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04.12.2016 - 08:23
Foto: Warner Music

Baseballs: "Rock 'n' Roll ist noch lang nicht tot"

02.04.2014, 17:00
Die Baseballs sind mit ihrem frisch und knackig zelebrierten Rock 'n' Roll schon seit Jahren eine Institution in den heimischen Charts. Mit ihrem neuen Album "Game Day" wagen sich Basti, Digger und Sam nun auf neues Terrain und versteifen sich nicht mehr Coverversionen, sondern bringen Eigenkompositionen. Im "Krone"-Interview sprach Basti über den Rock-'n'-Roll-Lifestyle der 50er-Jahre, warum die Baseballs in Österreich zum Heavy Metal gezählt werden und weshalb Politik doch besser etwas für Politiker ist.

"Krone": Basti, ihr veröffentlicht nach längerer Wartezeit nun euer neues Studioalbum "Game Day" – was ist denn der Hintergrund des Albumtitels?
Basti Rätzel: Ehrlich gesagt gibt es da keinen tieferen Sinn (lacht). Wir haben nur die Tradition, nicht so wie viele andere Bands einen Songtitel als Albumtitel zu nehmen, sondern wir wollen einen Überbegriff dafür finden. "Game Day" stand plötzlich im Raum und war dann passend. Einerseits ruft er Assoziationen zu unserem Bandnamen hervor, andererseits haben wir erstmals viele eigene Songs geschrieben und musikalisch eben viel herumgespielt. Bei den Coverversionen hatten wir ja schon immer moderne Elemente dabei – jetzt bei den eigenen Songs mussten wir die erst mühsam einarbeiten. Wir haben dadurch erstmals viel mit Sound und Klängen herumgespielt. Außerdem passt der Albumtitel perfekt zur Tour – jedes Konzert ist ein Spieltag und unser wichtigstes Punktspiel.

"Krone": War nun endlich genug Selbstvertrauen da, um erstmals so richtig auf eigene Songs zurückzugreifen?
Rätzel: Wir hatten schon bei unserem zweiten Album "Strings 'n' Stripes" erstmals Eigenkompositionen dabei, auf unserem Weihnachtsalbum auch drei eigene Songs und haben diese dann immer wieder auf Tour gespielt. Für uns war das eher der nächste logische Schritt, weil wir uns immer weiterentwickeln wollen. Wir fanden, dass der Zeitpunkt dafür einfach perfekt war, wobei es niemals geplant war, dass es so viele Songs werden würden. Von den 17 Songs auf unserer Album- Deluxe- Version sind ja 14 Eigenkompositionen. Wir haben uns zweieinhalb Jahre Zeit genommen und sehr viele Lieder geschrieben und am Ende mussten wir uns entscheiden, wie wir das angehen würden. Vielleicht sind am nächsten Album auch wieder mehr Coverversionen – das wissen wir noch nicht.

"Krone": Das ist ähnlich wie bei The BossHoss, die mit Coversongs begannen und jetzt mit eigenen Songs die Hallen füllen.
Rätzel: Das ist durchaus unser Weg. Max Raabe hat das ja genauso praktiziert, ebenso Milow. Das ist ganz natürlich bei Künstlern, die mit Coverversionen bekannt geworden sind, dass sie irgendwann den nächsten Schritt gehen.

"Krone": Habt ihr auch ein bisschen die Befürchtung, dass eure eigenen Songs bei den Fans nicht so gut ankommen könnten wie die Coverversionen?
Rätzel: Sagen wir mal so – natürlich sind wir ein bisschen anders angespannt als bei anderen Veröffentlichungen. Die ersten Rückmeldungen auf die beiden Songs, die schon im Vorfeld draußen waren, haben uns aber wirklich schnell positiv gestimmt. Die Leute haben Bock und es gefällt ihnen. Wir haben aber schon auch immer bei den Konzerten gemerkt, dass die Fans die eigenen Songs hören wollten.

"Krone": Gibt es Songs, die ihr aus bestimmten Gründen nicht covern wollt oder könnt?
Rätzel: Wir haben etwa versucht, "Wake Me Up" von Avicii zu covern, sind dann aber schnell draufgekommen, dass hier sehr viele Country- Elemente drinnen sind und Country gehört ja zu den Wurzeln des Rock 'n' Roll. Die Umsetzung wäre gar nicht mehr so weit weg vom Original gewesen und Coverversionen leben ja davon, einen Überraschungseffekt zu haben. Es gibt auch viele moderne Songs aus den Charts, wo man draufkommt, dass die recht langweilig klingen, wenn man sie auf die normalen Instrumente runterbricht. Oft werden solche Songs produktionstechnisch gut gestaltet, obwohl sie an sich recht eintönig sind.

