"Nicht nur, dass Sex sells, es gibt auch ein großes Bedürfnis, mit diesem Thema anders umzugehen", sagt Sexualtherapeutin Elia Bragagna. So ist 60 Prozent der Österreicher laut einer aktuellen Umfrage ein erfülltes Liebesleben wichtig. Doch viele sind verunsichert, wissen zu wenig über das Thema. Aus diesem Grund wurde nun die erste sexualmedizinische Internet-Enzyklopädie "Sexmedpedia" initiiert und online gestellt.
Der Wunsch nach sachlichen, fundierten wissenschaftlich abgesicherten Information scheint groß, so Bragagna. "Es lag nahe, die Idee zu einem Internetnachschlagewerk zu entwickeln", sagt die Therapeutin. Der Vorteil ist die Anonymität bei heiklen Fragen. "Jeder ist froh, wenn er sich anonym Hilfe holen kann", sagt Bragagna.
Tabuthemen und Ängste
"Sexualität trifft uns alle, aber ängstigt uns", ist Michael Musalek, Facharzt für Psychiatrie und ärztlicher Leiter des Anton-Proksch-Institutes, überzeugt. Einerseits scheine das Thema mittlerweile vollkommen enttabuisiert, andererseits habe das kolportierte Bild in den Medien meist nur wenig mit der eigenen Lebensrealität zu tun. "Wird bei Meinungsumfragen gefragt, 'Wie häufig haben Sie Geschlechtsverkehr?', so antworten die meisten Erwachsenen mit 'zweimal die Woche'. Das ist eine Lüge. Wer lebt schon Sexualität nach der Wochenuhr?", so Musalek. "Wir sind auch nicht jeden Tag gleich sexuell interessiert."
"Wir leben zwar in scheinbar so aufgeklärten Zeiten, über Sexualität oder gar Probleme damit zu reden, fällt uns allerdings immer noch sehr schwer", bedauert der Mediziner. Themen wie Selbstbefriedigung oder Sex im Alter seien immer noch tabu. "Im Altersheim muss man die Sexualität quasi an der Eingangstür abgeben", so Musalek.
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