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10.12.2016 - 06:18
Foto: Andreas Graf

Amanda Palmer mit Marmelade und toten Forellen

01.02.2010, 19:27
Eine verrückte Frau, ein falscher Flügel und eine Halle voll Fans, denen an diesem Sonntagabend alles Recht ist. In der ausverkauften Wiener Arena gab die US-amerikanische Sängerin Amanda Palmer von den Dresden Dolls ein skurriles und amüsantes Solo-Gastspiel.

Palmer reiste die letzten Tage mutterseelenallein für eine Hand voll Konzerte und einen Besuch auf der Musikmesse MIDEM, wo sie lauthals ihre Plattenfirma Roadrunner kritisierte, durch Europa. Sie sei nicht auf Tour und habe auch so überhaupt keinen Plan, ja nicht einmal eine Set- List, meinte die 33- Jährige, nachdem sie mit einer Ukelele und Heintjes "Ich bau dir ein Schloss" unter Jubel und freundlichem Gelächter in die Wiener Arena eingezogen war.

Schon als Hälfte der bizarren Punk- Cabaret- Formation Dresden Dolls mit Schlagzeuger Brian Viglione ist die Amerikanerin auf der Bühne eine Show für sich. Allein, und sich selbst nur auf einem falschen Flügel (E- Piano) begleitend, ist die Frau aber schlicht unpackbar.

Palmer leerte bei ihrem Gastspiel in Wien genüsslich eine halbe Flasche Rotwein, plauderte fröhlich mit den Gästen und spielte dazwischen halt auch ein paar Songs. "Guitar Hero", "Astronaut" und "Runs in The Family" von ihrem ersten Solo- Album "Who Killed Amanda Palmer" (CD- Kritik siehe Infobox), ein paar Dresden- Dolls- Hadern sowie eine Fülle an Coverversionen: "My Favorite Things" aus "The Sound Of Music", die "Spelunken- Jenny" aus der Dreigroschenoper (man beachte die Hommage an Komponist Kurt Weill am Klavier), "Billie Jean" als Jackson- Pflichtstück, Grauzones Achtziger- Hit "Eisbär" und Radioheads "Creep" als Zugabe.

Schon im Kindesalter begann Palmer, Songs zu schreiben. Die düstersten davon würde sie gerne als Album mit nur 500 Stück Auflage rausbringen, war beim Konzert in der Arena zu erfahren. "Aber so richtig teuer, um meine Plattenfirma zu ärgern!"

Die schon leicht angeheitert angereiste Chanteuse ließ an diesem Sonntagabend tief in ihre Seele blicken. So offenbarte Palmer etwa bei der noch unveröffentlichten Ballade "Trout Heart Replica", wie sie eine kleine Alltagsgeschichte zum Song macht. Den Text sponn die 33- Jährige nach dem Besuch einer Forellenfarm - Palmer ist eine Fisch essende Vegetarierin -, wo sie live und unzensiert einem "Forellen- Schlächter" zusehen musste. Ein Schlag auf den Kopf, ein Schnitt in den Leib - und ausnehmen. Der Song dreht sich letztlich um ein Forellenherz, das gut eine Minute nach dem Fisch- Massaker auf der Tischplatte liegend weiter zuckte. Und um ihren Neo- Verlobten Neil Gaiman, der danach das Fischgericht verhunzte. Sie aß die Forelle trotztem - "aus purer Zuneigung". "Darf ich dich bewusstlos schlagen, wenn ich dir verspreche, dich zu lieben und zum Lachen zu bringen?", lautet eine Zeile aus dem Song.

Einen Saal voller Lacher erntete Palmer bei "Coin Operated Boy", dem wohl bekanntesten Song der Dresden Dolls - in Österreich vor allem, weil er von einem Marmeladenproduzenten als Werbejingle benützt wird. Der Vertrag war kurz vor der Show erneuert worden. "Danke! Jetzt können wir uns noch ein weiteres Jahr krankenversichern", jubelte Palmer um gleich bei der eben dazugedichteten Zeile "You can't even f**k him in the a**" anzumerken, dass dies eigentlich auch in die Marmelade- Werbung gehören würde.

Fazit: Es braucht nicht immer einen Plan, um ein sehens- und hörenswertes Konzert abzuliefern.

Von Christoph Andert
Fotos: Andreas Graf

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