Willkommen
|
Facebook Twitter Google Plus
10.12.2016 - 22:19

10 Jahre Nova Rock: Ein Auftakt nach Maß

14.06.2014, 03:10
Happy Birthday, Nova Rock. Zum zehnten Geburtstag des größten österreichischen Musikfestivals im burgenländischen Nickelsdorf zeigte sich nicht nur das Wetter von seiner guten Seite - auch die Bands auf den beiden Bühnen wussten zu begeistern. Ein perfekter Auftakt in den Festival-Marathon.

Im Gegensatz zum brütend heißen Vorjahr war der sonnige Auftakt am Freitag aber mit kühlen Windbrisen durchzogen. Diese angenehme Abkühlung wirbelte dafür ordentlich Staub auf – das Leben ist eben kein Wunschkonzert. Ganz im Gegensatz zum Line- up, denn dieses wusste schon zum Auftakt Freunde der harten als auch soften Klänge gleichermaßen in den Bann zu ziehen.

Gemächlicher Auftakt

Für den eher smoothen Auftakt auf der Blue Stage sorgt das mexikanische Reggae/Mariachi/Ska- Kollektiv Panteón Rococó. Hierzulande keine Unbekannten, immerhin begleiteten sie 2008 schon Die Ärzte durch Europa. Die durchaus anschmiegsamen Songs mit sozialkritischer Note und einem Sinn für eingängige Melodien stoßen in der Junihitze auf positives Feedback. Frontmann "Dr. Shenka" übt sich neben zahlreichen mexikanischen und englischen Zitaten zudem in Deutsch, was bei den noch wenigen Anwesenden vor der Bühne für zusätzlichen Jubel sorgt.

Eine ganze Wagenladung Nostalgie verbreiten kurz darauf die einstigen Nu- Metal- Helden Crazy Town. Kurze Nachfragen beim anwesenden Publikum ergeben die erwartete Antwort – außer dem sechs Millionen Mal verkauften Smash- Hit "Butterfly", eine druckvolle Hymne der Generation Millennium, kann sich kaum jemand an Songs der Amerikaner erinnern. Die einst so populäre Mischung aus US- Metal und Rap- /Hip- Hop- Einlagen traf damals den Zahn der Zeit, wirkt anno 2014 aber leidlich antiquiert.

Kein Ende in Sicht

Die Trendanbiederung der alten Tage haben der sichtlich alt gewordene, aber hochtrainierte Sänger Shifty, DJ Epic Mazur und Co. übrigens mühelos ins neue Jahrzehnt gerettet – heute sind es statt Nu- Metal- Gitarren Dubstep- Breakbeats, die aus den Boxen dröhnen. Neue Songs wie "Come Inside" oder "Back Pack" klingen zudem nicht nach dem Stoff, auf den die Menschheit warten würde. Daher klingt Epic Mazurs Ankündigung, 2015 mit Limp Bizkit auf Tour zu gehen, eher drohend, denn erfreuend.

Unterdessen sind auf der Red Stage, etwa 20 Gehminuten von der Hauptbühne entfernt, vornehmlich harte Klänge zu vernehmen. Die brasilianischen Thrash- Metal- Legenden Sepultura sind bei Weitem keine seltenen Österreich- Gäste, funktionieren aber stets aufs Neue. Der baumlange Sanges- Hüne Derrick Green hat seine meterlangen Rastalocken mittlerweile gegen eine sommerliche Glatze eingetauscht, ansonsten bleibt alles beim Alten. Stampfende Gitarren, mitreißende Energie und viel Schmäh (unwiderstehlich, wie sich Green auf Österreich- Deutsch versucht). Wermutstropfen – der Wind verschleppt den guten Sound von Songs wie "Arise", "Roots Bloody Roots" oder "Beneath The Remains". Schade darum.

Hüftsteife Performance

Das verbessert sich bei Ex- Pantera- Legende Phil Anselmo nur marginal. Mit seiner Band The Illegals konzentriert sich der pummelige Frontmann auf wuchtige Groove- Metal- Songs, inflationären Einsatz von Doublebass- Drums und knallharte Riffs. Sein größtes Anliegen scheint der bestmögliche Verzicht von Pantera- Songs zu sein. Die Fans vor der Red Stage goutieren die eher hüftsteife Show, die erst dann richtig Fahrt aufnimmt, als der Pantera- Klassiker "Domination" zum Headbangen animiert. Ein bisschen zu spät und ein bisschen zu wenig.

