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"Ich weiß, dass Schumi keine Schmerzen hat"

30.01.2014, 17:45
Wieder die französischen Alpen. Der gleiche Schnee. Fast das gleiche Unglück. Der gebrochene Helm. Die Klinik in Grenoble. Die Tiroler Weltcup-Rennläuferin Christine Putz, heute 47 Jahre alt, ist am 12. Dezember 1985 in Val d'Isère ins Koma gestürzt - wie vor 33 Tagen Michael Schumacher. Was sie in der anderen Welt erlebte, hat Putz - zum ersten Mal - "Krone"-Reporter Heinz Prüller anvertraut.

"Krone": Christine, deine letzte Erinnerung vor dem Sturz?
Christine Putz: Startnummer 30, Schnellste im letzten Training, ich fahr' auf Sieg. "Heute packst du's", sagt mein Servicemann am Start. Und ich: "Lieber Gott, alles liegt in deiner Hand." Ich schlag' mein Kreuz. Dann weiß ich nur noch: Ich bin auf die Absperrung zugerast und hab' mich 50 Meter hoch überschlagen.

"Krone": Und wann hast du gespürt, dass du in einer anderen Dimension, in Lebensgefahr bist?
Putz: Wie ich zum ersten Mal runterschau'. Ich seh' mich im Schnee liegen, viele Menschen, die auf mich zufahren und zurennen. "Lasst mich in Ruhe", sag' ich, "mir geht's gut". Dann kam wohl die Ruhephase. Ich wurde immer entspannter. Wie wenn du auf Wolken schwebst. Und dann seh' ich, wie sich vor mir ein großes Tor öffnet. Helles, grelles Licht. Da will, da muss ich hin. Je näher ich dem Licht komme, umso wohler fühl' ich mich. Dann stoß' ich gegen eine Wand an. Ich seh' plötzlich verstorbene Menschen. Und Lichtwesen, die ich nicht kenne, versperren mir den Weg, sagen: "Was machst du hier? Deine Zeit ist noch nicht gekommen." Ich protestiere: "Ich will aber nicht zurück, ich muss zu dem Licht, das immer heller wird." Faszinierend. Ich schau in Augen wie Kristalle. Ich spüre Liebe, Wärme, Freiheit - alles auf einmal. Dann hebt plötzlich eine Hand mein Kinn, ein höheres Wesen, das mich erstaunt fragt: "Was machst du hier? Deine Zeit ist noch nicht um." Ich: "Wieso glaubst du das?" Es: "Weil da unten noch Menschen auf dich warten. Du hast noch Aufgaben im Leben." Dann geht der Vorhang zum Licht wieder zu. Ich merke, wie ich zurück muss. Ein negatives Gefühl. Ich will nicht runter. Meine Mutter erzählte mir später: "Du hast in der Klinik so um dich geschlagen, dass man dich anschnallen musste." Ich seh' die Ärzte in weißen Mänteln und freu' mich, weil ich glaube: Das sind die Lichtgestalten. Ich spür' nix! Dann erkenne ich meine Mama – weiß, wo ich bin.

Beten für Schumacher

Nach 21 Tagen, zu Weihnachten 1985, ist Christine Putz aus ihrem Koma aufgewacht, muss aber noch fünf Monate in der Klinik bleiben. Heute führt sie ein Hotel in Bayern und hat einen Sohn, Andreas, 17. "Ich bin so froh, das alles erlebt zu haben, es gibt mir so viel Kraft und Energie - mehr als alle Medaillen."

Jetzt bangt die Rennläuferin, die aus einer anderen Welt zurückgekommen ist, wie Millionen um Michael Schumacher. Putz: "Ich weiß nur, dass er keine Schmerzen hat. Und bete zum lieben Gott: Bitte lass ihn wieder gesund werden."

30.01.2014, 17:45
Heinz Prüller, Kronen Zeitung
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