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04.12.2016 - 19:53
Foto: Universal Music

a- ha: "Glauben an die Kraft der Veränderung"

12.09.2015, 17:00
Im Jahr der großen Comebacks und Reunions (u.a. Refused, Faith No More etc.) sticht eine Wiedervereinigung besonders hervor. a-ha, immer noch Norwegens erfolgreichster Pop-Export der Musikgeschichte, haben sich nach fünfjähriger Pause wieder zusammengetan, um nicht nur All-Time-Klassiker wie "Take On Me" aufleben zu lassen, sondern auch das brandneue Studioalbum "Cast In Steel" unters Volk zu mischen. Am 10. April 2016 kommt auch das österreichische Publikum in den Live-Genuss der Pop-Heroen. Wir haben uns mit Sänger Morten Harket unterhalten und dabei genauer ergründet, ob es jetzt einst das Ende oder nur eine Pause war, wie er seine unverändert starke Stimme pflegt und warum es vorerst nur eine Wiederkehr auf Zeit ist.

"Krone": Morten, a- ha sind mit dem wirklich starken Album "Cast In Steel" endgültig wieder auf der Bildfläche aufgetaucht und im März dieses Jahres habt ihr bei einer Pressekonferenz in Berlin offiziell euer Comeback verlautbart. Wann habt ihr denn schlussendlich beschlossen, die erfolgreichste norwegische Pop- Band der Geschichte wieder zu reaktivieren?
Morten Harket: Das war jedenfalls keine Konferenzraum- Entscheidung, es war das Resultat vieler kleiner Möglichkeiten und Bausteine. An einem bestimmten Zeitpunkt haben all diese kleinen Elemente und Zahnrädchen so ineinander gegriffen, dass die Band sich dazu entschloss, das Projekt wieder aufzunehmen und die Soloprojekte hintanzustellen. Die fünf Jahre ohne a- ha waren für mich eigentlich wundervoll, weil ich ohnehin schon länger andere Projekte angehen wollte und nun endlich die Zeit dafür fand. Ich konnte vor allem mein Soloprojekt forcieren und wenn ich etwas mache, dann zu 100 Prozent. a- ha ist aber nie wirklich gestorben, wir haben uns nur dazu entschieden, nicht aktiv als Band aufzutreten. Das Innere der Band war ja immer am Leben. Die Songs werden in den Radios gespielt, das Business hat sich um uns gesorgt – so ganz weg waren wir nie. Es gab über die Jahre viele Versuche, uns wieder zusammen zu bekommen, aber heuer passten einfach verschiedene Dinge zusammen.

Wir feiern das 30- Jahre- Jubiläum unseres Debütalbums "Hunting High And Low", gleichzeitig feiert auch das kultige Rock- In- Rio- Festival sein 30- jähriges Bestehen. Dorthin haben wir nach unserem monströsen Auftritt 1991 ganz spezielle Beziehungen. Damals bezahlten 195.000 Menschen für das Konzert, was ein Weltrekord für zahlendes Publikum war. Das wurde nie mehr wirklich übertroffen und war natürlich auch für uns ein großes Highlight. Die Veranstalter haben uns heuer zu ihrer 30- Jahr- Feier eingeladen – das war schon ein gewichtiger Grund für die Reunion, aber nicht der ausschließliche. Es waren einfach viele verschiedene Dinge, die zusammenliefen. Wir haben uns dann dafür entschieden und jetzt mal für zwei Jahre geplant. In diesen zwei Jahren haben wir eben dieses Album veröffentlicht und wollen eine große Tour machen. So viel ist fix.

"Krone": Wenn du schon von eurem Debütalbum gesprochen hast – hast du immer noch Spaß daran, die ganz großen alten Hits wie "Take On Me" live zu spielen?
Harket: Abseits von a- ha habe ich das nie gemacht. Ich spiele selber gar nicht so viel Musik und die Songs von damals konfrontieren mich ohnehin überall dort, wo ich hingehe. Ich hatte nie die Angewohnheit, mich an den alten Hits festnageln zu lassen. Aber wenn wir die Tour im Herbst in Südamerika beginnen und im Frühling 2016 nach Europa kommen, wird natürlich nichts davon fehlen.

