Willkommen | Registrieren | Hilfe | Login
Google Suche
Wieso ist der Erhalt von Banken, ÖBB oder AUA so wichtig, die Sicherung des Gesundheitssystems aber nicht?
 
Das freie Wort

Es wird der Bevölkerung vermittelt, dass das Gesundheitssystem pleite und überschuldet ist, so nicht mehr finanziert werden kann und dass nicht unwesentliche Kostenverursacher bzw. Schuldtragende die Ärztinnen und Ärzte sind. Erstens wegen ihrer zu hohen Honorare, und wenn einige von ihnen keine hohen Honorare beziehen, so verursachen sie doch durch Verschreibungen, Anordnungen, Spitalseinweisungen die vermeintliche Kostenexplosion. Gemeinsam mit Misswirtschaft bei den Kassen ergibt sich die Notwendigkeit zur Reform...., weshalb keinesfalls zusätzliches Geld in das System gepumpt werden darf ohne vorherige grundlegende Gesundheitsreform. Wird diese Einstellung und Meinung nur oft genug wiederholt, findet man viele Menschen, die dies glauben, klingt ja recht glaubhaft, stimmt nur nicht. Die Ausgaben für das österreichische Gesundheitssystem liegen seit 1995 bei ca. 10% vom BIP (Bruttoinlandsprodukt) und sind somit nicht explodiert! Honorare sind nicht explosionsartig gestiegen, ganz im Gegenteil, vielfach gab es nicht einmal eine Inflationsabgeltung. Die Kassen sind überschuldet, da man ihnen Leistungen wie die Versorgung von Pensionist(inn)en und Arbeitslosen oder die Bezahlung des Wochengeldes gesetzlich verordnet hat, ohne für entsprechende Einnahmen zu sorgen. Reformen und Verbesserungen machen immer Sinn, allerdings wurde und wird Geld im Gesundheitssystem nicht verspielt, sondern für die Versorgung verwendet. Ganz im Gegensatz zu vielen anderen Bereichen. Dort hat es Veranlagungen und Spekulationen gegeben mit der Folge, dass die Bundesfinanzagentur bis zu 617 Mio. Euro verspielt hat (laut Rechnungshofbericht). Die AUA bis zu 1 Mrd. Euro benötigt, um zu überleben. Die ÖBB fast 1 Mrd. Euro bei Spekulationen verloren hat. Banken aufgrund risikoreicher Geschäfte aus der Vergangenheit mit bis zu 100 Mrd. Euro gestützt werden sollen. Selbstverständlich muss und wird man all diese Firmen im Interesse der österreichischen Wirtschaft und des Standortes retten. Dies bedeutet, dass der Steuerzahler, wir alle, auch für die Fehler von Managern bezahlen, ohne dass irgendjemandem ein ernsthafter Vorwurf gemacht wird. Eine wirkliche Diskussion über Verbesserungen oder Strukturänderungen gibt es bei den Firmen nicht, es sind ja die besten Köpfe tätig gewesen und hatten Pech ein Unglück, personelle Konsequenzen sind nicht möglich und notwendig, da die besten Manager das Geld verspielt haben. Aber die Ärzte sind schuld am vermeintlichen Niedergang des Gesundheitssystems.... Fällt Ihnen hier eine Diskrepanz auf? Ich fürchte, dass nicht ganz unbeabsichtlich das soziale Gesundheitssystem kaputtgespart werden soll, um vermeintlich besser wirtschaftenden privaten Anbietern einen lukrativen Markt zu öffnen. 10% der Wertschöpfung eines Landes ist nicht wenig, und natürlich stört ein Pflichtversicherungssystem und eine durch Bundesländer beeinflusste Spitalslandschaft bei der wirtschaftlichen Nutzbarmachung dieses wachsenden, konjunkturunabhängigen und potenziell extrem lukrativen Marktes. Deshalb wird bei ÖBB, AUA etc. wenig diskutiert und beim Gesundheitssystem, dessen Rettung auf viele Jahre hinaus auch nicht viel mehr als die Rettung der AUA kosten würde, sehr viel diskutiert. Die Frage sollte lauten: Wollen wir im Gesundheitssystem mehr privat und weniger Staat (Versicherungen, Länder etc.)? Was bringt eine Privatisierung für den Patienten? Beispiele hat man nicht nur in den USA, sondern auch in europäischen Ländern. Je mehr private Anbieter für Gesundheitsleistungen verantwortlich zeichnen, umso teurer wird das Gesundheitssystem und umso schwieriger wird der Zugang zu dem System. Einfach ausgedrückt, wer nicht oder unterversichert ist, hat einen erschwerten Zugang zur Versorgung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher sich so ein privates oder privateres System wünscht. Dies bedeutet nicht, dass man unser Gesundheitssystem nicht verbessern könnte, allerdings bringt eine Privatisierung, so sinnvoll sie in vielen Wirtschaftszweigen sein sollte, im Gesundheitssystem nur Mehrkosten und Ungerechtigkeiten. Deshalb sollte man unser sehr gutes Gesundheitssystem finanzieren und aufhören, den Menschen etwas vorzumachen.


Ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, Ph D, Vizepräsident der Ärztekammer für Wien
erschienen am Fr, 21.8.
Bookmark
Facebook Twitter Google Favoriten
DruckenDrucken Empfehlen
Leser-Kommentare
0
Kommentar schreiben
500 Zeichen frei.
Kommentar veröffentlichen
Werbung
Werbung
Startseite setzen | Werbung | Über krone.at | Jobs bei krone.at | krone.at von A-Z | AGB | Impressum | Kontakt
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; 1190 Wien, Muthgasse 2