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10.12.2016 - 12:19
Foto: Michael Muller / Video: Rough Trade

Billy Idol und seine doppelte Lebensrückschau

22.10.2014, 15:42
Ein Leben auf der Überholspur, garniert mit gefährlichen Spurwechseln und Wendungen - Pop/Punk-Urvater Billy Idol hat sich seine ereignisreiche Lebensgeschichte gleich doppelt von der Seele geschrieben. Schriftlich in seiner Biografie "Dancing With Myself", vertont auf dem neuen Album "Kings & Queens Of The Underground" - ein guter Grund, um hineinzuhören. Zudem präsentieren wir exklusiv das Video zum Song "Can't Break Me Down"!

Irgendwann kommt bei allen der Moment, wo sie der großen weiten Welt die eine, ungeschminkte Wahrheit mitteilen wollen. Manche beginnen damit recht spät (Neil Young), andere relativ früh (Bushido), wiederum andere doch etwas viel zu früh (Justin Bieber). Das "von der Seele runterschreiben" scheint eine durchaus heilende Wirkung zu haben. Sei es, um sich ein Stück der verlorenen Kindheit zurückzuholen, mit sich selbst ins Reine zu kommen oder einfach nur, um mit einem klischeehaften Rockstar- Leben abseits jeglicher Normen anzugeben.

Doppelte Rückschau

Billy Idol, der wohl unpunkigste Punk aller Zeiten, hat dafür nicht nur den besten Zeitpunkt erwischt (mit 58, also kurz vor dem Ende des zweiten Lebensdrittels), sondern sein aufregendes Dasein auch gleich in zweierlei Form in die Welt geboren. Einerseits schriftlich in der fast 500 Seiten dicken Schwarte "Dancing With Myself", andererseits vertont auf "Kings & Queens Of The Underground", seinem ersten Studioalbum nach neun langen Jahren.

Eine feine Rückschau auf eine lange Karriere mit Höhen und Tiefen – Idol macht gar kein Hehl daraus, dass es sich hier um nichts anderes als eine Retrospektive über die verschiedenen Phasen seiner einzigartigen Karriere handelt. "Bitter Pill" und "Can't Break Me Down" als Anfangsdoppel leiten schon im Songtitel tief in die Seelenwelt eines oftmals Missverstandenen, der weder Alkohol noch Drogen und Frauen aus dem Weg ging. "Man säuft ein paar Tage durch, schmeißt sich was ein und bestellt dann noch Weiber ins Studio", erzählte er unlängst freimütig in einem Interview, "am Ende eines solchen dreitägigen Selbstfindungstrips schaust du einmal, was kreativ dabei herausgekommen ist."

Exzesshaftigkeit

Der Exzess als Notwendigkeit oder als schiere Ausrede? Idol weiß es selbst nicht mehr so genau, doch anscheinend war er nötig, um mit "Rebel Yell" oder "Hot In The City" in den frühen 80er- Jahren den Punk auf die Disco- Tanzflächen zu holen. Als eine Mischung aus den unkontrollierbaren Sex Pistols und den revolutionären Depeche Mode wirbelte der wasserstoffblonde Brite taumelnd durch die Single- Charts. Unter anderem "Postcards From The Past" oder "Eyes Wide Shut" nennen sich Songs auf dem neuen Album, die sich textlich mit dem aufregenden Leben des Wahl- Amerikaners befassen.

Was besonders auffällt? Die gewonnene Reife und Harmlosigkeit. Nein, das ist jetzt nicht per se mit etwas Negativem behaftet, aber Idol hat die Wut und den Rausch der 80er- Jahre gegen eine songdienliche Erhabenheit in der Gegenwart getauscht. Mit seinem Langzeitpartner und Gitarristen Steve Stevens komponierte er in Noten gegossene Melancholie, die im Fall von Songs wie dem Titeltrack oder "Nothing To Fear" ungewohnt zurückgelehnt, aber umso selbstehrlicher durch den Äther rauscht. Der Punk war schon immer sehr minimalistisch vorhanden, mittlerweile ist er fast völlig dem Pop gewichen.

Bis zum Äußersten

Idol selbst lässt gerne den Terminus "cinematic" fallen, wenn es um die musikalische Ausrichtung des neuen Werkes geht. Dass sich dabei vor allem in der zweiten Albumhälfte einige Gähner einschleichen, mag man dem ewigjungen Pop- Rebellen augenzwinkernd verzeihen, denn für die entwaffnende Ehrlichkeit und das tiefe Wühlen in den eigenen Wunden verdient sich Idol den längst nötigen Respekt, den er vor allem in Kindheitstagen von niemandem bekam. Und, lieber Hörer, merke – wer, wie Idol, seine Vinyl- Sammlung für die Drogensucht verkaufte, der hat ohnehin sein Äußerstes gegeben. Es kann ja nur mehr aufwärts gehen – und ein durchaus starkes Album unterstützt dieses Vorhaben.

22.10.2014, 15:42
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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