in den Prozess reinzuziehen, sondern konnte mir als Solokünstler die Zeit frei einteilen. Es war zudem für mich persönlich einfach der richtige Zeitpunkt, dieses Projekt in die Hand zu nehmen. Ich habe jedes einzelne Instrument auf dem Album selber gespielt, was einfach so passiert ist. Ich bin wirklich glücklich über das Ergebnis. (lacht)

"Krone": Die Texte auf "Diploid Love" sind durchweg positiv und eigenen Erfahrungen entnommen. Worum dreht sich zum Beispiel "Don't Mess With Me", ein wie ich meine sehr aggressiver Titel?
Dalle: Den Song schrieb ich für alle Kids, die gemobbt und schikaniert werden. Mir ging es als Kind auch nicht anders und teilweise hat sich das bis heute nicht geändert. Heute müssen die Kinder zudem mit dem Cybermobbing im Internet umgehen, was eine schreckliche Sache ist. Das ist verdammt schmerzhaft, ich weiß das aus eigener Erfahrung. Wenn du niemanden zum reden hast und deine Probleme nicht abladen kannst, kann das gefährlich werden.

"Krone": Erziehst du deine Kinder anders, nachdem du selbst schlechte Erfahrungen gemacht hast?
Dalle: Ich rede mit ihnen über absolut alles und habe immer ein offenes Ohr, das ist das Wichtigste. Mir wurde in meiner Kindheit vieles nicht erklärt, was aber essenziell für meinen Wachstumsprozess gewesen wäre. Wann immer so eine Situation eintritt, rede ich mit meinen Kindern sofort darüber.

"Krone": Wie viel Punk Rock steckt noch in einer zweifachen Mutter?
Dalle: Oh Mann, das ist eine weitläufige Frage – ich weiß gar nicht, wo ich da anfangen soll. Natürlich zieht sich das auch durch mein Leben und meine Erziehung, weil es immer ein bestimmendes Thema war. Punk Rock ist ein großer Teil von mir, denn ich wurde auch schon von vielen Magazinen und Menschen verletzt, ich kenne all die Probleme, die man hat, wenn man etwas anders ist als der Mainstream.

"Krone": Hast du deinen Lebensstil als Mutter stark verändert?
Dalle: Ich habe aufgehört, dumme Scheiße aufzuführen.

"Krone": Welche dumme Scheiße meinst du?
Dalle: Ich habe die ganze Zeit Drogen genommen, mich mit falschen Typen eingelassen und die Nächte durchgefeiert. Ich war auch immer sehr egoistisch, und das musste natürlich alles aufhören. Ich habe stark auf mich aufgepasst und mir überlegt, wie ich das nächste Kapitel meines Lebens gestalten müsste.

"Krone": Wie wichtig war dir die Musik in dieser schwierigen Zeit deines Lebens?
Dalle: Die Musik war mein Baby. Musik ist das, was ich bin.

"Krone": Deine Rolle als Punk- Rock- Mutter wird nach außen hin in konservativeren Kreisen sicherlich oft angezweifelt. Berührt dich das in irgendeiner Art und Weise?
Dalle: Ich gebe einen Scheiß darauf, was andere Leute denken, das ist mir völlig egal. Ich ziehe meine Kinder so auf, wie ich es für richtig halte – das sollten auch die anderen machen und fertig.

"Krone": Was sind die wichtigsten Ratschläge, die du deinen Kids für ihren Lebensweg mitgeben wirst?
Dalle: Sie sollen immer ehrlich zu sich selbst sein. Sie müssen Integrität ausstrahlen und tough sein. Sie sollen sich nicht von irgendjemandem herumschupfen lassen. Lass dich niemals von irgendwem gebrauchen und missbrauchen und mach das niemals mit anderen. Gib immer dein Bestes und mach, was dich glücklich macht. Da gibt es noch viel mehr, aber das wären die wichtigsten Grundsätze.

"Krone": Kommen wir wieder zurück zu deinem Album – was bedeutet "Diploid Love" für dich?
Dalle: Diploid bedeutet nichts anderes, als das die Mischung aus der DNA deiner Mutter und deines Vaters dich zu dich selbst formt. Im Prinzip ist das Album also menschlich, und genau so sollte es auch klingen und verstanden werden.

"Krone": Da du sehr viele schlechte persönliche Erfahrungen auf dem Album verarbeitest – was war deine persönlich härteste Zeit?
Dalle: Puh, da gab es mehrere wirklich harte Phasen. Einerseits die lange Zeit, in der ich stark drogenabhängig war, aber auch meine Kindheit, als ich sexuell missbraucht wurde. Dann starben auch noch mein Vater und meine Großmutter, die ich sehr liebte. Das Leben hatte bei mir viele Höhen und Tiefen.

