Foto: GEPA, APA/EPA/TRACEY NEARMY

Muss Sauber- Chefin Kaltenborn ins Gefängnis?

13.03.2015, 10:25
Das Sauber-Drama spitzt sich weiter zu. Beim ersten Training in Melbourne mussten die beiden Autos noch in der Box bleiben um keine Strafe zu riskieren. Der Rechtsstreit geht am Samstag weiter. Teamchefin Monisha Kaltenborn droht sogar Gefängnis.

In der zweiten Trainings- Einheit waren die beiden Sauber- Piloten Marcus Ericsson (SWE) und Felipe Nasr (BRA) dann erstmals im Einsatz. Das war in der ersten nicht möglich gewesen, weil Giedo van der Garde erfolgreich ebenfalls einen Platz als Stammfahrer beim Schweizer Team eingeklagt hatte.

Fehlende Superlizenz

Der Niederländer hatte deshalb am Vormittag auch die Sitzprobe im Auto von Ericsson vorgenommen, durfte aber wegen fehlender Superlizenz dann doch nicht fahren. Sauber ließ in der ersten Session dennoch beide Autos in der Box, um keine Beschlagnahme oder andere Strafen zu riskieren.

Der Rechtsstreit zwischen van der Gardes Anwälten gegen Sauber geht am Samstag weiter. Anwalt Jim Peters betonte vor Gericht, dass das Team seinen Mandanten weiterhin blockiere. Er fordert deshalb eine "Beschlagnahme aller realer und persönlicher Werte" des Sauber- Teams, wenn man dem Gerichtsurteil nicht nachkommt.

Gefängnis oder Geldstrafe?

Und der Streit spitzt sich weiter zu: Teamchefin Monisha Kaltenborn  solle "für einen vom Gericht festgelegten Zeitraum verhaftet" oder "zu einer vom Gericht festgelegten Geldstrafe" verdonnert werden.

"Kann dazu nichts sagen"

Das Gericht in Victoria hat aber auch klärende Gespräche zwischen Sauber und van der Garde angeregt. "Ich kann dazu nichts sagen", meinte die Österreicherin nach dem Training. Auch über die Gründe, warum die beiden Sauber- Piloten im zweiten Training fahren konnten, äußerte sie sich nicht.

Rücktritt kein Thema

Sie fühle sich aber weiter in der Lage, das Team zu führen und habe keine Intentionen, zurückzutreten, betonte die Juristin, die auch ein Drittel des Teams besitzt. Auch die Position von Team- Gründer Peter Sauber habe sich nicht geändert.

Damit bleibt weiter unklar, warum das Schweizer Team, das im Vorjahr erstmals seit der Teilnahme an der Formel- 1-WM ohne Punkt geblieben war, mit mehr als zwei Fahrern Verträge abgeschlossen hat. Bei Sauber ist man der Ansicht, den Vertrag nicht persönlich, sondern lediglich mit der Firma Van der Gardes abgeschlossen zu haben und diesen zudem auch wieder beendet zu haben.

Als Einsatz- Fahrer waren termingerecht Ericsson und Nasr genannt worden. Beide haben dem Vernehmen nach deutlich mehr Sponsorgelder mitgebracht als Van der Garde. Sauber, dessen Jahres- Budget auf 85 Mio. Euro geschätzt wird, braucht diese Mitgiften. Das seit 1993 bestehende Team aus Hinwil, das mit Raffaele Marciello den italienischen GP2- Teamkollegen des Österreichers Rene Binder als Ersatzfahrer beschäftigt, fordert seit langem einen Sparkurs.

Negative Auswirkungen auf das Team

"Das alles hat definitiv sehr negative Auswirkungen auf das Team", lautet eine der wenigen Stellungnahmen Kaltenborns. Sie deutet aber ebenfalls an, dass Bewegung in die leidige Affäre gekommen ist. "Die Situation war einige Zeit unklar, jetzt laufen Aktionen." Man habe eine klare Sicht von dem, was man getan habe. "Der momentane Ausgang ist aber ein anderer, mehr kann ich dazu nicht sagen."

Kaltenborns Kollegen bedauerten vor allem, dass die Klags- Causa den Saison- Auftakt in Melbourne überschattet. "Wir kennen keine Details. Aber die Saison so zu starten, ist nicht gerade perfekt", sagte Toto Wolff  von Mercedes . "In der Formel 1 hat es aber immer Kontroversen gegeben."

Ex- Weltmeister Niki Lauda  hatte seine eigene Sichtweise. "Sauber ist mehrfach verurteilt worden. Was gibt es da zu rätseln? Ich kann auch meine Hotelrechnung nicht bezahlen und am nächsten Tag einfach wiederkommen."

13.03.2015, 10:25
red/AG
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