Willkommen
|
Facebook Twitter Google Plus
10.12.2016 - 23:26

Black Sabbath umhüllten das Nova mit Schwermetall

16.06.2014, 03:43
Nach Techno-Beats von Prodigy und dem Limbo Dance von David Hasselhoff besann sich das Nova Rock Festival am Sonntag zum Abschluss auf seine wahre Stärke - die Stromgitarrenmusik. Neben den sensationell starken Heavy-Metal-Urvätern Black Sabbath, konnten auch Soundgarden, The Offspring und Hatebreed für Jubel sorgen.

Festivals sind bekanntlich auch ein Schaulaufen modischer Möchtegern- Innovatoren. Neben Ganzkörper- Pokémon- oder Spiderman- Kostümen gibt es etwa lederne Schweinsköpfe, Bananen oder die traditionellen Borat- Kostüme zu bestaunen. Festivals gelten schließlich schon seit jeher als Fluchtpunkte aus der oft so brutalen Realität – warum also nicht auch optisch? Viele der speziell Kostümierten befinden sich sonntags schon sehr früh am Vormittag am Gelände, um den traditionellen Klängen von Wendi's Böhmischer Blasmusik zu lauschen. Frühschoppen für die Generation Rock sozusagen – der Bühnenansturm auf der Red Stage nimmt dabei rekordverdächtige Ausmaße an.

Staub der Träume

Auch die Blue Stage füllt sich schon sehr früh durch die schwedische Melodic- Death- Metal- Institution Arch Enemy. Diese hat nach vielen Jahren mit Angela Gossow seit Kurzem eine neue Sängerin vorzuweisen. Alissa White- Gluz, vormals bei der Hardcore- Band The Agonist tätig, darf dabei keinesfalls auf ihr adrettes Äußeres reduziert werden, denn die Brüll- Qualitäten der zierlichen 28- Jährigen sind über alle Zweifel erhaben. Michael Amott und Nick Cordle legen dichte Gitarrenteppiche über ältere ("As The Pages Burn", "Enter The Machine") und brandneue ("War Eternal") Songs. White- Gluz wirft ihr blaugrünes Haar und sorgt mit viel positiver Energie für die ersten Moshpits vor der Bühne. Der Staub, aus dem die Träume sind.

Wesentlich räudiger, aber auch eindringlicher erklingen die knallharten Gitarrensalven von Zakk Wylde. Der einstige Ozzy- Osbourne- Sidekick, der Songs wie "Dreamer" für die Metal- Legende geschrieben hat, hat sich mit Black Label Society längst vom Name- Dropping emanzipiert, und erst kürzlich mit "Catacombs Of The Black Vatican" eine druckvolle Metal- /Rock- Scheibe mit Blues- Einflüssen vorgelegt. Der bärtige Schrank von einem Mann lässt im angenehmen Sonnenlicht der Klampfe das Wort und shreddert sich mit seinen eindrucksvollen Fähigkeiten in die Herzen der Fans. "My Dying Time2", "Heart Of Darkness" oder das vielleicht bekannteste Lied "Stillborn" sind hervorragende Stimmungsanheizer für das noch lange nicht müde Publikum. Da auch Rhythmusfraktion und Sound passen, sind Jubel und Applaus berechtigt.

Unkontrollierte Aggression

Wesentlich mehr Feuer und Energie legen die amerikanischen Hardcore- Vorreiter Hatebreed an den Tag. Wo Zakk Wylde und seine Kompagnons noch mit amerikanischer Redneck- Attitüde punkten, sorgt Ex- MTV- "Headbangers Ball"- Moderator Jamey Jasta an der Hatebreed- Front für unkontrollierte musikalische Vehemenz. Seit fast zwei Dekaden sind die New Yorker im brachialen HC- Segment konkurrenzlos, dass sie der Last- Minute- Einspringer für die Thrash- Legenden Megadeth sind, lässt das Publikum die Band nie anmerken. Tief gestimmte Gitarren, akrobatische Turnübungen auf der Bühne und das aggressive Shouting von Sänger Jasta entfachen Moshpit um Moshpit vor der Blue Stage. Besonders heftig dröhnen "Puritan", "Perseverance" und "I Will Be Heard" aus den Boxen. Neben Slayer der wohl brutalste Part des diesjährigen Nova Rocks.

Weit weniger brutal, aber wesentlich theatralischer geht die US- Horrorikone Rob Zombie ans Werk. Im Herbst 2012 wusste er schon den einstigen Gruselpapst Marilyn Manson an die Wand zu spielen, seine verkürzte Festival- Show verbreitet trotz gewisser Abstriche noch immer ein Höchstmaß an Schrecken – vornehmlich vom Meister selbst, der eine paralysierende Bühnenpräsenz aufweist und mit "Teenage Nosferatu Pussy", "Sick Bubble- Gum" oder dem legendären "Dragula" zahlreiche Hits im Köcher hat. Im gleißenden Sonnenlicht wirkt das Horror- Kabinett des Mitt- 40ers dennoch etwas schaumgebremst. Gebt dem Mann das nächste Mal doch bitte Dunkelheit – für eine Show wie seine ist das unerlässlich.

