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24.09.2017 - 09:57
Foto: EPA/Tonino di Marco, krone.at/Christoph Andert

B(u)ono unterm Kraken: U2 starten "360°"- Tour 2010

07.08.2010, 11:02
Nach einer verletzungsbedingten Zwangspause durch Sänger Bono hat die irische Band U2 am Freitagabend ihre spektakuläre Rekordtour "U2 360°" fortgesetzt. krone.at war in Turin beim Auftakt vor 50.000 Fans mit dabei. Am 30. August landen die vier Iren in Wien.

U2 hatten ihre italienischen Fans die halbe vergangene Woche mit den Generalproben im Turiner Stadio Olimpico auf Trab gehalten. Wenn mittags die ersten Knackser aus der riesigen Tonanlage zu hören waren, stand auch schon eine Traube Fans vorm Stadion - es könnten ja B(u)ono und Co. persönlich für einen Soundcheck vorbeikommen. Tatsächlich kam es ein paar Mal so weit und die Anrainer des 2006 als Zeremonienort für die Olympischen Winterspiele dienenden Stadions bekamen am hellichten Tag ein Probe- Ständchen von U2. Dutzende Videos sind dazu auf YouTube zu finden. Am Abend vor dem Konzert, als schon die ersten Fans vor dem Eingang ihre Zelte aufgeschlagen hatten, kamen die vier Musiker dann sogar vor die Tür und verteilten Pizzen an die treue Gefolgschaft.

Tour der Rekorde - mit Hindernissen

U2 starteten die "360°"- Tour schon 2009 und schüttelten bis zum Oktober des Vorjahres einige Rekorde aus dem Ärmel: Mit 311 Millionen Dollar Umsatz setzten sie sich 2009 an die Spitze der entprechenden Hitliste. Ende 2010 sollen es 750 Millionen Dollar sein, spätestens Ende 2011 wird mit den letzten 16 Konzerten in den USA wohl der Spitzenwert der Rolling Stones fallen. Bono und Co. verkaufen dabei einen Teil der Tickets als Charity für 1.000 Dollar pro Stück und spenden überdies einen Teil des Erlöses. Bisher wurden immerhin 9 Millionen Dollar für karitative Zwecke aufgebracht. Neben einer Live- Übertragung auf YouTube mit 10 Millionen Zusehern bekamen im Vorjahr auch die Astronauten der Internationalen Weltraumstation ISS ein Konzert ins Weltall übertragen. Sie bedankten sich mit Videobotschaften, die nun während der "360°"- Konzerte eingespielt werden.

Eigentlich hätten die vier Iren schon heuer im Juni ihre Tour fortsetzen wollen. Doch eine Rückenverletzung von Bono - laut Berichten ein schwieriger Wirbelschaden samt Lähmungserscheinungen - setzte den Sänger fast 80 Tage außer Gefecht. Die US- Konzerte werden jetzt nächstes Jahr nachgeholt, womit in Turin das erste Stadion- Konzert U2s dieses Jahres und das erste seit neun Monaten stattfand.

U2 unterm Wahnsinns- Kraken

"Die Klaue" oder "Der Krake" nennen Fans die riesige Bühne der "360°"- Tour. Die - wie der Tourname schon vermuten lässt - kreisrunde Bühne, auf der die Musiker aus allen Richtungen des Stadions gesehen werden können, ist laut U2 die erste ihrer Art für Konzerte solcher Dimensionen. Ein über bewegliche Brücken zu erreichender Catwalk umrundet die Main- Stage und bietet dazwischen noch Platz für Fans. Auf seinen vier monströsen Tentakeln thront darüber der Kraken. Eine falt- und fahrbare Videowall umfasst seine Eingeweide, von den Gelenken baumeln acht Lautsprecher- Racks, zwölf Techniker bedienten in schwindelnder Höhe ebensoviele Spot- Scheinwerfern - und drumherum hängt noch eine ganze Armada an Lichteffekten.

Bei Tag sieht der Kraken mit seiner blassgrünen Haut und den orangen Saugnäpfen aber eher wie eine niedliche Comicfigur auf Stahlstützen aus - erst die Nacht und die Scheinwerfer erwecken das Monster zum Leben. Dann schillert es in allen Farben, von feurig- rot bis tiefblau, es blitzt, zischt und donnert, dass die alte Erde Turins bebt. Nebeneffekt der spektakulären 360°- Bühne: Es passen um ein gutes Stück mehr Fans ins Stadion, weil keine Ränge gesperrt werden müssen. Ins Wiener Happelstadion sollen am 30. August aufgrund der guten Einsehbarkeit statt den üblichen 40.000 Fans an die 70.000 Konzertbesucher zum U2- Spektakel kommen können.