"Krone": War es für euch stressig, so viele eigene Songs zu schreiben?
Rätzel: Nein, überhaupt nicht. Das hat Riesenspaß gemacht. Wir haben alle schon vor den Baseballs Songs geschrieben und auch währenddessen immer wieder. Wir haben uns untereinander und mit Songwriter- Freunden zusammengesetzt, um auch einmal Inputs von außen zu bekommen. Wir sind ja in der Rock- 'n'- Roll- Welt fixiert und wollten auch modernere Elemente einbauen. Somit konnten wir auch Songs schreiben, die sonst eher im Pop- Bereich beheimatet sind – das hat sehr viel Spaß gemacht.

"Krone": Unlängst seid ihr beim deutschen Vorentscheid für den Song Contest angetreten und in der ersten Runde rausgefallen. Wie schlimm war es für euch, die Teilnahme nicht geschafft zu haben?
Rätzel: Gar nicht so schlimm. Wir wollten – wie bei unseren Konzerten – rocken und gute Stimmung bringen. Das haben wir geschafft, denn die Halle stand von der ersten Sekunde an. Selbst die Unheilig- Fans haben mitgefeiert. Insofern haben wir genau das gemacht, was wir wollten, und im Endeffekt war es eine Zuschauerentscheidung. An dem Abend wollten die Leuten was anderes und das ist völlig okay. Wir freuen uns, wenn uns die Leute bei unseren Konzerten sehen wollen (lacht).

"Krone": Bist du der Meinung, dass der Rock 'n' Roll zum Song Contest passt?
Rätzel: Ich glaube schon. So in der Form kommt er selten vor, aber wir spielen ja selbst in ganz Europa und möchten, dass er überall gemocht wird. Wir glauben schon, dass er eine Fläche gehabt hätte. Im Endeffekt fiel die Entscheidung anders aus und wir wünschen den Siegern Eliza auch viel Glück für Deutschland – vielleicht gegen Conchita Wurst (lacht).

"Krone": Auf Deutsch zu singen, wie es etwa Unheilig machen, war kein Thema?
Rätzel: Eher nicht – ich bin schon froh, wie die deutschsprachige Musik floriert und dass derzeit so viel nach vorne geht, aber wenn man das im Rock 'n' Roll macht, landet das eher in der Ecke Peter Kraus (lacht).

"Krone": Der wurde erst unlängst 75.
Rätzel: Genau. Und er hat ja gerade ein Rock- 'n'- Roll- Album mit deutschen Popsongs gemacht. Insofern ist die Ecke gut versorgt (lacht).

"Krone": Ist Peter Kraus denn keine Inspirationsquelle für euch?
Rätzel: Wir orientieren uns eher an den amerikanischen Rock 'n' Rollern der 50er- und 60er- Jahre. Natürlich war er für Deutschland ein Vorbild, aber diese Art von Musik ist jetzt nicht unbedingt unsere Baustelle.

"Krone": Ihr seid nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern vor allem in Belgien und in den skandinavischen Ländern sehr erfolgreich. Warum gerade dort?
Rätzel: Gerade Finnland ist ja eher düster. Die Finnen stehen schon auf handgemachte Musik, aber doch eher auf dunklere Sachen, und vielleicht sind wir da der richtige Kontrapunkt. Es ging dann aber erfolgsmäßig so weiter und die Erfolge in Belgien und Holland kann ich nicht so leicht erklären. Rock 'n' Roll ist eine internationale Musik. Wir haben auch in Mexiko und Australien gespielt – das hätte wohl niemand gedacht, aber anscheinend wird die Musikrichtung gemocht, und wir sind sehr froh, dass wir sie machen dürfen und sie so angenommen wird. Auch in Österreich (lacht).

"Krone": Trotzdem fristet dieser Stil ein bisschen ein Nischendasein. Warum, glaubst du, sind nach euren Erfolgen nicht mehr andere Bands auf den Zug aufgesprungen?
Rätzel: Es gibt auch eine große Rockabilly- Szene und die treiben in einer Nische – das aber gewollt. Sie machen das oft so speziell, dass der Mainstream nichts damit anfangen kann. Wir gehen da weiter zurück. Wir machen den Rock 'n' Roll für die Massen und von dort kommt er ja eigentlich her. Er war ab 1956 für das breite Publikum gedacht. Vielleicht blockiert sich die Szene selbst. Viele identifizieren sich in der Szene damit, Rock 'n' Roller oder Rockabillys zu sein – das tun wir natürlich nicht mehr, weil wir wissen, dass wir Mainstream sind. Aber es gibt auch Sachen, die ausbrechen – Sasha mit Dick Brave etwa. Oder wenn ein Elvis- Film im Fernsehen läuft, den sehen sich auch viele Leute an. Das Bedürfnis nach dieser Musik ist da und man muss sie so anbieten, dass sich die breite Masse damit auch identifizieren kann. Das haben wir eben anfangs mit den Coverversionen gemacht und jetzt interpretieren wir ihn eben so, wie es auf modernem Weg sein sollte. Der Rock 'n' Roll ist nicht tot, man muss ihn nur zeitgemäß präsentieren.