"Krone": Untereinander wart ihr immer bekannt dafür, außerhalb der Band nicht unbedingt Zeit miteinander zu verbringen. Ist die Beziehung innerhalb der einzelnen Bandmitglieder nach der langen Pause besser geworden?
Harket: Es ist weder besser, noch schlechter, es führt einfach jeder sein Leben. Drei verschiedene Individuen machen gemeinsam gute Musik und das seit vielen Jahren. So ticken wir und so verfahren wir. Wie bei allen Menschen und ihren Beziehungen gibt es Zeiten, wo die Synchronisation mal besser und mal schlechter funktioniert. Im Laufe der Jahre würdigst du die guten Dinge viel besser, andererseits sagst du aber auch viel leichter nein zu Sachen, die du nicht machen willst. Man fokussiert sich einfach immer besser und besser.

"Krone": Als Vater einer ganzen Rasselbande an Kindern ist der wiederaufgenommene Stress mit a- ha sicher auch nicht ganz einfach zu bewältigen.
Harket: Ich war schon vor 26 Jahren das erste Mal Vater als mein ältester Sohn, Jakob, geboren wurde. Insofern bin ich diese Situation schon lange gewohnt, aber es wird natürlich nicht einfacher. Nur damit muss man klarkommen, das sucht man sich ja aus. Für mich ist dieser Weg der richtige, ich habe alle Entscheidungen immer aus dem Herzen heraus getroffen. Ich glaube an unsere Musik und an die Kraft, die sie für viele Leute ausstrahlt, deshalb mache ich das. Geld ist eine andere Baustelle, es ist natürlich ein nicht unwichtiger Teil der ganzen Maschinerie. Es ist im Prinzip das Öl für die Maschine. Aber würde ich nur auf das Geld fokussiert sein, würde ich mich und alle anderen im kreativen Bereich schnell limitieren.

"Krone": Das alles klingt tatsächlich danach, als ob es damals mehr eine Pause als ein Ende mit a- ha gewesen wäre.
Harket: Die genaue Wortwahl zu finden ist in solchen Bereichen immer schwierig, aber wir haben intern entschieden, die Band aufzulösen und daran zu glauben, dass diese Entscheidung keine persönlichen Effekte nach sich ziehen würde. Hätten wir die Möglichkeit eines Comebacks offengelassen, wäre die ganze Geschichte vielleicht völlig anders verlaufen. Für mich war das Kapitel aber geschlossen und der Rückblick auf diese lange Periode meines Lebens war ein schöner. Es war aber der richtige Zeitpunkt, um einen Schlussstrich zu ziehen. Ich habe nie gesagt oder versprochen, dass es das endgültige Aus sei. Natürlich wollten uns die Medien auf eine Antwort festnageln, aber davor haben wir uns immer gehütet. Sag niemals nie. Ich fand die Fragen schon dämlich. Wir haben aufgehört, also war es damals vorbei. Fertig. Was gab es da nachzufragen? Ich wusste aber immer, dass es aus diversen Gründen zu einer Rückkehr kommen kann. Nur haben wir das nicht öffentlich verlautbart, die Fragerei hätte kein Ende genommen.

"Krone": Dass ihr die Pläne vorerst auf zwei Jahre begrenzt habt zeigt sehr schön, dass ihr die Zukunft für a- ha noch nicht vorgeschrieben ist und ihr euch wieder alles offen lässt.
Harket: Absolut. Wir müssen ja auch erst einmal sehen, was jetzt und in den laufenden zwei Jahren so alles passieren wird. Wir versuchen es jetzt jedenfalls.

