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"Solange sie buhen, machen wir einen guten Job"

23.09.2013, 11:52
Sebastian Vettel kann sich in der Formel-1-WM nur noch selbst schlagen. Der Titelverteidiger dominierte am Wochenende in Singapur wie nie zuvor in dieser Saison. Dass er dabei - ebenso wie in der Woche davor in Monza - von vielen Fans ausgebuht wurde, stört den Deutschen nicht: "Solange sie buhen, machen wir einen guten Job."

Rechnerisch könnte der Red- Bull- Star bereits beim übernächsten Rennen Mitte Oktober in Japan zum vierten Mal in Serie als Weltmeister feststehen. Realistischer ist Vettels Krönung aber beim folgenden Grand- Prix- Doppel in Indien und Abu Dhabi.

Der 26- Jährige geht mit 60 Punkten Guthaben auf seinen einzigen ernsthaft verbliebenen Rivalen Fernando Alonso in die sechs ausständigen Rennen. Dreimal in Serie hat Vettel den Spanier zuletzt auf Platz zwei verwiesen. In Singapur war Alonso trotz Raketenstarts und mutiger Strategie chancenlos. "Am Ende habe ich nur den Vorsprung verwaltet", erklärte Vettel. Mit 32,6 Sekunden war es der größte der laufenden Saison.

Horner überrascht

Die Überlegenheit von Red Bull überraschte selbst Teamchef Christian Horner. "Niemand hat erwartet, dass er in 15 Runden 30 Sekunden herausfahren kann. Es ist eine Kombination aus seinem Vertrauen in das Auto und dem Fortschritt, den wir damit gemacht haben", meinte der Engländer. Strecken ähnlich wie Singapur, bei denen viel Abtrieb notwendig ist, waren zu Saisonstart noch nicht die Stärke der Bullen gewesen.

Vettel nimmt Buhrufe gelassen

Einzig die Buhrufe für Vettel auf dem Podium trübten das Bild. Schon zuletzt in Monza war der Deutsche dem Ärger der Ferrari- Fans ausgesetzt gewesen. Auch in Singapur war die Mehrheit der Fans im Alonso- Lager. "Ferrari hat eine lange Tradition", begründete Vettel. Das störe ihn aber nicht weiter. "Sie sind ziemlich emotional, wenn sie nicht gewinnen. Solange sie buhen, machen wir also einen guten Job."

Horner: "Das ist nicht sportlich"

Dass die Schmähungen spurlos an seinem Starpiloten vorbeigehen, glaubt Horner nicht. "Er ist auch nur ein Mensch", erinnerte der Teamchef, der Vettel auf das Podium begleitet hatte. "Das ist nicht sportlich. Der Bursche ist ein unglaubliches Rennen gefahren", betonte Horner. "Er wird fürs Siegen bestraft", urteilte die "Bild"- Zeitung am Montag, stellte aber auch die Frage: "Warum ist Vettel außerhalb von Deutschland so unbeliebt?"

Es dürfte an der Dominanz liegen, mit der der dreifache Weltmeister von Sieg zu Sieg eilt - und seinem unstillbaren, fast kannibalenhaften Erfolgshunger. Auch Rekordweltmeister Michael Schumacher hatte nicht die höchsten Beliebtheitswerte. Dafür nennt Vettels Kindheitsidol sieben WM- Titel sein Eigen. Selbst diese Marke scheint für den aktuellen Seriensieger längst nicht mehr utopisch.

An die WM- Krone denkt Vettel laut eigenen Angaben allerdings noch nicht. "Dafür macht es im Moment einfach zu viel Spaß, ich nehme Rennen für Rennen", sagte der Ausnahmekönner. Die Konkurrenz versucht mit dem Mute der Verzweiflung dagegenzuhalten. "Wir haben in der WM nichts mehr zu verlieren. Wir haben gewusst, dass wir nicht den Speed haben, also mussten wir etwas probieren", erklärte Alonso seine offensive Fahrweise. "Es hat sich ausgezahlt. Dieser Podestplatz fühlt sich wie ein Sieg an."

Der Spanier hofft auf die nächste Saison, wenn ein völlig neues technisches Reglement die Karten neu mischen sollte. Mit Kimi Räikkönen erhält er einen starken Teamkollegen. Allerdings muss er sich von seinem Freund Mark Webber verabschieden, der der Königsklasse den Rücken kehrt. Vettels Red- Bull- Stallrivale lieferte mit seiner Anhalterfahrt auf dem Seitenkasten von Alonsos Ferrari nach Rennende das Bild des Wochenendes - und muss dafür nächste Woche in Südkorea in der Startaufstellung zehn Plätze zurück. "Eine Geldstrafe hätte auch gereicht", meinte Horner.

23.09.2013, 11:52
AG/red
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