Vor der Southern- Metal- Zukunftshoffnung Black Stone Cherry leert sich der Zuschauerbereich merklich – dem großen Durchbruch im Mainstream sind die vier adretten Jungs aus Kentucky noch sichtlich fern. Rein musikalisch hat das Dargebotene aber ganz große Klasse. Vor allem Sänger Chris Robertson, optisch mit Basecap, Pilotensonnenbrillen und biederem Hemd der absolute Anti- Rockstar, begeistert mit eindringlicher Stimmakrobatik. "Maybe Someday", "White Trash Millionaire" und "Blame It On The Boom Boom" erweisen sich als eingängige musikalische Melange aus Southern- und Classic- Rock, Blues und amerikanischer Folklore. Ein Sound, der künftig wohl auf den großen Bühnenbrettern zelebriert wird.

Zoten unter der Gürtellinie

Dort fühlen sich die kabarettistisch angehauchten Glam- Metal- Epigonen Steel Panther schon sehr lange wohl. Dass sie auf die Red Stage ausweichen müssen, liegt daran, dass Deutschlands Rap- Superstar Casper für Bombenstimmung auf der Hauptbühne sorgt und zu den positiven Überraschungen des Tages zählt. Steel Panther ziehen erwartungsgemäß trotzdem massig Leute an und lassen natürlich keinen Fettnäpfchentritt ins Perverse aus. Das liegt nicht nur an unzweideutigen Songs wie "Gangbang At The Old Folks Home" oder "17 Girls In A Row", sondern vor allem am humoristischen Zusammenspiel der einzelnen Bandmitglieder.

"Danke Jesus, dass du das Kokain erfunden hast – es hält die Bitches jung und dünn", ist nur ein kleiner Auszug aus dem bewusst übertrieben- derben Vokabular der Kalifornier. Die haben nach ihrem Gig noch immer nicht genug und unterstützen dann sogar noch Fred Dursts Limp Bizkit beim gefeierten Auftritt auf der Blue Stage.

Grenzenlose Aggressivität

Auf der zweiten Bühne lärmt zeitgleich die härteste Band des Festivals – die US- Thrash- Legenden Slayer, die nach langer Umbauphase nicht nur mit einem starken Sound, sondern auch mit hervorragenden Lichteffekten auftrumpfen können. Das Songmaterial ist ohnehin absolute Oberklasse. "Hell Awaits", "Raining Blood", "War Ensemble" oder "Mandatory Suicide" rattern im Stakkato- Takt aus den Boxen und animieren eine beachtliche Fanschar zum Einsatz der letzten Energiereserven.

Sänger Tom Araya wirkt mit dem weißen Rauschebart wieder nette Weihnachtsmann von nebenan – kaum zu glauben, dass er eine satanische Textzeile nach der anderen ins Publikum keift. Das Gitarren- Duo Kerry King und Gary Holt schüttelt die Riffs routiniert und ohne besondere Motivation aus den Ärmeln, der wieder zurückgekehrte Drummer Paul Bostaph zieht sich fehlerlos aus der Affäre. "South Of Heaven" und "Angel Of Death" bilden ein kongeniales Song- Abschlussduo, die in Plakatform vorgetragene Huldigung an den verstorbenen Ex- Gitarristen Jeff Hanneman beschließt die Show mit Herz und Hirn.

Audiovisuelles Spektakel

Zum Abschluss des ersten Festivaltages findet noch einmal eine beidseitige Völkerwanderung statt. Die Entscheidung, welchem Headliner man seine Aufmerksamkeit schenken solle, fällt nicht leicht. Auf der Blue Stage die britischen Industrial- Techno- Pioniere The Prodigy, auf der Red Stage die dänischen Elvis- Metaller von Volbeat. Prodigy schließen mit ihrer Teilnahme den Kreis des Zehn- Jahres- Jubiläums, da Exzentriker Keith Flint und Co. schon bei der allerersten Auflage am Start waren. Damals noch vor weit weniger Besuchern, aber mit derselben Motivation. Seinesgleichen sucht hier vor allem die Lichtshow, die sich perfekt mit den unrhythmisch- rumpeligen Breakbeats von The Prodigy kombiniert.

"Voodoo People", "Breathe" und "Firestarter" waren und sind Hymnen für mehrere Generationen und The Prodigy gelten schon seit jeher als die elektronisch angehauchte Band, mit der Rock- und Metalfans die meisten Berührungspunkte haben. Die offensive Bühnenpräsenz von Flint und MC Maxim Reality sorgen stets für Spannung und Abwechslung – Liam Howlett, DJ und musikalisches Hirn der Band, bettet seine Beats über den exaltierten Gesang der beiden Frontmänner. Ein hypnotisierendes Spektakel für Augen und Ohren, das Lust auf mehr macht. Am Samstag etwa mit Iron Maiden, Seeed, Mando Diao und David Hasselhoff.

14.06.2014, 03:10
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
Kommentare  
Kommentare sortieren nach:
km_num_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
Antworten sortieren nach:
km_antworten_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).
Werbung
Werbung
Meistgelesen
Werbung
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; Muthgasse 2, 1190 Wien
Krone Multimedia © 2016 krone.at | Impressum