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11.12.2016 - 06:53
Foto: Nuclear Blast

Anthrax: "Ich hasse die Welt mehr als je zuvor"

20.06.2014, 23:35
Die US-Thrash-Metaller Anthrax gehören nicht umsonst zu den sogenannten "Big 4" ihres Genres und haben erst unlängst beim Nova Rock einen der besten und schweißtreibendsten Gigs des gesamten Festivals absolviert. Wir haben uns vor dem explosiven Konzert kurz mit Bandgründer und Gitarrist Scott Ian zusammengesetzt, um über das kommende Album, Vorteile und Nachteile des Vaterseins und unerfüllte Träume zu sprechen.

"Krone": Scott, du spielst mit Anthrax immer wieder auf Festivals, gehst privat aber überhaupt nicht gerne hin – warum?
Scott Ian: Ich bevorzuge es einfach, Bands in Clubs zu sehen. Damit meine ich gar keine Arenen, sondern einfach nur angenehme, überschaubare Hallen. Die Umgebung muss einfach passen und für mich persönlich kommt da viel mehr Energie rüber als bei Freiluft- oder Festivalshows. Ich habe zudem das Problem, dass ich bei Festivals keine Band inmitten der Crowd sehen kann, weil ich dann aufgrund meiner Bekanntheit eine Maske tragen müsste, was wiederum zu heiß ist. Und auf der Bühnenseite zu stehen klingt vom Sound her einfach fürchterlich – das macht keinen Spaß.

"Krone": Wie geht es eigentlich eurem Drummer Charlie Benante. Aufgrund einer Verletzung wird er derzeit ja durch Jon Dette ersetzt.
Ian: Ziemlich gut – er wird Ende Juni beim Graspop in Belgien jedenfalls wieder mit an Bord sein.

"Krone": Seit drei Jahren bist du Vater eines Sohnes. Wie hat das dein Leben verändert?
Ian: Mich pisst alles viel mehr an als je zuvor. Ich hatte davor ja keine Verantwortung für ein so junges Leben. Klar, da war ich, meine Frau, meine Familie und ganz enge Freunde, aber das ist nicht dasselbe. Er ist die wichtigste Person in meinem Leben und seither hat sich natürlich alles verändert. Ich habe seit seiner Geburt viel mehr Angst und hasse die Welt noch mehr. Warum das so ist? Die Welt ist schon für einen 50- Jährigen wie mich ein gefährliches Pflaster – wie ist es dann erst für einen Dreijährigen? Es gibt einfach mehr Angst, Sorgen und Stress im Leben. Aber natürlich ist dieses Ereignis auch das beste, das mir je passiert ist.

"Krone": Ist es für dich in dieser Situation schwieriger, mit der Band durch die Welt zu reisen?
Ian: Sie waren zuletzt drei Wochen bei mir und sind erst kurz vor dem Nova Rock wieder abgereist. Es ist großartig, mit der Familie zu reisen und sie bei mir zu haben, aber für die ganze Tour wäre das doch etwas zu viel. Das Touren selbst ist aber nicht das große Problem.

"Krone": Zeigt dein Sohn schon das musikalische Talent, das er von seinem Vater erben konnte?
Ian: Klar doch. Er liebt es, Schlagzeug zu spielen, und haut so oft wie es nur geht auf die Becken. Außerdem sieht er sich gerne Shows an. Ich glaube, seine Lieblingsband sind Ghost, die hat er lieber als Anthrax (lacht). Er hat sich die Ghost- Show beim Rock im Park in Nürnberg angesehen und sie geliebt. Er mag das bemalte Skelettgesicht von Sänger Papa Emeritus.

"Krone": Hat er da gar keine Angst?
Ian: Nein, er ist ein KISS- Fan. Ich glaube einfach, dass er es schon gewohnt ist, Typen mit Make- up auf der Bühne zu sehen.

"Krone": Würdest du es gutheißen, wenn er auch das Musikgeschäft entern würde?
Ian: Ich würde das sogar großartig finden, aber diese Entscheidung liegt nur bei ihm selbst. Ich denke, wenn du dein Kind in eine bestimmte Richtung lenken willst, wird es sehr bald dagegen rebellieren. Mich hatte auch niemals jemand zum Gitarrespielen gezwungen, ich wollte es einfach machen, und auch er wird von mir niemals Druck in diese Richtung verspüren. Sollte er sich aber dafür entscheiden, werde ich ihn so gut es geht dabei unterstützen.

"Krone": Was motiviert dich, nach mehr als 30 Jahren Anthrax und vielen Erfolgen noch immer weiterzumachen?
Ian: Der Spaß. In einer Band zu spielen und um die Welt zu reisen gehört meiner Meinung nach zu den besten und coolsten Dingen, die auf diesem Planeten möglich sind. Warum sollte ich das nicht weiterhin tun wollen?

"Krone": Vielleicht, weil es mit dem Alter immer anstrengender wird auf der Bühne herumzuspringen und Thrash Metal zu spielen.
Ian: Das stimmt schon. Ich weiß auch, dass ich sicher noch weitere Sehnenscheidenentzündungen in meinen Händen kriegen werde, aber da draußen gibt es doch so viele härtere Jobs als meinen (lacht).

"Krone": Dass ihr bereits an einem weiteren Studioalbum bastelt, ist kein Geheimnis mehr. Bis wann dürfen wir damit rechnen?
Ian: Sollte die Welt bis dahin nicht untergehen, hoffe ich, dass wir es relativ früh im Jahr 2015 schaffen sollten.

