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Rauchende Köpfe bei den F1- Teams wegen neuer Reifen

18.03.2013, 15:39
Sind die Reifen endgültig zum entscheidenden Faktor in der Formel 1 geworden? Diese Frage stellt sich nach dem turbulenten WM-Auftakt in Australien mit dem Sieg von Lotus-Fahrer Kimi Räikkönen. Allen Millionen-Investitionen in Technik und Aerodynamik zum Trotz werden die Rennen offenbar mehr denn je vom schwarzen Gummi beeinflusst. Nicht allen gefällt das.

2011 war Bridgestone von Pirelli als Reifen- Alleinausstatter der Formel 1 abgelöst worden, dieses Jahr läuft der Vertrag der Italiener aus. Im dritten Jahr tun die Mailänder aber alles, um die von der FIA gewünschte Spannung noch mehr zu erhöhen. Was Fans und Zusehern vermutlich gefällt, ruft bei den Millionen in die Aerodynamik investierenden Top- Teams aber auch Kritiker auf den Plan.

Ex- Pilot und Ex- Teamchef Gerhard Berger hatte schon vor dem Saisonstart die Sinnhaftigkeit der Reifen- Strategie bezweifelt, nun kamen auch beim erstmals am Mercedes- Kommandostand sitzenden Landsmann Toto Wolff Bedenken auf. "Es denken sehr viele schlaue Leute sehr viel über Aerodynamik nach. Und dann spielt der Reifen so eine dominante Rolle. Das ist nicht ganz richtig", hatte auch der 41- jährige Wiener Bedenken.

Mehr Show durch weichere Reifen

Pirelli war schon im Vorjahr hauptverantwortlich dafür gewesen, dass die ersten sieben Saisonrennen sieben verschiedene Sieger gebracht hatten. Auf dieses Jahr hin hatte man die Reifen trotzdem nochmals verfeinert, den Gummi noch weicher und die Unterschiede zwischen den einzelnen Mischungen noch größer gemacht. Um die Show "aufzupeppen", wie es Pirellis Motorsportchef Paul Hembery ausdrückte.

Auch Red Bull leidet unter dieser Situation. Auf einer Einzelrunde sind die "Bullen" dank der Aerodynamik weiter die Schnellsten, im Rennen wird der Speed aus dem Qualifying aber schon nach wenigen Runden bedeutungslos. "Wir hatten keine Chance, das Tempo von Räikkönen mitzugehen", gab Motorsportdirektor Helmut Marko zu. Wolffs erste Erkenntnis lautete: "Es sieht aus, als ob man mit diesen Reifen mehr für das Rennen als für die Startaufstellung arbeiten muss."

Der Wiener kann sich vorstellen, dass die Qualifikation künftig bisweilen sogar eine untergeordnete Rolle spielt. Zumindest auf Strecken, wo man wie in Melbourne überholen kann, wie es dem von Platz sieben gestarteten Räikkönen problemlos gelungen war. Es muss laut Wolff aber mehr gewesen sein als nur die eiskalte Fahrweise des "Iceman". "An einen Wunderwuzzi- Faktor glaube ich nicht", sagte Wolff. "Mit diesen Reifen wird das Qualifying bisweilen sekundär werden."

Irritationen und "Herumgeeiere"

Die Irritationen beim Saisonstart dürften unter den Teams jedenfalls gewaltig gewesen sein. Wolff sprach sogar von einem "Herumgeeiere". "Unser Option- Reifen ist zunächst eingebrochen, dann wieder besser geworden. Beim Prime war es genau umgekehrt. Da gibt es jetzt extrem viel zu analysieren und zu verstehen", fürchtete Wolff.

"Sieben Piloten haben zwischenzeitlich geführt. Lotus und Kimi haben die Reifen perfekt verstanden. Das war ganz sicher die Meisterklasse des Reifenmanagements. Räikkönen ist im vorletzten Umlauf mit 22 Runden alten Reifen Bestzeit gefahren. Wir sind also mit der Performance zufrieden", lobte Hembery.

Für die Teams blieben nur wenige Tage, die Wunden zu lecken und Fragen zu beantworten. Schon am kommenden Freitag steht das erste Training für den nächsten Grand Prix in Malaysia auf dem Programm. Pirelli schickt dort wegen der extremen Umstände - Hitze und monsunartiger Regen - erstmals auch den härtesten Reifen ins Rennen.

18.03.2013, 15:39
AG/red
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