"Krone": Eurer Rückkehr habt ihr auch brandneues Material beigelegt. "Cast In Steel" nennt sich das brandneue Studioalbum, das sehr warm und gleichzeitig dunkel klingt. Schön zu hören ist jedenfalls, dass ihr euch offensichtlich nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruht, sondern durchaus neue Einflüsse eingeflochten habt. Wann ist denn der Songwriting- Prozess losgegangen?
Harket: Das ging alles recht schnell vor sich, die Ausnahme waren die Songs von unserem Gitarristen Pål. Er hat über die ganzen fünf Jahre hinweg sehr viel Material geschrieben. Während unserer Pause oder der Auflösung oder wie auch immer du das nennen willst, habe ich mit Pål einfach mal nachgeschaut, was an Material da wäre. Es ging uns nicht darum, etwas für a- ha zu machen, sondern einfach nur zu sehen, wie wir zusammenspielen und wie meine Stimme zu seinen Songideen passt. Wir haben dann eine Handvoll Songs geschrieben und einer davon war "Under The Makeup", der jetzt auch auf dem neuen Album gelandet ist.

"Krone": Deine Stimme hat glücklicherweise nichts von ihrer früheren Strahlkraft verloren. Musst du sie heute, wo du in deinen 50ern bist, besonders oder anders auf sie achten?
Harket: Ich habe das Glück, dass sich meine Stimme noch nicht wirklich verändert hat. Da muss ich wirklich auf Holz klopfen. Ich mache nichts Besonderes, achte nur darauf, keine Dummheiten zu machen. In einer großen Menschenmenge zu sprechen gehört zum Beispiel zu den schlimmsten Dingen, die du machen kannst. Damit ruiniert auf Dauer jeder seine Stimme, nicht nur ein Sänger. Du hörst dich in solchen Mengen nicht wirklich, das ist gleich wie in Clubs oder Discos. Du hast kein Gefühl für die richtige Lautstärke, reizt deine Stimme unterschwellig und machst sie kaputt, weil du die falschen Frequenzen benutzt. Wenn mehre Leute auf mich einreden, dann bleibe ich lieber still.

"Krone": Wie soll man denn euren Albumtitel verstehen? Seht ihr als a- ha in Stahl gegossen und damit einhergehend unverwundbar?
Harket: Überhaupt nicht. Ihr müsst euch einfach die Texte durchlesen, dort gibt es dann keine Missverständnisse mehr. Der Song dreht sich darum, dass absolut nichts in Stahl gegossen ist. Der Titel spricht genau das Gegenteil an und ist als Metapher zu verstehen. "Cast In Steel" spricht genau die Zeiten in deinem Leben an, wo du glaubst, es wäre etwas unveränderbar und fixiert, aber das funktioniert in der Realität nie. Nichts ist für die Ewigkeit, nichts bleibt. Alle Dinge des Lebens und die gesamte Realität sind ständig in Bewegung. Das Interessante daran ist ja – willst du am gleichen Fleck stehen bleiben, dann musst du dich automatisch ändern, weil sich ja auch die Welt um dich verändert.

"Krone": Erstmals seit euren ersten drei Erfolgsalben habt ihr euch wieder mit Produzent Alan Tarney zusammengetan. War das doch ein kleiner Schritt, um die Nostalgie heraufzubeschwören?
Harket: Nein, es war einfach nichts kalkuliert und wir feiern sicher auch nicht unsere alten Zeiten. Es ging bei dieser Entscheidung mehr um einen emotionalen, spirituellen Touch. Wir haben ihn so viele Jahre nicht gesehen, dass wir zuerst im Internet googlen mussten, ob er überhaupt noch am Leben ist. Er sah gut aus, also überlegten wir, was er so treibt, woran sein Herz hängt. Dann haben wir ihn kontaktiert und der Vibe war von Anfang an gegeben. Es ist mit ihm auch anders zu arbeiten als mit modernen Produzenten, weil er musikalisch einfach ein Riesenwissen hat. Er ist wirklich brillant und sehr talentiert und das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Die Zusammenarbeit machte richtig viel Spaß.

"Krone": Die drei a- ha- Mitglieder innerhalb der Band leben doch in drei unterschiedlichen Städten?
Harket: Pål lebt in New York, aber Magne und ich leben beide außerhalb Oslos, aber in verschiedenen Regionen. Wir spielen außerhalb der Konzerte kaum mehr zusammen und machen unsere Arbeit für sich. Es passiert eben viel über den Computer, über Dropbox und andere Vermittlungsmöglichkeiten. Ich verstehe die Puristen nicht, denn die Technologie von heute zu verwenden, erleichtert das Leben ungemein. Wenn Pål in New York arbeitet, kann ich dabei in Stockholm sitzen und Magne in seinem Studio außerhalb von Oslo und wir können trotzdem schnell alles zusammenfügen. Wenn ich aber auch daran denke, dass wir alle Familien und eigene Leben haben ist das die einzige Möglichkeit, so zusammenzuarbeiten. Die schlechte Seite daran ist natürlich, dass wir von Angesicht zu Angesicht sehr wenig Zeit miteinander verbringen. Das ist natürlich klar.