"Krone": Bassist Frank Bello sprach unlängst von zwölf fertigen Songs.
Ian: 17 sind es. Sie sind nicht aufgenommen, aber in den verschiedensten Konstruktionen gibt es sie alle bereits wirklich. Manche sind schon so gut wie fertig, andere wiederum nur Ideenfragmente. Manche haben bereits Texte, andere noch nicht. Wir versuchen, noch weitere drei Songideen auf die Reihe zu bringen, um dann mit dem ganzen Material das Studio zu entern. Wir wollen diese 20 Songs dann alle aufnehmen – das ist eine gute Zahl und sie klingt besser als 17.

"Krone": Daraus könnte man ja ein Doppelalbum basteln.
Ian: Um Gottes Willen – auf keinen Fall. Das wäre eine komplette Materialverschwendung. Wir werden einfach die besten Songs herauspicken und auf das Album bringen – man sollte keinesfalls alle Ideen gleich auf Platte bringen. Zudem denke ich, dass wir mit dem restlichen Material schon einen guten Ansatzpunkt für das übernächste Album haben werden.

"Krone": Und das Album verinnerlicht dann Thrash- Metal- Klischeetexte?
Ian: Es wird auf jeden Fall ein Metal- Album (lacht). Ich wünschte, ich könnte auch über Drachen und so Zeugs schreiben, aber ich glaube die Leute – speziell in Europa – fahren nicht unbedingt darauf ab. Ich bin zum Beispiel ein großer Fan von "Herr der Ringe" und habe schon versucht, Texte im Stile dieser Fantasyfilme zu schreiben. Das ging aber grandios daneben. Wenn ich selbst schon nicht mag, was ich da zusammenschreibe, warum sollte ich jemand anderen damit foltern? Aber natürlich würde es mir irrsinnig viel Spaß machen, einmal einen richtig guten Song über Drachen, Regenbögen und Dämonen zu schreiben.

"Krone": Das würde doch perfekt zu einem Side- Project passen.
Ian: Ich arbeite an einem Album mit meinem Kumpel Brian Posehn und ich habe schon mit Johan Hegg von Amon Amarth gesprochen, ob er all diese Songs nicht gerne singen würde. Das wird ein verdammt lustiges und keinesfalls ernsthaftes Projekt, das uns wirklich viel Spaß macht. Es sollte ein Metal- Comedy- Album werden.

"Krone": Gab es eigentlich Alben oder Songs, mit denen du rückblickend überhaupt nicht zufrieden bist?
Ian: Kurz gesagt – das "State Of Euphoria"- Album. Hauptsächlich deshalb, weil wir es viel zu schnell fertiggestellt haben. Wir hatten das Album noch nicht einmal ganz fertig geschrieben. Damals, im Sommer 1988, bekamen wir das Angebot, mit Iron Maiden zu touren, und wir mussten somit das Album schnellstmöglich fertigstellen. Für diese "Monsters Of Rock"- Tour mit Maiden haben wir also auf eine bessere Qualität für unser Album verzichtet. Die Hälfte der Songs auf dem Album sind nicht einmal fertig – wir hätten noch mindestens drei oder vier Monate mehr gebraucht. Die Fans rund um die Welt lieben das Teil und viele meiner Freunde meinen, es wäre das beste Album, das wir je gemacht hätten, aber für mich persönlich ist es einfach unfertig. Ich höre Tonfolgen in meinem Kopf, die nicht drauf sind, und das macht mich manchmal verrückt. Ich mag die Hälfte des Albums ganz gerne, die andere Hälfte kann ich mir aber nicht anhören, ohne dabei auszuflippen.

"Krone": Eine Remastered- Version würde dich also auch nicht glücklich machen?
Ian: Nein, denn es hat nichts mit dem Sound des Albums zu tun, sondern liegt eben einzig und allein an den Songs. Es ist so, als ob du einen halbfertigen Kuchen aus dem Ofen holst. Dieses Gefühl verspüre ich, wenn ich an das Album denke.

"Krone": Wie viel Zeit benötigst du heute, um einen Song so fertigzustellen, dass du zufrieden damit bist?
Ian: Ganz verschieden. Manche Songs sind in einer Stunde erledigt, andere brauchen sechs Monate. Der Song "In The End" von unserem letzten Album "Worship Music" hat uns im Prinzip zwei ganze Jahre gekostet. Wir haben ihn unendliche Male überarbeitet, bis wir ihn dann erst in der Ursprungsversion eingespielt haben. "Fight 'Em 'Til You Can't" war in 45 Minuten komplett fertig.

"Krone": Ihr seid mittlerweile mit fast allen berühmten Metalbands auf Tour gewesen…
Ian: Nicht mit AC/DC.

"Krone": Außer mit AC/DC…
Ian: Technisch gesehen sind sie ja keine Metalband, aber sie sind meine Lieblingsband für alle Zeiten. Wir haben bislang noch nicht einmal an einem anderen Tag beim selben Festival zusammengespielt – das hat bislang überhaupt noch gar nicht geklappt. Hoffentlich sind wir irgendwann einmal auf einer Liste mit AC/DC (lacht).

"Krone": AC/DC muss derzeit gerade ohne Rhythmusgitarrist Malcolm Young auskommen. Wird das deiner Meinung nach gutgehen?
Ian: Was ich online so gelesen habe, sind sie auf jeden Fall im Studio, um ein neues Album aufzunehmen. Ich kann mir schon vorstellen, dass Malcolm den Großteil der Songs geschrieben und zu Angus gesagt hat, sie sollen ins Studio gehen und die Songs einspielen. Ich hoffe, dass es Malcolm bald wieder besser geht, er auf die Füße kommt und wieder auf der Bühne stehen kann.

20.06.2014, 23:35
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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