"Krone": Du hast es schon angesprochen – ihr wart in Australien, Mexio oder Russland. Gibt es noch Orte, wo ihr hinwollt?
Rätzel: Wir wären am 4. April nach Kiew geflogen, aber das mussten wir aufgrund der politischen Verhältnisse absagen. Auch aus der Verantwortung für die Band und die ganze Crew. Wir hoffen natürlich, dass wir das bald nachholen können. Es geht aber gar nicht darum, wo man hin will – auch wenn es natürlich schön wäre, noch einmal durch die USA zu touren. Es geht genauso um das Zurückkommen. Wir freuen uns natürlich, wenn wir an die Tour im April/Mai denken und das Abschlusskonzert in Wien schon jetzt ausverkauft ist – das ist der Hammer. Die Leute haben die Tickets quasi blind gekauft, ohne das Album zu kennen. Darauf freuen wir uns wirklich – auch auf die Auftritte in Graz und Salzburg.

"Krone": Wie stehst du als Musiker der Situation um die Halbinsel Krim gegenüber?
Rätzel: Wir sehen uns selbst nicht als politische Band und haben auch keine Botschaften in unserer Musik. Natürlich hat jeder seine Meinung, aber das macht es wahnsinnig schwierig für mich, mir ein objektives Bild zu machen. Nachrichten sind auch immer irgendwie eingefärbt. Wir hoffen einfach, dass es da unten bald wieder friedlicher wird und alle so leben können, wie sie es wollen. Ich finde es schwierig, mich darüber zu äußern, wenn ich so weit weg vom Geschehen bin.

"Krone": Bei euren Österreich- Auftritten hoffen wir natürlich auf eine friedliche Party. Hast du eigentlich besondere Erinnerungen an ein österreichisches Konzert von euch?
Rätzel: Am prägendsten ist für uns, dass wir in Österreich das Glück haben, ganz häufig auf Heavy- Metal- Veranstaltungen zu spielen (lacht). Zweimal schon Nova Rock und Two Days A Week zum Beispiel. Wenn man zwischen Hatebreed und The Offspring auftritt, ist das schon sehr speziell (lacht). Vorher waren damals Russkaja dran und haben vor uns im Publikum den Traktor gemacht – da ist uns schon mal kurz anders geworden. Aber dann zu sehen, dass auch für unsere Musik eine so große Offenheit da ist, macht wahnsinnig viel Spaß. Letztes Jahr haben wir in Wien als Support von Green Day spielen dürfen. Die Krieau war eine fantastische Location – uns freut und wundert das einfach, dass wir in Österreich immer in die Heavy- Metal- Szene gepackt werden.

"Krone": Seid ihr dem Heavy Metal gegenüber auch so offen, wenn ihr diese Toleranz von den Fans erfährt?
Rätzel: Die Melodie ist in der Regel nicht so unsere, aber natürlich gibt es auch da sehr coole Bands. Auch wenn es nicht unsere Kernmusik ist, findet man das eine oder andere Stück auch mal geil. Generell sollte man als Musiker für alle Richtungen offen sein. Aber es gibt auch keine gute oder schlechte Musikrichtung, sondern nur gute und schlechte Songs. Das selbst zu beurteilen ist ja immer subjektiv.

"Krone": Wenn diese Nähe schon da ist, könnt ihr ja einen Hatebreed- oder Offspring- Song covern.
Rätzel: Wir haben schon mal Puddle Of Mudds "Hate Me" gecovert. Insofern haben wir da keine Berührungsängste mehr (lacht).

"Krone": Wie viel von euren Rock- 'n'- Roll- Alter- Egos in den Baseballs sind auch privat vorhanden?
Rätzel: Relativ viel. So wie wir uns öffentlich geben, geben wir uns im Prinzip auch privat, weil wir natürlich alles vermischen. Digger hat zum Beispiel eine 50s- Diner- Küche, aber wir leben auch nicht in einem 50er- Jahre- Museum. Wir mögen das hier und da genauso. Wir hören Rock 'n' Roll, ohne uns dem Modernen zu verschließen. Du merkst ja, wir telefonieren gerade – ich habe also ein Handy am Ohr (lacht). Das Lustige ist ja, dass wir gerade über die sozialen Medien und YouTube bekannt geworden sind – vor allem international. Das zeigt wohl am besten, wie das für uns zu einer Symbiose geworden ist. Wir lieben es schon auch, einen Diner- Milchshake zu trinken, aber es ist natürlich nicht so, dass wir das Rollenbild der Frau in den 50er- Jahren gutheißen. Die Leute fragen uns immer, ob wir nicht in den 50ern leben wollen, und ich sage dann immer, dass wir ja das große Glück haben, im Heute zu leben und uns die Rosinen aus dieser Zeit herauspicken zu können.

Die Rosinen für die Fans sind jedenfalls die alten Hits und neuen Songs der Baseballs, die Ende Mai gleich für drei Konzerte in Österreich unterwegs sind. Am 25. Mai im Salzburger Republic, am 26. Mai im Orpheum Graz und am 27. Mai in der Wiener Ottakringer Brauerei. Karten für die Konzerte erhalten Sie unter 01/960 96 999 oder im "Krone"- Ticketshop .

02.04.2014, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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