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07.12.2016 - 22:37
"Fuck ju Göhte", einer der Kinohits der Constantin Medien AG
Foto: Constantin Film

Machtkampf bei Medienfirma Constantin eskaliert

11.11.2016, 09:59

Zwei verfeindete Großaktionäre liefern sich einen Machtkampf um das Münchner Medienunternehemen Constantin Medien AG. Strittig ist der Verkauf der traditionsreichen Filmsparte, die zahlreiche Kinohits hervorgebracht hat. Nach einem Eklat auf der Hauptversammlung inklusive Schreikämpfen und dem Vorwurf des Wahlbetrugs geht die Auseinandersetzung nun vor Gericht weiter.

Die Auseinandersetzung zwischen Aufsichtsratschef Dieter Hahn und dem ehemaligen Constantin- Vorstandschef Bernhard Burgener endete am Donnerstagabend mit dem Ausschluss Burgeners und seines Aktionärspools von der Abstimmung. Damit scheiterte der Versuch des Schweizer Medienunternehmers, die Macht über den Aufsichtsrat zu übernehmen und seine eigenen Verbündeten in das Gremium wählen zu lassen. Wütende Kleinaktionäre riefen "Schiebung" und vermuteten Wahlbetrug.

Inhaltlicher Streitpunkt ist der von Vorstand und Aufsichtsrat geplante Verkauf der traditionsreichen Filmsparte. Die Constantin Film hat im Laufe der Jahrzehnte viele Kinohits produziert ("Der Name der Rose", "Fack ju Göhte"), das Unternehmen erzielt mehr als die Hälfte seines Umsatzes mit dem Filmgeschäft. Mit dem Verkauf des Filmgeschäfts soll die Expansion der Sportvermarktung finanziert werden.

Klage angekündigt

Burgener und seine Verbündeten halten etwa 30 Prozent der Anteile an der Constantin und lehnen diesen Plan strikt ab. Versammlungsleiter Franz Enderle nannte eine "falsche Stimmrechtsmeldung" als Grund für den Ausschluss der vom Burgener- Lager gehaltenen Aktien. Der an der Abstimmung gehinderte Geschäftsmann kündigte unmittelbar danach eine Anfechtungsklage an: "Die Beschlüsse der Hauptversammlung sind null und nichtig. Niemand hat mir eine plausible rechtliche Begründung für meinen Ausschluss darlegen können - weil es keine gibt." Er werde die Klage in den kommenden Tagen einreichen.

Die Hauptversammlung verlief von Beginn an außergewöhnlich. Es gab Schreikämpfe, eine Aktionärin wurde aus dem Saal geworfen und der Polizei übergeben, weil sie das Treffen unerlaubt gefilmt hatte. Versammlungsleiter Enderle - ein prominenter Münchner Anwalt aus der Kanzlei des ehemaligen CSU- Vize Peter Gauweiler - ließ in der Schlussphase zwei Sicherheitsleute vor der Bühne postieren, um tobende Kleinaktionäre auf Distanz zu halten.

Kleinaktionäre vermuten Wahlbetrug

Enderle warf seinerseits einem Vertreter des Burgener- Lagers "unzählige Lügen" vor. Die Kleinaktionäre protestierten auch, als die Stimmboxen zur Auszählung aus dem Saal in ein Hinterzimmer getragen wurden. "Hier wird Wahlbetrug vermutet", rief der Kleinaktionär Manfred Klein - in der Börsenszene wegen seiner provokanten Auftritte und Anfechtungsklagen gegen Hauptversammlungen bekannt.

Nicht nur Burgener, auch die meisten Kleinaktionäre, die sich zu Wort meldeten, kritisierten das Vorhaben. "Das ist Unsinn, was Sie hier planen", sagte ein wütender Anteilseigner. Die Kleinaktionäre stellten insgesamt fast 500 Fragen, von denen der Vorstand viele nicht beantwortete.

Nach Einschätzung mehrerer Teilnehmer diente die Frageflut vor allem der Vorbereitung von Anfechtungsklagen. Damit könnte auf das Münchner Landgericht in den kommenden Monaten viel Arbeit zukommen. "Diese Hauptversammlung geht in die Geschichte ein", sagte ein teilnehmender Rechtsanwalt.

11.11.2016, 09:59
AG/red
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