Rollenspiel-Epos

Glänzende Fantasy in “Drakensang: Am Fluss der Zeit”

Spiele
05.03.2010 14:24
Elfen, Goblins, Magier, Drachen, Zwerge, Untote – Rollenspielerherz, was willst du mehr? Eine wunderschöne wie faszinierende Fantasy-Welt mit Tiefgang vielleicht? Kann der Gamer haben. Denn in "Drakensang: Am Fluss der Zeit", der nächste Abstecher in den "Das Schwarze Auge"-Kosmos, haben sich die deutschen Entwickler Radon Labs nichts geschenkt und protzen mit einem im besten Sinne des Wortes klassischen Rollenspiel der Extraklasse.

Klassisch? Klingt irgendwie verstaubt, werden jetzt viele sagen. Ist es aber sicher nicht, denn vielmehr bezeichnet dieses Attribut die Besinnung auf die hohen Tugenden der Rollenspielkunst. Als da wären: Eine Unmenge an Auswahlmöglichkeiten für den Spieler, eine detailreiche und verträumte Kulisse sowie ein hohes Maß an Komplexität. All das findet sich in "Drakensang: Am Fluss der Zeit".

Die Qual der Wahl hat der Gamer bereits zu Beginn. Denn da heißt es, sich für einen Charakter zu entscheiden. Als Mensch, Elf oder Zwerg geht es ins Abenteuer. Natürlich kann auch die gewünschte Klasse bestimmt werden. Insgesamt stehen dem Spieler so an die 20 Karrieren offen, darunter althergebrachte wie als Magier, Dieb, oder Krieger aber auch als Amazone, Prospektor und Pirat. Sodann dürfen noch im sogenannten Expertenmodus die Attribute und Talentpunkte vergeben werden. Dieser hat seinen Namen redlich verdient, Einsteiger sollten eher die Finger davon lassen. Den Umgang mit all den Werten erlernen sie noch früh genug im Laufe der Zeit.

Ist das erst einmal geschafft, geht es los – je nach Rasse und Klasse startet der Spieler unterschiedlich, doch in jedem Fall müssen die ersten Quests gelöst werden. Dabei kann man sich auf die Steuerung vertraut machen und auch das Kampfsystem wird erstmals erprobt – dazu aber später mehr. Darauf geht es ab ins kleine Städtchen Ferdok, wo das Spiel dann erstmals Fahrt aufnimmt. Die Story zeigt sich dabei klar wie eh und je: Das Gute kämpft gegen das Böse. Der Spieler ist übrigens klar auf der Seite des Lichts, die Möglichkeit, sich zum Schurken zu entwickeln besteht im Unterschied zu etwa "Dragon Age" nicht. 

Die Spielwelt lebt
Schon zu diesem Zeitpunkt offenbart sich aber eine der größten Stärken von "Drakensang: Am Fluss der Zeit": Die Entwickler haben sich nämlich wirklich Mühe gegeben, eine lebendige Welt im fantastischen Mittelalter zu schaffen. Die Stadt wuselt mit Leben. Bürger plaudern miteinander, Katzen streunen herum, in der Umgebung wiegt das Gras im Wind, Vögel singen und freuen sich mit anderen Tieren des Lebens. Das ist wirklich stimmungsvoll und sieht noch dazu prächtig aus. Grafik und Sound (inklusive der Sprachausgabe) sind top - Hut ab! Das Schöne daran ist, dass sich die tolle Stimmung nicht nur in dieser ersten Spielstation findet, es geht auch im Spielverlauf gleich gut weiter. Alleine die Dungeons und Verließe glänzen mit ansonsten ungewohnter Eintönigkeit.

Ähnlich abwechslungsreich geht es auf dem Gebiet der Quests zu. Natürlich gibt es einfache "Hol und Bring"- sowie Kampf-Missionen. Dazu gesellen sich aber auch Aufgaben, die nur mit Köpfchen zu lösen sind, in denen es darauf ankommt, wie schlagfertig der Charakter des Spielers mit seiner Zunge ist oder wie geschickt er im Umgang mit Werkbank und Laboratorium aussieht. Hier kommen die Fähigkeiten des Helden ins Spiel. Diese werden wie gewohnt vom Spieler im Austausch gegen Erfahrungspunkte verteilt. Allerdings muss nicht immer auf den nächsten Level-Aufstieg gewartet werden, denn ein Ausbauen der unterschiedlichen Attribute ist zu jeder Zeit während des Spiels möglich.

Fähigkeiten über Fähigkeiten
Und hier tut sich eine Wunderwelt der Vielfalt auf: Eine Unmenge an Fähigkeiten stehen neben den klassischen personenbezogenen Eigenschaften wie Körperkraft oder Astralenergie, die zum Zaubern benötigt wird, zur Auswahl. Sei das Schlösserknacken, Pflanzenkunde oder ein bestimmter Zauber. All diese Fähigkeiten stehen zudem in Beziehung zueinander. So gehört auch Intelligenz zum Schlösserknacken oder Charisma zum Betören einer Person. Weitere Fähigkeiten und Zauber kann der Charakter übrigens gegen Erfahrungspunkte und einen Geldbetrag bei Lehrmeistern erlernen und sie im Anschluss wieder steigern. Der "Level" des Helden beschränkt dabei jeweils nur das maximale Steigerungsniveau. Der Spieler ist jedenfalls dazu angehalten, sich einen Helden ganz nach seinem Geschmack zu zimmern.

Im Laufe des Spiels trifft der Gamer natürlich auf zahlreiche Charaktere, von denen sich einige seiner Party anschließen werden. Von diesen Gefährten können dann jeweils bis zu drei mitgenommen werden, um gemeinsam ins Abenteuer zu ziehen. Fortan lenkt der Spieler ihre Geschicke, ob im friedlichen Zusammentreffen mit anderen Bewohnern der Welt von "Drakensang" oder im Kampf. Dieser stellt sich, wie bereits erwähnt, äußerst taktisch dar. Der Spieler pausiert das Geschehen und kann dann den Mitgliedern der Gruppe Befehle erteilen. So werden Zauber gewirkt, Heilverbände angelegt oder ein bestimmter Angriff ausgeführt. Die Befehle lassen sich auch "stapeln", um eine gewisse Planung zu gewährleisten. Dabei gleicht kein Kampf dem anderen – unterschiedliche Monster, unterschiedliche Taktik. Das verlangt auch vom Spieler jeweils andere Strategien und ist immer wieder eine Herausforderung.

Fazit: Rollenspiel-Begeisterte werden an "Drakensang: Am Fluss der Zeit" ihre wahre Freude haben. Die malerische Kulisse und der gelungene Sound gaukeln eine lebendige Welt vor, in der Genre-Fans dank der herausfordernden Komplexität tagelanges und spannendes Daddeln erwartet. Für manche mag da auch der Haken liegen: Wirklich Action kommt in dem Game selten auf, es nimmt sich an allen Ecken und Enden Zeit. "Drakensang" ist wie eingangs erwähnt ein Rollenspiel der guten, alten Schule - Vergleiche mit "Baldur's Gate" sind durchaus angebracht.

Plattform: PC
Publisher: dtp entertainment
krone.at-Wertung: 9/10 Punkten

von Stefan Taferner

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