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04.12.2016 - 01:25
Foto: Mike Seidinger

Blues Pills: "Die Grenze ist der Himmel"

16.10.2014, 17:00
Vintage- und Blues-Rock-Bands schießen derzeit vor allem in Schweden wie Schwammerl aus dem Boden. Zu den populärsten zählen die Blues Pills, deren gleichnamiges Debütalbum es sogar in die Mainstream-Charts geschafft hat. In der Wiener Arena haben wir uns mit der charismatischen Sängerin Elin Larsson zum Gespräch verabredet - aufgrund akuter Halsschmerzen haben wir uns aber mit dem erst 19-jährigen Gitarrist Dorian Sorriaux und Bassist Zack Anderson zusammengesetzt. Neben jugendlicher Unbekümmertheit zeigt das Duo bereits jetzt, dass die Zukunft nicht dem Zufall überlassen wird.

"Krone": Zack, Dorian – vor eurem Auftritt in der Wiener Arena hattet ihr einen freien Tag in der Stadt. Wie habt ihr ihn verbracht?
Zack Anderson: Unser Manager hat uns gut herumgeführt und uns die Stadt gezeigt.
Dorian Sorriaux: Außerdem waren wir im Wiener Prater und sind mit dem höchsten Kettenkarussell Europas gefahren. Das ist 107 Meter hoch und es ist wirklich beängstigend, wenn du da in diesen kleinen Sesseln sitzt. Aber der Ausblick über die gesamte Stadt war hervorragend. Wir sind eben typische Touristen. (lacht)

"Krone": Im Juli habt ihr bereits mit beim "Lovely Days" in Wiesen gespielt.
Sorriaux: Ich erinnere mich noch an die großartigen Shows von Johnny Winter und John Fogerty.
Anderson: Dort gab es nur einen großen Backstage- Bereich und für uns Kids war es extrem cool, neben John Fogerty und Johnny Winter zu essen.
Sorriaux: Wir haben schon auf so vielen Metal- Festivals gespielt, aber der Gig in Wiesen war für uns schon etwas Besonderes, weil wir wirklich mit absoluten Vorbildern von uns die Bühne teilen konnten. Es ging dort mehr um Blues und Rock und das steht uns auch besser zu Gesicht.

"Krone": Was denkt ihr darüber, dass ihr immer wieder auf Metal- Festivals gebucht werdet?
Anderson: Anfangs war es etwas eigenartig für uns, aber wir haben dann relativ schnell gemerkt, dass wir auch von diesem Publikum sehr positive Reaktionen bekommen. Die Leute haben uns sehr warmherzig empfangen und damit hatten wir anfangs nicht gerechnet.
Sorriaux: Wir kriegen nicht immer Respekt. Aber oft. (lacht)
Anderson: Wenn man sich unsere Videos auf YouTube ansieht, findet man genug wütende Fans, die das Label Nuclear Blast wohl lieber ohne uns sehen würden, aber in der realen Welt sagt uns das eigentlich niemand. Vielleicht sind sie von ihrer Musik manchmal auch etwas gelangweilt und sehen in uns auch etwas Erfrischendes. Schließlich haben wir trotz alledem harte Riffs und viel Technik in unseren Songs.
Sorriaux: Außerdem ist der Metal doch auch im Blues Rock oder in Black Sabbath verwurzelt – das sind doch auch unsere Idole. Im Prinzip greifen wir doch alle auf denselben Ursprung zurück.

"Krone": Den Vertrag bei Nuclear Blast habt ihr durch das Schicken einer E- Mail bekommen. Das alleine ist schon kurios genug, aber wieso habt ihr euch ausgerechnet bei einem Metal- Label beworben?
Anderson: Mit Bands wie Graveyard oder Kadavar haben sie auch eine große Rockschiene und diese Label- Politik hat uns immer gefallen. Wir haben uns zudem gedacht, dass wir durchaus eine Chance haben könnten, wenn die anderen dort sind. Glücklicherweise hat das so schnell funktioniert.

"Krone": Habt ihr aufgrund eurer Songs schon damals vorausgeahnt oder gehofft, so unheimlich erfolgreich zu sein wie eben jetzt gerade?
Anderson: Nein, das waren vielleicht Träume, aber damit konnte wirklich niemand rechnen. (lacht)
Sorriaux: Wir hatten schon seit jeher hohe Ziele und haben viel Zeit, Arbeit und Motivation in die Band gesteckt, aber die Erwartungshaltung war sicher nicht auf diesem Level. Wenn wir bei Festivals vor 10.000 Leuten auf der Bühne stehen, checken wir das gar nicht so ab. Erst danach dämmert es uns immer. (lacht)

"Krone": Wie hat sich euer Leben seither verändert?
Anderson: Es ist schon sehr gewöhnungsbedürftig, wie viel mehr Fans nach den Shows Fotos und Autogramme von und mit uns wollen. Wir sind allgemein einfach mit viel mehr Arbeit eingedeckt. Es ist sehr aufregend und wir wollten ja immer da hin.