Bono wieder topfit und mit neuen Songs

Die Shows ihrer "360°"- Tour starten U2 mit David Bowie. Bei "Space Oddity" erweckt die außerirdische Krakenklaue zum Leben, ehe Bono mit "Beautiful Day" als ersten Song in Turin seine Genesung feiert. Der 50- Jährige hechtet im lockeren Laufschritt um die Bühe, um den Fans zu beweisen: "Hey, ich bin wieder da!" Mit der obligatorischen Sonnenbrille und in eine schwarze Lederkluft gehüllt, bringt der Frontmann die italienische Menge dann erst einmal mit einem rockenden Feuerwerk zum Kochen: "Magnificent", "Get On Your Boots" und schon als sechsten Song "I Still Haven't Found What I'm Looking For" sorgen gleich am frühen Abend für Begeisterungsstürme. Zwischendurch bekommt noch The Edge ein "Happy Birthday" - er feiert am Sonntag seinen 49er - aus 50.000 Kehlen.

Das Positive an der erzwungenen Tour- Auszeit schallt beim siebten und achten Song durchs Stadion. Laut jüngsten Interviews hat die Band die Pause kreativ genutzt und jetzt Material für theoretisch gleich vier (!) Alben zusammen. Nur auf der Akustikgitarre und beim Licht von Handys, Feuerzeugen und Fotoblitzen stellte Bono in Turin den neuen Song "For Your Love (North Star)" vor, anschließend peitschen sie gemeinsam den ebenfalls neuen Kracher "The Flowering Rose of Glastonbury" durchs Stadion.

Ob es an der Kreisanordnung der Lautsprecher oder den niedrigen Rängen des Stadio Olimpico liegt - Fakt ist: Der Sound bei der "360°"- Tour kann sich hören lassen. Glasklar die Vocals, satt und voluminös die Soundtüfteleien von Gitarrist The Edge, knackiger Bass und treibendes Schlagzeug. Lautstärkemäßig ist das Ganze zwischen der Druckwelle von AC/DC und der Blümchensex- Lautstärke Bon Jovis angesiedelt - also ebenfalls genau richtig.

Hitfeuerwerk für den Weltfrieden

Über "Elevation" und "Miss Sarajevo" - samt Spezialapplaus für Bonos Pavarotti- Einlage - geht's zu "City of Blinding Lights" und dem Stadion- Kracher "Vertigo", bei dem die Tribünen durch die stampfenden Fan- Beine gehörig zu wackeln beginnen. Der Kraken blitzt und donnert, schießt grün- blaue Lichtstrahlen in den Himmel, als U2 mit einer Remix- Version von "I'll Go Crazy If I Don't Go Crazy Tonight" die ganz tiefen Bässe auspacken. Die Videowall, die sich wie ein Band um die Innereien des Kraken bewegt, wächst zu einem Trichter nach unten, der dann bis dicht über die Köpfe der Band reicht.

Das Videoband trägt außerdem Friedensbotschaften ins Stadion und beglückt die Englisch- faulen Italiener mit einer Live- Übersetzung von Bonos Worten. Bei ihren politischen Statements im Laufe des Konzerts packen U2 einmal mehr brandaktuelle Themen an, wobei sich Bono selbst mit Ansprachen zurückhält und diesmal lieber Bilder oder andere Aktivisten sprechen lässt. Die grüne iranische Friedensbewegung wird zum Intro für "Sunday Bloody Sunday", die burmesische Friedensikone Aung San Suu Kyi blickt beim letzten regulären Song "Walk On", der ursprünglich für sie geschrieben wurde, von der Videowand, bevor Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu mit einer Botschaft des Miteinanders die erste Zugabe "One" ankündigt, die U2 sodann routiniert abspulen.

Mittendrin im ultimativen 3D- Fernseher

Mit "Amazing Grace" als Intro leitet Bono zur zweiten Zugabe "Where The Streets Have No Name" über. Dieser Song ruft wohl in jedem Stadion denselben Effekt hervor: Das sich langsam aufbauende Intro wird bejubelt, die Menge tickt richtig aus - und sobald die ganze Band in diesen legendären The- Edge- Riff hineingleitet, ist der Großteil der Fans so ergriffen und baff, dass man sich bis zum Schlussakkord praktisch nicht mehr zu rühren vermag. Das Highlight der Zugabe war aber der schon lange nicht mehr gespielte Hit "Hold Me, Thrill Me, Kiss Me, Kill Me", den U2 einst für den Soundtrack zu Tim Burtons "Batman Forever" schrieben. Bono erscheint mit feuerroten Laserpointern in seiner Lederjacke, die im Shownebel wie blutige Stacheln aussehen, und angelt sich aus der Luft ein leuchtendes Mikrofon in Form eines Lenkrades.

Zusammen mit der perfekten Kamera- Inszenierung und der eindrucksvollen Videowall fühlt man sich spätestens hier, als säße man vor dem ultimativen 3D- Fernseher und wäre direkt in einen Konzertfilm hineingesaugt worden. Bono schwingt auf dem Lenkrad über die ersten Zuschauerreihen, bei der vorletzten Zugabe "With Or Without You" vefärbt sich das Mikro dann in ein beruhigendes Blau, der Kraken packt seine Discokugel aus und taucht das ganze Stadion in Kuschelatmosphäre. Ebenso soft beenden U2 ihre Show dann nach rund zweieinviertel Stunden mit "Moment of Surrender". Zum Auszug tönt Elton Johns "Rocket Man" aus den Lautsprechern. Wahrlich, einen "Raketenstart" haben sie da hingelegt.

von Christoph Andert, Turin

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