"Krone": Wie konntest du die schlimmen Erfahrungen aus der Kindheit verarbeiten?
Dalle: Ich habe einfach angefangen, Musik zu machen, und Musik ist für mich alles. Für mich ist das Musikmachen an sich mein absoluter Lieblingsteil, live auf der Bühne zu stehen, ist nicht so toll. Ich liebe es einfach, Riffs zu finden und Texte zu schreiben. Ein guter Song muss – und das sage ich auch als Punk- Rockerin – eingängige Hooks haben und eine Melodie in sich tragen. Die Texte dazu müssen wie ein Puzzle sein und aus vielen Metaphern bestehen – der Hörer soll auch ein bisschen gefordert werden. Ich liebe es beispielsweise, wenn mir auf einem Album ein Übergang von einem Song zum nächsten gelingt.

"Krone": Fällt es dir manchmal schwer, die sehr persönlichen Texte von der Bühne zu schmettern?
Dalle: Ach, ich mache das jetzt schon mehr als 20 Jahre, das tangiert mich nicht. Die Leute kennen meine Songs und bezahlen ja Eintritt, um mich zu sehen. Es ist also nur recht und logisch, dass sie dann auch mich bekommen. Das Teilen meiner Gedanken macht mir nichts – schließlich verarbeite ich sie ja in meinen Texten.

"Krone": Die meisten Menschen stehen ja lieber auf der Bühne als im Studio. Warum ist das bei dir nicht der Fall?
Dalle: Weil ich kein Exhibitionist bin. Ich bin eher schüchtern, und wenn ich dann bei diversen Konzerten vor wirklich vielen Menschen spielen muss, erdrückt mich das fast. Ich mag auch keinen Small Talk, deshalb tue ich mich auch sehr schwer damit, von der Bühne hinunter zu den Leuten zu sprechen. Ich stehe auf tiefe, sehr einnehmende Konversationen. Ich bin einfach kein guter Entertainer und kann die Leute nicht aufrütteln, ich will einfach nur spielen.

"Krone": Du bist also nicht nur ein schlechter Entertainer, sondern auf der Bühne auch nervös?
Dalle: Jedes Mal. Das ist irgendwie fast schon wieder unfreiwillig lustig, aber ich fühle, dass mein Kopf eigentlich bereit für ein Konzert ist und ich immer ein bisschen Zeit brauche, bis ich auftaue.

"Krone": Wie es mit deiner Band Spinerette aussieht, weiß man nicht so genau. Offiziell habt ihr euch nie aufgelöst.
Dalle: Ich werde mich jetzt auf jeden Fall auf meine Solokarriere konzentrieren. Alles andere ist zweitrangig.

"Krone": Würdest du dich als eine Art Diktator bezeichnen, nachdem du die Zügel für dein Solodebüt fast vollständig in der Hand hattest?
Dalle: Ich würde mich nicht als Diktator bezeichnen, aber es ist nun einmal meine Musik und ich habe sie geschrieben. Ich will da keine anderen Gefühle und schon gar nicht auf andere Egos hören, das interessiert mich nicht. Außerdem habe ich das nicht im Alleingang gemacht, sondern gemeinsam mit Alain Johansson produziert. Wir haben eine wirklich symbiotische Arbeitsbeziehung. Ich weiß gar nicht, wie ich das erklären kann, aber wir sprechen in vielen Bereichen dieselbe Sprache.

"Krone": Hattest du immer Probleme mit zu vielen großen Egos in der Musikbranche?
Dalle: Ehrlich gesagt war es einfach Zeit und Muss, endlich mein eigenes Album auf den Markt zu bringen. Wie ich schon sagte – ich habe zwei Kinder und da ist ein gutes Zeitmanagement unerlässlich. Zu viele Egos und zu viele Kompromisse, die ich nicht eingehen will, kosten mir da einfach zu viel Zeit.

"Krone": Du bist mittlerweile mit Queens- Of- The- Stone- Age- Sänger Josh Homme verheiratet und beim Frequency seid ihr beide am selben Tag aufgetreten. Habt ihr die Kinder dann eingepackt?
Dalle: Klar, die sind dann bei uns. Das ist auf Tour natürlich nicht einfach, aber in unserem Fall auch kaum anders möglich. Wenn die Kids in die Schule gehen, müssen wir uns ohnehin einen anderen Plan schaffen. Dann können wir mit unseren Bands nicht gleichzeitig auf Tour sein, aber auch das wird sich mit Sicherheit einrichten lassen.

"Krone": Bei zwei Künstlern wie euch wäre eine Kooperation ja aufgelegt.
Dalle: Möglicherweise wird das auch passieren – garantieren will ich aber nichts. Es ist übrigens auch nicht schwierig, zu Hause Privat- vom Berufsleben zu trennen. Wenn du einmal Kinder und eine Familie hast, wird die Musik vor allem zu Hause verdammt schnell zweitrangig.

03.10.2014, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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