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11.12.2016 - 11:58
Foto: APA/EXPA/Johann Groder

Brian May: "Ich vermisse Freddie in meinem Leben"

15.07.2013, 10:42
Kult-Gitarrist und Queen-Legende Brian May kommt am 15. Juli für ein Open-Air nach Klagenfurt auf die Wörtherseebühne. Die "Krone" hat mit ihm über Freddie Mercury, seine Zusammenarbeit mit Korea-Rapper Psy und diverse Zukunftspläne gesprochen.

"Krone": Brian, seit einigen Wochen bist du mit Kerry Ellis auf deiner "Born Free"- Tour unterwegs. Wie waren die ersten Reaktionen?
Brian May: Einfach wundervoll. Das Feedback war bislang großartig. Wir haben sehr viel Kontakt mit dem Publikum und viel Spaß auf der Bühne. Es kann einfach alles passieren und das ist für mich so etwas wie eine Rückkehr zu den Zeiten, in denen alles begann. Die Show hat nichts mit einem Expresszug oder einem Bulldozer zu tun. Wir können Dinge umarrangieren und spontan reagieren.

"Krone": Mit Kerry hast du 2011 schon die "Anthems"- Tour gespielt, deine neue ist aber wesentlich intimer. Warum?
May: Da gibt es viele Gründe, aber der erste und wichtigste ist, dass wir die Flexibilität mögen. Wir waren auch in Südafrika und haben "Born Free Foundation"- Gründerin Virginia McKenna bei ihrer Arbeit mit den Löwen geholfen. Im Endeffekt ist das so weit gegangen, dass wir ein paar wirklich reduzierte Konzerte im Dschungel gegeben haben. Das fühlte sich so gut an, dass wir dieses Gefühl auch nach Europa zurückbringen wollten. Das war der Ursprung der Tour. Es gibt keine monumentalen Parts – du hörst nur eine Stimme und eine Gitarre und ein bisschen Keyboard. Kerry hat eine außerordentliche Stimme. Ich spiele sehr reduziert Gitarre, aber das ist genau die Art und Weise, wie ich das Instrument erlernt habe. Gitarre zu spielen ist für mich das Entdecken der inneren Wahrheit eines Songs.

"Krone": Also hat sich dieser Schritt von den bombastischen Queen- Shows zur ruhigen "Born Free"- Tour natürlich ergeben?
May: Ja, das war eine bewusste Entscheidung, aber ich werde auch wieder andere Shows machen. Ich mag es groß und mit viel Lärm (lacht). Aber auch diese ruhigen Shows strotzen vor Kraft und wir haben bemerkt, dass das Publikum sehr schnell mit dem Material warm wird und mit uns interagiert. Wir haben auch Momente mit E- Gitarren, wo es dann lauter wird (lacht). Aber im Prinzip ist der Sound sehr simpel.

"Krone": Wie kann man sich die Bühne zu diesem ruhigen Rahmen vorstellen?
May: Es ist alles rundum sehr intim. Das dazugehörige Album heißt "Acoustic By Candlelight" und wir haben wirklich viele Kerzen. Wir haben auch Videos, die sich auf die Songs projizieren und gezeigt werden. Die Musik steht schon für sich selbst, aber eine Menge der Songs beziehen sich auch auf wilde Tiere, das Grundthema der Show.

"Krone": Mein erster Gedanke war ja, dass Brian May mit dem Alter einfach ruhiger wird.
May: (lacht) Vielleicht stimmt das wirklich. Auf der anderen Seite bin ich aber zum Krieger geworden. Ich bin prinzipiell ein ruhiger Mensch, aber seit ich mich für Tierrechte einsetze, führe ich täglich Krieg. Ich kämpfe gegen Menschen, die Tiere schlecht behandeln, jagen und töten. In dieser Hinsicht ist also genau das Gegenteil von "ruhiger werden" eingetreten.

"Krone": Welche Möglichkeiten bieten sich dir als Künstler, wenn du dich für Tiere einsetzt?
May: Den Großteil meines Lebens habe ich damit verbracht, die Welt mit Musik verändern zu wollen. Aber wenn du älter wirst, bemerkst du, dass das nicht reicht. Musik ist großartig und eine verbindende Kraft für Menschen. In meinen Shows muss ich nicht predigen, denn mein Publikum ist sehr sensitiv und versteht, dass Menschen gemeinsam mit anderen Kreaturen leben sollen. Aber Leute, die das nicht verstehen, musst du außerhalb der Musik begegnen. Ich verbringe viel Zeit im Unterhaus des britischen Parlaments, um meine Themen vorzubringen und bin auch in den Medien sehr aktiv. Wir haben auch ein "Wild Life Rescue Service". Musik ist nur mehr ein Teil von mir, aber nicht das Ganze.