"Krone": Seid ihr in eurer Heimat Schweden schon über die Fachmagazine hinaus ein Thema für die Tagespresse?
Anderson: Wir haben kurioserweise schon zu Beginn unserer Karriere relativ selten in Schweden gespielt und das Lustige daran ist ja, dass wir in Schweden weitaus weniger populär sind als in Deutschland oder Österreich. Wir müssen die Heimat noch stärker beackern.

"Krone": In Schweden schießen derzeit fast schon im Wochenrhythmus Vintage- Rock- Bands wie Pilze aus dem Boden. Warum das?
Anderson: Ich habe keine Ahnung. Es gibt einfach sehr viele gute Musiker und Musik wird in Schweden auch stark gefördert. Zudem gab es wohl den einen oder anderen Vorreiter, der einen gewissen Stil begründete und dem viele andere folgen. Witchcraft haben vor Jahren damit begonnen, Graveyard folgten und waren noch erfolgreicher. Das hat diesen Trend dann endgültig losgelöst.

"Krone": Im Gegensatz zu all diesen Bands drehen sich die Texte bei euch aber nicht um Okkultismus.
Anderson: Wir schreiben lieber über das echte Leben und unsere Gefühle. Das Texten ist immer etwas mühsam, aber wenn es einmal "Klack" macht und du inspiriert bist, ist ein Song oft unheimlich schnell fertig.

"Krone": Schreiben über das echte Leben bedeutet somit, dass sich euer nächstes Album um ausverkaufte Shows und große Partys dreht.
(beide lachen)

"Krone": Habt ihr durch euren kometenhaften Aufstieg etwas an eurem Verhalten auf der Bühne oder am Set geändert?
Sorriaux: Nicht wirklich, es hat sich alles relativ natürlich ergeben und wir verlieren von Show zu Show mehr Nervosität.
Anderson: Die größte Änderung bislang war, dass wir versuchen, während der Songs schneller zu spielen und nicht dauernd fünf Minuten lang die Gitarre nachhallen zu lassen. (lacht)

"Krone": Gab es ein bestimmtes Konzert, das ihr so richtig versaut habt?
Anderson: Nicht zu schlimm. (lacht) Wir sind ziemliche Perfektionisten und proben vor jeder Tour sehr viel. Irgendetwas passiert ja ohnehin jeden Abend, aber meistens fällt das nicht auf.
Sorriaux: Das vielleicht prägendste Konzert bislang war beim Hellfest in Frankreich. Wir wussten bis zum Auftritt nicht einmal, dass wir auf der Hauptbühne auftreten würden. Ich bin normalerweise nicht schnell sehr nervös, aber da habe ich gezittert. (lacht)

"Krone": Dope zu rauchen oder sich sonstwie zu berauschen diente fast all euren Vorbildern als große Inspiration. Was sind eure Aphrodisiaka?
Anderson: (zögert lange) Wir wollen jetzt nicht unbedingt alles von uns preisgeben. Das kann doch ein kleines Geheimnis für die Fans bleiben. (lacht) Es ist jedenfalls kein Orangensaft - und außerdem könnten unsere Eltern dieses Gespräch lesen. Dorian ist ja erst 19. (lacht)

"Krone": Seid ihr eigentlich schon dabei, eure Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben? Material für den Nachfolger eures Debütalbums zu schreiben?
Anderson: Sobald wir irgendeine Idee haben, notieren wir sie sofort oder versuchen, die Instrumente in die Hand zu nehmen. Es läuft schon in diese Richtung und wir werden nach dieser Tour wohl auch ins Studio gehen. Wir wollen das Album nicht als Ganzes aufnehmen, deshalb gehen wir wann immer wir wollen und Zeit haben ins Studio. Avisiert wäre jedenfalls Mitte 2015 als Release- Datum. Wir werden uns natürlich stilistisch nicht aus dem Fenster lehnen, aber wir lernen stets dazu und werden von immer wieder neuen Sachen inspiriert.
Sorriaux: Wir werden aber nicht in die Metal- Richtung gehen, sondern verstärkt auf Blues, Soul oder Psychedelic setzen. (lacht) Mit André Kvarnström haben wir auch einen neuen Drummer. Vielleicht bringt auch er neue Facetten in den Sound ein.

