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03.12.2016 - 12:19

Japan will Handys aus Schulen verbannen

26.01.2009, 10:56
Schikanen gegen Schüler und auch Lehrer, Prostitution von Schulmädchen über einschlägige Kontaktseiten im Internet bis zu Anleitungen zum Selbstmord: Immer wieder sorgen in der Mobilfunkhochburg Japan Fälle für Schlagzeilen, bei denen Handys jugendlichen Tätern wie auch ihren Opfern als Kommunikationsplattform dienen. Jetzt will der Staat handeln und kurzum Mobiltelefone aus den öffentlichen Schulen des Landes verbannen.

Das Erziehungsministerium in Tokio beabsichtigt Medienberichten zufolge, bis Ende Jänner die Schulbehörden im ganzen Land darüber zu unterrichten, dass Handys grundsätzlich aus Grundschulen und Mittelschulen zu verschwinden haben. Kritiker bezweifeln jedoch, dass sich die Probleme einfach durch eine staatliche Verfügung ausmerzen lassen. "Auch wenn ich sicher bin, dass ein Kind ein Handy mit hat, kann ich es ihm doch nicht einfach mit Gewalt wegnehmen. Dann würde mir vorgeworfen, ich würde körperliche Strafen einsetzen", schilderte eine Lehrerin aus Osaka in der Zeitung "Asahi Shimbun" das Dilemma.

Nach einer Umfrage des Erziehungsausschusses der Präfektur Tokio unter 11.000 Kindern an öffentlichen Schulen besitzen 33,2 Prozent der Zehnjährigen ein eigenes Mobiltelefon. Bei den 15- Jährigen sind es bereits 73,3 Prozent, bei den 16- Jährigen sogar 95,4 Prozent. Eine andere Studie der Präfektur Osaka ergab, dass unter den 13- Jährigen jeder Sechste mehr als drei Stunden am Tag das Handy benutzt. Unter den 16- Jährigen tut das jeder Dritte. Jeder Sechste unter den 16- Jährigen gab zudem an, täglich mehr als 50 SMS zu verschicken. Ein weiteres Ergebnis der Studie, wonach die Kinder zu Hause umso kürzer lernen, je länger sie sich mit dem Handy beschäftigen, kann da kaum noch verwundern.

Das Handy als Multifunktions- Werkzeug

In Japan, das Experten zufolge in der Mobilfunktechnologie Europa zwei bis drei Jahre voraus ist und wo "keitai" (Mobiltelefone) mit Internetzugang aus der Gesellschaft nicht wegzudenken sind, dienen Handys längst nicht mehr nur für Telefonate oder SMS. Mit Handys lassen sich Busse, Bahnen und selbst Taxis bezahlen, kostenlos Fernsehen schauen, Urlaubsreisen buchen, Manga- Comics und ganze Romane lesen. Zu den mobilen Angeboten gehören jedoch auch Pornos, Internetseiten, auf denen sich Lebensmüde zum Gruppensuizid verabreden und "deai- saito" - Seiten, über die Erwachsene oft an Sexkontakte mit Schülerinnen gelangen.

Jeder zehnte Grundschüler ist laut einer Umfrage bereits mit solchen Inhalten in Berührung gekommen. Zwar wurde das Gesetz kürzlich verschärft und Internetbetreiber verpflichtet, Einträge von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren zu löschen, die sich zur Prostitution anbieten, wie auch von Erwachsenen, die solche Kinder suchen. Wie effektiv das ist, ist jedoch noch nicht absehbar. Nach Angaben der nationalen Polizeibehörde wurden innerhalb eines Monats nach der Gesetzesänderung mehr als 1.600 Internet- Kontaktseiten bei Sicherheitsbehörden gemeldet.

Kritik an Handy- Verbot in Schulen

Als sich der junge Gouverneur von Osaka, Toru Hashimoto, unlängst dafür aussprach, Handys aus den Schulen zu verbannen, sorgte das für Aufsehen. Bisher ist es den Schulen selbst überlassen, wie sie mit dem Problem umgehen. Viele hatten schon zuvor Verbote ausgesprochen, doch ohne großen Erfolg. Kommunikationsminister Kunio Hatoyama findet Hashimotos Vorschlag gut: "Menschen, die stark von E- Mails auf Mobiltelefonen abhängig sind, würden ihre Konversationsfähigkeiten verlieren. Es gibt keinen Zweifel, dass Mobiltelefone einen Aspekt haben, der zum Verlust von Menschlichkeit führen könnte", sagte er.

Doch nicht jeder ist für ein Handy- Verbot an Schulen. Tokios Gouverneur Shintaro Ishihara findet der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge, dass man das den Eltern überlassen sollte. Andere halten Mobiltelefone für nützlich, weil Schulen und Eltern damit ihre Kinder orten und so überprüfen könnten, ob sie sicher seien. Andere wie Professor Shigeki Ito von der Universität Komazawa bezweifeln ohnehin, dass ein Verbot an Schulen groß etwas bringt. Schließlich benutzten die Kinder ihre Handys nach dem Unterricht sowieso weiter.

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