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02.12.2016 - 19:38
Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER, Manfred Deix / Video: APA

Trauer um Manfred Deix: "Spitze Feder wird fehlen"

27.06.2016, 09:13

Der große österreichische Zeichner und Karikaturist Manfred Deix ist am Samstag 67- jährig gestorben. Das bestätigte der Direktor des Karikaturmuseums Krems, Gottfried Gusenbauer, am Montagmorgen. Deix erlag einer langen, schweren Krankheit, beruft sich das Karikaturmuseum auf Marietta Deix, die Witwe des Künstlers. In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder beunruhigende Nachrichten über seinen Gesundheitszustand gegeben, 2014 musste eine Buchpräsentation nach einem Zusammenbruch kurzfristig verschoben werden.

Deix' gezeichnete und gemalte Zeitkommentare machten ihn beim breiten Publikum populär. "In erster Linie war er politischer Karikaturist, aber er zählte mit Sicherheit zu den ganz großen Künstlern Österreichs", so Gusenbauer. "Es gab und gibt viele Tabus und unangenehme Wahrheiten, die man nicht ansprechen durfte oder konnte. Hier hat uns Deix mit seinen Bildern die Augen geöffnet."

Foto: APA/ROLAND SCHLAGER

Landeshauptmann Erwin Pröll würdigte den Niederösterreicher Deix als "anerkannten und etablierten Künstler": "Sein scharfer Blick und seine spitze Feder werden uns sehr fehlen." Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath- Pokorny erklärte in einer Mitteilung, Deix habe "die Wiener Seele liebevoll und gleichzeitig unbarmherzig nachzeichnet": "Mit spitzer Feder entlarvte er Borniertheit, Kleingeist und dumpfe Gesinnung."

Deix porträtierte nicht nur prominente Österreicher, sondern auch sich selbst.
Foto: Manfred Deix

Gottfried Helnwein, Künstler und jahrzehntelanger Weggefährte Deix', schrieb in einem Statement zum Tod seines Freundes: "Wenn Michelangelo sagte, die größte Kunst sei 'nichts als ein Schatten der göttlichen Perfektion', dann hat Deix mit seiner Kunst den unerbittlichen Gegenbeweis angetreten: Er zeigte uns, dass das Werk des Schöpfers nur so strotzt von Fehlern, Peinlichkeiten und Schnitzern. Gott sei Dank, muss man sagen, denn bei einem perfektionistischen Gott hätten wir wenig zu lachen, und es war Deix, der uns zu der bedeutenden philosophischen Erkenntnis verholfen hat, dass die Schöpfung lächerlich und Gott der größte Humorist ist."

Foto: APA/ROLAND SCHLAGER, Klemens Groh

Wie kaum ein anderer verlieh Deix der österreichischen Seele erschreckend genau Ausdruck. Im Karikaturmuseum Krems, an dessen Gründung er beteiligt war, ist Deix mit einer Dauerpräsentation vertreten. Seinen sprichwörtlichen "Deix- Figuren" kann man nahezu auf Schritt und Tritt im wirklichen Leben begegnen.

Auch Österreichs Fußballnationalteam war das eine oder andere Mal Thema bei Manfred Deix...

Geboren wurde Manfred Deix am 22. Februar 1949 in St. Pölten. Bereits als Kind zeichnete er gerne und viel, was sich alsbald in einer früh eingeschlagenen Karriere manifestieren sollte. So konnte er sich bereits als Elfjähriger über einen wöchentlichen Comic- Strip in der "Niederösterreichischen Kirchenzeitung" freuen. Die fachliche Kompetenz erwarb er sich ab 1965 an der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien, wo er etwa auf den späteren Roncalli- Gründer Bernhard Paul sowie die Maler Josef Bramer und Gottfried Helnwein traf. 1968 inskribierte er an der Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz.

Seine Zeichnungen wurden in zahlreichen renommierten Magazinen und in vielen Sammelbänden veröffentlicht. Zuletzt erschienen 2015 "Neue Zeichnungen" sowie sein 18. Buch "Tierwelt. Katzen & Co". Berühmt war Deix auch für seine Leidenschaft für Katzen oder die Verehrung der US- Band Beach Boys, was beides immer wieder zeichnerischen Ausdruck fand. Aktuell leben zwischen 30 und 40 Stubentiger im Haus des Karikaturisten.

Wie weit seine Interessen reichten, belegten auch Entwürfe für diverse Bühnenausstattungen oder Kostüme - darunter Produktionen wie "Arturo Ui" am Burgtheater und "Kehraus um St. Stephan" an der Staatsoper.

"Satiriker muss die Dinge beim Namen nennen"

Und um ein direktes Wort war Deix nie verlegen. "Man hat mir oft Geschmacklosigkeit und Brutalhumor vorgeworfen. Wer denn, wenn nicht Satiriker, soll die Dinge beim Namen nennen", hatte er in einem seiner vielen Interviews festgehalten.

27.06.2016, 09:13
AG/krone.at
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