"Krone": Wie von euch gewohnt gibt es wieder viele dunkle, melancholische Momente auf dem Album. Ist es denn so viel einfacher, diese Songs zu schreiben als fröhliche, lebensbejahende?
Harket: Dunklere Songs sind jedenfalls für gewöhnlich tiefgreifendere Songs. Sie spiegeln einfach mehr Schichten der menschlichen Natur wieder. Sie sind in gewisser Weise depressiv, aber nicht automatisch für jeden. Magne würde dir jetzt sagen, dass er von glücklichen Songs Depressionen bekommt. Ich denke, dunklere Songs führen dich viel schneller in das eigene Ich, du kannst dadurch einen viel tieferen Bezug zu dir selbst herstellen.

"Krone": In den fünf Jahren eurer Abwesenheit hat sich auch auf dem Musikmarkt viel getan. Streaming ist das neue heiße Ding. Sind volle Alben wie "Cast In Steel" heute überhaupt noch notwendig, wo die meisten Konsumenten ohnehin nach zwei Songs zur nächsten Band skippen?
Harket: Das interessiert mich ehrlich gesagt nicht weiter, darum sorge ich mich nicht. Es spricht natürlich einiges gegen volle Studioalben, alleine schon die Länge. Du kannst eine Band natürlich auch kürzer darstellen, vielleicht wäre so eine Verknappung auch sinnvoller. Viele Bands gehen ins Studio, haben eine kurze Welle der Inspiration und knallen dabei vier, fünf Songs raus. Auch das kann genug sein, weil die größten Hits dabei meistens dabei sind. Bei einem ganzen Album musst du oft die Tracklist füllen. Das ist nicht immer optimal. Oft sind solche Alben dann einfach konstruiert und nicht einfach nur inspiriert. Das Streamen ist aber auch gegen alle spirituellen und künstlerischen Gesichtspunkte, wie Musik funktioniert. Die Musikindustrie steht aber immer noch auf ganze Alben und muss im Austausch mit dem Künstler herausfinden, was die sinnvollste Vorgangsweise wäre. Die Menschen als auch die Musikindustrie sind die haptischen Formen von Musik gewohnt, deshalb wird es da auch kein baldiges Ende geben. Aber ich persönlich habe mir schon vor zehn Jahren überlegt, wie man den Musikmarkt mit anderen Produkten attraktiver gestalten könnte. Ich habe immer schon an die Kraft von Veränderung geglaubt.

"Krone": Zum Abschluss – im Zuge eurer großen Europatour im Frühling 2016 kommt ihr für ein Konzert auch in die Wiener Stadthalle. Was darf man sich von euch erwarten und hast du noch spezielle Erinnerungen an Wien oder Österreich?
Harket: Natürlich, aber mir geht es um die Öffentlichkeit, die Menschen im Saal und die Stimmung – weniger um die einzelnen Orte als solches. Das ist dann auch egal, ob es Wiener, Österreicher, Deutsche oder Schweizer sind, es geht nur um die richtige Stimmung bei einem a- ha- Gig. Die Leute tragen ja keine Uniformen, auf denen die Nationalität steht. Die Leute sehen einfach uns drei Mitglieder von a- ha live auf der Bühne. Mit allen alten Hits und vielen neuen Songs. Mehr braucht es doch auch nicht.

Diese bunte Stafette an großen und neuen Hits liefern a- ha am 10. April 2016 in der Wiener Stadthalle ab, ihrem einzigen Österreich- Konzert angesichts der großen Comeback- Tour. Tickets für das Event erhalten Sie unter 01/960 96 999 oder im "Krone"- Ticketshop .

12.09.2015, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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