"Krone": Hast du schon mal daran gedacht, dich diesbezüglich als Politiker zu betätigen?
May: Ich glaube nicht dass ich das könnte, denn du musst so viele Ausnahmen machen. Je näher ich der Politik komme, umso enttäuschter bin ich von ihr. Die Leute dort konzentrieren sich hauptsächlich auf ihre Karriere, Macht und Geld. Ich könnte das so nicht machen.

"Krone": Kommen wir zurück zu Kerry. Ihr seid schon seit vielen Jahren gut befreundet. Wie hat sich das entwickelt?
May: Das war ein sehr glücklicher Zufall. Sie kam zu einem Vorsprechen ganz am Anfang von unserer "We Will Rock You"- Show und hat mit ihrer außerordentlichen Stimme alle umgeblasen. Ich hatte sie damals schon am Radar, weil ich sie in "My Fair Lady" gesehen habe und wusste gleich, dass sie etwas Außergewöhnliches ist. Diese Stimme war unvergesslich. Ich bin auch eine sehr glückliche Person, schließlich durfte ich so viele Jahre mit Freddie (Mercury, Anm.) arbeiten. Damals hatte ich schon Songs und Interpretationen im Kopf, die sich auf ihn bezogen haben. Das habe ich sehr vermisst. Kerry hat sich zu einer Person entwickelt, die mich auf direktem Wege inspiriert.

"Krone": Fällt es dir schwer, all die großen Queen- Klassiker ohne Freddie zu performen?
May: Nicht direkt. Natürlich vermisse ich ihn in meinem Leben, aber wenn ich von ihm geschriebene Songs interpretieren kann, macht mir das viel Freude. Ich weiß, dass er das auch gut finden würde. Dass er will, dass seine Songs weiterleben. Die Songs sind auch nicht in Stein gemeißelt, man kann sie ja verschieden interpretieren, so wie ich das mit Kerry mache. Ich fühle Zufriedenheit, wenn ich daran denke, dass er ein so großartiges Leben hatte und eine so wundervolle Geschichte hinterlassen hat. Ich bin sehr stolz darauf, was wir zusammen erreicht haben.

"Krone": Wie viel Seele von Queen steckt noch in deinem Herzen?
May: Es ist noch alles da (lacht). Die Motivation, die ich am Beginn von Queen hatte, habe ich immer noch und ich bin immer noch dieselbe Person mit denselben Möglichkeiten und Träumen. Es gab natürlich Zeiten, wo diese Gefühle unterbrochen waren. Ich musste durch eine schwere Zeit gehen, als wir Freddie verloren haben. Ich hatte etwa zur gleichen Zeit meinen Vater und meine erste Ehe verloren. Wenn ich darauf zurückblicke, hat sich aber alles wieder gefügt und ich bin der Alte.

"Krone": Hat dich damals die Musik aus diesem Tief gerissen?
May: Musik ist ein wunderbarer Heiler. Aber du brauchst auch mal Hilfe von außen, wenn du wirklich am Boden bist. Musik kann zwar wundervoll sein, aber es ist noch wichtiger, eine Hand zu heben und um Hilfe zu bitten. Das gehört zu den wichtigsten Lektionen, die ich in meinem Leben gelernt habe – du kannst deine Probleme nicht immer selbst lösen.

"Krone": Wie denkst du heute darüber, dass so gut wie keine Band derart viele große Hits wie Queen hatte?
May: Das ist schon ein Wahnsinn. Manchmal wache ich auf und denke immer noch, dass ich nur träume. Wir hatten große Ambitionen und Hoffnungen, als wir jung waren und es ist unglaublich, dass wir so viele Träume davon erfüllen konnten. Ich bin wirklich sehr glücklich.