"Krone": Warum eigentlich der Drummer- Wechsel?
Anderson: Ach, das ist nichts Besonderes. Wenn sich die Leute innerhalb der Band nicht mehr ganz einig über die Zielsetzung und den Weg sind, dann muss man halt etwas verändern. Wir verstehen uns aber mit unserem alten Drummer immer noch gut, alles kein Problem.
Sorriaux: André ist ein großartiger Typ und passt perfekt zu den Blues Pills. Wenn du so viel Zeit zusammen verbringst, werden Kleinigkeiten oft zu großen Problemen, deshalb ist das Miteinander fast das Wichtigste.

"Krone": Ist es für eure Sängerin Elin Larsson manchmal nicht schwierig, mit einer so großen Horde an Typen den Bus zu teilen, um damit durch ganz Europa zu fahren?
Anderson: Ich glaube nicht, dass es so schwierig ist, aber klar ist sie ein Mädchen und hat andere Bedürfnisse. Manchmal haben wir Frauen, die unser Merchandise betreuen oder mithelfen, aber unglücklicherweise gibt es auf dieser Tour ausschließlich Männer. (lacht) Wir versuchen natürlich respektvoll zu sein und nicht den typischen Macho raushängen zu lassen. Das passiert ja immer recht schnell, wenn man nur mit Jungs unterwegs ist.

"Krone": Wie weit kann es mit den Blues Pills noch gehen?
Anderson: Wir sind immer noch überrascht darüber, wie weit wir bislang gekommen sind. Aber klar – die Grenze ist der Himmel und jetzt, wo wir wissen, wie schnell das ging, wollen wir natürlich mehr. Wir hoffen, dass uns das nächste Album noch weiter nach oben trägt, und außerdem würden wir dann gerne den Durchbruch in den USA schaffen.

"Krone": Fürchtet ihr euch davor, vielleicht auch mal ein Thema für die Klatschpresse zu werden?
Anderson: Je bekannter du wirst, umso schlimmer wird es natürlich, aber das muss man in gewisser Weise auch ignorieren. Die Leute brauchen ja immer was zu reden und meist ist es nicht wahr. Ich weiß nicht, ob unsere Musik genug Mainstream- Potenzial hat, aber es ist wohl möglich, dass man uns künftig auch auf roten Teppichen sieht.

"Krone": Was war denn das schlechteste Album, das ihr euch je angehört habt?
Anderson: Boah, das ist schwierig. Normalerweise fragt man ja immer nach dem besten. (lacht) Es würde wohl auf jeden Fall etwas aus den 80er- Jahren sein.
Sorriaux: Etwas, dass sich meine Schwester reinzieht. Sie liebt so Rave- Party- Musik – sehr aggressiv und elektronisch. Es gibt dort keine Melodien. Sie hat immer wieder versucht, mich und meine Eltern dafür zu begeistern und jedes Mal wenn sie aufdreht, rollen wir mit den Augen. (lacht)

"Krone": Wenn ihr Schweden verlassen müsstet, wo würdet ihr gerne leben?
Anderson: Ich glaube, Deutschland wäre ganz nett, weil wir dort schon so oft waren und die ganze Band dort extrem aktiv ist. Außerdem ist das Land in Europa sehr zentral, was vieles vereinfachen würde.
Sorriaux: Es wäre auch interessant, an Plätzen wie dem Himalaya oder in Hawaii zu leben. Das ist für das Touren wahrscheinlich aber nicht so optimal.

"Krone": Was sagen eure Eltern zu eurer Musik und eurem Lebensstil?
Sorriaux: Sie unterstützen uns und verfolgen genau, was wir machen.
Anderson: Wir machen im Prinzip Musik aus ihrer Generation. Natürlich ist es dann für sie einfacher, das Ganze auch cool zu finden. Ich spiele in Bands seit ich 15 bin und sie haben mich immer dazu ermutigt. Jetzt wo es mit den Blues Pills so gut geht, freuen sie sich auch über den Erfolg, den wir genießen dürfen. Sie sammeln unsere Alben und sind sehr aktiv im Internet, wenn es um das Verfolgen von Berichterstattung über uns geht.

"Krone": Zum Abschluss - wer ist euer absoluter Lieblingsmusiker?
Anderson: Das auf einen einzugrenzen ist wirklich gemein. Einer meiner absoluten Lieblinge ist jedenfalls Marvin Gaye.
Sorriaux: Verdammt schwierige Frage. Ich mag Musiker aus verschiedensten Gründen. Wenn es um die Gitarre geht Peter Green, Neil Young in der Ära rund um 1972, wenn es ums Texten geht. Ich mag auch den Gesang der Fleet Foxes. Norman Whitfield als Produzent und John Bonham als Drummer. Ich kann es bei allem Respekt zu deiner Frage nicht noch knapper eingrenzen. (lacht)

16.10.2014, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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