Generationshymnen

Zu den vielleicht größten Überraschungen des Festivals zählen die zeitgleich mit Zombie auf der Red Stage spielenden Punk- Rock- Ikonen The Offspring. Vor exakt 20 Jahren veröffentlichten Sänger Dexter Holland, Gitarrist Noodles und Co. ihr wegweisendes Erfolgsalbum "Smash", das bis heute meistverkaufte Independent- Album aller Zeiten, das mit Songs wie "Self Esteem", "Smash" oder "Genocide" einer ganzen Generation die Wut aus der Seele schreien half. Zur Feier des Tages zelebriert die Band das richtungsweisende Werk in seiner Gesamtheit, garniert es mit All- Time- Klassikern wie "The Kids Aren't Alright" oder "All I Want" und entfacht damit dutzende Moshpits und meterhohe Staubwolken. Jetzt wäre es noch schön, würden die Jungs am kommenden Album wieder ein paar richtige Kracher haben – die fehlen nämlich schon länger.

Während die US- Metal- Durchstarter Avenged Sevenfold auf der Hauptbühne mit einer flammenintensiven Show Eindruck schinden wollen, beehrt die Red Stage als Headliner des Abschlusstages ein seltener Gast. Die Grunge- Legende Soundgarden, alles andere als Stammgäste in österreichischen Gefilden, geht thematisch ähnlich vor wie die offensiven Punker vor ihnen und spielt sich durch das ebenfalls 20 Jahre alte "Superunknown". "Spoonman", "My Wave" oder das intensiv- geniale "Black Hole Sun" sind noch atmosphärische Kracher in Reinkultur.

Verlierer wider Willen

Chris Cornells Charisma und die rhythmische Gleichmäßigkeit seiner Backing- Band paart sich mit einem fast perfekten Sound, der dem intensiven, aber leider schlecht besuchten Auftritt einen Hauch von Hochglanzpolitur gibt. Zudem – neues Material wie etwa "A Thousand Days Before" funktioniert sensationell. Ansonsten mit Black Sabbath bei einigen Konzerten auf Tour, gehen Soundgarden durch die Zwei- Bühnen- Konstellation an diesem Tag als Verlierer vom Platz. Da Ozzy und Co. bereits rocken, als die Seattler noch ihre großen Hits liefern, pilgert der Gros des Publikums bereits gen Hauptbühne.

Dort gibt es zum Abschluss des dreitägigen Festivalmarathons das ganz besondere Zuckerl. Erstmals seit 2005 sind die britischen Heavy- Metal- Urväter Black Sabbath wieder im Lande – mit ziemlicher großer Sicherheit auch zum letzten Mal. Das liegt aber weder am Drummer- Wirrwarr rund um den geschassten Bill Ward, noch an Ozzys Problemen, Konstanz in seinen zeitweise gesunden Lebenswandel zu bringen, sondern an der Krebserkrankung von Tony Iommi. Dieser zeigt sich bei kühlen Nachttemperaturen aber ebenso in Hochform wie der Rest der nimmermüden Altherren- Truppe. Vor allem Frontmann Ozzy läuft gewohnt verwirrt von einem Bühneneck ins andere, animiert das Publikum zur Stimmungsmache und bekommt das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht. Ein Schelm, wer an nicht näher definierte Gute- Laune- Substanzen denken mag.

Überraschende Top- Form

Nach dem All- Time- Klassiker "War Pigs" macht das kultige "Into The Void" bereits eines glasklar – Black Sabbath sind noch immer die härteste Band der Welt. Das durch einen Unfall von Iommi eigentlich ungeplante Tieferstimmen samt veränderter Fingerhaltung an der Gitarre wurde zur Blaupause für Abermillionen von Metal- Epigonen. Zusehen und lernen ist auch die Devise am Nova Rock. Sabbath spielen nämlich nicht nur Hits wie "Snowblind", sondern haben auch den allerbesten Sound des Wochenendes und nehmen mit einer kräftigen Dosis Selbstironie den Kritikern jeglichen Wind aus den Segeln. Das Black Sabbath in absehbarer Zukunft auf das Rentenleben bauen, mag man sich kaum vorstellen. In einer derart guten Verfassung sah man die einstige Skandalnudel früher wohl nur selten.

Auch wenn Ozzy bei "Black Sabbath" oder "Behind The Wall Of Sleep" Probleme mit Text und Tonlage hat, seine sympathische Ausstrahlung und der hohe Fröhlichkeitsfaktor machen sehr viel wett. Als die Altherrenriege doch einmal kurz Zeit zum Durchschnaufen braucht, begeistert Tour- Drummer Tommy Clufetos mit einem schier unmenschlichen Drum- Solo. Sabbath mengen Hits wie "Iron Man" oder "Children Of The Grave" neues Material des gefeierten Comeback- Werks "13" bei und spielen sich auch ohne Effekte in die Herzen der Fans. Dass das Nova Rock nach dem legendären "Paranoid" mit einem riesengroßen Feuerwerk beschlossen wird, hat mit den Briten nichts mehr zu tun. Das Volk verlangt schließlich auch nach der regulären Sause Brot und Spiele. Das nächste Mal von 12. bis 14. Juni 2015.

16.06.2014, 03:43
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
Kommentare  
Kommentare sortieren nach:
km_num_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
Antworten sortieren nach:
km_antworten_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).
Werbung
Werbung
Meistgelesen
Werbung
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; Muthgasse 2, 1190 Wien
Krone Multimedia © 2016 krone.at | Impressum