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20.09.2017 - 23:01
Ein Jahr lang war Asli Erdogan in Graz im Exil, in der Türkei droht ihr jetzt lebenslange Haft.
Foto: Jürgen Radspieler

Grazer "Asylschreiberin" droht lebenslange Haft

30.03.2017, 11:45

Knapp ein Jahr lang war die Journalistin und Autorin Asli Erdogan in Graz im Exil, ehe sie in ihre türkische Heimat zurückgekehrt ist. Weil sie über Minderheiten schreibt, kam sie ins Gefängnis und ihr droht jetzt lebenslange Haft. Ihre politischen Essays sind nun auch auf Deutsch erscheinen.

"Freiheit und Frieden zu verteidigen, ist weder ein Verbrechen, noch eine Heldentat, sondern Pflicht", schreibt Asli Erdogan in einem der Texte, wegen der sie in der Türkei verfolgt wird. Am 16. August 2016 wurde sie als Mitarbeiterin der pro- kurdischen Tageszeitung "Özgür Gündem" verhaftet. Dass sie im Dezember vorerst freikam, hat nicht zuletzt mit dem weltweiten Protest zu tun, den ihre Inhaftierung ausgelöst hatte.

Auch viele Steirer hatten die Petition unterzeichnet, denn ein Jahr lang hatte Erdogan als "Asylschreiberin" in Graz verbracht und wer der zerbrechlich wirkenden und doch so starken Frau begegnet war, konnte nicht anders, als ihren Mut zu bewundern. "Ihr Leben ist gepflastert von Tragödien, und trotzdem ist sie nicht bereit, aufzugeben", sagt Luise Grinschgl von der Kulturvermittlung Steiermark: "Sie hat sich starkgemacht für Kurden und Armenier, Flüchtlinge und Oppositionelle, Frauen und Homosexuelle."

"Wer über gewisse Dinge schreibt, gilt als Terrorist"

Dass Erdogan sich mit solchen Themen in der Türkei weit aus dem Fenster lehnt, war ihr bewusst: "Wer über gewisse Dinge schreibt oder redet, gilt als Terrorist", schilderte sie 2012 in einem Gespräch mit der "Steirerkrone". Einer Verhaftung war sie damals noch entkommen, weil sie die Türkei rechtzeitig verlassen hatte. Trotzdem kündigte sie an, zurückkehren zu wollen: "Ich bin ständig auf der Suche nach Gerechtigkeit. Ich kann nicht anders."

Weil sie eine Mahnerin und Kritikerin blieb, droht ihr nun wie vielen türkischen Künstlern und Intellektuellen der Prozess wegen angeblicher Verbindungen zu terroristischen Organisationen und eine lebenslange Haftstrafe. "Diese Fälle sind Hirngespinste" und "das ist ein Krieg gegen die Meinungsfreiheit", erklärte die Autorin vor wenigen Tagen in einem Interview mit der "Zeit im Bild".

Mit solch klaren Aussagen in westlichen Medien tut sie sich im Vorfeld ihres Prozesses sicher keinen Gefallen. Aber sie weiß eben auch: "Freiheit ist ein Wort, das niemals schweigt."

Christoph Hartner, Kronen Zeitung

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