"Krone": Glaubst du, dass jüngere Bands heutzutage ähnlichen Erfolg haben können wie ihr damals?
May: Die Dinge haben sich dramatisch geändert und es ist für eine junge Band sehr schwierig geworden, Geld zu verdienen. Jeder erwartet sich, die Musik gratis zu bekommen. Das ist ein fundamentales Problem, aber prinzipiell gehst du einfach raus und spielst, entwickelst dich als Künstler. Aber ich denke schon, dass die Möglichkeiten noch gegeben sind. Du brauchst nur Muse oder die Foo Fighters als Beispiel heranziehen.

"Krone": Planst du neue Shows oder Projekte mit Queen?
May: Das einzige, was wir bislang ziemlich spruchreif am Schirm haben, sind ein paar TV- Shows. Eine in Las Vegas und eine in London. Wir möchten dort Queen- Songs mit einigen anderen Künstlern spielen. Wir hoffen auch, dass Adam Lambert wieder an Bord ist, denn wir haben die Arbeit mit ihm letztes Jahr sehr genossen. Und außerdem reden wir ja schon ewig über den Freddie- Film. Wir hatten damit schon viele Probleme, was aber auch ein Vorteil sein kann, weil du dadurch vorsichtiger wirst. Und wir sind da sehr vorsichtig, schließlich haben wir eine Riesenverantwortung, Freddie wirklich ehrlich zu porträtieren. Der Job muss passen, schließlich haben wir dafür nur eine Chance.

"Krone": Schreibst du auch an neuen Queen- Songs?
May: Schwer zu sagen. Ein Queen- Album ohne Freddie zu machen, wäre seltsam. Ich wäre mir nicht sicher, ob das dann ein richtiges Queen- Album wäre. Ich habe einen Song für Freddie geschrieben, aber das war es auch schon. Wir arbeiten eher an Material, dass bislang noch nicht veröffentlicht wurde. Alle heiligen Zeiten findest du mal wieder ein Stück von damals und versuchst es wo einzubauen. Wir haben auch ein paar Songs gefunden, wo Freddie und Michael Jackson zusammen singen. Ich habe sonst schon neues Material geschrieben, aber immer in Gedanken an Kerry, weil sie eben meine Inspiration für neue Musik ist.

"Krone": Du hast schon einige Songs mit ihr geschrieben, der aktuelleste heißt "The Kissing Me Song". In deinen "Born Free"- Shows lässt du diese Songs auch zwischen den Queen- Klassikern und so manchen Beatles- oder Kansas- Songs einfließen. Passt das zusammen?
May: Bis jetzt hat das noch jeder gemocht (lacht). Die Show ist sehr theatralisch und dramatisch und am Ende werden die Leute überrascht, weil es plötzlich sehr elektrisch und laut wird. Es geht nur um den Spaß.

"Krone": Wirst du mit Kerry auch ein neues Studioalbum aufnehmen?
May: Ja, die Hälfte des Albums haben wir schon fertig.

"Krone": Was ist an den Gerüchten dran, dass du etwas mit dem südkoreanischen Senkrechtstarter Psy planst?
May: Wir haben ihn getroffen und er ist dabei, einen Song von uns zu remixen. Wir haben auch mal lose darüber gesprochen, in der Zukunft vielleicht was zusammen zu machen. Wir haben keine Eile, aber halten den Kontakt aufrecht.

"Krone": Kannst du verraten, um welchen Song es sich dabei handelt?
May: Ich weiß nicht, ob ich das darf (lacht). Es ist lustig, weil ich schon so viele verschiedene Reaktionen darauf erhalten habe. Viele haben gesagt: "Welch wundervolle Idee, welch origineller Gedanke." Andere sagten wiederum: "Oh mein Gott, wie kannst du nur so etwas machen? Willst du dich komplett verkaufen?" Aber für mich ist Musik einfach Musik. Wenn ich etwas Originelles, Neues finde ist es mir egal, woher es kommt.

"Krone": Ich finde auch, dass man immer offen für neue Ideen sein sollte.
May: Absolut, das ist ja auch der Grund, warum die Zusammenarbeit mit Kerry so gut funktioniert. Sie kommt aus dem Musical- Bereich und unsere Wurzeln unterscheiden sich beträchtlich, aber es ist einfach interessant, solch verschiedene Territorien zu erkunden.

"Krone": Brian May hat also noch lange keine Lust, in musikalische Pension zu gehen.
May: Absolut nicht!

Tickets für die Show am 15. Juli auf der Wörtherseebühne in Kärnten gibt es noch unter 01/960 96 999, im "Krone"- Ticketshop  oder an der Abendkassa.

15.07.2013, 10:42
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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